Archiv der Kategorie: Zeitgenössische Literatur

Grenzgängerin.

Bis an die äußerste Grenze bin ich mit Karine Tuil gegangen. Ich wusste, was mich in „Diese eine Entscheidung“ erwartet – und doch wurde es am Ende heftiger als gedacht. Da sitze ich nun. Bin sprachlos, machtlos, suche nach Wörtern, um diesen grandiosen wie gleichsam erschütternden Roman zu reflektieren.

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Seepferdchenmonologe im Hippocampus.

Es lohnt sich, hin und wieder auf seine Mutter zu hören. Aber die Ich-Erzählerin aus Stine Pilgaards neuem Roman Meine Mutter sagt ist da ganz anderer Meinung. So umgeht sie die mütterlichen Ratschläge und Lebensweisheiten – und das obwohl sie gerade jetzt auf der holprigen Straße des Lebens durchaus eine Stütze sein könnten.

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Die Liebe in Zeiten der Angst.

Es gibt nicht viele Bücher, die gleichzeitig Verzweiflung und Hoffnung vermitteln. „Unsre verschwundenen Herzen“ von Celeste Ng ist eines dieser seltenen Werke.

Dabei beginnt dieser Roman wirklich beklemmend, so dass ich ihn fast aus der Hand gelegt hätte. Aber ich blieb und das war gut so. Einerseits haben wir von sogenannter Wohlfühlliteratur schon mehr als genug, andererseits hat mich Ngs rhythmische Sprache geradezu magisch in den Roman und seine Story gezogen.

Ng hat mich schon mit ihren bisherigen Werken („Kleine Feuer überall“ und „Was ich euch nicht erzähle“) beeindruckt, so dass mir die Autorin mit ihrer mutigen Stimme vertraut war. Eine Stimme, die auf Ungerechtigkeiten hinweist und an Menschlichkeit appelliert. Das macht sie sehr unaufdringlich, zart und doch einnehmend. Die Bücher von Celeste Ng lassen dich nie kalt, ganz im Gegenteil: Du bleibst berührt und im besten Sinne belesener zurück.

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Lektionen in Demut.

Mein Buch sieht aus wie ein pinker Pudel, der gerade frisiert wird. Derartig viele rosafarbene Post-Its stecken in dem Buch. In mir schlängeln sich immer noch Buchstaben und Eindrücke durch jede Zelle des Körpers. Wieder einmal zeigt mir Ian McEwan, warum mich die Welt der Bücher so erfüllt. Sie macht mich innerlich reich, füllt mich vollkommen aus und selbst die lähmende Müdigkeit nach meiner Infektion scheint wie verflogen

„Lektionen“ heißt das neue Werk des britischen Autors, und es ist in jeder Hinsicht ein Schwergewicht. Nicht nur wegen seiner über 700 Seiten. Auch, weil der Roman inhaltlich viel zu bieten hat. Schon jetzt blicke ich in Richtung Weihnachten, denn „Lektionen“ sehe ich als willkommenes Geschenk für viele Bücherwürmer. Perfekt geeignet für lange Abende an den Feiertagen.

Dazu passt der Stil des Autors sensationell gut, denn er erzählt sehr traditionell, ruhig und voller Tiefe. Wenngleich die Story mit einem echten Paukenschlag beginnt.

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Die Magie des Imaginären.

„Die ersten Wörter in einem Buch sind am Wichtigsten. Es ist die erste Begegnung, der Moment, in dem ein Leser ein Buch aufschlägt und zu lesen beginnt. Es ist wie ein erster Blickkontakt oder eine erste Berührung, und wir spüren das auch.“ Wie wahr – das kenne ich zu gut. Wenn es auf den ersten Seiten nicht funkt zwischen einem Buch und mir, dann lege ich es zurück. Bei „Die leise Last der Dinge“ von Ruth Ozeki gab es einen wahren Funkenregen. So öffne ich dieses außergewöhnliche Werk für euch und lade euch ein, mir zu folgen.

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Nie aufgeben! Auch nach hundert Jahren nicht.

Isabel Allende: Eine Bestsellerautorin, ein großer Name mit ebenso großen Erwartungen. Bestseller finden sich auf unserem Blog eher selten, doch diesmal mache ich gern eine Ausnahme.

Ist ihr neuer Roman „Violeta“ doch ein ganz und gar außergewöhnliches Buch, das es verdient hat, auch außerhalb von Kategorisierungen gewürdigt zu werden. Jedenfalls steht es schon felsenfest auf meiner persönlichen Longlist des Lesejahres 2022.

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Die Natur braucht den Wolf.

Wölfe hatten es noch nie leicht, seitdem es den Menschen gibt. Die Tiere wurden regelrecht verteufelt, sind immer noch bei vielen Menschen verhasst wie gefürchtet. Obwohl hinreichend bekannt ist, dass man die scheuen Tiere nicht fürchten muss. Wie viele Menschen wurden durch Wölfe getötet oder verletzt? Und wie viele von Hunden? Trotzdem werden die Urahnen des Hundes – denen sie einiges voraushaben – auch in aufgeklärten Zeiten noch verfolgt. Von bestimmten Medien sogar als Monster bezeichnet. Dass sie Wildtiere und nicht zähmbar sind, steht außer Frage. Dass sie für den Wald und Naturschutz ein wichtiger Grundstein sind, ist vielen nicht bekannt. Um so wichtiger sind Bücher wie „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy. Die Autorin hat hierzulande mit ihrem Debüt „Zugvögel“ für Furore gesorgt, das gleichermaßen von Buchändler:innen und Naturschützern geschätzt wurde. Der Klimawandel und der Naturschutz liegen der Autorin ebenso am Herzen wie mir.

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Das Kloster der starken Frauen.

Stellt euch eine Gemeinschaft vor, in der selbst für die sogenannten Verrückten, die Ausgestoßenen und Schwierigen Platz ist: „… innerhalb dieser Mauern gibt es selbst für die am schwersten zu Liebenden genügend Liebe.“ Ein sagenhafter Ort, zu finden in „Matrix“ von Lauren Groff, einem ungewöhnlichen Roman, der mir auf besondere Weise sehr nahe gegangen ist.

Die Autorin dürfte vielen noch mit ihrer einzigartigen Liebesgeschichte „Licht und Zorn“ in Erinnerung sein, danach folgte ihr ebenso lesenswerter Erzählungsband „Florida„. In ihrem neuen Roman begibt sich Lauren Groff in das historische England des 12. Jahrhunderts.

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Unterwegs auf der Straße des Lebens.

„Ich glaube fest, dass der liebe Gott für jeden Einzelnen von uns einen Auftrag hat, einen Auftrag, der unsere Schwächen mit Nachsicht behandelt und unseren Kräften angepasst ist und der auf jeden persönlich zugeschnitten ist. Aber mit diesem Auftrag kommt Gott nicht unbedingt zu uns und präsentiert ihn wie einen Kuchen mit Zuckerguss.“ Es liegt also ganz an uns, dies herauszufinden oder zu schauen, was uns das Leben für Aufgaben gibt, um ebendiesen Lebenspfad zu folgen.

Um solche Schwächen, aber auch um Träume und Hoffnungen dreht sich das neue Buch von Amor Towles. „Lincoln Highway“ ist ein Schwergewicht und ich kann mir gut vorstellen, dass einige vor dem Umfang zurückschrecken. Sollte dies der Fall sein, dann bleibt bitte kurz.

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Salz zwischen den Augen.

Bild von Peter H auf Pixabay

Gibt es so etwas wie die Summe eines Lesens? Und kann ich das jetzt überhaupt schon sagen? Mit Anfang 40? Möglich. Denn genauso empfinde ich „Diese ganzen belanglosen Wunder“ von Leona Stahlmann. In ihrem Roman finde ich meine ganzen Lektürevorlieben vereint: die Leidenschaft für eine poetische, warmherzige Sprache, fein gewürzt mit pointierten Noten und lebensklugen bis nachdenklich-stimmenden Tönen. Daneben schauen mich diese sonderbaren, liebenswerten Figuren an, die ich im Geiste umarmen möchte.

Dieses Buch zählt für mich zu einem der besten aus der aktuellen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Warum? Nun, lasst uns gemeinsam in dieses Sprachwunderwerk hineinschauen.

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