Komm herein, bunte Welt!

Ich habe auf »Was man von hier aus sehen kann« von Mariana Leky lange Zeit gewartet, wusste es aber erst, nachdem ich das Buch gelesen hatte. Ein ganz besonderes Buch, an dem ich hänge und das ich einfach nicht gehen lassen möchte. Glücklicherweise habe ich noch all die Stimmen von Selma, Luise, Elsbeth, Marlies, Frederik, Palm und dem Optiker im Kopf. Selbst Alaskas Hundehecheln nehme ich wahr. Die Figuren aus dem Roman sind mir gefolgt. »Du solltest ein bisschen mehr Welt hereinlassen«, sagt Luises Vater. Dann wird es wieder besser. Gute Idee. Weiterlesen

Am Ende wird alles gut.

Anna Gavalda und ich – das ist eine schöne Geschichte. Die französische Autorin hat mir seinerzeit mit ihrem wundervollen Buch »Zusammen ist man weniger allein« gezeigt, wie viel Kraft wir Buchhändler haben können. Durch unsere Empfehlungen haben wir den Roman in die Bestsellerliste getragen. Das war 2005, und ich kam gerade frisch im Buchhandel an. Nachdem ich wie eine Protagonistin aus Anna Gavaldas Geschichten durchs Leben gelaufen war und sich vieles falsch anfühlte. Ja, ich war wie ein Yann, den ich jetzt in ihrem Erzählband »Ab morgen wird alles anders«, getroffen habe. Und der mich nun mit aller Macht an mein altes Ich erinnert, so dass ich mich kaum von der Geschichte lösen mag. Weiterlesen

Ein verlorenes Paradies?

elif_shafak_der_geruch_des_paradieses»Welchen Lebensweg soll ich einschlagen?« Ich spüre den Blick von Peri auf mir und drehe mich verlegen zur Seite. Diese große existenzielle Frage hallt durch Elif Shafaks Romanheldin direkt zu mir. Peri erinnert mich an eine junge Biene, die zu lange am süßen Nektar genascht hat. Nun ist sie ganz mit Blütenstaub gefüllt und sie weiß nicht, wohin mit dem Gewicht. In ihrem Falle sind es allerhand Gedanken und Gefühle. Sie arbeiten in ihr wie fleißige Ameisen, und der Wind bahnt sich einen Weg durch ihren Kopf, doch die Gedanken über Gott, das Gute und das Böse, die verschlüsselten Träume und die Einsamkeit des jungen René Descartes, sie wollen partout nicht verschwinden.

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Weise Worte über die Einsamkeit. Und noch viel mehr.

Benedict_Wells_Vom_Ende_der_Einsamkeit

Ich habe lange gewartet. Die Zeit dehnte sich endlos wie ein Kaugummi. Tage, Monate, Jahre. Verwelkte Blätter fielen von den Bäumen, raschelten unter den Füßen. Bald tanzten Schneeflocken durch die Luft und teilten sich den Platz mit meinen Atemwölkchen. Einige Monate später kamen Vögel aus dem Süden zurück, setzten sich zwitschernd auf unsere Bäume, die erst noch kahl waren, und bald schon in voller Blüte standen. Ein sich immer wiederholender Kreislauf. Das Buch ließ auf sich warten, aber dann war er endlich da: Der Moment, als ich Benedict Wells Roman in den Händen hielt. Der Titel »Vom Ende der Einsamkeit«, die ersten Sätze… – schon spürte ich die besondere Magie, die uns nur die Literatur schenken kann.

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Ein Geschenk des Himmels.

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Manche Bücher sind wie Sterne. »Two Boys Kissing – Jede Sekunde zählt« ist so ein Buch, denn es leuchtet. So sehr, dass ich´s wirklich in einem Atemzug gelesen, jeden Satz wie die Luft inhaliert und unendlich viele Markierungen gesetzt habe. Weil es voller lebenskluger Sätze ist und unter die Haut geht. David Levithan erzählt in seinem Buch über verschiedene, schwule Jungs, die die Sehnsucht nach Liebe und auch den Wunsch nach Unabhängigkeit in sich tragen.

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Anders als alle anderen? Total normal!

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Natürlich war mir klar, worauf ich mich bei Miranda July einlasse, und dass ihr Roman »Der erste fiese Typ« keine gewöhnliche Lektüre werden würde. Aber dann hat mich die Autorin doch wieder überrascht, denn die Geschichte ist noch verrückter als verrückt. Ich bin rückwärts gelaufen, habe Kopfstand gemacht und lachend versucht, die bunten fliegenden Punkte vor meinen Augen einzusammeln.

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Vertrieben, verloren, aber nicht vergessen.

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Mein Wissen über Indonesien glich bis vor kurzem dem eines Reiskorns. Nun ist es so groß wie eine gut gefüllte Reisschale. Das habe ich – wie könnte es anders ein – einem Buch zu verdanken. Die indonesische Autorin Leila S. Chudori erweist sich mit ihrem Roman »Pulang (Heimkehr nach Jakarta)« als beeindruckende Erzählerin und Chronistin des Zeitgeschehens ihres Landes. Sie entwirft ein weites Panaroma von 1965 bis 1998, in dem das Schicksal vieler Menschen genauso eine bedeutende Rolle einnimmt wie die bewegende Geschichte ihres Heimatlandes. Doch nicht nur das Reiskorn spornte mich an – ich wollte auch mehr über das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse erfahren.

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Wenn die Liebe dunkle Schatten wirft.

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Die Verlagswelt versüßt uns diesen Sommer mit wunderbaren Büchern. So auch der mare Verlag mit »Die Schatten von Race Point« von Patry Francis. Ein Buch über die Liebe? Jein. Denn hier geht es um die tragische Version der Liebe, nämlich die unerfüllte. Aber nicht nur das: Dieser opulente Roman begeistert mit einer Fülle an Themen und ist so spannend wie mitreißend erzählt, dass sich die 588 Seiten wie ein Sechser im Lotto anfühlen.

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Auf der Suche nach uns selbst.

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Wer sind wir eigentlich? Woher kommen und wohin gehen wir? Lola hat sich dazu ihre Gedanken gemacht: »Jede Person, mit der wir sprechen, ist angefüllt mit eigener Geschichte. Einer Geschichte, zu der wir niemals einen vollständigen Zugang haben werden. Und trotz dieses fehlenden Zugangs muss diese Geschichte, obwohl wir von ihr nicht wissen, immer mitgedacht werden.« Und wer ist diese Lola? Nun, sie ist die Protagonistin in Mirna Funks Debüt »Winternähe«. Natürlich hat auch sie ihre eigene Geschichte.

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