Gefangen zwischen Himmel und Erde.

Ich erinnere mich noch ganz genau an dem Moment, als ich »Die Ewigkeit ist ein guter Ort« zum ersten Mal in den Händen hielt und sofort ein Kribbeln spürte. Eine Vorahnung, ein Gefühl. Und als ich das Buch aufschlug, dann war es tatsächlich da, etwas, das ich nicht in Worte fassen kann. Nennt es Instinkt eines professionellen Bücherwurms.

Jedenfalls habe ich den Roman von Tamar Noort erst wieder losgelassen, nachdem ich den letzten Satz beendet hatte. Einfach nur anlesen war hier nicht möglich. Nun ist das Buch erschienen, und ich darf endlich der Welt mitteilen, warum ich den Roman so fabelhaft finde. Den könnt ihr übrigens gewinnen. Ich habe ein signiertes Exemplar zu verlosen. Mehr Infos findet ihr am Ende der Besprechung.

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Die Zukunft hat bereits begonnen.

Foto: Jens Liljestrand |© Fredrik Hjerling

Die Erde ist überhitzt, staubtrocken und beißend die Luft. Die Kleidung klebt an mir wie eine zweite Haut. Ich verliere die Orientierung. Nein, Halt, noch bin ich sicher, atme auf und blicke in: „Der Anfang von Morgen“ von Jens Liljestrand. Das Erzählte fühlt sich derart authentisch an, dass die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen. Obwohl der Roman eine Dystopie ist, streckt sich mir aus den Seiten unsere Gegenwart entgegen wie der Arm eines Oktopusses. Das ist beunruhigend und lässt mich irgendwie nicht los. Denn ist es wirklich noch eine Dystopie, wenn vieles bereits jetzt unser Leben beeinträchtigt?

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Die besten Seiten des Sommers.

Der Sommer ist nicht mehr zu übersehen und förmlich auf unserer Haut zu spüren. Überall strahlen Früchte, streicht der Wind durch hohe Gräser, ein Flirren und Summen liegt in der Luft. Und über allem die Erleichterung: Endlich Wärme, endlich Erholung!

Und da viele von euch gerade ihren Urlaub antreten oder ihn schon am Horizont aufleuchten sehen, ist es Zeit für unser Sommer-Spezial.

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Gesucht: starke Nerven.

Für sein Debüt „Was auf das Ende folgt“ wurde Chris Whitaker völlig zu Recht 2017 mit dem CWA John Creasey New Blood Dagger Award ausgezeichnet. Zum Glück ist es nun auch bei uns erschienen.

Und immer noch läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn ich an das Gelesene zurückdenke. Denn Whitakers Geschichten gehen einfach unter die Haut.

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Frisch wie ein Morgen in den Schären.

Ob Irmgard Keun den Roman „Die Sekretärinnen“ von Elin Wägner gelesen hat? Auszuschließen ist es nicht, denn Wägner hat von 1882 bis 1949 gelebt und war nicht nur schriftstellerlisch äußerst aktiv. Die schwedische Journalistin hat sich seinerzeit für das Frauenwahlrecht stark gemacht und gehört zu den Gründerinnen von Save the Children. Das hätte der Keun ebenso gefallen wie auch die Literatur der schwedischen Autorin. Als große Keun-Freundin war ich jedenfalls sofort begeistert. 

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Auf dem Karussell des Lebens.

»Jede Ursache sorgt für eine Wirkung, und wir Menschen sind das Ergebnis eines riesigen Durcheinanders. Wir sitzen in einem Karussell, das sich unaufhörlich dreht und versucht, uns in hohem Bogen fortzuschleudern. Was immer wir tun, die Vergangenheit holt uns zuletzt unweigerlich ein.« Eben die Vergangenheit ist es, die den Figuren in Leonardo Paduras neuem Roman »Wie Staub im Wind« zusetzt und sie begleitet wie ein dunkler Schatten. Elisa, Clara, Irving heißen die Protagonisten, und ich bin ihnen begeistert gefolgt.

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Die Geister, die sie rief. 

Manche Bücher fesseln mich bereits, obwohl ich sie noch gar nicht aufgeschlagen habe. Einfach, weil das Cover so faszinierend ist und die Phantasie anregt. An dieser Stelle mein Kompliment an den Verlag und all diejenigen, die unsichtbaren Fäden spinnen und wichtige Entscheidungen treffen. Immer steht die Frage im Raum:  Welches Cover nehmen wir? Wird es funktionieren? Natürlich gibt es nie eine Garantie. Aber stets die Hoffnung und der große Wunsch, dass das Buch genauso viele Leser begeistert wie im Verlagshaus.   

Bei »Das Spiegelhaus« von Carole Johnstone war mir sofort klar – dieses Buch wird seine Leser finden. Und wenn solche Großmeister wie Stephen King und Ruth Ware ihre Empfehlung aussprechen, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Eine Garantie ist auch das nicht, aber in diesem Fall möchte ich meine Hand ins Feuer legen. 

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Jeder Tag ein Geschenk.

Bild von Tomasz Kowaluk auf Pixabay

Je älter ich werde, desto mehr werde ich mit dem Tod konfrontiert. Klar, es wäre illusorisch zu denken, er würde mich und mein Umfeld verschonen. Und so verlor ich kurz hintereinander erst einen geschätzten Buchhändlerkollegen, der mir mehr Freund als Kollege war, und dann eine liebe, vertraute Freundin. Natürlich ist der Mensch nie auf solche niederschmetternden Nachrichten vorbereitet, so sehr sie sich vielleicht auch durch Krankheit oder andere Dinge ankündigen mögen.

Wie ein Knall brachten mich diese Todesnachrichten zum Schweigen und machten mich unendlich traurig. Was wollte ich den Gefährten noch alles sagen! Und konnte es dann doch nicht mehr. In solchen Momenten ist es unendlich tröstlich, wenn andere für einen die richtigen Worte finden. Ich habe sie in einem Buch entdeckt.

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Gemüse ist mein Obst.

Foto: Rhabarber-Crumble made by Søren Staun Petersen

Rhabarber ist der Spargel unter den heimischen Obstsorten. Dachte ich. Dabei ist Rhabarber gar kein Obst, sondern Gemüse. Botanisch gesehen gehört er zu den Knöterichgewächsen. Wie Søren Staun Petersen in seinem famosen Kochbuch „Rhabarber“ aufklärt.

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Nicht von Pappe: Mein Buch des Sommers. 

Plötzlich ist es da, wie die Erinnerung an einen vergessenen Traum. Ich möchte dieses Etwas greifen. Von irgendwoher kenne ich diese Stimmung, die mir aus »Der Papierpalast« entgegenströmt. Ein mitunter rauer, melancholischer Atem. Nichts durchgängig Negatives, dafür hält das Buch einige helle und mitunter witzige Momente bereit. Woher nur kannte ich diesen besonderen Mix aus tiefer Nacht und leuchtendem Tag? Als ich mir die Vita der Autorin genauer anschaute, macht es sofort »Klick«. Natürlich: Miranda Cowley Heller war in leitender Position bei HBO tätig, wo sie verantwortlich war für die Entwicklung der bahnbrechenden Serien »The Wire« und »The Sopranos«. Daher dieser vertraute Sound. 

Alles beginnt mit einem sommerlichen Katertag. Elle erwacht sehr früh in ihrem Sommerquartier in Back Woods und spürt noch den Alkohol der letzten Nacht in ihrem Kopf, wo obendrein seltsame Erinnerungen aufsteigen. Die Ich-Erzählerin macht sich auf dem Weg zum nahen See und schwimmt ihre erste Runde. Sie lässt dabei den letzten Abend Revue passieren und spricht es geradewegs aus: »Gestern Abend habe ich mit ihm gefickt, endlich.« Ziemlich anzügliche Worte, die für mich so gar nicht in den Erzählfluss passen und sich zunächst wie ein Holzsplitter anfühlen. Aber vielleicht sind sie so etwas wie ein Befreiungsschlag – von einer Frau in den mittleren Jahren, die ihr Leben hinterfragt.  

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