Archiv des Autors: Klappentexterin

Kreise ziehen.

»In dieser besonderen Nacht ist der Mond ein Siegelring, in das weiche Wachs auf dem schwarzen Blatt eines düsteren Himmels gedrückt.« Sinnliche Worte, die mit verführerischem Klang zu mir durchdringen und mich direkt in »Der perfekte Kreis« ziehen, den neuen Roman von Benjamin Myers.  

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Es kommt, wie es kommt.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Wer kennt nicht diese geflügelten Worte? Und hat diese Erfahrung schon öfter selbst gemacht. So geschieht es auch Rahel und Peter in Daniela Kriens neuem Roman »Der Brand«. Der ursprünglich geplante Urlaub in Bayern muss ausfallen, da die Ferienhütte abgebrannt ist. Ruth,  die Freundin ihrer verstorbenen Mutter, ruft Rahel genau an dem Tag an, an dem sich der Urlaub in Bayern zerschlagen hat. Und sie berichtet Rahel davon, dass ihr Mann Viktor einen Schlaganfall hatte und in eine Reha-Klinik an die Ostsee verlegt wurde, wo Ruth bei einer Freundin unterkommen kann. 

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Ist es schön, das Leben?

  

Sally Ronney schreibt gute Bücher, dachte ich so bei mir, nachdem ich ihre ersten beiden Werke »Gespräche mit Freunden« und »Normale Menschen« durchaus mit Vergnügen gelesen habe. Aber mir fehlte irgendwie der berühmte Wow-Effekt. Als nun der dritte Roman mit dem verheißungsvollen Titel »Schöne Welt, wo bist du« vor mir lag, fragte ich mich: „Soll ich ihr noch eine dritte Chance geben?“ 

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Leuchtende Tristesse.

Ist es möglich, tieftraurig und gleichzeitig glücklich zu sein? Diese Frage habe ich mir nicht nur einmal gestellt während der Lektüre dieses erstaunlichen Debüts. Douglas Stuart wirbelt meine Gefühle mächtig durcheinander, als würden sie durch einen Mixer gejagt werden. Der Autor erzählt in seinem Debüt »Shuggie Bain« eine bewegende Familiengeschichte, die wie ein Donnerschlag in mein Leserinnenherz gedrungen ist und dort ein besonderes Echo hinterlassen hat.

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Wir treffen uns im Garten.

Foto: Jamaica Kincaid | © Robert E. Woolmington

Gartenarbeit war für mich als Großstadtpflanze bisher fremd wie ein Weltraumanzug. Aber nun wohne ich ja auf dem Lande, und spätestens nach „Mein Garten(Buch)“ von Jamaica Kincaid sehe ich mich bald in Schürze und mit der Schaufel im Grünen stehen. Ist doch der Garten in Corona-Zeiten der Ort für Erfüllung und meditative Erfahrungen geworden. 

Da kommt Jamaica Kincaid zur rechten Zeit, beschreibt die auf Antigua geborene Autorin in ihrem Buch doch von ihren Erfahrungen als Gärtnerin. Und wie bei mir, ist ihr Verhältnis zum Grün zunächst, nun ja, ein wenig gespalten. »Diese Aufregung, wenn ich im Garten bin, und dieses Glück, dass ich mich so aufregen kann!« Ausgerechnet diese ambivalente Liebe (»Mein Garten hat keine ernsten Absichten, mein Garten hat nur Zweifel über Zweifel.« ) führt zu hinreißenden Notizen, denen ich mich nicht entziehen konnte.  

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Freunde und andere Prüfungen.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die ein sicher geglaubtes Leben aus dem Gleichgewicht bringen können. Bei »Unter Freunden« von Cynthia D’Aprix Sweeney ist es ein Ehering. Als Flora zum Schulabschluss ihrer Tochter ein Foto aus alten Tagen sucht, stößt sie in der Garage auf den Ring, den ihr Mann angeblich beim Schwimmen verloren haben soll. Nun liegt er versteckt in der Garage und blitzt ihr entgegen. Was hat das zu bedeuten?   

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Summertime. And the Readin´ is easy.

Endlich ist der Sommer da! Für viele die Zeit des Urlaubes, des Innehaltens und der Möglichkeit, endlich in Ruhe das eine oder andere Buch zu lesen. So stelle ich euch eine kleine, aber feine Auswahl an schönen Büchern vor, in denen der Sommer eine bedeutende Rolle spielt. Nicht alle vorgestellten Titel sind aus unabhängigen Verlagen, trotzdem möchte ich als Patin der alljährlichen indiebookchallenge auf die Aktion hinweisen. Im Juli heißt es: Lest ein Buch, das nach Sommer schmeckt. Also zeigt uns auf Instagram, Facebook oder auf euren Blogs diesen Monat eure sommerliche Lieblingslektüre. Ganz nach dem Motto: Endlich Sommer, endlich Zeit zum Lesen! 

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»Schreiben bedeutet Rückzug und Isolation.« Judith Hermann im Gespräch.

Foto: © Michael Witte

Heute haben wir Judith Hermann zu Gast auf unserem Blog. Ihr neues Werk »Daheim« hatte die Klappentexterin ja bereits besprochen. Und nach der Lektüre noch ein paar Fragen, für die sich Judith Hermann dankeswerterweise Zeit genommen hat. Sie spricht über Corona, das Schreiben, die Nordsee und ihre Lieblingsschriftsteller. Aber lest selbst: 

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Von neuen Anfängen und alten Lasten.

Judith Hermann hat ihren festen Platz auf der Liste meiner Leselieblinge. Seit ihrem spektakulären Debüt »Sommerhaus, später« freue ich mich auf jedes neue Buch der Berliner Autorin. Ihre Sprache ist einzigartig, bemerkenswert die Schwesternschaft zwischen Melancholie und Leichtigkeit. So fieberte ich ihrem neuen Werk »Daheim« regelrecht entgegen, ist es doch eines der meist besprochenen Bücher im ersten Halbjahr des Jahres.

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Ein Lichtstrahl in dunklen Zeiten.

»Pantherzeit ist Seelenzeit.« Dieser Satz schnurrt seit einigen Wochen in meinem Kopf, und er hat etwas sehr Beruhigendes. Aufgespürt habe ich ihn in Marica Bodrožić’ Essayband »Pantherzeit – Vom Innenmaß der Dinge«. Im Frühjahr 2020 brachte der erste Lockdown das Leben der Autorin und ihrer Familie ebenfalls zum Stehen. Und so begann sie, gemeinsam mit Freunden das Gedicht »Der Panther« von Rainer Maria Rilke zu rezitieren. Der Panther in seinem Käfig – ein Sinnbild für den Stillstand des Lebens. Marica lud ihre Nachbarn ein, das Gedicht jeden Abend um 20 Uhr gemeinsam auf den Balkonen zu sprechen. Schon bald wanderte die Raubkatze über die Berliner Balkone weiter nach Tel Aviv, Basel, Bremen und St. Andrews in Schottland – zu allen Freunden, denen sie davon berichtete.  

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