Schlagwort-Archive: Lyrik

Das Herz, ein Raubvogel.

Am 27. Oktober wäre die große Lyrikerin Sylvia Plath 90 Jahre alt geworden. Bekanntlich war ihr nur ein kurzes Dasein auf unserer verletzlichen Erde beschieden – mit 31 Jahren nahm sie sich das Leben. Der Suhrkamp-Verlag ehrt sie nun mit dem Gedichtband „Das Herz steht nicht still“. Der Titel ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn die Kunst von Sylvia Plath hat bis heute nichts von ihrer Vitalität eingebüßt.

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Xmas with the Independents.

Immer kürzer werden die Tage, dafür wirft die Weihnachtsbeleuchtung umso längere Schatten. Kurzum: Der 24. rückt unaufhaltsam näher, und wer jetzt noch kein Geschenk hat, der findet es vielleicht im zweiten Teil meines Weihnachts-Spezials. Dabei fällt mir auf – alle drei kommen aus kleinen, unabhängigen Verlagen. Zufall? Nun, sagen wir´s so: Diese wunderbaren Verlage verstehen es einfach, in ihr Herbst-Programm Bücher zu packen, die sich prächtig dazu eignen, verschenkt zu werden. Wobei die Versuchung stets groß ist, sich damit selbst zu beschenken. As you like it.

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Fantasiewelten verschenken.

© Illustration Kat Menschik / Galiani Berlin

So eingeschränkt wir in diesem Jahr auch waren, für uns Leser*innen gab es immer ein Schlupfloch – die Bücher! Unsere bibliophilen Freunde haben uns stets die Türen offen gehalten, schließlich kennt die Welt der Fantasie keine Grenzen. Dank vieler wunderbarer Bücher sind wir dem Alltag entflohen, haben außergewöhnliche Entdeckungen machen können und auch Hoffnung geschöpft. Nachdem Herr Klappentexter bereits seine Empfehlungen präsentiert hat, zeige ich euch heute eine geschenkfreudige Auswahl:

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Der Hundertjährige, der aus dem Sixpack stieg.

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Man stelle sich nur mal vor, Charles Bukowski wäre tatsächlich hundert Jahre alt geworden. Gut, wahrscheinlich würde er dann im Rollstuhl sitzen, und Linda müsste ihn zum Wettschalter auf der Pferderennbahn schieben. Auf das Jubiläum würde er mit einem Achselzucken reagieren und jedem unangekündigten Besucher eine eiskalte Bierdose entgegenschleudern. Ein lebendiger, hundertjähriger Bukowski wäre tatsächlich ein medizinisches Wunder, eine Fackel im Sturm des Gesundheitswahns, ein Sieg gegen den allgegenwärtigen Stumpfsinn.
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Neueröffnung.

Loup de Mer I

Es ist soweit. Der Ankündigung folgen Taten:
Ab sofort ist der Lyrik-Blog von Herrn Klappentexter eröffnet: zen oder die kunst des nichtens.

Sozusagen die Kraft der Worte auf der Kurzstrecke, die Poesie in Zeiten der Pandemie und hoffentlich weit darüber hinaus. Verbunden mit Fotografien der Landschaft und des Lebensraumes, in dem wir jetzt leben: Schleswig-Holstein, das Land am Meer.

Hier geht´s lang: zenoderdiekunstdesnichtens.

Über viel Interesse und Feedback freuen wir uns schon jetzt. Philosophie und Ethik folgen demnächst.

Ethik und Poesie. Zur Zukunft unseres Blogs.

Bild von ELLE RITTER auf Pixabay

Die Zeiten, sie werden härter, unübersichtiger und instabiler. Wo wir gerade in die 20er des nicht mehr ganz so neuen Jahrhunderts gestartet sind, werden allerorten Parallelen zu den sogenannten wilden 20ern des letzten Jahrhunderts gezogen, ebenso zur Weimarer Republik. Und wohin das alles geführt hat, wissen wir nur zu gut.

Was also tun? Alles sehen und Gefahren frühzeitig erkennen lautet eine alte Indianerweisheit. Alles zu sehen erfordert Aufmerksamkeit, einen wachen Geist, gern auch Achtsamkeit genannt. Großes, ganz großes Thema. Gut so. Sollte aber auch mit Leben gefüllt werden, weil den hehren Vorsätzen ansonsten schnell die Puste zwischen tollem Gedanken und gedankenloser Ausführung ausgeht.

Ein Phänomen, das wir an uns selbst beobachten konnten, seitdem wir uns intensiver mit Ethik, Philosophie, Buddhismus und Yoga beschäftigen. Immer noch haben wir zu oft bewertet, zu ichzentriert gehandelt und auf den öffentlichen Netzwerken nach möglichst viel Applaus gegiert. Schluss damit! Weiterlesen

Trolle Bücher – das Finale.

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Norwegen hat eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Gehörte das Land im hohen Norden nach dem Zweiten Weltkrieg noch zu den Armenhäusern und klassischen Auswanderungsländern in Europa, so strotzt es heute vor Reichtum. Und ziemlich glücklich sollen die Menschen da oben auch noch sein. Wie das? Die Antwort ist kurz, schwarz und schmutzig: Öl. Vor fünfzig Jahren wurden die ersten Ölvorkommen am Boden der Nordsee entdeckt, und das sogenannte schwarze Gold fließt immer noch in Strömen. Aber eines Tages wird es versiegen, zudem hat das Zeug eh nicht mehr den besten Ruf. Aber dafür hat der Norwegische Staat vorgesorgt und bereits rund 800 Milliarden Euro für die Zeit nach dem Öl auf die hohe Kante gelegt. Das sollte erstmal reichen. Auch, um die Nachbarn auf Distanz zu halten, die Schweden, die schon immer alles besser wussten.
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Wiederentdeckte Größe: Cees Nooteboom.

IMG_0473Gibt es sie eigentlich noch, die großen Autoren? Nein, nicht die sogenannten Klassiker, bei denen nach Angabe des Geburtsjahres sofort das Jahr folgt, in dem sie uns verlassen haben. Ich meine große Autoren, die noch unter uns sind. Nein, nicht die handelsüblichen Bestseller-Garanten, nicht die Feuilleton-Lieblinge oder gar die Experten für genau kalkulierte Saisonware. Ich meine wirklich, wirklich große Autoren, solche, die zum Beispiel für den Nobelpreis in Frage kämen, so er dann eines Tages wieder verliehen werden sollte. Große Autoren scheinen eine seltene Spezies geworden zu sein. Noch seltener als die – sagen wir mal – schon ziemlich seltene Knoblauchkröte. Und ich glaube, ich habe so einen entdeckt, besser: wiederentdeckt. Cees Nooteboom, der im vergangenen, nicht enden wollenden Sommer seinen 85zigsten Geburtstag feierte. Weiterlesen

Schrecklich-schöne Poesie.

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Dem Krieg ins Gesicht schauen – mit jeder Faser des eigenen Körpers die Schmerzen und das Leid der Soldaten spüren. Das passiert, während ich »Die Erbärmlichkeit des Krieges« von Wilfred Owen lese. Dieser Lyrikband ist in der Edition ReVers beim Verlagshaus J. Frank | Berlin erschienen und bringt uns einen hierzulande eher unbekannten Lyriker näher. Und das Unbekannte und Unentdeckte, das reizt die Klappentexterin ja seit jeher besonders.

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Dunkel und leuchtend zugleich. Die Lyrik von Sylvia Plath.

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Wie feiner Sand rieseln die Gedichte von Sylvia Plath in mein Bewusstsein. Sichtbar und doch nicht greifbar. Manche schauen mir direkt ins Gesicht, andere verbergen sich hinter einem zarten Schleier und warten darauf, dass ich mich hineinfühle. So habe ich den wunderschön gestalteten Lyrikband Übers Wassers / Crossing the Water aus dem „Luxbooks Verlag“ im Zeitlupentempo gelesen, bin nach vorn gesprungen und wieder zurückgehüpft, als stünde ich auf kleinen Steinen mitten im Meer. In den Händen den Sand und auf meinem Kopf den Mondschein.

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