Schlagwort-Archive: Tod

Eine Geschichte von Liebe und Tod.

Man könnte fast meinen, die Sonne am heutigen Totensonntag ist ein Geschenk des Himmels. Sie strahlt Trost und Zuversicht aus. Vor allem nach diesem herausfordernden Jahr fühlt sich eine Novembersonne, die leicht mystisch durch nebliges Licht scheint, wie ein kleines Glück an. In solchen Momenten halten wir inne und staunen. Innehalten, still sein, nicht laut rufen, schon gar nicht schreien oder Recht behalten wollen. Innehalten.

Wie im vergangenen Jahr möchten wir heute den Toten gedenken, auch denjenigen, die durch das alles beherrschende Virus von uns gegangen sind. Der Gedanke daran lässt uns stiller werden. Schließlich führt uns der Tod unsere eigene Endlichkeit vor Augen. Manchmal raubt er uns sogar die Sprache. Wir möchten zu einem trauenden Menschen die richtigen Worte sagen, schnappen aber nur nach Luft oder kreisen mit dem Füller über eine leere Kondolenzkarte. Wie tröstend ist es dann, wenn wir ein Buch in den Händen halten, das genau das sagt, was wir fühlen. »Sterben im Sommer« von Zsuzsa Bánk ist genau so ein Buch.

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Rendezvous mit dem Schlickmergel.

Foto: Herr Klappentexter

Unsere neue Heimat ist wohltuend für Geist und Seele, dabei auch inspirierend. So erstaunt es nicht, dass in dem Land rund um das faszinierende Wattenmeer bereits zahlreiche Kunstwerke wie auch Bücher entstanden sind.

Jana Scheerer hat sich von dieser Energie offenbar anstecken lassen und mit „Das Meer in meinem Zimmer“ einen erstaunlichen Roman vorgelegt. Das Werk ist sicher keine harmonische Urlaubsgeschichte, aber doch eine echte Sommerlektüre. Die Geschichte ist faszinierend, manchmal weht ein kräftiger Wind und verdreht den Menschen die Köpfe, aber stets strahlt sie wie ein Leuchtturm. Weiterlesen

Optimismus in Zeiten des Virus.

Bild von Chickenonline auf Pixabay

Es gibt Bücher, bei deren Lektüre ganz viel mit einem passiert. „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai ist so eines: Unzählige Gedanken und Gefühle krabbeln wie Ameisen durch Geist und Körper, während man atemlos und zutiefst berührt Seite um Seite umblättert. Eine wahrlich bewegende Geschichte. Beginnen wir mit einem nachdenklichen und gleichsam optimistisch stimmenden Zitat: »Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.« Aus diesen Zeilen spricht nichts weniger als ein unerschütterlicher, starker Überlebenswille. Und so einen Willen braucht, denke ich, jeder hin und wieder in Momenten, wo das Leben finster und bedrohlich erscheint. Weiterlesen

Von beeindruckender Größe: der beste Freund des Menschen.

Neulich, so schien es, hatte mich die Schreibblockade gepackt. Jegliche Lust am Rezensieren war mit dem steifen Wind über die Nordsee verflogen. Bis zu jenem Sonntag, an dem ich Der Freund von Sigrid Nunez aufschlug und anfing, darin zu lesen. Von Seite zu Seite spürte ich mehr, wie die leuchtende Kraft der Inspiration aus ihrer unfreiwilligen Pause zurückkam.

Bald hüpfte ich durch die Wohnung und versuchte, die Horde herumgaloppierenden Pferden in meinem Geist zu zähmen. Nun sitze ich am Computer, die Pferde haben sich mittlerweile beruhigt, zupfen gemächlich am Gras und blicken mich mitunter an. Als würden sie sagen: Los mach schon! Schreib, was du zu schreiben hast. Also tippe ich, erst vorsichtig und schließlich immer schneller, Sätze über ein Buch, dem ich sehr viel verdanke. Weiterlesen

Eine Weile still sein.

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Der Toten zu gedenken, heißt auch stets, sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden. Es ist bekannt, dass morgen alles vorbei sein kann. Eine Unachtsamkeit, eine üble Laune des Schicksals, schon haben wir die Grenze von einem Reich zum anderen überschritten.
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Die helfende Hand der Zuversicht.

Der Titel des Buches leuchtet wie eine Fackel, und ich staune erneut über die Macht der Sprache. Ein einziges Wort nur, das die Kraft einer tröstenden Hand hat und zärtlich über eine blasse Wange streicht: Zuversicht. Die wünscht sich die Autorin Mira Magén für ihre Protagonistin in ihrem gleichnamigen Roman. Das spüre ich mit jeder feinfühlig geschriebenen Zeile, und deshalb konnte ich dieses Buch auch nicht mehr aus der Hand legen. Die Sätze aus warmen und bildreichen Wörtern erinnern mich an eine kleine, schöne, aber fleischfressende Pflanze, die zuschnappt, sobald sich ihr etwas Lebendiges nähert. In dem Fall sind es meine Augen. Sofort bemerke ich, dass ich bei Mira Magén eine Anziehung finde, die mich an Zeruya Shalev erinnert. Denn israelische Literatur hat für mich einen ganz besonderen Sound. Wie soll ich ihn beschreiben? Vielleicht kraftvoll, ja, dies scheint mir die richtige Bezeichnung. So vibrierten die Sätze immer noch durch meinen Kopf, wie der Bass aus einem Club am Ende der Straße. Und wo ich hier schreibend sitze, frage ich mich: Wie mag es Nava jetzt wohl ergehen? Weiterlesen

Weise Worte über die Einsamkeit. Und noch viel mehr.

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Ich habe lange gewartet. Die Zeit dehnte sich endlos wie ein Kaugummi. Tage, Monate, Jahre. Verwelkte Blätter fielen von den Bäumen, raschelten unter den Füßen. Bald tanzten Schneeflocken durch die Luft und teilten sich den Platz mit meinen Atemwölkchen. Einige Monate später kamen Vögel aus dem Süden zurück, setzten sich zwitschernd auf unsere Bäume, die erst noch kahl waren, und bald schon in voller Blüte standen. Ein sich immer wiederholender Kreislauf. Das Buch ließ auf sich warten, aber dann war er endlich da: Der Moment, als ich Benedict Wells Roman in den Händen hielt. Der Titel »Vom Ende der Einsamkeit«, die ersten Sätze… – schon spürte ich die besondere Magie, die uns nur die Literatur schenken kann.

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Das Mädchen, der Tod und das Glück.

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Niemand spricht gern über den Tod, weil sich nahezu jeder Mensch davor fürchtet. Besonders natürlich in jungen Jahren, wo das Lebensende noch Lichtjahre entfernt scheint. Dabei gehört er naturgemäß genauso zum Leben wie die Geburt. Alles ist ein Anfang und ein Ende. Doch sagt dies mal einem zwölfjährigen Mädchen, das kürzlich seine Adoptiveltern verloren hat. Diese schreckliche Erfahrung muss Willow machen, die Heldin in Holly Goldberg Sloans Jugendbuch »Glück ist eine Gleichung mit 7«. Glück und Tod – wie passt denn das zusammen? Nun, Holly Goldberg Sloan beweist es auf berührende Weise.

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Ein lebendiges Buch über Leben und Tod.

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»Applaus für Bronikowski« von Kai Weyand zählte für mich in diesem Frühjahr zu den schönsten Entdeckungen. Bald haben wir Herbst, also allerhöchste Zeit, euch dieses feine Buch vorzustellen. Und es gibt noch zwei weitere Gründe: »Applaus für Bronikowski« hat es in diesem Jahr auf die Hotlist der 10 besten Bücher geschafft und steht obendrein auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

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Der tiefe Frieden aus den Worten von Banana Yoshimoto.

Banana_Yoshimoto_Moshi_Moshi

Wieder hat mich Banana Yoshimoto auf bezaubernde Weise aus der Unrast des Alltags gezogen und mit ihrem Roman »Moshi Moshi« ganz besondere Momente des Innehaltens geschenkt. Die Zeit verwandelte sich vom Hochgeschwindigkeitszug in eine gemütliche Schnecke und ich fühlte mich, als würde ein kugelrunder Buddha leibhaftig neben mir sitzen. Eine Welle des Glücks durchströmt mich selbst jetzt noch – einige Stunden nach dem Ende der Lektüre.

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