Es lebe die Freundschaft!

Wir hatten uns lange, das Buch und ich. Als ich »Schlafen werden wir später« von Zsuzsa Bánk begann, war es grau und kalt draußen. Jetzt hat die Sonne die Kraft eines frühen Sommertages: Blüten strecken sich ihr hungrig entgegen, erste Insekten schwirren auf dem Balkon, ich atme auf. Und spüre gleichzeitig den schweren Atem des Abschieds im Gesicht. Man sagt, Bücher können wie gute Freunde sein. So ist es mir mit diesem berührenden Briefroman ergangen. Deshalb bin ich hin- und hergerissen zwischen Aufbruchfreude und Abschiedsschmerz. Aufbruchfreude, da es mich lange festgehalten hat, länger als zunächst angenommen. So habe ich die vielen eintrudelnden Neuerscheinungen ruhen lassen müssen, um dem Buch die Zeit zu geben, die es fordert. Doch man schenkt sie ihm gern, wenn man sich darin fest verankert hat und wohl fühlt. Abschiedsschmerz, weil ich Márta und Johanna vermissen werde. Selbst nach der Lektüre frage ich mich hin und wieder, was sie nun machen und wie es ihnen wohl geht. Und in all dem kreisen Gedanken wie Möwen durch meinen Kopf, kreischen und wollen hinaus. Auf den Blog, in der Hoffnung, dass wir uns wieder gerade biegen, die Gedanken und ich, und dabei vielleicht weitere Freunde für das Buch aufspüren können. Das wäre schön. »Schlafen werden wir später« ist ein Buch, das seine Liebhaber finden wird. Ich bin eine davon. Warum, das möchte ich euch erzählen.

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Ein verlorenes Paradies?

elif_shafak_der_geruch_des_paradieses»Welchen Lebensweg soll ich einschlagen?« Ich spüre den Blick von Peri auf mir und drehe mich verlegen zur Seite. Diese große existenzielle Frage hallt durch Elif Shafaks Romanheldin direkt zu mir. Peri erinnert mich an eine junge Biene, die zu lange am süßen Nektar genascht hat. Nun ist sie ganz mit Blütenstaub gefüllt und sie weiß nicht, wohin mit dem Gewicht. In ihrem Falle sind es allerhand Gedanken und Gefühle. Sie arbeiten in ihr wie fleißige Ameisen, und der Wind bahnt sich einen Weg durch ihren Kopf, doch die Gedanken über Gott, das Gute und das Böse, die verschlüsselten Träume und die Einsamkeit des jungen René Descartes, sie wollen partout nicht verschwinden.

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Das Mädchen, der Tod und das Glück.

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Niemand spricht gern über den Tod, weil sich nahezu jeder Mensch davor fürchtet. Besonders natürlich in jungen Jahren, wo das Lebensende noch Lichtjahre entfernt scheint. Dabei gehört er naturgemäß genauso zum Leben wie die Geburt. Alles ist ein Anfang und ein Ende. Doch sagt dies mal einem zwölfjährigen Mädchen, das kürzlich seine Adoptiveltern verloren hat. Diese schreckliche Erfahrung muss Willow machen, die Heldin in Holly Goldberg Sloans Jugendbuch »Glück ist eine Gleichung mit 7«. Glück und Tod – wie passt denn das zusammen? Nun, Holly Goldberg Sloan beweist es auf berührende Weise.

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Ein Buch für das Kind in uns.

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Man sagt diesem Buch nach, dass es vor allem große Kinder begeistert. Das hat mich natürlich neugierig gemacht, wo ich mir doch die kindliche Begeisterung für Kinder- und Jugendbücher bewahrt habe. In jedem Fall ist »Sommersprossen auf den Knien« von Maria Parr ein überaus entzückendes Buch. Ein Buch, bei dem es oft im Bauch kribbelt, als hätte ich eine ganze Tüte Brausepulver verschlungen. Genauso wie ich mir meinen glücklich summenden Bauch gehalten habe, musste ich zwischen den Seiten häufig schmunzeln. Ja, hier steckt eine ganze Tüte Glück drin – für kleine und große Leser.

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Wenn die Liebe dunkle Schatten wirft.

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Die Verlagswelt versüßt uns diesen Sommer mit wunderbaren Büchern. So auch der mare Verlag mit »Die Schatten von Race Point« von Patry Francis. Ein Buch über die Liebe? Jein. Denn hier geht es um die tragische Version der Liebe, nämlich die unerfüllte. Aber nicht nur das: Dieser opulente Roman begeistert mit einer Fülle an Themen und ist so spannend wie mitreißend erzählt, dass sich die 588 Seiten wie ein Sechser im Lotto anfühlen.

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Ein Land – zwei Welten.

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Wer kennt das nicht? Da hat man gerade ein Buch beendet und ist unheimlich traurig. Man will am liebsten weiterlesen. Genauso ist es mir im Frühjahr ergangen. Nachdem ich Amos Oz’ »Judas« beendet hatte, wollte ich in Israel bleiben und so griff ich zu Lizzie Dorons Buch »Who the Fuck Is Kafka«. Sicherlich kann man beide Werke nicht auf eine Stufe stellen. Trotzdem spüre ich zwischen beiden Büchern eine innige Symbiose – und das nicht nur, weil Mirjam Pressler die Bücher aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt hat. Sie führen mich in ein Land, das zerrissen ist und unzählige Narben wie Tote und Verletzte in sich trägt, jeder auf seine Art mit der Kraft des geschrieben Wortes.

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Ein Regenbogen von Buch.

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Fast hätte ich „Die Interessanten“ von Meg Wolitzer verpasst. Und das wäre ein großer Verlust gewesen. Denn dieser Roman schlägt zwar nicht kometenartig ein, aber er entfaltet sich mit jeder Seite, bis er im Kopf sitzt und dort auf angenehme Weise kitzelt. „Die Interessanten“ ist wie ein guter Wein, der Luft braucht, um sein volles Aroma zu verströmen. Wenn man dem Roman mit Geduld entgegentritt, erlebt man ein großes Wunder der aktuellen zeitgenössischen Literatur.

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On the Road to Luck.

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Ein Blinzeln in der Sonne. Sandstaub auf den Lippen. Und in den Tiefen meines Bauches eine ganze Armee an Endorphinen. Ich blicke auf das schmale Buch Zweiundzwanzig von Jean-Philippe Blondel, flach wie eine Flunder und stark wie ein Elefant. Immer noch bin ich erstaunt darüber, was die kurze Geschichte mit mir angestellt hat. Großartig war’s – so viel kann ich euch schon verraten.

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