Juli Zeh über das Tauchen.

Foto: David Finck

Juli Zeh wurde 1974 in Bonn geboren. Sie studierte Jura und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Auslandsaufenthalte u.a. für die UN in New York und Krakau sowie in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina haben ihre Arbeiten beeinflusst. Ihre Bücher sind inzwischen in 35 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet worden. Nun liegt mit „Nullzeit“ ihr neuer Roman vor.

Klappentexterin: Was hat Sie zu Ihrem neuen Roman „Nullzeit“ inspiriert?

Juli Zeh: Vor allem meine eigene Taucherfahrung. Die ist zwar noch nicht sehr umfangreich, aber die Faszination war so stark, dass ich Lust hatte, eine Geschichte (teilweise) unter Wasser spielen zu lassen.

Ist „Nullzeit“ eher mehr ein Thriller?
JZ: Nullzeit ist ein Psycho-Thriller, würde ich sagen. Ich musste beim Schreiben oft an „Bitter Moon“ denken, die Literaturverfilmung von Roman Polanski.

Das Ende in „Nullzeit“ hätte auch anders ausgehen können. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
JZ: Das Ende stand eigentlich schon von Anfang an fest. Ich wollte ein Ende, bei dem nach all den Verwicklungen und brisanten Vorkommnissen zum Schluss eigentlich „gar nichts richtig“ passiert ist – die Hauptfigur bleibt mit leeren Händen zurück und muss sich entscheiden, ihr Leben völlig neu zu ordnen.

In Ihrem Buch zitieren Sie Don Draper, den ungemein gutaussehenden Werber aus „Mad Men“. Viele sind der Meinung, dass diese Serie eine der besten der letzten Zeit ist. Stimmen Sie dem zu und schauen Sie noch andere Serien aus Amerika?

JZ: Ich finde „Wire“ noch besser als „Mad Men“. Außerdem habe ich natürlich auch ganz gern die Sopranos, Breaking Bad und Six Feet Under geguckt – also die üblichen Verdächtigen.

Wie Ihr Protagonist Sven haben Sie ebenfalls Jura studiert. Nach Ihrem ersten juristischen Staatsexamen begannen Sie ein Studium am Literaturinstitut Leipzig. Wie kam es zu dieser Wende? Gab es ein auslösendes Ereignis?
JZ: Das auslösende Ereignis bestand darin, dass ich von der Existenz des Literaturinstituts erfuhr. Freunde haben mich überredet, mich dort zu bewerben. Sie meinten, ich muss es unbedingt versuchen, weil ich viel mehr Zeit mit Schreiben als mit Studieren verbracht habe.

Ich habe Sie mal an der Ampel an der Jannowitzbrücke mit einem großen Hund gesehen, der fast so groß war wie Sie selbst. Waren Sie das? Falls ja, was bedeutet Ihnen Ihr Hund?
JZ: Hm, ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich das war, denn mein Hund ist nur kniehoch, ich hingegen bin höher als mein eigenes Knie 😉 Zur Frage nach der Bedeutung – na, ich liebe meinen Hund, ist doch klar.

Woher kommt die Faszination Tauchen?

JZ: Das Faszinierende daran ist, dass dieser Lebensraum für uns Menschen nicht vorgesehen ist. Man fühlt sich ein wenig, als würde man ins Weltall vordringen, und die Lebewesen dort sind Außerirdische. Dabei ist diese Welt nur auf Armeslänge von uns entfernt – und doch gelten in ihr völlig andere Gesetze. Der Mensch ist im Wasser schwerelos und kann fliegen. Wer das einmal erlebt hat, bekommt entweder Angst oder wird süchtig oder beides.

Welchem Fisch würden Sie auf dem Meeresgrund gern einmal begegnen?
JZ: Am liebsten würde ich mal einen richtig großen Kraken sehen.

Sie haben bereits unzählige Bücher verfasst. Haben Sie einen besonderen Liebling?

JZ: Das ist ungefähr so, als würde man eine Mutter fragen, welches ihrer Kinder sie am liebsten hat. So viel kann ich sagen: „Nullzeit“ zu schreiben hat mir von allen Büchern am meisten Spaß gemacht. Und „Spieltrieb“ würde ich aus meiner Sicht als das wichtigste Buch bezeichnen.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Juli Zeh weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Hier geht es zur Homepage der Autorin. Alle Berliner Juli Zeh Fans aufgepasst: Am 31. August gibt es die Buchpremiere zu „Nullzeit“ im Kesselhaus der Kulturbrauerei. Die Karten bekommt ihr unter „www.eventim.de“ oder ihr besucht die Buchhandlung Herschel in der Anklamer Straße 38. Dort kann man die Karten ebenfalls kaufen.

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12 Gedanken zu “Juli Zeh über das Tauchen.

  1. Liebe Klappentexterin,
    was für ein schönes, was für ein interessantes und gelungenes Interview mit einer unfassbar interessanten Schriftstellerin. Meinen Neid für die Möglichkeit Juli Zeh zu interviewen, habe ich ja bereits auf Facebook zum Ausdruck gebracht. Ich finde das Interview klasse und habe es sehr gerne gelesen. Dankeschön!
    Begeisterte Grüße
    Mara

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  2. Merci auch von mir für das Interview, das mir die Autorin auf sympathische Weise näherbrachte und mich an sie erinnerte, denn (ich fühle mich unter all den Fans ganz mies) ich habe noch nichts von ihr gelesen. Da mich das Tauchen wenig reizt, würde ich mich nun über Empfehlungen freuen, fernab der Neuerscheinung. Womit sollte ich wieso einsteigen?

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    1. Ich danke dir für deine Rückmeldung, lieber Konstantin! Du brauchst dich nicht mies zu fühlen, schließlich können wir nicht alle Autoren und Autorinnen lesend kennengelernt haben. Mich freut es, dass ich dich so auf Juli Zeh aufmerksam machen konnte. Mit welchem Buch du beginnen solltest, weiß ich nicht so genau. Ich mochte jedes Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, auch wenn es noch nicht alle sind, die ich bislang gelesen habe. Mein erstes Buch war „Adler und Engel“. Das wiederum ist viele, viele Jahre her, deshalb erinnere ich mich nicht mehr an Einzelheiten. Ich fand es sehr radikal und beeindruckend, vor allem sprachlich gesehen. „Schilf“ konnte mich ebenfalls begeistern, wobei es sich mehr um einen Krimi handelt, ein raffinierter und ungewöhnlicher Krimi. „Spieltrieb“ möchte ich an der Stelle auch erwähnen wie „Angriff auf die Freiheit“. Letzteres ist kein Roman, sondern ein Sachbuch, ein sehr wichtiges zum Thema staatliche Überwachung. Ich bin gespannt, für welches Buch du dich entscheiden wirst. Vielleicht wählst du am Ende „Corpus Delicti“ oder „Die Stille ist ein Geräusch“? LG, Klappentexterin

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  3. Hi Du,

    tolles Interview, danke dafür. Ich les‘ deinen Blog echt gern und hau immer wieder selbst etwas raus, wenn ich nicht gerade an meiner masterarbeit sitz‘. (buechersenf.wordpress.com) Du hast in dem Hinweis auf ihre Buchpremiere morgen „ebentim.de“ statt „eventim.de“ geschrieben, macht wahrscheinlich nich wirklich was, wollt ich dir aber sagen 🙂

    Man liest sich,
    Herzlich
    Jay

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    1. Hallo Jay, ich danke für deinen Besuch, deine freundlichen Worte zu meinem Blog und natürlich für deinen Hinweis. Da hat sich offenbar das „b“ vor das „v“ geschoben, ein kleines Tastenmalheur sozusagen. ; ) Jetzt ist es leider zu spät, aber ich hab’s trotzdem geändert. Ich bin schon sehr auf deinen Blog gespannt und komme die Tage mal vorbei. LG, Klappentexterin

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