Auf geht´s in spannende Welten! Mit von der Partie: Ein Hitlerkäfer, Georgien, Die Tollen Hefte und Kafka.

Samstagmorgen, 7 Uhr. Der Wecker zeigt sich von seiner lautesten Seite, ich schrecke hoch und denke: Moment, habe ich heute nicht frei? Als ich alle Sinne beisammen habe, fällt es mir ein: Ich will um 10 Uhr in Kreuzberg bei Kirchner Kommunikation sein, wo die #Spreepartie beginnt. So hüpfe ich freudig aus dem Bett, einem inspirierenden literarischen Samstag entgegen.

Bevor es losgeht, wird erst einmal bei den Kirchner Damen gefrühstückt.

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Ein Abschied. Ein Geburtstag. Ein Prozess.

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Herr K. ist Autor und lebt in einer großen Stadt. Gelegentlich schreibt er für den Literaturblog seiner Frau. Eines Morgens klingelt es an der Tür. Zwei Herren in langen, grauen Mänteln bitten ihn, mitzukommen. Jemand muss ihn verleumdet haben. Gelächter im Hausflur. Man führt ihn ab, steckt ihn in eine schwarze Limousine der Marke Wolga und bringt ihn in ein unbekanntes Gebäude. »Was wollen Sie von mir?« fragt Herr K. »Wir sind nicht befugt, Ihnen das zu sagen.« K. ist verzweifelt und möchte seine Frau anrufen. Oder einen Anwalt. Alles unmöglich. »Sie führen sich auf wie ein kindischer Autor.« Man schleppt ihn in den Keller. Eine Zelle, finster. K. fällt in einen fiebrigen Schlaf. Als er wieder aufwacht, fühlt er sich schwer und ziemlich rechteckig, zerfallen in viele Seiten. Er versucht sich aufzurichten, in einen kleinen, nahezu blinden Spiegel zu schauen. »Was ist mit mir geschehen?« Kein Traum, nun erkennt er im Spiegel, dass er zu einem Buch geworden ist.
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Mögen wir die Morgenröte noch sehen.

XVerleih_VDM_011 © X Verleih Stefan Zweig (Josef Hader) in New York.JPG
© X Verleih Stefan Zweig (Josef Hader): Vor der Morgenröte

Kriegsgeschrei, Kriegstreiben und Kriegführen, nur unterbrochen von kurzen, trügerischen Momenten des Atmens im abziehenden Rauch. Zwischendrin steht Stefan Zweig und weiß nicht, wie ihm geschieht. Der Kopf leicht geneigt, der Blick melancholisch. Der bescheidene, besonnene Mann wird überrollt von den Ereignissen einer Welt, deren gewalttätiges Treiben er nicht mehr versteht. Nicht, nachdem er die Welt selbst erklärt, ihre Sternstunden moderiert hat. Die leuchtenden wie die finsteren. Aus der Lust an der Unsterblichkeit wurde die Welt entdeckt, neue Horizonte taten sich auf für die Menschheit. Kleine, eigentliche unbedeutende Zwischenfälle entscheiden über den Untergang eines Reiches, der Wankelmut eines Untergebenen wird zum sprichwörtlichen Waterloo eines Herrschers. Eine einzige Nacht macht aus einem mittelmäßigen Dichter den Schöpfer eines weltbekannten Liedes. Große Künstler werden im Angesicht von Krankheit und Tod zu Sterblichen, ihre Kunst jedoch bleibt unsterblich. Welthistorische Stunden werden wieder lebendig. Der große Denker und Dialektiker Cicero will der Brutalität der Politik entfliehen, nur, es gelingt ihm nicht. Der geistige Mensch wird Opfer seiner eigenen Bestrebungen, das Volk zu befreien. Er vergisst die Mächtigen, denen nur ihre Macht wichtig ist. Man trennt ihm den Kopf ab und stellt diesen grausam zur Schau. Ciceros Gedanken überleben das unwürdige Schauspiel um tausende von Jahren, und die Werke von Stefan Zweig strahlen heute ebenso wie vor achtzig Jahren.
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Machen mehr als glücklich: Maeve Brennans Erzählungen.

Kann man sich in eine Autorin verlieben? Die Frage holte mich wiederholt ein, als ich mir mit Herrn Klappentexter Das literarische Quartett anschaute. Exakt den gleichen Gedanken hatte ich bereits vor zwei Jahren, als ich Maeve Brennan erstmals las. Thea Dorn sagte, dass sie in die Autorin verliebt sei, und Volker Weidermann schien kurz etwas irritiert. Er sei ganz angetan von der Autorin, gewiss, aber verliebt, nein. Ulrich Matthes indes schritt ein und hielt eine derart begeisternde Rede über die Autorin, dass ich Tränen in den Augen hatte. Und ob man sich in eine Autorin verlieben kann! Ich saß mit hochrotem Kopf auf der Couch, neben mir glühte die Schmuckausgabe »Sämtliche Erzählungen« von Maeve Brennan, die kürzlich bei Steidl erschienen ist. Die Gesamtausgabe ist kein Massenprodukt, sondern ein ganz besonderes Geschenk an alle Leser, die sich in die Autorin verliebt haben und es noch werden. Obendrein ist sie wieder ein Beweis für den Mut der unabhängigen Verlage, die sich solche Projekte trauen und uns damit beglücken. Weiterlesen

Talking about Maeve Brennan mit Hans-Christian Oeser.

Foto: privat

Ich erinnere mich zu gern an die erste Erzählung, die ich in dem Band »New York, New York« von Maeve Brennan gelesen habe. Es war geradezu eine Offenbarung. Und ich ganz im Glück, je mehr ich von der Schriftstellerin las. So zählt Maeve Brennan mittlerweile zum engen Kreis meiner Lieblingsautorinnen. In diesem Jahr wäre sie 100. Jahre alt geworden. Zu diesem besonderen Anlass hat der Übersetzer ihrer Werke, Hans-Christian Oeser, eine Gesamtausgabe im Steidl Verlag herausgegeben. Groß ist meine Freude, dass die wunderbare Sammlung nun am Freitag, 16. Juni, im Literarischen Quartett vorgestellt wird. Dann dürfte sie aus dem Kreis der hierzulande unbekannten Autorinnen strahlend hervortreten. Für euch öffne ich den feinen Schuber in den nächsten Tagen. Vorher kommt der Übersetzer in einem Interview zu Wort und nimmt euch mit in die literarische Welt Maeve Brennans. Weiterlesen

Dorothy Parker: Lauter Liebeserklärungen.

Seit einigen Wochen trudeln die neuen Bücher der Herbstsaison im Hause der Klappentexterin ein. Herr Klappentexter schlägt die Hände über den Kopf zusammen und fragt: Wohin nur mit all den Büchern? Und ich? Freue mich wahnsinnig, schaue sie jedoch nur kurz an und stelle sie dann seufzend ins Regal. Zugegeben, die Neugier ist groß und es fällt mir nicht leicht, sie erst einmal zu ignorieren. Doch die Neugier auf eine bestimmte Autorin ist mindestens genauso groß: Dorothy Parker. Am 7. Juni jährt sich ihr Todestag zum 50. Mal. Bis vor wenigen Wochen hatte ich noch gar nichts von der New Yorker Autorin gelesen. Was eigentlich gar nicht sein konnte. Nun schreibt hier ein frisch gebackener Fan dieser wunderbaren Autorin, die nie, nie in Vergessenheit geraten darf. Weiterlesen

Das Geheimnis des Schreibens.

Baeschlin VerlagVielleicht ist Solothurn genau der richtige Ort, um dem Geheimnis des Schreibens auf die Spur zu kommen. Denn dort konnte ich innerhalb weniger Tage einige Lesungen erleben und interessanten Gesprächen mit Autoren lauschen. Wo Herr Klappentexter über das große Ganze geschrieben hat, widme ich mich nun vorrangig den Lesungen sowie den kleinen bezaubernden Dingen vor und hinter den Kulissen.

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Reiches Land. Reiche Tage.

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Die Dame vor uns am Schalter der Bank möchte 5.000,- € in Schweizer Franken wechseln. Ungläubig schauen wir auf unsere wenigen Scheine, die zusammen nur achtzig Euro ergeben. Willkommen in der Schweiz! Wobei der Flughafen Zürich für uns nur Durchgangsstation auf dem Weg nach Solothurn ist. Solothurn? Natürlich hat man den Namen schon einmal gehört, wäre jetzt aber nicht zwingend darauf gekommen, dorthin zu reisen. Dabei findet in der Stadt das wichtigste Literaturfestival der Schweiz statt, und dies bereits zum 39. Mal. Große Namen fanden den Weg an den Jurasüdfuss, darunter Günter Grass, Herta Müller und Claude Simon. Allesamt Nobelpreisträger. So können wir von einer veritablen Bildungslücke bei Familie Klappentexterin sprechen. Gut, füllen wir sie auf: Willkommen zu den Solothurner Literaturtagen!
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Nur der Moment zählt. Der ruhige.

Nach dem Klassiker Kokoro wende ich mich wieder zeitgenössischer japanischer Literatur zu. Lasst uns also noch ein bisschen in Japan bleiben, es ist dort einfach zu schön. So habe ich nun Yoko Ogawa zu Gast, die mir ihre »Zärtliche Klagen« mitgebracht hat, die kürzlich beim Liebeskind Verlag erschienen sind. Wir sitzen uns gegenüber, schweigen und lauschen den zauberhaften Klängen eines Cembalos. Spielt Kaoru? Oder doch Nitta? Yoko Ogawa schweigt und tippt aufs Buch. Ich schließe lächelnd die Augen und kehre zurück in meine literarische Kraftoase, um dort wieder auf Kaoru und Nitta zu treffen.

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Ein Meister und sein Werk.

soseki_kokoroWenn es um Einsamkeit, Schuld und den Konflikt zwischen traditionellen Werten und der Moderne geht, kann man oft von einem typisch japanischen Buch sprechen. Wenn das Werk obendrein in seiner bildreichen Sprache an einen ruhigen Fluss erinnert, seufzt man als Freundin japanischer Literatur glücklich auf. Doch der Schein trügt manchmal, denn zwischen den scheinbar stillen und friedlichen Buchdeckeln brodelt es mitunter gewaltig. Hier liegen oft gewaltige Konflikte verborgen. All diese Elemente vereint »Kokoro« von Natsume Soseki. Das Meisterwerk ist im vergangenen Jahr in einer überarbeiteten Übersetzung in der Manesse Bibliothek der Weltliteratur erschienen, deren Bücher stets ein haptischer Traum sind.

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