Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Trolle Bücher. Teil Zwei.

Tarjei Vesaas / © Guggolz Verlag

Der norwegische Lesetraum geht in die zweite Runde – mit einem interessanten Mix an Literatur aus dem hohen Norden. Freut euch auf Klassiker, Krimis und Kinderbücher. Dazu ein biografisch gefärbter Roman, der von einem dunklen Kapitel Norwegens während der Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählt. La oss gå! Weiterlesen

Schenkt Liebe, schenkt Bücher.

Vor zweitausend Jahren haben böse Kapitalisten ein rauschhaftes Jahresendzeitfest erfunden, eine verrückte Zeit des Konsums. Glücklicherweise kamen in den letzten Jahren besinnliche, spirituell angehauchte Menschen auf die Idee, dass es doch eigentlich ein Fest der Liebe sein soll. Der Liebe zu anderen Menschen und der Freude, sie zu diesem Anlass reichlich zu beschenken. Zum Beispiel mit Büchern und der Lust auf unglaubliche, phantasievolle und berührende Geschichten. Als Buchhändlerin kann ich das nur vorbehaltlos unterstützen.

Und so möchte auch Familie Klappentexterin die Gunst der Stunde nutzen, um euch in unserem Weihnachtsspezial ganz besondere Bücher zu empfehlen. Bücher, die selten auf dem Bestsellertisch liegen und doch Aufmerksamkeit verdient haben. Ich beginne heute, Herr Klappentexter folgt mir am Montagabend. Weiterlesen

Happy Birthday, lieber Tomi Ungerer!

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Lieber Tomi Ungerer,

eigentlich wollte ich am Sonntagmorgen auf der Couch Ingwer-Zitronen-Wasser schlürfend lesen. Stattdessen schreibe ich einen Geburtstagsbeitrag für Sie. Geplant war nur ein Post auf Facebook, aber als ich vorhin im Bett lag, dachte ich: Das ist zu wenig! Wie soll ich in so wenigen Worten meine Glückwünsche und Hochachtung an Sie ausformulieren? Außerdem sollen möglichst viele Menschen wissen, was der 28. November 2016 für ein besonderer Montag ist. Das wird mit dem Algorithmus von Facebook etwas schwierig. Zumal ja nicht alle meine Leser dort angemeldet sind. Deshalb verkünde ich hier voller Sonnenscheinfreude: Tomi Ungerer hat Geburtstag und wird heute bewundernswerte 85 Jahre! Die Klappentexterin verneigt sich vor dem Künstler und wünscht von Herzen alles Gute! Lieber Herr Ungerer, Sie sind eine wahre Bereicherung für Groß und Klein und machen aus Regentagen bunte Konfettitage. Ihr Witz, Ihre Ironie und Ihre Phantasie sind herrlich erfrischend und wunderbar beglückend.

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Das Mädchen, der Tod und das Glück.

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Niemand spricht gern über den Tod, weil sich nahezu jeder Mensch davor fürchtet. Besonders natürlich in jungen Jahren, wo das Lebensende noch Lichtjahre entfernt scheint. Dabei gehört er naturgemäß genauso zum Leben wie die Geburt. Alles ist ein Anfang und ein Ende. Doch sagt dies mal einem zwölfjährigen Mädchen, das kürzlich seine Adoptiveltern verloren hat. Diese schreckliche Erfahrung muss Willow machen, die Heldin in Holly Goldberg Sloans Jugendbuch »Glück ist eine Gleichung mit 7«. Glück und Tod – wie passt denn das zusammen? Nun, Holly Goldberg Sloan beweist es auf berührende Weise.

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Ein Geschenk des Himmels.

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Manche Bücher sind wie Sterne. »Two Boys Kissing – Jede Sekunde zählt« ist so ein Buch, denn es leuchtet. So sehr, dass ich´s wirklich in einem Atemzug gelesen, jeden Satz wie die Luft inhaliert und unendlich viele Markierungen gesetzt habe. Weil es voller lebenskluger Sätze ist und unter die Haut geht. David Levithan erzählt in seinem Buch über verschiedene, schwule Jungs, die die Sehnsucht nach Liebe und auch den Wunsch nach Unabhängigkeit in sich tragen.

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Ein Buch für das Kind in uns.

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Man sagt diesem Buch nach, dass es vor allem große Kinder begeistert. Das hat mich natürlich neugierig gemacht, wo ich mir doch die kindliche Begeisterung für Kinder- und Jugendbücher bewahrt habe. In jedem Fall ist »Sommersprossen auf den Knien« von Maria Parr ein überaus entzückendes Buch. Ein Buch, bei dem es oft im Bauch kribbelt, als hätte ich eine ganze Tüte Brausepulver verschlungen. Genauso wie ich mir meinen glücklich summenden Bauch gehalten habe, musste ich zwischen den Seiten häufig schmunzeln. Ja, hier steckt eine ganze Tüte Glück drin – für kleine und große Leser.

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2014 – Bücher, die mich glücklich gemacht haben.

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Bücher zählen zu den schönsten Geschenken. Anderen Menschen ein Buch zu schenken, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. So möchte ich euch heute meine Lieblinge aus diesem Jahr empfehlen. Zum Verschenken oder selber schenken. Vertraute Herzensbücher sind dabei, genauso wie neue, die ich auf meinem Blog noch nicht vorgestellt habe. Mit diesem Beitrag verabschiede ich mich in eine kleine Weihnachtspause. Ich wünsche euch allen eine restliche – hoffentlich nicht allzu stürmische – Vorweihnachtszeit sowie ein wunderschönes, besinnliches Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben. Mögen euch viele Bücher unterm Weihnachtsbaum beglücken!

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Keine mault so schön wie Maulina.

finn_ole_heinrich_maulina

Ich habe eine neue, kleine Freundin. Wir haben uns im vergangenen Jahr kennengelernt und ich finde, es ist an der Zeit, euch endlich mit diesem tollen Mädchen bekanntzumachen. Eigentlich heißt sie Paulina Schmitt, doch Maulen gehört zu ihren liebsten Tätigkeiten und Maulina reimt sich auf ihren Vornamen. Bei Maulina klingt das so: „Maulen heißt nicht rumstänken, maulen, das ist eine Lebenseinstellung…“ Geschenkt hat uns die Figur Finn-Ole Heinrich. Und weil Maulina so einfallsreich und witzig ist, gehören dazu die passenden Bilder: Rán Flygenring hat die kleine Heldin und ihre Abenteuer eindrucksvoll illustriert.

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Kruziwuzi!

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Bei Delly geht die Sonne auf. Da kann es noch so fies vom Himmel schiffen. Keine Bange, Delly richtet das schon, verlasst euch drauf. Lange ist es her, dass ich so ein besonderes Mädchen getroffen habe wie Delly aus Die Wahrheit, wie Delly sie sieht von Katherine Hannigan.

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Zauberhaftes Gruselwittchen.

Die böse Königin hat mir meine Worte gestohlen und mich sprachlos zurückgelassen. Nun sitze ich gefangen im Käfig, starre ängstlich den Pfau an, in den sich die Königin verwandelt hat, und höre Kieselsteine auf den Boden fallen. Das Herz scheint zu zerspringen, so heftig klopft es in meiner Brust. Verzweifelt suche ich die Kieselsteine, will sie greifen und die Feindin damit bewerfen, doch ich erkenne, dass es sie gar nicht gibt. Es sind meine klappernden Zähne, die sich so anhören. Ich atme tief durch und versuche zu entkommen, aber es gelingt mir einfach nicht, denn Benjamin Lacombe hält mich mit seinen Bildern fest und zieht mich immer tiefer in den dunklen Märchenwald.

Selten habe ich solch eine Anziehungskraft aus dem Märchen gespürt wie bei diesem Buch, das der Jacoby & Stuart Verlag publiziert hat. Krallen verhindern meine Flucht und halten mich fest. Benjamin Lacombe hat „Schneewittchen“ von den Gebrüdern Grimm eindrucksvoll und einmalig illustriert. Es existieren bereits viele Versionen zum Märchen, doch diese ragt aus allen heraus wie ein fein geschliffener Diamant, der funkelt und funkelt. Für mich sind das nicht einfach nur Illustrationen, sondern wahre Kunstwerke, bei denen man erstarrt – vor Schrecken und vor Bewunderung zugleich. Zu bezaubernd, zu schön und zu dämonisch sind die Bilder, denen etwas Magisches innewohnt. Sie erheben sich wie Vögel aus dem Buch und fliegen in die Augen des Betrachters, der bald nicht anders kann, als sich von ihnen mitziehen zu lassen.

Die Worte spielen hier nur eine Nebenrolle und lassen damit den Bildern genügend Raum, sich zu entfalten. Auf diese Weise schwebt der Text sachte hinaus wie kleine Atemwölkchen, die das Märchen erzählen. Bislang haben mir immer sanfte Bilder den Schrecken genommen, Benjamin Lacombe hingegen stellt das Grauen direkt und kunstvoll dar. Er vereint in seinem Buch vielseitige Formen und entführt mich in einen verwunschenen Märchenwald, der das Geheimnisvolle, Verzauberte und Unheimliche ausatmet. Es gibt nichts, was es nicht gibt. So wechseln sich die Farbtöne ab und reflektieren die jeweilige Stimmung. Lacombe nutzt die Farben als Sprachrohr, wechselt vom unschuldigen Hell ins Angst einflößende Dunkel. Egal, wie weich die Formen und Figuren sind, überall erhebt sich ein Schaudern, das mich zutiefst erschreckt. Weiße Kaninchen blicken mich mit leuchtend-roten Augen an, die Zwerge sind alte, seltsame Wesen, die mir nicht das Herz öffnen, der rote Apfel hinterlässt rote Spuren an Schneewittchen, als würde es bluten und die böse Königin hat fauchende Schlangen auf der Schulter, deren Anblick das Blut zu Eis gefrieren lässt.

© Bilder: Benjamin Lacombe

Einerseits bin ich fasziniert von den fantastischen Bildern, andererseits sitzt mir die Angst im Nacken. Ich spüre ihren Atem und zittere wie Espenlaub. Die böse Königin schaut mir hasserfüllt ins Gesicht, zieht jeden Mut aus mir heraus und lässt meine Haut zusammenkräuseln. Ja, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, Benjamin Lacombe lehrt mich das Fürchten und begeistert mich trotz aller Grausamkeit. Das Märchen ist düster und bleibt es mit Lacombes Bildern. Einige Szenen stellt der Franzose sogar mit Bleistiftzeichnungen dar und erreicht trotz der Farblosigkeit eine eindringliche Stimmung, die mich magisch anzieht und kleine Details gestochen scharf zeigen. Ich denke hierbei an die mächtigen Bäume im Wald, deren Äste wie durchtrainierte Muskeln aussehen, so stark stechen sie hervor.

Dieses Buch ist ein Meisterwerk, das ich mir am liebsten an die Wand hängen möchte! Besonders ein Bild hat es mir angetan: Das sehnsuchtsvolle Schneewittchen, das in den giftigen, roten Apfel beißt. Über zwei Seiten erstreckt sich diese Szene und bekommt somit eine besondere Eindringlichkeit. Ein Seufzer steigt aus den Tiefen meiner Seele nach draußen und legt sich um das beschützenswerte Schneewittchen.

Einige von euch werden sich jetzt bestimmt fragen: Gehört dieses Buch in ein Kinderzimmer? Bei der Frage bin ich ein wenig verunsichert. Die Bilder – so sehr sie mich faszinieren – sind sehr düster und furchterregend. Wenn ich als großes Mädchen schon die Angst im Nacken spüre, wie soll es dann einem kleinen Mädchen gehen? Also lege ich die Entscheidung in die Hände der Eltern. Eins weiß ich dafür auf jeden Fall: Ich bin begeistert von all dem kunstvoll dargestellten Bösen und empfehle es allen großen Kindern! Selten habe ich dem Grauen so direkt ins Gesicht geschaut und so nah gespürt. Sprachlos bleibe ich bis zum Schluss, aber ich konnte der bösen Königin zum Glück entkommen. Meinem geliebten Prinzen sei Dank!

Jacob und Wilhelm Grimm (Autoren) und Benjamin Lacombe (Illustrator).
Schneewittchen.
2012, 48 Seiten, 17,95 €.
Altersempfehlung ab 5 Jahren.
Jacoby & Stuart.