Schlagwort-Archive: Liebe

Auf dem Karussell des Lebens.

»Jede Ursache sorgt für eine Wirkung, und wir Menschen sind das Ergebnis eines riesigen Durcheinanders. Wir sitzen in einem Karussell, das sich unaufhörlich dreht und versucht, uns in hohem Bogen fortzuschleudern. Was immer wir tun, die Vergangenheit holt uns zuletzt unweigerlich ein.« Eben die Vergangenheit ist es, die den Figuren in Leonardo Paduras neuem Roman »Wie Staub im Wind« zusetzt und sie begleitet wie ein dunkler Schatten. Elisa, Clara, Irving heißen die Protagonisten, und ich bin ihnen begeistert gefolgt.

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Nicht von Pappe: Mein Buch des Sommers. 

Plötzlich ist es da, wie die Erinnerung an einen vergessenen Traum. Ich möchte dieses Etwas greifen. Von irgendwoher kenne ich diese Stimmung, die mir aus »Der Papierpalast« entgegenströmt. Ein mitunter rauer, melancholischer Atem. Nichts durchgängig Negatives, dafür hält das Buch einige helle und mitunter witzige Momente bereit. Woher nur kannte ich diesen besonderen Mix aus tiefer Nacht und leuchtendem Tag? Als ich mir die Vita der Autorin genauer anschaute, macht es sofort »Klick«. Natürlich: Miranda Cowley Heller war in leitender Position bei HBO tätig, wo sie verantwortlich war für die Entwicklung der bahnbrechenden Serien »The Wire« und »The Sopranos«. Daher dieser vertraute Sound. 

Alles beginnt mit einem sommerlichen Katertag. Elle erwacht sehr früh in ihrem Sommerquartier in Back Woods und spürt noch den Alkohol der letzten Nacht in ihrem Kopf, wo obendrein seltsame Erinnerungen aufsteigen. Die Ich-Erzählerin macht sich auf dem Weg zum nahen See und schwimmt ihre erste Runde. Sie lässt dabei den letzten Abend Revue passieren und spricht es geradewegs aus: »Gestern Abend habe ich mit ihm gefickt, endlich.« Ziemlich anzügliche Worte, die für mich so gar nicht in den Erzählfluss passen und sich zunächst wie ein Holzsplitter anfühlen. Aber vielleicht sind sie so etwas wie ein Befreiungsschlag – von einer Frau in den mittleren Jahren, die ihr Leben hinterfragt.  

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Wenn die Chemie stimmt.

Bild von Konstantin Kolosov auf Pixabay

»Eine Frage der Chemie« von Bonnie Garmus enthält eigentlich alle Zutaten, um aus einem gewöhnlichen ein ganz besonderes Buch zu machen. Eigentlich deshalb, weil das Cover der deutschen Ausgabe der Hauptfigur Elizabeth Zott so gar nicht gefallen hätte.

Warum nicht? Nun, weil sie auf dem Cover wie eine folgsame Hausfrau aussieht, die sie eben nicht ist. Und schon gar keine durchschnittliche Frau der damaligen Zeit, den 5oer und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. So möchte ich an dieser Stelle eine Lanze brechen für mehr Sensibilität bei der Gestaltung der Buchcover.

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Bis an die Schmerzgrenze.

Rachel Cusk zählt zu den stärksten weiblichen Stimmen unserer Zeit. Und es lohnt sich wirklich, ihr Werk zu entdecken. Viele ihrer Bücher kreisen um das Thema Mutterschaft, aber man muss nicht unbedingt Mutter sein, um sich mit ihren Romanen anzufreunden. Auch politisch hat sie ihre eigene Meinung und lebt mittlerweile aus Protest gegen den Brexit nicht mehr in England.

Obendrein hat ihr ihre offene und bisweilen radikale Art, über das Muttersein zu schreiben, in ihrem Heimatland viel Kritik eingebracht. Mittlerweile lebt die Autorin in Paris, lernt die neue Sprache und schreibt nach wie vor Bücher mit ihrem ganz eigenen Sound.

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Die Traumata der Königskinder.   

Seit einem Jahr schleiche ich um dieses Buch und habe es nun endlich gelesen: »Zwischen Du und Ich« von Mirna Funk ist – ebenso wie ihr Debüt »Winternähe« – keine leichte Kost. Aber wichtig und absolut lesenswert.  Gleich am Anfang stellt sich mir die Frage: Sind Traumata vererbbar? Und wie damit umgehen, wenn sich die eigene Familie lieber den Mantel des Schweigens überzieht, statt über die Wunden der Vergangenheit zu sprechen?  

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Baum der Hoffnung. 

© Foto: Ferhat Elik

„Das Flüstern der Feigenbäume“ von Elif Shafak passt hervorragend zum neuen Jahr, das genauso seltsam beginnt, wie das alte zu Ende gegangen ist: Ein Mix aus Unbehagen, Ohnmacht und Hoffnung. So scheint mir gerade dieses Buch ideal, um 2022 literarisch zu begrüßen. 

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Ein Fest des Lesens.

In meiner Leselaufbahn sind mir schon einige bemerkenswerte Debüts untergekommen. Aber Lydia Sandgren sticht ganz besonders hervor. Ganze zehn Jahre hat die Autorin an ihrem preisgekrönten Buch »Gesammelte Werke« gearbeitet und gleich den renommiertesten Literaturpreis Schwedens erhalten. Dort war das Buch ein Bestseller und erobert nun auch viele Leserherzen bei uns.   

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Freude².

Foto von Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

J. Courtney Sullivan und Jami Attenberg begleiten mich schon längere Zeit während meiner Reise durch die Welt der guten Literatur. Beide sind sogar auf ihre Art miteinander verbunden, aber dazu später mehr. In jedem Fall nehme ich dies zum Anlass, die in diesem Herbst neu erschienenen Bücher der beiden Autorinnn zusammen auf den Blog zu besprechen. Doppelte Freude sozusagen! 

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Ahornbäume und Atwood.

Bild von Leslin_Liu auf Pixabay

Wer an Kanada denkt, dem fallen sicher zuerst endlose Weiten, unberührte Natur und Ahornbäume ein. Viele sagen auch, es wäre das bessere Amerika. Und literarisch? Da wäre Margaret Atwood wohl die erste Assoziation. Das Gastland der diesjährigen Buchmesse löst in jedem Fall viele Bilder vor unseren inneren Augen aus.  

Wobei es neben der ewigen Anwärterin für den Literaturnobelpreis zahlreiche andere Autor:innen zu entdecken gibt. Naturgemäß habe ich für euch ein paar Bücher gelesen, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Denn sie sind wirklich gut. 

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Es kommt, wie es kommt.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Wer kennt nicht diese geflügelten Worte? Und hat diese Erfahrung schon öfter selbst gemacht. So geschieht es auch Rahel und Peter in Daniela Kriens neuem Roman »Der Brand«. Der ursprünglich geplante Urlaub in Bayern muss ausfallen, da die Ferienhütte abgebrannt ist. Ruth,  die Freundin ihrer verstorbenen Mutter, ruft Rahel genau an dem Tag an, an dem sich der Urlaub in Bayern zerschlagen hat. Und sie berichtet Rahel davon, dass ihr Mann Viktor einen Schlaganfall hatte und in eine Reha-Klinik an die Ostsee verlegt wurde, wo Ruth bei einer Freundin unterkommen kann. 

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