Bittersüßer Bloggeburtstag.

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Als ich heute nach dem Frühstück mein WordPress-Account geöffnet habe, erwartete mich eine faustdicke Überraschung: WordPress höchstpersönlich gratulierte mir. Happy Anniversary with WordPress!  Exakt am heutigen Tag wird die Klappentexterin zehn Jahre alt. Das hatte ich im Sog der beklemmenden Ereignisse rund um das Corona-Virus schlichtweg vergessen. Weiterlesen

Ethik und Poesie. Zur Zukunft unseres Blogs.

Bild von ELLE RITTER auf Pixabay

Die Zeiten, sie werden härter, unübersichtiger und instabiler. Wo wir gerade in die 20er des nicht mehr ganz so neuen Jahrhunderts gestartet sind, werden allerorten Parallelen zu den sogenannten wilden 20ern des letzten Jahrhunderts gezogen, ebenso zur Weimarer Republik. Und wohin das alles geführt hat, wissen wir nur zu gut.

Was also tun? Alles sehen und Gefahren frühzeitig erkennen lautet eine alte Indianerweisheit. Alles zu sehen erfordert Aufmerksamkeit, einen wachen Geist, gern auch Achtsamkeit genannt. Großes, ganz großes Thema. Gut so. Sollte aber auch mit Leben gefüllt werden, weil den hehren Vorsätzen ansonsten schnell die Puste zwischen tollem Gedanken und gedankenloser Ausführung ausgeht.

Ein Phänomen, das wir an uns selbst beobachten konnten, seitdem wir uns intensiver mit Ethik, Philosophie, Buddhismus und Yoga beschäftigen. Immer noch haben wir zu oft bewertet, zu ichzentriert gehandelt und auf den öffentlichen Netzwerken nach möglichst viel Applaus gegiert. Schluss damit! Weiterlesen

Wiederentdeckt: Die Sprache der Straße.

Bild von Randy Rooibaatjie auf Pixabay

Hoffnung – immer wieder spüre ich sie. Sie leuchtet durch die Buchseiten hindurch, ausgeatmet von der Protagonistin dieses beeindruckenden Romans. Lutie Johnson heißt diese tapfere Kriegerin, die immer an das Gute glaubt, obwohl um sie herum so viel Hoffnungslosigkeit ist. 1946 erschien The Street von Ann Petry erstmalig und wurde ein Überraschungserfolg, der sich über 1,5 Millionen Mal verkaufte. Überraschend seinerzeit deshalb, weil er von einer afroamerikanischen Autorin verfasst wurde. Nun liegt das Werk in einer deutschen Neuübersetzung vor. Und hat – leider – bis heute wenig von seiner Aktualität verloren. Weiterlesen

Von beeindruckender Größe: der beste Freund des Menschen.

Neulich, so schien es, hatte mich die Schreibblockade gepackt. Jegliche Lust am Rezensieren war mit dem steifen Wind über die Nordsee verflogen. Bis zu jenem Sonntag, an dem ich Der Freund von Sigrid Nunez aufschlug und anfing, darin zu lesen. Von Seite zu Seite spürte ich mehr, wie die leuchtende Kraft der Inspiration aus ihrer unfreiwilligen Pause zurückkam.

Bald hüpfte ich durch die Wohnung und versuchte, die Horde herumgaloppierenden Pferden in meinem Geist zu zähmen. Nun sitze ich am Computer, die Pferde haben sich mittlerweile beruhigt, zupfen gemächlich am Gras und blicken mich mitunter an. Als würden sie sagen: Los mach schon! Schreib, was du zu schreiben hast. Also tippe ich, erst vorsichtig und schließlich immer schneller, Sätze über ein Buch, dem ich sehr viel verdanke. Weiterlesen

Untrennbar – Maeve Brennan und New York.

Manchmal meint man geradezu, eine Autorin persönlich zu kennen. Obwohl sie schon nicht mehr lebt, überhaupt auf einem anderen Kontinent und in dieser großen, faszinierenden Stadt zu Hause war, die bekanntlich niemals schläft. Genauso fühlt es sich für mich mit Maeve Brennan an, und dies nicht erst seit gestern. Schon seit geraumer Zeit zieht mich das Werk der Autorin stets aufs Neue geradezu magisch an. Weiterlesen

Tschüss 2019.

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Washington Black von Esi Edugyan war meine letzte Lektüre des Jahres. Und es war ein richtig guter Abschluss. Die kanadische Autorin hat sich das schwere Thema der Sklaverei vorgenommen, daraus jedoch einen packenden Abenteuerroman kreiert, der über den ganzen Globus führt. In Barbados bin ich 1830 gestartet, dann ging es in die klirrend kalte Arktis, weiter nach Kanada und von dort nach England und ins wüstenwarme Marokko. Mit an meiner Seite der sympathische Ich-Erzähler Wash, der mir im Laufe der Geschichte regelrecht ans Herz gewachsen ist. Und das nicht nur mir – neben zahlreichen BloggerInnen und BuchhändlerInnen soll sogar Barack Obama das Buch verschlungen haben.
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Alles neu. Bis auf Weihnachten.

Alle Jahre wieder sieht bei uns in diesem Jahr nicht wie alle Jahre zuvor aus. Nicht umsonst war es in den vergangenen Wochen ein wenig ruhiger auf unserem Blog und auf Instagram – geradezu windstill. Aber nur online. Denn im wirklichen Leben sind wir genau dahin gegangen, wo stets eine frische Brise weht.

Aus verschiedenen Gründen haben wir uns gefragt, wo wir eigentlich wirklich leben wollen. Und so sind wir nach vielen Jahren in der Großstadt an die Nordsee gezogen. Hoher Norden, gut für Körper und Seele, mit vielen Orten der Stille.

Längst sind nicht alle Kartons ausgepackt, doch unsere Bücher haben wir bereits befreit und in die Regale gestellt. Dabei fielen uns ein paar Lieblinge des Jahres in die Hände, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Vielleicht ist da draußen ja noch jemand, der eine Anregung fürs Weihnachtsfest gebrauchen kann. In diesem Jahr fassen wir uns jedoch etwas kürzer. Aber Liebe braucht ja bekanntlich nicht viele Worte.
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Trolle Bücher. Teil Zwei.

Tarjei Vesaas / © Guggolz Verlag

Der norwegische Lesetraum geht in die zweite Runde – mit einem interessanten Mix an Literatur aus dem hohen Norden. Freut euch auf Klassiker, Krimis und Kinderbücher. Dazu ein biografisch gefärbter Roman, der von einem dunklen Kapitel Norwegens während der Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählt. La oss gå! Weiterlesen

Trolle Bücher. Teil Eins.

Norwegen, Land im hohen Norden Europas, Land der Fjorde und Mythen, der Trolle und Elfen. Und der Literatur. Denn selten hat mich ein Gastland der Frankfurter Buchmesse mit der Vielfältigkeit seiner Literatur derart begeistert wie Norwegen. Ein wunderbarer, nicht endenwollender Traum. Ganz nach dem Motto der Buchmesse: »Das ist der Traum, den wir tragen, dass etwas Wunderbares geschieht.« Ein Zitat aus dem Gedicht »Det er den draumen« von Olav H. Hauge.

Das skandinavische Land hat eine Vielzahl an Autoren hervorgebracht, Klassiker wie Henrik Ibsen und Knut Hamsun, zeitgenössische Autorinnen wie Anne B. Radge, Maja Lunde oder Anne Holt, nicht zu vergessen Autoren wie Karl-Ove Knausgård, Jo Nesbø und Tomas Espedal. Auf meiner literarischen Entdeckungsreise habe ich auch neue Namen und Stimmen entdeckt, die ich zum ersten Mal vernommen habe und von denen ich noch mehr lesen möchte. Welche das sind und wen Herr Klappentexter für euch bereithält, das präsentieren wir Stück für Stück in unserem Norwegen Spezial in insgesamt drei Teilen. Heute starte ich mit Teil Eins. Weiterlesen

Das Leuchten der ersten Liebe.

»Siebzehnter Sommer« kann ohne Zweifel als Klassiker bezeichnet werden, ist es doch bereits 1942 erschienen. Ein durch und durch großartiges Buch – und das aus der Feder einer 17jährigen Autorin! Der Text liest sich immer noch so herrlich frisch und modern, als wäre er erst gestern geschrieben worden. Dieses kleine literarische Wunder habe ich einer äußerst engagierten Buchhändlerin zu verdanken: Anna Jeller hat ihr ganz persönliches Lieblingsbuch in ihrem eigenen Verlag Edition Anna Jeller neu übersetzen lassen und herausgebracht. Und so etwas Feines blieb der Klappentexterin natürlich nicht lange verborgen, schon gar nicht in meiner Funktion als Buchhändlern. Buchhändler haben ja feine Spürnasen und sind stets auf der Suche nach besonderen Entdeckungen. Haben wir erstmal einen Liebling unter den zahlreichen Büchern erspäht, wird daraus schnell eine mitreißende Welle. So erging es »Siebzehnter Sommer«, das jetzt als Taschenbuch erschienen ist. Weiterlesen