Archiv des Autors: herrklappentexter

Über herrklappentexter

Ich bin der Mann der Klappentexterin.

Von Einstein, einer italienischen Kriegerin und dem dreisilbigen Konstantin.

Pünktlich mit einem Tag Verspätung werden wir heute die Antworten der drei Gewinner veröffentlichen, die an unserem kleinen Proust-Wettbewerb teilgenommen haben. 

Vielleicht dienen sie ja dem Einen oder Anderen unter euch als Inspiration oder ihr bekommt Lust, den Fragebogen einfach für euch selbst auszufüllen. Denkbar wäre auch, den nächsten Spieleabend anders zu gestalten und Freunde zu bitten, den Fragebogen auszufüllen. Ich glaube, Proust wäre das sehr recht, auch im 21. Jahrhundert bei Gesellschaften noch für Gesprächsstoff zu sorgen. 

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Viele Fragen. Und drei Gewinner.

Mut wird ja im Leben nicht immer belohnt. Bei uns schon. Und so konnten wir uns darüber freuen, dass es unter unseren Lesern ein paar wagemutige Proust-Freund*innen gibt, die den legendären Fragebogen ausgefüllt haben. 

Herzlichen Dank dafür! Soviel Offenheit wird selbstverständlich belohnt, jedoch können nur drei von den Einsender*innen auch die ausgelobten Bücher gewinnen. Da wir mehr als drei Einsendungen erhalten haben, musste das Los entscheiden. 

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Proust fragt. Wer antwortet, gewinnt.

Es gibt einen legendären Fragebogen, der in der Pariser Gesellschaft des Fin de Siècle die Runde machte. Proust hat ihn offensichtlich mehrfach ausgefüllt, sein Ursprung wird einerseits Antoinette Faure zugerechnet, andererseits soll Proust selbst das Muster der Fragen entworfen haben. 

So stehen wir auch hier – wie so oft bei Proust – vor einem Mysterium. In jedem Fall ist es ein höchst interessanter Fragebogen, der beim Ausfüllenden eine gewisse Offenheit und Mut voraussetzt. Schließlich geht es um durchaus intime Fragen. Zumindest war es vor über hundert Jahren so. In Zeiten von Instakram & Co. ist es mit der Vertraulichkeit und der Zurückhaltung in Sachen intimer Bekenntnisse nicht mehr weit her. Heute sagen wir eher: Es sind sehr persönliche Fragen. 

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150 Jahre Proust. Auf der Suche nach dem Mythos.

Das Universum schlägt zurück. 

Vor 150 Jahren wurde Marcel Proust geboren – lassen wir sie also beginnen, die Proust-Festspiele. Ein derartiges Jubiläum lässt sich natürlich kein Verlag und schon gar kein Proust-Kenner entgehen, so dass wir in diesem Jahr die Auswahl unter vielen Neuerscheinungen, Wiederveröffentlichungen und neuen Übersetzungen haben. 

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Take a Walk on the wild Side.

Nie war New York näher dran, tatsächlich wie Gotham City zu wirken als in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Es war eine Zwischenzeit, denn die Swinging Sixties mit ihrer Aufbruchstimmung waren definitiv vorbei, der Glamour der folgenden 80er und vor allem die sogenannte Nulltoleranzpolitik des 1994 gewählten Bürgermeisters Giuliani noch weit entfernt. New York war laut, rauh und eine Spielwiese für Künstler und Lebenskünstler aller Art. Es war das New York, wie wir es aus Taxi Driver kennen – eine nicht unbedingt sichere Stadt, aber eine aufregende, die noch nicht durch Gentrifizierung zu einer geleckten Kulisse für Touristen und Spielball von Immobilienspekulanten geworden war.

Genau in dieser Phase unternahm der Fotograf Langdon Clay in den Jahren 1974 bis 1976 nächtliche Streifzüge durch New York und das nahe Hoboken. Immer dabei – seine Leica, bestückt mit Kodachrome-Filmen. Im Zusammenspiel mit dem Licht der neuen Gasentladungslampen, die der Stadt nun auch in der Nacht ein deutlich klareres Licht spendeten, entstanden diese einzigartigen Aufnahmen.

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Schenken verbindet.

Schwierige Zeiten gerade. Denke mir, da sind wir uns alle einig. Aber was ist schon leicht zwischen Himmel und Hölle? Es hilft allerdings, seine Seele nicht in die Fänge derjenigen zu geben, die Schwieriges gern mit leichten Rezepten angehen wollen. Verlorene Seelen finden selten ihren Frieden. Behalten wir also die Nerven und tun uns gegenseitig Gutes. Bücher schenken zum Beispiel. Das verbindet selbst Menschen, die sich gerade nicht treffen können oder dürfen. Heute nun unsere ersten Empfehlungen:

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Der Wahnsinn.

Es gab einmal ein idyllisches Dorf in den Bergen, an der Grenze Österreichs zur Schweiz. Sein Schicksal war es, dass sich die besten und schönsten Skigebiete der ganzen Alpen in direkter Nachbarschaft befinden. Und so wurde aus dem kleinen Dorf mit nicht einmal zweitausend Einwohnern ein Lifestyle-Mekka, wie es im Marketing-Sprech von Menschen genannt wird, die aktiv an seiner Zerstörung mitwirken. Wobei – dieser Prozess ist eigentlich abgeschlossen.

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Der Hundertjährige, der aus dem Sixpack stieg.

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Man stelle sich nur mal vor, Charles Bukowski wäre tatsächlich hundert Jahre alt geworden. Gut, wahrscheinlich würde er dann im Rollstuhl sitzen, und Linda müsste ihn zum Wettschalter auf der Pferderennbahn schieben. Auf das Jubiläum würde er mit einem Achselzucken reagieren und jedem unangekündigten Besucher eine eiskalte Bierdose entgegenschleudern. Ein lebendiger, hundertjähriger Bukowski wäre tatsächlich ein medizinisches Wunder, eine Fackel im Sturm des Gesundheitswahns, ein Sieg gegen den allgegenwärtigen Stumpfsinn.
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Reisen mit Herrn Unseld.

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»Reiseberichte« von Siegfried Unseld. Lesebericht von Herrn Klappentexter. Allgemeines: Reisen im Kopf einmal um die ganze Literaturwelt.

Teilnehmer: Nur die hochkarätigsten der sowieso schon hochkarätigen Autoren des Suhrkamp-Verlages. Dazu bekannte bis berühmte Personen aus Kultur, Gesellschaft und Politik. Unseld traf Legenden noch zu Lebzeiten.
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Der Unermüdliche.

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Foto: © Hermance Triay

Wer als Schweizer, noch dazu als Nationalrat, den Kapitalismus kritisiert, der muss Mut haben. Die Schweiz, dieses angeblich neutrale Land im Herzen Europas, ist ja geradezu die Verkörperung des Kapitalismus in seiner Funktion als Heimat der diskreten Banken, als Schauplatz der Hochfinanz und Zufluchtsort der Superreichen. Da können Sie prima unter sich sein, es stellt ihnen niemand unangenehme Fragen oder hinterfragt gar ihre ethisch-moralische Einstellung. Wo das viele Geld herkommt? Psst, ist schließlich Privatsache. Unangenehme Fragen müssen sich in der Schweiz nur Einwanderer oder Einbürgerungswillige aus den unteren Klassen gefallen lassen.

Jean Ziegler ist Schweizer und einer der leidenschaftlichsten Kritiker des internationalen Kapitalismus im Allgemeinen und der imperialen Strategien der Großmächte im Besonderen. Dazu ein unermüdlicher Autor erhellender Bücher, wie zum Beispiel den aktuellen Werken „Was ist so schlimm am Kapitalismus?“ und „Warum wir weiter kämpfen müssen“, auf deren Inhalte ich nun näher eingehen möchte.
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