Unterwegs auf der Straße des Lebens.

„Ich glaube fest, dass der liebe Gott für jeden Einzelnen von uns einen Auftrag hat, einen Auftrag, der unsere Schwächen mit Nachsicht behandelt und unseren Kräften angepasst ist und der auf jeden persönlich zugeschnitten ist. Aber mit diesem Auftrag kommt Gott nicht unbedingt zu uns und präsentiert ihn wie einen Kuchen mit Zuckerguss.“ Es liegt also ganz an uns, dies herauszufinden oder zu schauen, was uns das Leben für Aufgaben gibt, um ebendiesen Lebenspfad zu folgen.

Um solche Schwächen, aber auch um Träume und Hoffnungen dreht sich das neue Buch von Amor Towles. „Lincoln Highway“ ist ein Schwergewicht und ich kann mir gut vorstellen, dass einige vor dem Umfang zurückschrecken. Sollte dies der Fall sein, dann bleibt bitte kurz.

Denn hier, liebe Freunde guter Literatur, ist keine Seite zu viel. Und nichts wiegt schwer, viel mehr ist’s federleicht erzählt und es funkeln so viele Wahrheiten hervor, die einem mitunter Tränen in die Augen treiben oder ein tiefes Seufzen hervorrufen. Ich habe wirklich jede Seite genossen, die ich mit Emmett, Billy, Duchess, Sally, Woolly und Ulysses erlebt habe, nichts empfand ich als zu langatmig. Wobei ich gestehen muss, dass ich das Buch nicht gelesen habe, sondern mir habe vorlesen lassen.

Beim Hörbuch Hamburg Verlag liegt die eingesprochene Fassung vor – von Uve Teschner, Julian Greis und Lisa Hrdina haben den Roman kongenial vorgetragen. Vor allem Uve Teschner möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben, wie der Sprecher sich in seine Figuren eingefühlt und ihnen die richtige Stimmlage gegeben hat, hat mich tief beeindruckt. Beim Hörbuch Hamburg Verlag könnt ihr hier mal hineinhören und dem Autor zuhören, der uns seinen Roman vorstellt.

Alles beginnt damit, dass Emmett aus der Jugendhaftanstalt entlassen wird. Sein Vater ist kürzlich verstorben, hoch verschuldet. Daheim erwartet Emmett sein jüngerer Bruder Billy voller Sehnsucht. In seiner Hand hält er eine Schatulle mit Postkarten seiner Mutter. Sie ist vor Jahren abgehauen und hat anfangs wenige Karten geschrieben, die Billy jetzt gefunden hat. Die Karten wurden aus Kalifornien verschickt. Da müssen sie hin, sagt Billy. Emmett muss erstmal in sich gehen, überlegen. Aber was sollen sie sonst machen? Auch Mr. Ransom – ein Nachbar und Freund, der sich mit seiner Tochter Sally um Billy gekümmert hat – rät ihm, woanders neu anzufangen. Das Haus gehört längst der Bank. Emmett hat in der Scheune noch seinen Studebaker zu stehen. Doch als sie aufbrechen wollen, tauchen plötzlich Duchess und Woolly aus der Jugendstrafanstalt auf und das ganze Vorhaben wird für uns alle zu einem unberechenbaren und spannendem Abenteuer – von Nebraska bis nach New York erstreckt sich diese Reise.

Das Buch geht zu Herzen durch Figuren wie Billy und Woolly. Aber auch Emmett und Ulysses haben mich berührt, Duchess hat mich gefordert, aber auch seine Geschichte ist eine bewegende, die Amor Towles nach und nach entrollt . Dabei erweist er sich wiederholt als grandioser Erzähler. Diesem Autor wünsche ich hierzulande mehr Aufmerksamkeit. Seinerzeit habe ich mit großer Begeisterung Towles‘ Debüt „Eine Frage der Höflichkeit“ gelesen und hier vorgestellt.

Trotz des irritierenden Endes, über das man lange noch sprechen kann wie über dieses ganze wunderbare Buch, lege ich euch diese atemberaubende Road Novel ans Herz. Wenngleich die Geschichte in einer Zeit vor uns spielt – in den 50er Jahren – sind mir etliche Gedanken keineswegs fremd, sie kehren immer wieder.

So lasst uns aufmerksam durchs Leben schreiten und hören, was es uns zu sagen hat.

Amor Towles: Lincoln Highway. Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Höbel. Hanser, Juli 2023, 576 Seiten, 26,- €. Hörbuch Hamburg, Gekürzte Download-Lesung: 19,95 €. Ungekürzte Downloadlesung: 34,95 €, Mp3 CD, gekürzte Lesung: 26,- €.

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