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Optimismus in Zeiten des Virus.

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Es gibt Bücher, bei deren Lektüre ganz viel mit einem passiert. „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai ist so eines: Unzählige Gedanken und Gefühle krabbeln wie Ameisen durch Geist und Körper, während man atemlos und zutiefst berührt Seite um Seite umblättert. Eine wahrlich bewegende Geschichte. Beginnen wir mit einem nachdenklichen und gleichsam optimistisch stimmenden Zitat: »Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.« Aus diesen Zeilen spricht nichts weniger als ein unerschütterlicher, starker Überlebenswille. Und so einen Willen braucht, denke ich, jeder hin und wieder in Momenten, wo das Leben finster und bedrohlich erscheint. Weiterlesen

Wenn die Sonne und der Mond sich nicht entscheiden können.


Wer immer schon mal wissen wollte, wie es ist, wenn sich die Sonne und der Mond nicht entscheiden können, sollte Die Poeten der Nacht lesen. Genau so fühlt sich das Buch beim Lesen an. Man weiß überhaupt nicht, ob es Tag ist oder Nacht. Alles ist verschwommen. Es gibt nicht Halbes und nichts Ganzes. Einerseits spannend, andererseits sehr ermüdend.

In dem Buch geht es um einen jungen Mann, Niall, der als Stipendiat sein Literaturstudium aufnimmt. Es dauert jedoch nicht lange und Niall kommt von seinem Weg ab, lässt sich von einer geheimen Vereinigung beeinflussen. Zu groß ist die Neugier nach John und Sarah, zwei Mitglieder der Literati. Dies ist ein geheimer Club, der ein jahrhundertealtes Spiel betreibt, das ebenso göttlich wie dämonisch ist. Zunächst beginnt es für Niall ganz harmlos, bald jedoch entpuppt es sich als ein gefährliches Unterfangen. Eine Flucht scheint unmöglich und anfangs fällt es dem Leser schwer, dem Ganzen nachzuempfinden. Bald erleben wir Buchstaben nicht nur als irgendwelche Zeichen, die Wörter und einen Sinn ergeben, sondern auch als einen betörenden Rausch, der am Ende nur süchtig machen kann.

Das Buch hängt die ganze Zeit in der Warteschleife. Niall sucht immer jemanden, rennt mit müden Augen durch die Straßen und versucht seine Verzweiflung mit Bierflaschen zu betäuben, die ihn dann wiederum, schwer angetrunken, in die Arme junger Männer treiben. Sofern echt, erfährt der Leser hier übrigens einiges über Schwulenclubs in Dublin.
Die Sprache ist wunderbar, auch die Gedanken und Gefühle des jungen Mannes, der sich noch nicht zu seinem Schwulsein bekannt hat, ziehen den Leser in den Bann, doch das eigentliche Elementare, um das es hier gehen soll, also der geheime Literaturclub, verliert immer mehr an Glanz, auch deshalb, weil man sich als Leser schwer in den Rausch hineinversetzen kann. Hier fehlt eine Stelle, die dem Ganzen genau den Kick gibt, die solch ein Thema dringend braucht. In der Mitte des Buches habe ich mich auch gefragt, ob ich es zur Seite legen soll. Trotz der Kritik, möchte ich auch nicht unter den Tisch kehren, dass der Autor in seinem ersten Roman wichtige Themen anspricht: Erwachsenwerden, Jungsein, Selbstfindung, Obsessionen, Sucht.

Die Poeten der Nacht.
Barry McCrea.
Dezember 2009, 9.95 €.
Aufbau Verlag.