Archiv der Kategorie: Aktuelles

Von Einstein, einer italienischen Kriegerin und dem dreisilbigen Konstantin.

Pünktlich mit einem Tag Verspätung werden wir heute die Antworten der drei Gewinner veröffentlichen, die an unserem kleinen Proust-Wettbewerb teilgenommen haben. 

Vielleicht dienen sie ja dem Einen oder Anderen unter euch als Inspiration oder ihr bekommt Lust, den Fragebogen einfach für euch selbst auszufüllen. Denkbar wäre auch, den nächsten Spieleabend anders zu gestalten und Freunde zu bitten, den Fragebogen auszufüllen. Ich glaube, Proust wäre das sehr recht, auch im 21. Jahrhundert bei Gesellschaften noch für Gesprächsstoff zu sorgen. 

Weiterlesen

Viele Fragen. Und drei Gewinner.

Mut wird ja im Leben nicht immer belohnt. Bei uns schon. Und so konnten wir uns darüber freuen, dass es unter unseren Lesern ein paar wagemutige Proust-Freund*innen gibt, die den legendären Fragebogen ausgefüllt haben. 

Herzlichen Dank dafür! Soviel Offenheit wird selbstverständlich belohnt, jedoch können nur drei von den Einsender*innen auch die ausgelobten Bücher gewinnen. Da wir mehr als drei Einsendungen erhalten haben, musste das Los entscheiden. 

Weiterlesen

Ein Lichtstrahl in dunklen Zeiten.

»Pantherzeit ist Seelenzeit.« Dieser Satz schnurrt seit einigen Wochen in meinem Kopf, und er hat etwas sehr Beruhigendes. Aufgespürt habe ich ihn in Marica Bodrožić’ Essayband »Pantherzeit – Vom Innenmaß der Dinge«. Im Frühjahr 2020 brachte der erste Lockdown das Leben der Autorin und ihrer Familie ebenfalls zum Stehen. Und so begann sie, gemeinsam mit Freunden das Gedicht »Der Panther« von Rainer Maria Rilke zu rezitieren. Der Panther in seinem Käfig – ein Sinnbild für den Stillstand des Lebens. Marica lud ihre Nachbarn ein, das Gedicht jeden Abend um 20 Uhr gemeinsam auf den Balkonen zu sprechen. Schon bald wanderte die Raubkatze über die Berliner Balkone weiter nach Tel Aviv, Basel, Bremen und St. Andrews in Schottland – zu allen Freunden, denen sie davon berichtete.  

Weiterlesen

Proust fragt. Wer antwortet, gewinnt.

Es gibt einen legendären Fragebogen, der in der Pariser Gesellschaft des Fin de Siècle die Runde machte. Proust hat ihn offensichtlich mehrfach ausgefüllt, sein Ursprung wird einerseits Antoinette Faure zugerechnet, andererseits soll Proust selbst das Muster der Fragen entworfen haben. 

So stehen wir auch hier – wie so oft bei Proust – vor einem Mysterium. In jedem Fall ist es ein höchst interessanter Fragebogen, der beim Ausfüllenden eine gewisse Offenheit und Mut voraussetzt. Schließlich geht es um durchaus intime Fragen. Zumindest war es vor über hundert Jahren so. In Zeiten von Instakram & Co. ist es mit der Vertraulichkeit und der Zurückhaltung in Sachen intimer Bekenntnisse nicht mehr weit her. Heute sagen wir eher: Es sind sehr persönliche Fragen. 

Weiterlesen

Vom Leben und Überleben.

Für gewöhnlich bespreche ich ja keine Bestseller. Keine Regel ohne Ausnahmen – so geschehen neulich bei Benedict Wells und heute erneut. Warum? Ganz einfach – auch sogenannte Bestseller sind hin und wieder richtig gute Bücher. Und liegen mir am Herzen. In diesem Fall sind es zwei stille Titel, denen trotzdem eine enorme und inspirierende Kraft innewohnt.   

Weiterlesen

Im Schatten großer Ereignisse.

Oft werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. Bei uns sind es Bücher und ihre Autoren, oder besser gesagt: bestimmte Bücher und Autoren, die wir besonders lieben und die in diesem Jahr mit ihren neuen Werken oder auch einem Jubiläum sehr große Schatten vorauswerfen. 2021 werden wir uns auf unserem Blog auf wenige Bücher und Autoren konzentrieren. Für all die feinen Sachen zwischendurch gibt es ja noch andere Kanäle, auf denen wir außergewöhnliche Werke präsentieren. Und wer sind nun die mit den großen Schatten?

Weiterlesen

Eine Geschichte von Liebe und Tod.

Man könnte fast meinen, die Sonne am heutigen Totensonntag ist ein Geschenk des Himmels. Sie strahlt Trost und Zuversicht aus. Vor allem nach diesem herausfordernden Jahr fühlt sich eine Novembersonne, die leicht mystisch durch nebliges Licht scheint, wie ein kleines Glück an. In solchen Momenten halten wir inne und staunen. Innehalten, still sein, nicht laut rufen, schon gar nicht schreien oder Recht behalten wollen. Innehalten.

Wie im vergangenen Jahr möchten wir heute den Toten gedenken, auch denjenigen, die durch das alles beherrschende Virus von uns gegangen sind. Der Gedanke daran lässt uns stiller werden. Schließlich führt uns der Tod unsere eigene Endlichkeit vor Augen. Manchmal raubt er uns sogar die Sprache. Wir möchten zu einem trauenden Menschen die richtigen Worte sagen, schnappen aber nur nach Luft oder kreisen mit dem Füller über eine leere Kondolenzkarte. Wie tröstend ist es dann, wenn wir ein Buch in den Händen halten, das genau das sagt, was wir fühlen. »Sterben im Sommer« von Zsuzsa Bánk ist genau so ein Buch.

Weiterlesen

Der Hundertjährige, der aus dem Sixpack stieg.

buk_collage_start

Man stelle sich nur mal vor, Charles Bukowski wäre tatsächlich hundert Jahre alt geworden. Gut, wahrscheinlich würde er dann im Rollstuhl sitzen, und Linda müsste ihn zum Wettschalter auf der Pferderennbahn schieben. Auf das Jubiläum würde er mit einem Achselzucken reagieren und jedem unangekündigten Besucher eine eiskalte Bierdose entgegenschleudern. Ein lebendiger, hundertjähriger Bukowski wäre tatsächlich ein medizinisches Wunder, eine Fackel im Sturm des Gesundheitswahns, ein Sieg gegen den allgegenwärtigen Stumpfsinn.
Weiterlesen

Es ist aus. Fangen wir an.

thumbnail_Franzen_Jonathan (C) Beowulf Sheehan_011

Der unbestechliche Autor: Jonathan Franzen / Foto: © Beowulf Sheehan

Sozusagen aus aktuellen und technischen Gründen bleibt die Ethik zunächst auf diesem Blog. Ist ja auch nicht fehl am Platze. Beginnen wir gleich mit einem Bestseller. Dann auch noch mit einem, auf den wir uns alle einigen können, kollektiv bei jedem Wort, jedem Satz und jeder Konklusion zustimmend mit dem Kopf nicken können. Genau so einer ist Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? von Jonathan Franzen. Aber auch nur auf den ersten Blick, schließlich haben wir es bei Franzen mit einem Intellektuellen zu tun, der vor unbequemen bis radikalen Forderungen nicht zurückschreckt.
Weiterlesen

Eine Weile still sein.

IMG_3065

Der Toten zu gedenken, heißt auch stets, sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden. Es ist bekannt, dass morgen alles vorbei sein kann. Eine Unachtsamkeit, eine üble Laune des Schicksals, schon haben wir die Grenze von einem Reich zum anderen überschritten.
Weiterlesen