Wenn Kühe Buchstabenmilch geben könnten.

Ich habe das Buch noch nicht einmal aufgeschlagen und bin schon verliebt. Das fällt mir auch nicht schwer bei dem wunderschönen Cover und dem Titel: „Ada liebt“. Da huscht ganz automatisch ein stilles Lächeln über meine Lippen, die Augen blitzen kurz auf und das Herz hüpft aufgeregt.

Viel ist schon über dieses Buch geschrieben worden, auch ich möchte meine Begegnung mit diesem Roman nach draußen rufen. Wie ungewöhnlich die Liebe zwischen Ada und Bo ist. Wie lesenswert und einzigartig! Nicole Balschun erzählt die Geschichte vom Sommer und Winter. Genauso kommt mir der Roman vor, ja, gegensätzlicher können zwei Liebende nicht sein. Ada ist ein Kopfmensch und Literaturwissenschaftlerin. Bo hat einen Bauernhof, melkt Kühe und arbeitet nebenbei als Sargträger.

Ada trifft Bo zum ersten Mal auf der Beerdigung ihrer Tante. Er taucht bei der dritten Strophe eines Liedes auf und in Ada regt sich sofort etwas, als sie Bo erblickt: „Ich sah ihn und dachte an meine Mutter, die mich immer gefragt hatte, kannst du es fühlen, Ada, und jetzt fühlte ich es und sah Bo an und mein Blick ging zu meinem Vater, der meine Hand nahm und leise weinte.“

Ada ist eine seltsame junge Frau, die ich öfter mal durchschütteln möchte, weil sie in mir ein Unbehagen auslöst und ich denke, sie könnte es viel einfacher haben, wenn sie nur wollte, aber nein, das möchte sie nicht. Stattdessen schiebt sie Tiefkühlpizzen in den Ofen und vergräbt sich in ihrer eigenen Welt, lässt Worte in ihrem Kopf wie Flugzeuge kreisen, die auf eine Landeerlaubnis warten. Statt ihnen die Erlaubnis zu erteilen, hält sie an deren Flüge fest und verfängt sich fast in einer Sprachlosigkeit, die viel kaputt macht und mich in den Wahnsinn treibt.

Schon als junges Mädchen ist Ada lieber mit sich allein. Einzig die Bücher sind ihre wahren Freunde, mit denen sie die Zeit verbringt, als Schülerin wie als junge Frau. Bo hingegen ist draußen im wirklichen Leben bei seinen Kühen und Schweinen glücklich. Wenn Ada bei ihm schläft, jucken ihre Füße und doch öffnet sich der Landwirt dieser geistigen Frau, die ihm aus Büchern vorliest. Diese Szenen sind so zauberhaft und herzergreifend, dass ich nur aus tiefstem Herzen seufzen kann. Ada hingegen bleibt stur. Sie kann sich zunächst nicht mit den landwirtschaftlichen Dingen anfreunden, denn „dieses Ziehen an den Eutern machte aus Bo etwas Tierhaftes, weil seine Finger und die gleichmäßige Bewegungen seines Körpers mit der Kuh verschmolzen und Bo Kuh wurde und ich Bo schön fand, wie er war, ohne Euter.“ Und doch ist da die Kraft der Liebe, die an ihr zieht, wie der Bauer am Euter seiner Kuh.

Diese Liebe ist wirklich zum Mäusemelken! Mitten im Winter hatte ich einen heißen Kopf und mein Bauch fuhr Achterbahn. Nicole Balschun hat mit der Leichtigkeit einer Feder ein kleines Liebesmelodram geschrieben, bei dem ich gleichzeitig schniefe und grinse. Die junge Autorin zeigt uns, dass die Liebe keine Grenzen kennt und auch vor einem Misthaufen nicht Halt macht. Ada ist eine Kratzbürste bester Güte, die so komisch ist, dass ich Bo für seine Geduld danke. Er ist das offene Feld und sie der zugeschüttete Graben. Die Autorin hebelt die melancholischen Töne aus und schenkt mir oft ein verschmitztes Lächeln. Und manchmal wünsche ich mir sogar, dass Kühe Buchstabenmilch gäben. Das würde Ada sicherlich glücklich stimmen und einiges erleichtern. Ja, die Liebe könnte so schön einfach sein, aber würde sie dann so wunderbare Romane wie diesen hervorbringen?

Nicole Balschun.
Ada liebt.
Februar 2012, 190 Seiten, 8,99 €.
DuMont Buchverlag.

Über die Autorin:

Nicole Balschun wurde 1975 in Leer geboren und studierte Literaturwissenschaften und das Lehramt an Förderschulen. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in Hannover und hätte immer gern ein Hausschwein gehabt.

Advertisements

15 Gedanken zu “Wenn Kühe Buchstabenmilch geben könnten.

  1. Liebe Klappentexterin

    Herzlich Willkommen im „Ada liebt“-Exklusivclub. Dich hat es also auch erwischt.
    Dein Satz „Und manchmal wünsche ich mir sogar, dass Kühe Buchstabenmilch gäben.“ gefällt mir sehr. Nicole Balschun sollte sich diesen zu Herzen nehmen und den Roman nochmals neu schreiben ;). Spass beiseite, es ist einfach eine Wahnsinns-Liebesgeschichte! Man muss ein Herz aus Stein haben, wenn man da nicht mitleidet. Mir ist es genau gleich ergangen wie dir. Wenn du gucken magst? Hier ist der Link http://lesewelle.wordpress.com/2011/11/21/ada-liebt
    Literarische Grüsse
    buechermaniac

    Gefällt mir

    1. Hallo buechermaniac,
      ich grinse gerade über beide Ohren (Kannst du es sehen? ; ) und freue mich über die Aufnahme im „Ada liebt“-Exklusivclub! Wie fantastisch ist das!? Ja, es hat mich erwischt! Also ich wünsche mir, dass Nicole Balschun ein weiteres Buch schreibt (wenngleich ich natürlich nichts gegen deine großartige Bemerkung einzuwenden habe)! Das hast du so schön geschrieben: „Man muss ein Herz aus Stein haben, wenn man da nicht mitleidet.“
      Oh ja, ich schaue liebend gern bei dir vorbei und bedanke mich für deinen Kommentar plus Einladung!

      Literarische Grüße
      Klappentexterin

      Gefällt mir

  2. Ach, liebe Klappentexterin, mit dieser Rezension hast du es wirklich wieder geschafft, mein Interesse anzusprechen. Gehört hatte ich zuvor noch nie etwas – weder von der Autorin, noch von dem Buch. Aber nach deinen Worten, werde ich da wohl nicht mehr dran vorbeigehen können.

    Herzlichen Dank für diese wunderschöne Vorstellung 🙂

    Gefällt mir

    1. Du hast wirklich noch nichts von diesem bemerkenswerten Roman gehört? Da ist es mir natürlich eine besondere Freude, dass ich diese Lücke füllen und dein Interesse wecken konnte, liebe Mara! Wie schön! Du wirst es lieben!

      Herzliche Grüße
      Klappentexterin

      Gefällt mir

  3. Liebe Klappentexterin,
    eine tolle Rezension – schön und gefühlvoll geschrieben! Ich konnte nicht widerstehen, ich „musste“ auch zu diesem Thema – Die Liebe, die keine Grenzen kennt – ein Paar Zeilen in meiner Schreib-Box posten 🙂

    Dieses Buch kommt auf meine Merkliste… – vielen Dank für diese tolle Empfehlung und liebe Grüße,

    Sunelly Sims

    Gefällt mir

    1. Du hast mir damals mit deiner Rezension quasi die Tür zum Buch und „Ada-liebt-Exklusivclub geöffnet, liebe Mariki! Nach deiner Rezension war ich hin und weg, musste mich aber noch ein bisschen gedulden. Aber da sieht man mal wieder: Wer warten kann, der wird belohnt! ; )

      Gefällt mir

      1. Oh, das stimmt! Und die Zeit des Wartens kann man sich mit vielen anderen guten Büchern vertreiben 😀 Ich denke immer noch gern an Ada und Bo und stelle mir manchmal vor, zwischen ihnen sei vielleicht – als das Buch aus war – noch was passiert … 😉

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s