Schlagwort-Archive: Liebe

Preiswürdige, pure Lesefreude.

Bücher und speziell die Buchbranche sind schon so eine Sache für sich – vor allem die Welt der Buchpreis-Listen. Jedes Jahr warten im August viele Buchhändler*innen gespannt auf die sogenannte Longlist. Ist sie endlich da, gibt’s Jubel, Staunen und bisweilen tiefe Seufzer der Enttäuschung oder Entrüstung. Für mich kann ich nur sagen, dass ich bereits das zweite Jahr in Folge recht zufrieden war. Eine gelungene Mischung tummelte sich da auf der langen Liste. Als aber nun die Shortlist veröffentlicht wurde, musste ich doch tief und langanhaltend seufzen. Weiterlesen

Sommersonne? Einverstanden!

Brauchen wir derzeit nicht alle ein bisschen mehr Sonne als sonst? Vor allem die im Herzen. Und wenig bringt so viel Licht ins Leben, wie ein gutes Buch. Ein richtig gutes Buch, wie es
»Hintergrund für Liebe« von Helen Wolff ist. Schon nach den ersten Sätzen zieht die Autorin die Vorhänge auf und lässt ganz viel Licht hinein. Aufmerksame Leserinnen und Leser werden sich bei dem Nachnamen der Autorin vielleicht schon gefragt haben, ob sie etwas mit Kurt Wolff zu tun hat. Ja, hat sie! Weiterlesen

Man kann nicht immer gewinnen.

© George Steinmetz, Über den Dächern von New York, DUMONT Kalenderverlag

Wenn etwas Großes zu Ende geht, ist nichts mehr wie es war. So auch bei 1200 Seiten Literatur, die ich gerade beendet habe. Auf der einen Seite ein Seufzer der Erleichterung, der aus den Tiefen des Bauches nach draußen strömt. Auf der anderen eine Träne, die über ein erhitztes Gesicht läuft und kurz für Abkühlung sorgt. Der Blick schweift durch das Fenster nach draußen, die Augen halten sich fest am frischen Grün der Bäume, am friedvollen Blau des Himmels. Das Jahr ist noch nicht einmal halb rum, aber ich habe das Gefühl, schon jetzt das wohl umfangreichste und erstaunlichste Buch dieses Literaturjahres gelesen zu haben. Weiterlesen

Starke Stimmen der Hoffnung.

Bisher symbolisierten die 50er und 60er Jahre für mich vor allem eins: ein unglaubliches Stilvermögen. Ganz oben thront Audrey Hepburn, die mich schon als junges Mädchen mit ihrer Rolle als Holly Golightly in Frühstück bei Tiffany für immer geprägt hat. Einerseits durch ihre entzückende Ausstrahlung, andererseits durch die umwerfende Kleidung. Diese schlichte Eleganz – unaufdringlich und überwältigend zugleich. Oder nehmen wir die Automobile aus diesen Dekaden; Herr Klappentexter machte mich mit der atemberaubend schönen Welt der Oldtimer bekannt, zum Beispiel einem Auto, das Göttin genannt wird. Umwerfend und unerreicht ist dieser Citroën DS. Neben all der Raffinesse und Augenfreude steht diese Epoche jedoch auch für eine der wichtigsten politischen Bewegungen auf der ganzen Welt. Auch in den Vereinigten Staaten tat sich in diesen Jahren viel: Die Bürgerrechtsbewegung Civil Rights Moments erreichte ihren Höhepunkt, und die unglaublichen Demütigungen der Rassentrennung begannen endlich zu bröckeln. Aus dem Kampf für die Bürgerrechte der Afroamerikaner und gegen die Rassentrennung sind einzigartige literarische Stimmen hervorgegangen, denen ich mich heute widmen möchte. So wurde die angloamerikanische Literatur für mich zu der Entdeckung des vergangenen Jahres. Weiterlesen

Komm herein, bunte Welt!

Ich habe auf »Was man von hier aus sehen kann« von Mariana Leky lange Zeit gewartet, wusste es aber erst, nachdem ich das Buch gelesen hatte. Ein ganz besonderes Buch, an dem ich hänge und das ich einfach nicht gehen lassen möchte. Glücklicherweise habe ich noch all die Stimmen von Selma, Luise, Elsbeth, Marlies, Frederik, Palm und dem Optiker im Kopf. Selbst Alaskas Hundehecheln nehme ich wahr. Die Figuren aus dem Roman sind mir gefolgt. »Du solltest ein bisschen mehr Welt hereinlassen«, sagt Luises Vater. Dann wird es wieder besser. Gute Idee. Weiterlesen

Am Ende wird alles gut.

Anna Gavalda und ich – das ist eine schöne Geschichte. Die französische Autorin hat mir seinerzeit mit ihrem wundervollen Buch »Zusammen ist man weniger allein« gezeigt, wie viel Kraft wir Buchhändler haben können. Durch unsere Empfehlungen haben wir den Roman in die Bestsellerliste getragen. Das war 2005, und ich kam gerade frisch im Buchhandel an. Nachdem ich wie eine Protagonistin aus Anna Gavaldas Geschichten durchs Leben gelaufen war und sich vieles falsch anfühlte. Ja, ich war wie ein Yann, den ich jetzt in ihrem Erzählband »Ab morgen wird alles anders«, getroffen habe. Und der mich nun mit aller Macht an mein altes Ich erinnert, so dass ich mich kaum von der Geschichte lösen mag. Weiterlesen

Ein verlorenes Paradies?

elif_shafak_der_geruch_des_paradieses»Welchen Lebensweg soll ich einschlagen?« Ich spüre den Blick von Peri auf mir und drehe mich verlegen zur Seite. Diese große existenzielle Frage hallt durch Elif Shafaks Romanheldin direkt zu mir. Peri erinnert mich an eine junge Biene, die zu lange am süßen Nektar genascht hat. Nun ist sie ganz mit Blütenstaub gefüllt und sie weiß nicht, wohin mit dem Gewicht. In ihrem Falle sind es allerhand Gedanken und Gefühle. Sie arbeiten in ihr wie fleißige Ameisen, und der Wind bahnt sich einen Weg durch ihren Kopf, doch die Gedanken über Gott, das Gute und das Böse, die verschlüsselten Träume und die Einsamkeit des jungen René Descartes, sie wollen partout nicht verschwinden.

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Perfekt und unperfekt zugleich.

johanna_adorjan_geteiltes_vergnuegen

Liebe und Freiheit – inwiefern passt beides zusammen? Johanna Adorán spürt dieser Frage in ihrem neuem Roman »Geteiltes Vergnügen« nach. Sie begibt sich dabei in das Metier der klassischen Liebesgeschichte. Aber so klassisch ist sie eigentlich gar nicht – und genau das macht das Buch zu etwas Besonderem.

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Weise Worte über die Einsamkeit. Und noch viel mehr.

Benedict_Wells_Vom_Ende_der_Einsamkeit

Ich habe lange gewartet. Die Zeit dehnte sich endlos wie ein Kaugummi. Tage, Monate, Jahre. Verwelkte Blätter fielen von den Bäumen, raschelten unter den Füßen. Bald tanzten Schneeflocken durch die Luft und teilten sich den Platz mit meinen Atemwölkchen. Einige Monate später kamen Vögel aus dem Süden zurück, setzten sich zwitschernd auf unsere Bäume, die erst noch kahl waren, und bald schon in voller Blüte standen. Ein sich immer wiederholender Kreislauf. Das Buch ließ auf sich warten, aber dann war er endlich da: Der Moment, als ich Benedict Wells Roman in den Händen hielt. Der Titel »Vom Ende der Einsamkeit«, die ersten Sätze… – schon spürte ich die besondere Magie, die uns nur die Literatur schenken kann.

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Ein Geschenk des Himmels.

David_Levithan_Two_Boys_Kissing

Manche Bücher sind wie Sterne. »Two Boys Kissing – Jede Sekunde zählt« ist so ein Buch, denn es leuchtet. So sehr, dass ich´s wirklich in einem Atemzug gelesen, jeden Satz wie die Luft inhaliert und unendlich viele Markierungen gesetzt habe. Weil es voller lebenskluger Sätze ist und unter die Haut geht. David Levithan erzählt in seinem Buch über verschiedene, schwule Jungs, die die Sehnsucht nach Liebe und auch den Wunsch nach Unabhängigkeit in sich tragen.

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