Gesucht: starke Nerven.

Für sein Debüt „Was auf das Ende folgt“ wurde Chris Whitaker völlig zu Recht 2017 mit dem CWA John Creasey New Blood Dagger Award ausgezeichnet. Zum Glück ist es nun auch bei uns erschienen.

Und immer noch läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn ich an das Gelesene zurückdenke. Denn Whitakers Geschichten gehen einfach unter die Haut.

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Frisch wie ein Morgen in den Schären.

Ob Irmgard Keun den Roman „Die Sekretärinnen“ von Elin Wägner gelesen hat? Auszuschließen ist es nicht, denn Wägner hat von 1882 bis 1949 gelebt und war nicht nur schriftstellerlisch äußerst aktiv. Die schwedische Journalistin hat sich seinerzeit für das Frauenwahlrecht stark gemacht und gehört zu den Gründerinnen von Save the Children. Das hätte der Keun ebenso gefallen wie auch die Literatur der schwedischen Autorin. Als große Keun-Freundin war ich jedenfalls sofort begeistert. 

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Auf dem Karussell des Lebens.

»Jede Ursache sorgt für eine Wirkung, und wir Menschen sind das Ergebnis eines riesigen Durcheinanders. Wir sitzen in einem Karussell, das sich unaufhörlich dreht und versucht, uns in hohem Bogen fortzuschleudern. Was immer wir tun, die Vergangenheit holt uns zuletzt unweigerlich ein.« Eben die Vergangenheit ist es, die den Figuren in Leonardo Paduras neuem Roman »Wie Staub im Wind« zusetzt und sie begleitet wie ein dunkler Schatten. Elisa, Clara, Irving heißen die Protagonisten, und ich bin ihnen begeistert gefolgt.

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Die Geister, die sie rief. 

Manche Bücher fesseln mich bereits, obwohl ich sie noch gar nicht aufgeschlagen habe. Einfach, weil das Cover so faszinierend ist und die Phantasie anregt. An dieser Stelle mein Kompliment an den Verlag und all diejenigen, die unsichtbaren Fäden spinnen und wichtige Entscheidungen treffen. Immer steht die Frage im Raum:  Welches Cover nehmen wir? Wird es funktionieren? Natürlich gibt es nie eine Garantie. Aber stets die Hoffnung und der große Wunsch, dass das Buch genauso viele Leser begeistert wie im Verlagshaus.   

Bei »Das Spiegelhaus« von Carole Johnstone war mir sofort klar – dieses Buch wird seine Leser finden. Und wenn solche Großmeister wie Stephen King und Ruth Ware ihre Empfehlung aussprechen, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Eine Garantie ist auch das nicht, aber in diesem Fall möchte ich meine Hand ins Feuer legen. 

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Jeder Tag ein Geschenk.

Bild von Tomasz Kowaluk auf Pixabay

Je älter ich werde, desto mehr werde ich mit dem Tod konfrontiert. Klar, es wäre illusorisch zu denken, er würde mich und mein Umfeld verschonen. Und so verlor ich kurz hintereinander erst einen geschätzten Buchhändlerkollegen, der mir mehr Freund als Kollege war, und dann eine liebe, vertraute Freundin. Natürlich ist der Mensch nie auf solche niederschmetternden Nachrichten vorbereitet, so sehr sie sich vielleicht auch durch Krankheit oder andere Dinge ankündigen mögen.

Wie ein Knall brachten mich diese Todesnachrichten zum Schweigen und machten mich unendlich traurig. Was wollte ich den Gefährten noch alles sagen! Und konnte es dann doch nicht mehr. In solchen Momenten ist es unendlich tröstlich, wenn andere für einen die richtigen Worte finden. Ich habe sie in einem Buch entdeckt.

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Gemüse ist mein Obst.

Foto: Rhabarber-Crumble made by Søren Staun Petersen

Rhabarber ist der Spargel unter den heimischen Obstsorten. Dachte ich. Dabei ist Rhabarber gar kein Obst, sondern Gemüse. Botanisch gesehen gehört er zu den Knöterichgewächsen. Wie Søren Staun Petersen in seinem famosen Kochbuch „Rhabarber“ aufklärt.

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Nicht von Pappe: Mein Buch des Sommers. 

Plötzlich ist es da, wie die Erinnerung an einen vergessenen Traum. Ich möchte dieses Etwas greifen. Von irgendwoher kenne ich diese Stimmung, die mir aus »Der Papierpalast« entgegenströmt. Ein mitunter rauer, melancholischer Atem. Nichts durchgängig Negatives, dafür hält das Buch einige helle und mitunter witzige Momente bereit. Woher nur kannte ich diesen besonderen Mix aus tiefer Nacht und leuchtendem Tag? Als ich mir die Vita der Autorin genauer anschaute, macht es sofort »Klick«. Natürlich: Miranda Cowley Heller war in leitender Position bei HBO tätig, wo sie verantwortlich war für die Entwicklung der bahnbrechenden Serien »The Wire« und »The Sopranos«. Daher dieser vertraute Sound. 

Alles beginnt mit einem sommerlichen Katertag. Elle erwacht sehr früh in ihrem Sommerquartier in Back Woods und spürt noch den Alkohol der letzten Nacht in ihrem Kopf, wo obendrein seltsame Erinnerungen aufsteigen. Die Ich-Erzählerin macht sich auf dem Weg zum nahen See und schwimmt ihre erste Runde. Sie lässt dabei den letzten Abend Revue passieren und spricht es geradewegs aus: »Gestern Abend habe ich mit ihm gefickt, endlich.« Ziemlich anzügliche Worte, die für mich so gar nicht in den Erzählfluss passen und sich zunächst wie ein Holzsplitter anfühlen. Aber vielleicht sind sie so etwas wie ein Befreiungsschlag – von einer Frau in den mittleren Jahren, die ihr Leben hinterfragt.  

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Schicksale in der Schwebe. 

Foto: Kristine Bilkau | © Thorsten Kirves

»Nebenan« von Kristine Bilkau ist ein stilles Buch. Der Sound ist eher eine zarte Melodie, in der ich von Beginn an versinke, jedes Wort trinke. Dem Buch wohnt gewissermaßen ein Zauber inne, eine besondere Magie. Die Geschichte umarmt mich derartig liebevoll, dass ich nicht genug bekommen kann. 

Die Hamburger Autorin erzählt in ihrem neuen Roman über zwei Frauen, die in einem beschaulichen Ort am Nord-Ostsee-Kanal leben. Und dann passieren ein paar unvorhergesehene Dinge.  

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Fiebertraum im Fahrstuhl.

Today open: Club der toten Dichter. Und wir begrüßen nur einen Gast: John Dos Passos. Mit Manhattan Transfer hat der amerikanische Autor 1925 ein Jahrhundertwerk vorgelegt, Die Geburtsstunde des Großstadtromans. Erneuter Siegeszug des Bewusstseinsstroms, bereits drei Jahre zuvor im Ulysses erprobt. Nochmal vier Jahre später Döblin mit Berlin, Alexanderplatz. Kanon der literarischen Kolosse.

Punch! Manhattan Transfer hat eine Wucht, eine Kraft, die dich als Leser bereits mit den ersten Sätzen packt und über fünfhundert Seiten lang nicht loslässt.

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Humor ist eine starke Waffe.

Foto: Katerina Poladjan | © Andreas Labes

Seit jeher verspüre ich eine ganz eigene Verbindung zur Kommunalka. Sobald sie mir in Büchern begegnet, werde ich hellhörig. So erging es mir auch mit Katerina Poladjans neuem Werk »Zukunftsmusik«. Darin steht so eine legendäre russische Wohngemeinschaft im Mittelpunkt.  

Die Autorin war mit ihrem Buch für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchpreis nominiert. Absolut verdient, und noch verdienter wäre die Auszeichnung gewesen. Denn die Autorin schreibt außerordentliche Geschichten. So stand sie bereits mit »Hier sind Löwen« auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.  

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