Wiederentdeckt: Die Sprache der Straße.

Bild von Randy Rooibaatjie auf Pixabay

Hoffnung – immer wieder spüre ich sie. Sie leuchtet durch die Buchseiten hindurch, ausgeatmet von der Protagonistin dieses beeindruckenden Romans. Lutie Johnson heißt diese tapfere Kriegerin, die immer an das Gute glaubt, obwohl um sie herum so viel Hoffnungslosigkeit ist. 1946 erschien The Street von Ann Petry erstmalig und wurde ein Überraschungserfolg, der sich über 1,5 Millionen Mal verkaufte. Überraschend seinerzeit deshalb, weil er von einer afroamerikanischen Autorin verfasst wurde. Nun liegt das Werk in einer deutschen Neuübersetzung vor. Und hat – leider – bis heute wenig von seiner Aktualität verloren. Weiterlesen

Pferde und Bücher. Gibt´s nur zu Weihnachten.

IMG_3450Tja, da dachte man nun, man wäre bis ans Ende seiner Tage ein staatlich geprüfter Großstadtneurotiker. Aber dann veränderten sich die Städte und wurden zu Kampfzonen. Besonders die besonders große Stadt, in die ich mich schon als Kind verknallt und die ich immer wie den Weihnachtsbaum angestaunt hatte. Wie haste dir verändert! Vom Abenteuerspielplatz zum Monopoly für alle Spielarten von Kapitalisten. »Keiner, der vom Profitsystem profitiert, vermag darin ohne Schande zu existieren.« Selbstverständlich hat Adorno recht. Und ich werde zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle noch ausführlicher auf diesen geistreichen und scharfsinnigen Mann zurückkommen. In jedem Fall ist das derzeitige Treiben des Turbokapitalismus nun mal der Lauf der Dinge, auch wenn es ein unangenehmer und ungerechter Lauf ist.
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Trolle Bücher – das Finale.

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Norwegen hat eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Gehörte das Land im hohen Norden nach dem Zweiten Weltkrieg noch zu den Armenhäusern und klassischen Auswanderungsländern in Europa, so strotzt es heute vor Reichtum. Und ziemlich glücklich sollen die Menschen da oben auch noch sein. Wie das? Die Antwort ist kurz, schwarz und schmutzig: Öl. Vor fünfzig Jahren wurden die ersten Ölvorkommen am Boden der Nordsee entdeckt, und das sogenannte schwarze Gold fließt immer noch in Strömen. Aber eines Tages wird es versiegen, zudem hat das Zeug eh nicht mehr den besten Ruf. Aber dafür hat der Norwegische Staat vorgesorgt und bereits rund 800 Milliarden Euro für die Zeit nach dem Öl auf die hohe Kante gelegt. Das sollte erstmal reichen. Auch, um die Nachbarn auf Distanz zu halten, die Schweden, die schon immer alles besser wussten.
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Trolle Bücher. Teil Zwei.

Tarjei Vesaas / © Guggolz Verlag

Der norwegische Lesetraum geht in die zweite Runde – mit einem interessanten Mix an Literatur aus dem hohen Norden. Freut euch auf Klassiker, Krimis und Kinderbücher. Dazu ein biografisch gefärbter Roman, der von einem dunklen Kapitel Norwegens während der Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählt. La oss gå! Weiterlesen

Nur für Erwachsene.

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Bild: © Burkhard Neie/Suhrkamp Verlag

»Hesse! Unlesbar, wenn man kein Jugendlicher mehr ist.« Ich höre ihn noch, den berühmten Literaturpapst, wie er dieses Urteil in seiner ihm eigenen Urteilsverkündungsprosa ausrief. Ebenso gut erinnere ich mich, wie ich von einem befreundeten Büchersammler durch seine gesamte, mit tausenden von Werken sogenannter bedeutender Autoren bis unter die Decke zugesammelten Wohnung verfolgt wurde und er genauso vehement wie der Bücherpapst vorwurfsvoll predigte: »Hesse? Hast du als Erwachsener etwa noch Hesse gelesen?«
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Das Leuchten der ersten Liebe.

»Siebzehnter Sommer« kann ohne Zweifel als Klassiker bezeichnet werden, ist es doch bereits 1942 erschienen. Ein durch und durch großartiges Buch – und das aus der Feder einer 17jährigen Autorin! Der Text liest sich immer noch so herrlich frisch und modern, als wäre er erst gestern geschrieben worden. Dieses kleine literarische Wunder habe ich einer äußerst engagierten Buchhändlerin zu verdanken: Anna Jeller hat ihr ganz persönliches Lieblingsbuch in ihrem eigenen Verlag Edition Anna Jeller neu übersetzen lassen und herausgebracht. Und so etwas Feines blieb der Klappentexterin natürlich nicht lange verborgen, schon gar nicht in meiner Funktion als Buchhändlern. Buchhändler haben ja feine Spürnasen und sind stets auf der Suche nach besonderen Entdeckungen. Haben wir erstmal einen Liebling unter den zahlreichen Büchern erspäht, wird daraus schnell eine mitreißende Welle. So erging es »Siebzehnter Sommer«, das jetzt als Taschenbuch erschienen ist. Weiterlesen

Der ganze Thomas Bernhard. Und sein Hab und Gut dazu.

Bernhard, GAB02
© Suhrkamp Verlag

Am 12. Februar 1989 ist Thomas Bernhard gestorben. Dieser sprachgewaltige Weltankläger hat also vieles nicht mehr miterlebt. Den Fall der Mauer, das Ende der Sowjetunion, den Zerfall Jugoslawiens, wo er mehrfach hinreiste, ganz zu schweigen vom Internet und Menschen, die sich eine Berufsbezeichnung geben, die irgendwie nach dem lateinischen Wort für Grippe klingt. Hochansteckende Hysterie als Reaktion auf seine Literatur war ihm trotzdem nicht fremd. Seine Anklage gegen eine gedankenlose und gleichgültige Welt entlud sich nicht selten in legendären, kunstvollen Beschimpfungen. Kein Fremdenverkehrsverband hätte mehr für Augsburgs Berühmtheit tun können, als Bernhard mit seiner Lechkloake. Und erst das Burgenland! Eine Strafanstalt, fad und häßlich. Aber das mit der Kunst verstanden viele nicht, folgerichtig kam es zu ebenso legendären Reaktionen von Reaktionären, die zumeist unsouverän bis offen feindselig ausfielen. Bestes Beispiel: Die Hasstiraden auf sein letztes Theaterstück Heldenplatz.
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Starke Stimmen der Hoffnung.

Bisher symbolisierten die 50er und 60er Jahre für mich vor allem eins: ein unglaubliches Stilvermögen. Ganz oben thront Audrey Hepburn, die mich schon als junges Mädchen mit ihrer Rolle als Holly Golightly in Frühstück bei Tiffany für immer geprägt hat. Einerseits durch ihre entzückende Ausstrahlung, andererseits durch die umwerfende Kleidung. Diese schlichte Eleganz – unaufdringlich und überwältigend zugleich. Oder nehmen wir die Automobile aus diesen Dekaden; Herr Klappentexter machte mich mit der atemberaubend schönen Welt der Oldtimer bekannt, zum Beispiel einem Auto, das Göttin genannt wird. Umwerfend und unerreicht ist dieser Citroën DS. Neben all der Raffinesse und Augenfreude steht diese Epoche jedoch auch für eine der wichtigsten politischen Bewegungen auf der ganzen Welt. Auch in den Vereinigten Staaten tat sich in diesen Jahren viel: Die Bürgerrechtsbewegung Civil Rights Moments erreichte ihren Höhepunkt, und die unglaublichen Demütigungen der Rassentrennung begannen endlich zu bröckeln. Aus dem Kampf für die Bürgerrechte der Afroamerikaner und gegen die Rassentrennung sind einzigartige literarische Stimmen hervorgegangen, denen ich mich heute widmen möchte. So wurde die angloamerikanische Literatur für mich zu der Entdeckung des vergangenen Jahres. Weiterlesen

Schenkt Liebe, schenkt Bücher.

Vor zweitausend Jahren haben böse Kapitalisten ein rauschhaftes Jahresendzeitfest erfunden, eine verrückte Zeit des Konsums. Glücklicherweise kamen in den letzten Jahren besinnliche, spirituell angehauchte Menschen auf die Idee, dass es doch eigentlich ein Fest der Liebe sein soll. Der Liebe zu anderen Menschen und der Freude, sie zu diesem Anlass reichlich zu beschenken. Zum Beispiel mit Büchern und der Lust auf unglaubliche, phantasievolle und berührende Geschichten. Als Buchhändlerin kann ich das nur vorbehaltlos unterstützen.

Und so möchte auch Familie Klappentexterin die Gunst der Stunde nutzen, um euch in unserem Weihnachtsspezial ganz besondere Bücher zu empfehlen. Bücher, die selten auf dem Bestsellertisch liegen und doch Aufmerksamkeit verdient haben. Ich beginne heute, Herr Klappentexter folgt mir am Montagabend. Weiterlesen

Bukowski übers Schreiben, das Leben und den Tod.

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Es gibt Neues von Charles Bukowski, genauer: neues Altes. Der Mann war ein eifriger Briefeschreiber, und nun sind eine ganze Reihe seiner Briefe in dem Band Über das Schreiben bei Kiwi erschienen. Aber wir können uns entspannen, denn hier wird keine geschäftstüchtige Bukowski-Folklore betrieben, diese Briefe waren noch nicht in dem ebenfalls lesenswerten Werk Schreie vom Balkon enthalten und bieten selbst demjenigen, der schon alles von Buk gelesen hat, noch neue Einblicke. Er spricht – wie der Titel des Buches schon sagt – übers Schreiben. Und sagt dazu viele kluge und wahre Dinge.
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