Archiv des Autors: Klappentexterin

Eine Geschichte von Liebe und Tod.

Man könnte fast meinen, die Sonne am heutigen Totensonntag ist ein Geschenk des Himmels. Sie strahlt Trost und Zuversicht aus. Vor allem nach diesem herausfordernden Jahr fühlt sich eine Novembersonne, die leicht mystisch durch nebliges Licht scheint, wie ein kleines Glück an. In solchen Momenten halten wir inne und staunen. Innehalten, still sein, nicht laut rufen, schon gar nicht schreien oder Recht behalten wollen. Innehalten.

Wie im vergangenen Jahr möchten wir heute den Toten gedenken, auch denjenigen, die durch das alles beherrschende Virus von uns gegangen sind. Der Gedanke daran lässt uns stiller werden. Schließlich führt uns der Tod unsere eigene Endlichkeit vor Augen. Manchmal raubt er uns sogar die Sprache. Wir möchten zu einem trauenden Menschen die richtigen Worte sagen, schnappen aber nur nach Luft oder kreisen mit dem Füller über eine leere Kondolenzkarte. Wie tröstend ist es dann, wenn wir ein Buch in den Händen halten, das genau das sagt, was wir fühlen. »Sterben im Sommer« von Zsuzsa Bánk ist genau so ein Buch.

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Der schmerzvolle Stachel der Apartheid.

Wir kennen alle diesen ganz besonderen Moment, wenn uns ein Debüt derart überwältigt hat, dass wir das zweite Werk kaum abwarten können. Ist es endlich da, zögern wir, nur kurz, eins, zwei Atemzüge lang, um die Vorfreude ein wenig länger auszukosten. Oder aus Vorsicht vor einer möglichen Enttäuschung. Als ich Der Anfang einer Zukunft von Kenneth Bonert in den Händen hielt, musste ich einen Moment innehalten, schließlich hatte mich der Autor mit seinem preisgekrönten Erstling Der Löwensucher höchst beeindruckt und sehnsuchtsvoll zurückgelassen.

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Preiswürdige, pure Lesefreude.

Bücher und speziell die Buchbranche sind schon so eine Sache für sich – vor allem die Welt der Buchpreis-Listen. Jedes Jahr warten im August viele Buchhändler*innen gespannt auf die sogenannte Longlist. Ist sie endlich da, gibt’s Jubel, Staunen und bisweilen tiefe Seufzer der Enttäuschung oder Entrüstung. Für mich kann ich nur sagen, dass ich bereits das zweite Jahr in Folge recht zufrieden war. Eine gelungene Mischung tummelte sich da auf der langen Liste. Als aber nun die Shortlist veröffentlicht wurde, musste ich doch tief und langanhaltend seufzen. Weiterlesen

Rendezvous mit dem Schlickmergel.

Foto: Herr Klappentexter

Unsere neue Heimat ist wohltuend für Geist und Seele, dabei auch inspirierend. So erstaunt es nicht, dass in dem Land rund um das faszinierende Wattenmeer bereits zahlreiche Kunstwerke wie auch Bücher entstanden sind.

Jana Scheerer hat sich von dieser Energie offenbar anstecken lassen und mit „Das Meer in meinem Zimmer“ einen erstaunlichen Roman vorgelegt. Das Werk ist sicher keine harmonische Urlaubsgeschichte, aber doch eine echte Sommerlektüre. Die Geschichte ist faszinierend, manchmal weht ein kräftiger Wind und verdreht den Menschen die Köpfe, aber stets strahlt sie wie ein Leuchtturm. Weiterlesen

Das Leben ist eine Reise.

Ein Blick aufs Meer verursacht ja oft Fernweh, und auch der Roman „Offene See“ ist eine Einladung zu einer Reise. Der Autor Benjamin Myers nimmt uns mit ins England der späten Vierziger Jahre, der Zweite Weltkrieg ist endlich vorbei, alle atmen auf, doch die Narben sind noch spürbar. Genauso wie beim Protagonisten dieses vielfach gelobten Romans – Robert ging als Kind in den Krieg und kehrt als junger Mann zurück.

In seinem Rucksack trägt er nach den aufregenden Erlebnissen eine unbändige Sehnsucht nach Natur und – vor allem – dem Meer. So macht sich Robert auf den Weg, eine Wanderung mit offenem Ausgang, der wir uns nur zu gern anschließen. Das Buch wurde schon vor Erscheinen überschwänglich gelobt, und das nicht nur wegen seiner wundervoll anmutenden äußeren Erscheinung. Wir Buchhändler sind ja so etwas wie Goldgräber: Aufmerksam und neugierig forschen wir bei den zahlreichen Neuerscheinungen nach herausragenden Titeln. Weiterlesen

Nachtschicht in der Stadt der Träume.

Wenn bei uns zu Hause einmal nicht gelesen wird, dann kommt manchmal sogar der Fernseher samt des guten alten DVD-Players zum Einsatz. Im wahrsten Sinne des Wortes – denn Familie Klappentexterin schätzt gut gemachte Polizei- und Politserien. Zum Beispiel The Wire, Homicide oder auch Homeland sind absolut empfehlenswert und noch vor dem ganzen Streamingwahnsinn entstanden. Serien, die intelligent gemacht sind und zudem etwas vom Alltag der Menschen hinter den einzelnen Fällen erzählen. Weiterlesen

Sommersonne? Einverstanden!

Brauchen wir derzeit nicht alle ein bisschen mehr Sonne als sonst? Vor allem die im Herzen. Und wenig bringt so viel Licht ins Leben, wie ein gutes Buch. Ein richtig gutes Buch, wie es
»Hintergrund für Liebe« von Helen Wolff ist. Schon nach den ersten Sätzen zieht die Autorin die Vorhänge auf und lässt ganz viel Licht hinein. Aufmerksame Leserinnen und Leser werden sich bei dem Nachnamen der Autorin vielleicht schon gefragt haben, ob sie etwas mit Kurt Wolff zu tun hat. Ja, hat sie! Weiterlesen

Optimismus in Zeiten des Virus.

Bild von Chickenonline auf Pixabay

Es gibt Bücher, bei deren Lektüre ganz viel mit einem passiert. „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai ist so eines: Unzählige Gedanken und Gefühle krabbeln wie Ameisen durch Geist und Körper, während man atemlos und zutiefst berührt Seite um Seite umblättert. Eine wahrlich bewegende Geschichte. Beginnen wir mit einem nachdenklichen und gleichsam optimistisch stimmenden Zitat: »Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.« Aus diesen Zeilen spricht nichts weniger als ein unerschütterlicher, starker Überlebenswille. Und so einen Willen braucht, denke ich, jeder hin und wieder in Momenten, wo das Leben finster und bedrohlich erscheint. Weiterlesen

Bittersüßer Bloggeburtstag.

Bild von Golda Falk auf Pixabay

Als ich heute nach dem Frühstück mein WordPress-Account geöffnet habe, erwartete mich eine faustdicke Überraschung: WordPress höchstpersönlich gratulierte mir. Happy Anniversary with WordPress!  Exakt am heutigen Tag wird die Klappentexterin zehn Jahre alt. Das hatte ich im Sog der beklemmenden Ereignisse rund um das Corona-Virus schlichtweg vergessen. Weiterlesen

Ethik und Poesie. Zur Zukunft unseres Blogs.

Bild von ELLE RITTER auf Pixabay

Die Zeiten, sie werden härter, unübersichtiger und instabiler. Wo wir gerade in die 20er des nicht mehr ganz so neuen Jahrhunderts gestartet sind, werden allerorten Parallelen zu den sogenannten wilden 20ern des letzten Jahrhunderts gezogen, ebenso zur Weimarer Republik. Und wohin das alles geführt hat, wissen wir nur zu gut.

Was also tun? Alles sehen und Gefahren frühzeitig erkennen lautet eine alte Indianerweisheit. Alles zu sehen erfordert Aufmerksamkeit, einen wachen Geist, gern auch Achtsamkeit genannt. Großes, ganz großes Thema. Gut so. Sollte aber auch mit Leben gefüllt werden, weil den hehren Vorsätzen ansonsten schnell die Puste zwischen tollem Gedanken und gedankenloser Ausführung ausgeht.

Ein Phänomen, das wir an uns selbst beobachten konnten, seitdem wir uns intensiver mit Ethik, Philosophie, Buddhismus und Yoga beschäftigen. Immer noch haben wir zu oft bewertet, zu ichzentriert gehandelt und auf den öffentlichen Netzwerken nach möglichst viel Applaus gegiert. Schluss damit! Weiterlesen