Bücher zur Zeit! Das Geschenke-Spezial, Teil 2.

Weihnachtszeit ist Bücherzeit. Zum Glück, einerseits. Andererseits sind das für mich als Buchhändlerin aufreibende Zeiten. Am Abend sind nicht nur die Füße müde, die Zunge hat einen Knoten und der Kopf ist leer gepustet, als wäre dort ein Hurrikan durchgefegt. Wesentlich entspannter sind die ruhigen Nachmittage an freien Tagen zu Hause und dabei über Lieblinge zu schreiben. So schließe ich heute an Herrn Klappentexter an, der vergangene Woche unser Geschenke-Spezial einläutete. Schenkt also Bücher! Weiterlesen

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Stille Stunden mit einer guten Freundin.

Weihnachten. Trotz allem Stress für mich immer noch ein Zauberwort für Sternenglanz, Zimtküsse, Kerzenschein und geheimnisvolle Geschichten. Gemütlich und hyggelig macht man es sich an diesen Tagen. Der Tod passt da irgendwie nicht hinein. Zsuzsa Bánk macht in ihrem kleinen, feinen Buch Weihnachtshaus eine Ausnahme und öffnet dem Tod die Tür. Er ist gleich zu Beginn anwesend und setzt sich in einen Sessel. Das ist mutig, aber Zsuzsa Bánk darf das. Denn sie ist eine Meisterin dieser ganz eigenen tragischen Geschichten, die einen trotz aller Tragik niemals ganz hinunterziehen. Egal, wie hart das Schicksal ihren Figuren ins Gesicht schlägt, ich fühle mich nie verloren. Weil stets eine tröstende Hand auf der Schulter liegt, die sagt: »Alles wird gut. Bleib ruhig, atme.« Ja, bei Zsuzsa Bánk kann es noch so finster sein, es bleibt warm in unseren Herzen, wenngleich sie hier und da nicht aufhören wollen, zu zittern. Weiterlesen

Wiederentdeckte Größe: Cees Nooteboom.

IMG_0473Gibt es sie eigentlich noch, die großen Autoren? Nein, nicht die sogenannten Klassiker, bei denen nach Angabe des Geburtsjahres sofort das Jahr folgt, in dem sie uns verlassen haben. Ich meine große Autoren, die noch unter uns sind. Nein, nicht die handelsüblichen Bestseller-Garanten, nicht die Feuilleton-Lieblinge oder gar die Experten für genau kalkulierte Saisonware. Ich meine wirklich, wirklich große Autoren, solche, die zum Beispiel für den Nobelpreis in Frage kämen, so er dann eines Tages wieder verliehen werden sollte. Große Autoren scheinen eine seltene Spezies geworden zu sein. Noch seltener als die – sagen wir mal – schon ziemlich seltene Knoblauchkröte. Und ich glaube, ich habe so einen entdeckt, besser: wiederentdeckt. Cees Nooteboom, der im vergangenen, nicht enden wollenden Sommer seinen 85zigsten Geburtstag feierte. Weiterlesen

Talking about Georgien mit Frank Menden.

Heute gibt´s weitere Georgien-Tipps von einem belesenen Literaturkenner: Frank Menden. Der geschätzte Buchhändlerkollege arbeitet bei stories! Die Buchhandlung in Hamburg. Frank betreibt keinen eigenen Blog, sondern ist wie Maria-Christina Piwowarski sehr aktiv auf Instagram. Beide inspirieren mich immer wieder aufs Neue mit Ihren Literaturtipps. Als ich sah, dass Frank einige georgische Titel gelesen hatte, wollte ich mehr von ihm wissen. So verrät er mir im Interview, welche Erfahrungen er beim Lesen georgischer Literatur gesammelt hat, und welche Bücher er aus dem diesjährigen Gastland der Buchmesse ganz besonders empfiehlt. Weiterlesen

Talking about Georgien mit Maria-Christina Piwowarski.

Wer meinen Beitrag Eine Reise durch Georgien. In Literatur gelesen hat, weiß es ja schon: Über 160 Übersetzungen aus dem Georgischen ins Deutsche gibt es aus dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse. Wer soll die alle lesen? Wie gut, wenn man da auf geschätzte KollegInnen zurückgreifen kann, die Titel gelesen haben, die man selbst nicht geschafft hat. Heute präsentiere ich euch im ersten Teil Maria-Christina Piwowarski vom großartigen ocelot-not just another bookstore in Berlin. Weiterlesen

Eine Reise durch Georgien. In Literatur.

Genau genommen begann meine literarische Reise nach Georgien bereits im Jahr 2013. Seinerzeit hatte ich den Erzählband Techno der Jaguare mit großer Begeisterung gelesen, wurde neugierig und wollte unbedingt mehr über Georgien erfahren. Und so geschah es, dass ich auf der damaligen Leipziger Buchmesse die drei Autorinnen Ekaterine Togonidze, Tamta Melaschwili und Nino Haratischwili interviewen konnte. Einzig Nino Haratischwili kannte ich bereits – sie hatte mich mit ihrem Roman Mein sanfter Zwilling schon als Anhängerin ihres einzigartigen Erzählstils gewonnen. Große Freude also, die Autorin persönlich kennenzulernen, die an jenem Nachmittag auch als Übersetzerin ihrer Kolleginnen fungierte. Weiterlesen

Sympathie für den Teufel?

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Jeder kennt sie, diese Geschichten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit in den Nachrichten erscheinen: Familienvater bringt erst Frau und Kinder um und dann sich selbst. Überall Fassungslosigkeit, schnell werden Kerzen und Plüschtiere am Tatort deponiert, oft mit Zetteln garniert, auf denen ein einziges Wort steht: Warum? Ein paar Tage später wird diese schockierende Nachricht dann bereits von den nächsten Verbrechen, zu denen Menschen fähig sind, ins Reich des Vergessens geschickt.
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Die helfende Hand der Zuversicht.

Der Titel des Buches leuchtet wie eine Fackel, und ich staune erneut über die Macht der Sprache. Ein einziges Wort nur, das die Kraft einer tröstenden Hand hat und zärtlich über eine blasse Wange streicht: Zuversicht. Die wünscht sich die Autorin Mira Magén für ihre Protagonistin in ihrem gleichnamigen Roman. Das spüre ich mit jeder feinfühlig geschriebenen Zeile, und deshalb konnte ich dieses Buch auch nicht mehr aus der Hand legen. Die Sätze aus warmen und bildreichen Wörtern erinnern mich an eine kleine, schöne, aber fleischfressende Pflanze, die zuschnappt, sobald sich ihr etwas Lebendiges nähert. In dem Fall sind es meine Augen. Sofort bemerke ich, dass ich bei Mira Magén eine Anziehung finde, die mich an Zeruya Shalev erinnert. Denn israelische Literatur hat für mich einen ganz besonderen Sound. Wie soll ich ihn beschreiben? Vielleicht kraftvoll, ja, dies scheint mir die richtige Bezeichnung. So vibrierten die Sätze immer noch durch meinen Kopf, wie der Bass aus einem Club am Ende der Straße. Und wo ich hier schreibend sitze, frage ich mich: Wie mag es Nava jetzt wohl ergehen? Weiterlesen