Schlagwort-Archive: Amerikanische Literatur

Optimismus in Zeiten des Virus.

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Es gibt Bücher, bei deren Lektüre ganz viel mit einem passiert. „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai ist so eines: Unzählige Gedanken und Gefühle krabbeln wie Ameisen durch Geist und Körper, während man atemlos und zutiefst berührt Seite um Seite umblättert. Eine wahrlich bewegende Geschichte. Beginnen wir mit einem nachdenklichen und gleichsam optimistisch stimmenden Zitat: »Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.« Aus diesen Zeilen spricht nichts weniger als ein unerschütterlicher, starker Überlebenswille. Und so einen Willen braucht, denke ich, jeder hin und wieder in Momenten, wo das Leben finster und bedrohlich erscheint. Weiterlesen

Von beeindruckender Größe: der beste Freund des Menschen.

Neulich, so schien es, hatte mich die Schreibblockade gepackt. Jegliche Lust am Rezensieren war mit dem steifen Wind über die Nordsee verflogen. Bis zu jenem Sonntag, an dem ich Der Freund von Sigrid Nunez aufschlug und anfing, darin zu lesen. Von Seite zu Seite spürte ich mehr, wie die leuchtende Kraft der Inspiration aus ihrer unfreiwilligen Pause zurückkam.

Bald hüpfte ich durch die Wohnung und versuchte, die Horde herumgaloppierenden Pferden in meinem Geist zu zähmen. Nun sitze ich am Computer, die Pferde haben sich mittlerweile beruhigt, zupfen gemächlich am Gras und blicken mich mitunter an. Als würden sie sagen: Los mach schon! Schreib, was du zu schreiben hast. Also tippe ich, erst vorsichtig und schließlich immer schneller, Sätze über ein Buch, dem ich sehr viel verdanke. Weiterlesen

Alles neu. Bis auf Weihnachten.

Alle Jahre wieder sieht bei uns in diesem Jahr nicht wie alle Jahre zuvor aus. Nicht umsonst war es in den vergangenen Wochen ein wenig ruhiger auf unserem Blog und auf Instagram – geradezu windstill. Aber nur online. Denn im wirklichen Leben sind wir genau dahin gegangen, wo stets eine frische Brise weht.

Aus verschiedenen Gründen haben wir uns gefragt, wo wir eigentlich wirklich leben wollen. Und so sind wir nach vielen Jahren in der Großstadt an die Nordsee gezogen. Hoher Norden, gut für Körper und Seele, mit vielen Orten der Stille.

Längst sind nicht alle Kartons ausgepackt, doch unsere Bücher haben wir bereits befreit und in die Regale gestellt. Dabei fielen uns ein paar Lieblinge des Jahres in die Hände, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Vielleicht ist da draußen ja noch jemand, der eine Anregung fürs Weihnachtsfest gebrauchen kann. In diesem Jahr fassen wir uns jedoch etwas kürzer. Aber Liebe braucht ja bekanntlich nicht viele Worte.
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Das Leuchten der ersten Liebe.

»Siebzehnter Sommer« kann ohne Zweifel als Klassiker bezeichnet werden, ist es doch bereits 1942 erschienen. Ein durch und durch großartiges Buch – und das aus der Feder einer 17jährigen Autorin! Der Text liest sich immer noch so herrlich frisch und modern, als wäre er erst gestern geschrieben worden. Dieses kleine literarische Wunder habe ich einer äußerst engagierten Buchhändlerin zu verdanken: Anna Jeller hat ihr ganz persönliches Lieblingsbuch in ihrem eigenen Verlag Edition Anna Jeller neu übersetzen lassen und herausgebracht. Und so etwas Feines blieb der Klappentexterin natürlich nicht lange verborgen, schon gar nicht in meiner Funktion als Buchhändlern. Buchhändler haben ja feine Spürnasen und sind stets auf der Suche nach besonderen Entdeckungen. Haben wir erstmal einen Liebling unter den zahlreichen Büchern erspäht, wird daraus schnell eine mitreißende Welle. So erging es »Siebzehnter Sommer«, das jetzt als Taschenbuch erschienen ist. Weiterlesen

The Acid States: Ein amerikanischer Alptraum.

America the Beautiful! America the Land of the Free! Das weite Land, in dem angeblich jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden konnte, wenn er nur hart genug arbeiten würde, das Sehnsuchtsland von Auswanderern und Aussteigern, was ist nur aus dir geworden? Beunruhigende Nachrichten erreichen uns aus den Vereinigten Staaten, die einst Garant für Freiheit, Frieden und Wohlstand waren. Diese Vereinigten Staaten sind ein gespaltenes Land geworden, canyontiefe Risse ziehen sich durch die Gesellschaft. Beautiful? Millionen von Amerikanern sind fettleibig und die Natur wird weiterhin systematisch von Gas- und Ölkonzernen zerstört. Freiheit? Vielleicht mit der richtigen Hautfarbe und einem gut gefüllten Bankkonto. Frieden? In keinem Land kommen proportional mehr Menschen durch Schusswaffen ums Leben als zwischen New York und Los Angeles, zwischen Seattle und San Diego.
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Noch einmal ganz von vorn.

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»Ein Jahr auf dem Land« von Anna Quindlen ist wieder einmal ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man sich nicht vom Cover und vom Titel leiten lassen sollte. So hätte ich das Buch wohl kaum in die Hand genommen, wäre da nicht die Empfehlung einer befreundeten Buchhändlerin gewesen. Ich habe nichts gegen Äpfel, esse sie sogar für mein Leben gern. Und das Landleben hat für mich eine besondere Faszination. Aber zu diesem Buch passt beides nicht wirklich. Warum? Nun das verrate ich euch jetzt.

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Ein Leben wie im Fluge.

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Herrgott noch mal! Jims Fluch hängt tatsächlich immer noch in meinen Ohren. Ich lächle und bin gleichzeitig wehmütig, weil er mich verlassen hat. Während ich noch in Melancholie bade, höre ich das Geräusch von Wellen, die an den Strand branden. Die Möwen kreischen, in meine Nase kriechen Gerüche von Fisch und Seesalz. Verwundert, erstaunt und beglückt zugleich schaue ich zum schön gestalteten Buch »Schmale Pfade« von Alice Greenway, in dem ich länger verweilte als zunächst gedacht. Einerseits brauchte der Roman seine Zeit. Andererseits konnte ich mich nicht von dem kauzigen Protagonisten und der vielseitigen, bewegenden Geschichte um ihn herum trennen. Doch nun ist die Zeit des Abschieds gekommen. Aber vorher möchte ich noch einmal zurückkehren mit dem Salz auf den Lippen und dem Wind in den Haaren.

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Wundersame Heilung – die Geschichten von Molly Antopol.

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Heute darf ich endlich ein Geheimnis lüften, und ich bin aufgeregt und glücklich zugleich. Denn seit vergangenem Oktober bin ich im absoluten Molly Antopol-Fieber. Seinerzeit habe ich die ersten Erzählungen aus »Die Unamerikanischen« von Molly Antopol gelesen und sprühte mit meinen Augen Funken in die dunkle Nacht. Vielen befreundeten Buchhändlern und BloggerInnen habe ich bereits von diesem großartigen Buch vorgeschwärmt. Und jetzt darf ich es in die ganze Welt hinausrufen!

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Ein Regenbogen von Buch.

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Fast hätte ich „Die Interessanten“ von Meg Wolitzer verpasst. Und das wäre ein großer Verlust gewesen. Denn dieser Roman schlägt zwar nicht kometenartig ein, aber er entfaltet sich mit jeder Seite, bis er im Kopf sitzt und dort auf angenehme Weise kitzelt. „Die Interessanten“ ist wie ein guter Wein, der Luft braucht, um sein volles Aroma zu verströmen. Wenn man dem Roman mit Geduld entgegentritt, erlebt man ein großes Wunder der aktuellen zeitgenössischen Literatur.

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Der Wind erzählt eine schreckliche Geschichte.

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Aus diesem Buch weht ein Wind, der mich in eine Welt getragen hat, die ich vorher so noch nicht kannte. Einmal begonnen, konnte ich „Das Haus des Windes“ von Louise Erdrich nicht mehr aus den Händen legen. Die Geschichte gelangte in meine eigene Blutlaufbahn und ich habe statt Luft den Roman eingeatmet. Das Hier verschmolz mit dem Dort zwischen den Buchdeckeln und trug mich davon.

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