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Optimismus in Zeiten des Virus.

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Es gibt Bücher, bei deren Lektüre ganz viel mit einem passiert. „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai ist so eines: Unzählige Gedanken und Gefühle krabbeln wie Ameisen durch Geist und Körper, während man atemlos und zutiefst berührt Seite um Seite umblättert. Eine wahrlich bewegende Geschichte. Beginnen wir mit einem nachdenklichen und gleichsam optimistisch stimmenden Zitat: »Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.« Aus diesen Zeilen spricht nichts weniger als ein unerschütterlicher, starker Überlebenswille. Und so einen Willen braucht, denke ich, jeder hin und wieder in Momenten, wo das Leben finster und bedrohlich erscheint. Weiterlesen

Hoffen. Loslassen. Leben.

Es gibt Dinge im Leben über die lässt es sich schwer schreiben, weil sie an für sich schon schwer genug sind und einem das Gefühl geben, davon erdrückt zu werden. Manchen Menschen gelingt es dennoch von dem Gewicht eine große Scheibe abzuschneiden, sie in den Wind zu streuen, so dass man ganz bald wieder an den Morgen und die Hoffnung glaubt. Helen Garner hat das geschafft, auf eine wunderbare Weise, die bewegt und einen lebendig hält. Trotz allem.

Die Journalistin erzählt in ihrem Buch Das Zimmer von einer krebskranken Freundin Nicola, die sie bei sich aufnimmt. Nicola hat Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Mit einer speziellen Therapie will sie nun die Krankheit besiegen. Für die zahlt sie viel. Mehr als beide Freundinnen tragen können. Als Helen sich zu diesen Schritt entscheidet, ahnt sie nicht im Ansatz, was es bedeuten wird. Es gibt keine Nacht, in der sie durchschläft. Sie wechselt die durchschwitzte Bettwäsche ihrer Freundin. Schlimmer noch sind für sie allerdings die Fahrten zu der Klinik, die Nicola verspricht, mit einer hohen Vitamin C Dosis und einer Ozonsauna, den Krebs zu besiegen. Diese Form von Medizin schwächt ihre Freundin mehr als dass sie ihr gut tut.

Helen Garner erzählt sehr offen. Sie bewegt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite, weil sie genau beschreibt, was sie fühlt. Oft glaubt man mitten in ihrem Kopf und neben ihrem Herzen zu hocken. Sie geht dabei enorm feinfühlig und direkt vor, dass man ihre Wut und Verzweiflung regelrecht spürt. Die Augen flattern, das Herz stockt, die Haut kräuselt sich und man selbst schaut auf, sucht sich einen festen Punkt an den man sich festhalten kann.

Dieses Buch berührt und hält einen vor Augen, wie kostbar das Leben ist. Es zeigt, dass man manchmal Dinge, so sehr es auch weh tut, annehmen und sie irgendwann loslassen sollte. Dabei streut die Autorin weise Sätze hinein, die einen aufatmen und kurz darauf innehalten lassen, dass man für einige Sekunden die Sonne vergisst, sie aber im nächsten Atemzug noch mehr genießen kann.

Tod und Krankheit sind Themen über die wir lieber schweigen, weil uns manchmal selbst die Worte fehlen, wir fast ohnmächtig sind, doch Helen Garner hat es geschafft, darüber so zu schreiben, dass trotz allem ein kleiner Schimmer Hoffnung zurückbleibt und man leise lächelt.

Das Zimmer.
Helen Garner.
Februar 2010, 173 Seiten, 8,95 €.
Bvt.

Die richtige Dosis an Zuversicht.

Das Buch lag plötzlich in meiner Hand. Wie ist es dort hingekommen? Ganz einfach: Der Titel und das Cover haben meinen Geist quasi von ganz allein bewegt und alles andere angeschubst. Es ist schlicht, fast unscheinbar und doch geht von dem Werk eine Intensität aus, wie ich es selten in der zeitgenössischen Literatur erfahre. Da ist so ein Strudel, der mitreißt. Die Augen verweilen wie von selbst auf dem Buchumschlag. Schnell geriet ich in die Versuchung, mich zu der einsamen Frau am Strand zu setzen, ihren Atem aufzufangen und frische Muscheln in ihre Hände zu legen. So dauert es auch nicht lange, bis man über die ersten Sätze schwebt.

Im Mittelpunkt des Romans „Tagsüber dieses strahlende Blau“ von Stefan Mühldorfer steht der Versicherungsmakler Robert Ames. An einem schönen, sonnigen Freitagmorgen fährt er wie immer zur Arbeit. Alles scheint normal, doch abends steht er plötzlich vor einem Trümmernhaufen seiner Ehe und seines Lebens. Wie ein Kartenhaus fällt alles vor ihm zusammen. Robert verliert nicht an Balance. Viel mehr bleibt er stehen, schaut zurück in seine Vergangenheit und beobachtet im Hier und Jetzt die Gegenwart mit einem präzisen Blick.

Stefan Mühldorfer gelingt es meisterhaft, eine Stimmung zu erzeugen, die sich anfühlt als würde man tatsächlich in einen strahlend blauen Himmel schauen: Der Blick ist leicht von der Klarheit geblendet, doch er ruht in sich und hinterlässt eine bestimmte Dosis an Zuversicht. Es sind die Töne zwischen den Sätzen, die dem Roman einem besonderen Klang geben. Sie sind leise und haben trotzdem die Kraft eines Orchesters. Mit dem Klang im Ohr setzt man sich zwischen die Buchstaben und lauscht ihnen unaufhörlich, weil sich die Gedanken richtig und gut anfühlen. Sie erinnern ein bisschen ans Ankommen nach einer langen Reise.

Dieses außergewöhnliche Werk enthält genau die Dosis an Gedankengut, die man manchmal braucht, um wieder zu sich selbst zu finden. Der Roman bleibt noch lange nach dem Ende im Kopf sitzen, mit ihm zusammen das Bild und Gefühl, wie es ist, wenn man unter einem strahlend blauen Himmel sitzt.

Stefan Mühldorfer
Tagsüber dieses strahlende Blau
April 2009, 240 Seiten, 14,90 €.
dtv.