Flandern und die Niederlande: Eine literarische Entdeckung.

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Während momentan zahlreiche Bücherfreunde nach Frankfurt zur Buchmesse pilgern, möchte ich allen Daheimgebliebenen mit meinem heutigen Bücherspezial die Buchmesse nach Hause bringen. In diesem Beitrag findet ihr Rezensionen über Bücher aus den Niederlanden und Flandern. Dieses Mal nicht von mir verfasst, sondern von Bloggerkollegen. Wer darüber hinaus auf die beiden Gastländer neugierig geworden ist, kann im Netz hier, da und dort in Ruhe stöbern. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Inspirieren!

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Der tiefe Frieden aus den Worten von Banana Yoshimoto.

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Wieder hat mich Banana Yoshimoto auf bezaubernde Weise aus der Unrast des Alltags gezogen und mit ihrem Roman »Moshi Moshi« ganz besondere Momente des Innehaltens geschenkt. Die Zeit verwandelte sich vom Hochgeschwindigkeitszug in eine gemütliche Schnecke und ich fühlte mich, als würde ein kugelrunder Buddha leibhaftig neben mir sitzen. Eine Welle des Glücks durchströmt mich selbst jetzt noch – einige Stunden nach dem Ende der Lektüre.

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Der Meister und die Männer.

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Haruki Murakami hat es wieder geschafft – er hat mich inspiriert und glücklich gemacht. Wie eine Wölfin schaue ich jetzt in den Nachthimmel und heule voller Leidenschaft den Mond an. Sein neuer Erzählband Von Männern, die keine Frauen haben erinnert mich an einen magischen Vollmond, von dem ich einfach nicht lassen kann. Klare, scheinbar alltägliche Geschichten mischen sich unter verschwommene, die in einem mystischen Glanz erscheinen.

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Eine Verlosung aus vollem Herzen!

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Banana Yoshimoto wird heute 50 Jahre. 50? Bei dieser Zahl musste ich erstmal schlucken, als ich sie zum ersten Mal in der Vorschau des Diogenes Verlags sah. Das kann nicht sein, dachte ich. Für mich ist die Autorin immer noch die 28-jährige, die mich mit ihrer jugendlichen Frische begeistert hat. Seit über elf Jahren verbindet uns eine besondere Beziehung. Grund genug, dieser wunderbaren Autorin heute zum Geburtstag zu gratulieren.

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Die Blumen des Guten.

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Bücher von Banana Yoshimoto sind für mich immer kleine Seelenreisen. Die Autorin öffnet die Tür in die Innenwelt von Menschen, die auf ihren Schultern so manches Gewicht tragen. Doch sie drücken mich niemals zu Boden. Ganz im Gegenteil: Stets fühle ich mich leicht und auf besondere Weise aufgehoben, wie in einer warmen Höhle. Daher strecke ich mich mit einem Lächeln nach dem neuen Roman Der See und begebe mich erneut auf die Reise.

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Das fremde Buch des vertrauten Herrn Murakami.

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Stellt euch eine Lotusblüte vor, die in einem wunderschönen Blau die Sonnenstrahlen reflektiert und glänzt, aber gar nicht duftet. Genau so fühlt sich für mich Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami an. Einerseits glänzt das Buch vor farbenfroher Eleganz. Andererseits ist es für mich ein Buch zwischen meinen Murakami-Büchern, das mir fremd ist und eine schreckliche Leere hinterlässt.

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お誕生日おめでとうございます、村上さん

Heute wird ein ganz besonderer Autor 65 Jahre alt. Ein Autor, der mich in eine andere Literaturwelt geführt hat. 2003 habe ich seine Bücher für mich entdeckt und kann sie seitdem nicht mehr aus meinem Leben wegdenken. Viele von euch wissen bestimmt schon, vom wem hier die Rede ist. Lasst ihn uns also gemeinsam rufen: H-A-R-U-K-I M-U-R-A-K-A-M-I!

MURAKAMI_HARUKI_6956.TIF                                        © Markus Tedeskino / Ag.Focus Weiterlesen

Wie √ zu meinem Freund wurde.

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√. Ich hatte das spitze Wurzelzeichen aus meinem Kopf verscheucht, weil es mich einfach zu sehr an Mathematik erinnerte, ein Schulfach, mit dem ich auf Kriegsfuß stand. Doch plötzlich tauchte es auf der ersten Seite in Das Geheimnis der Eulerschen Formel wieder auf und stach in meine Augen. Sollte ich flüchten oder bleiben? Ich haderte kurz, entschied mich schnell fürs Bleiben, denn die japanische Autorin Yoko Ogawa nahm mich mit ihren schönen Worten behutsam an die Hand.

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Rettung vor der Vergangenheit.

Bei Banana Yoshimoto muss ich immer an eine warme Nudelsuppe denken. Dampf steigt aus ihren Büchern, die Sätze schlängeln sich wie Reisbandnudeln durch die Augen und mein Bauch fühlt sich beim Lesen an, als würde in ihm die Sonne sitzen. Wir kennen uns nicht persönlich und doch ist die Autorin inzwischen eine gute Freundin geworden. Ihre Geschichten lösen viel in mir aus, von Kopf bis Fuß spüre ich eine Wärme und ein vertrautes Echo hallen, das mich an meinen Atem erinnert. Wie die Feder eines Seelenvogels, die mir über die Seele streift. Ihr neuer Roman „Ihre Nacht“ macht da keine Ausnahme.

Banana Yoshimto spricht das aus, vor dem wir uns am liebsten verstecken wollen. Die Autorin erzählt von Menschen, die sich in der Welt verloren fühlen und denen die Balance abhanden gekommen ist. Sie schwanken und spüren einen stechenden Schmerz im Herzen. Was sich sonst befremdlich anfühlt, hat bei Banana Yoshimoto etwas ganz Gewöhnliches, als würde ich mir morgens die Zähne putzen und mich dabei im Spiegel betrachten. Wie schafft sie das nur? Indem sie sehr gefühlvoll in die Rolle ihrer Protagonisten schlüpft und sie mit feiner Hand zu Menschen macht, die mir sehr nah sind.

Die Ich-Erzählerin in „Ihre Nacht“ ist so eine verlorene Seele. Yumikos Eltern sind vor einigen Jahren verstorben und seitdem irrt sie wie ein halb erloschener Funken durch die Welt. Die Vergangenheit hat bei der jungen Frau einen Fußabdruck hinterlassen, der heute noch schmerzt und ihr die Ruhe raubt. Yumiko meidet die Menschen, igelt sich ein und lässt sich von anderen aushalten. An eine Beziehung mit einem Mann denkt sie nicht, denn die Vergangenheit nagt an ihr und verweigert Yumiko den Zutritt ins Reich der Liebe. „Ich hatte das Gefühl, mich allein vor der Vergangenheit meiner Familie retten zu müssen. Ich hatte Angst davor, jemanden ernsthaft in mein Leben hineinzulassen, und ich hatte auch keine Lust, lang und breit zu erklären, warum das so war. Ich fühle mich wie eine Art Krankheitserreger, das wurde ich einfach nicht los. Wo ich bin, ist immer auch ein Hauch von Tod, der sich wie ein Schleier über alles legt.“ Einzig ihrem Cousin Shôichi öffnet sie die Tür, als er sie eines Tages aufsucht. Seine Mutter ist gestorben und es war ihr letzter Wunsch, dass er sich um Yumiko kümmern soll. Schon nach den ersten Dialogen ist er mir mehr als sympathisch. Er ist ein aufrichtiger und herzlicher Mensch, das spürt auch Yumiko. Und so begeben sich beide auf die Reise in Yumikos Vergangenheit, die nicht nur Schmerzen, sondern auch einige dunkle Stellen in ihrem Gedächtnis hinterlassen hat.

Banana Yoshimoto ist eine Meisterin des Übersinnlichen. Sie überschreitet Grenzen zwischen der Wirklichkeit und einer anderen Welt. Geisterhafte Schatten huschen durch ihre Bücher. Gerade für uns Europäer mag sich das teilweise komisch anfühlen, hat es doch etwas Befremdliches, wie ein Stein, den man versucht mit der Schere zu teilen. Bei Yoshimoto gibt es Verbindungen mit Menschen aus einer anderen Welt, das Leben und der Tod streifen sich für Momente und schauen sich ins Gesicht, bis sie ein tiefes Schweigen umhüllt.

Wird Yumiko zur Ruhe kommen? Nun, das verschweige ich euch, genauso wie die plötzliche Wendung in der Geschichte. Wenn man es jedoch genau betrachtet, kommt sie gar nicht überraschend, sie ist ein typischer Schachzug der Autorin. Wie gern möchte ich noch so viel schreiben, aber mir versagt die Stimme, weil ein Großteil der Gedanken nicht in Worte fließen wollen. Gefühle haben ihre eigene Sprache, die vor allem durchs Erleben sichtbar werden so auch hier. Banana Yoshimoto legt mir Frieden und einen warmen Schal aus Herzlichkeit um die Seele, ja, sie ist wie ein beschützender Seelenschal. Was für ein Wort, das so gar nicht im Wortschatz existiert, aber es fließt mir jetzt heraus, ein Atemstoß aus meinem Inneren. Obwohl die Töne hier sehr melancholisch klingen, sind sie gleichzeitig hoffnungsfroh und beruhigend, wieder einmal. Die Japanerin sagt mir: Du kannst dich verlieren, vielleicht musst du es sogar, um dich am Ende zu erden und wiederzufinden. Diese Erkenntnis ist warm, so warm wie meine innig geliebte Nudelsuppe.

Banana Yoshimoto.
Ihre Nacht.
März 2012, 206 Seiten, 18,90 €.
Diogenes Verlag.