Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) – eine Chronologie des Wartens.

Ich bin wieder sieben Jahre alt und warte auf den Weihnachtsmann. Genauso fühlt sich mein aktueller Zustand an. Und das alles nur wegen eines Buches. „Verrückt!“ – sagen sicherlich die einen. „Herrlich!“ – die anderen. Da mich das Schreiben immer schon beruhigt hat, halte ich meine Gedanken bis zum großen Moment einfach schriftlich fest. Der große Moment, wenn ich endlich dieses wunderschöne Buch „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili in den Händen halten und bestaunen darf.

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6.30 Uhr – Ich wache auf. Und bin schockiert über die Uhrzeit. Das ist viel zu früh für einen Sonntag, lieber Körper!
Ich spüre das Trommeln in der Brust und erinnere mich an eine wilde Traumreise. Ich hab vergangene Nacht viel geträumt, schöne und verrückte Sachen, die ich jetzt nicht mehr fassen kann. Sie entgleiten mir wie nasse Fische. Aber an eine Sequenz erinnere ich mich ganz deutlich: die Begegnung mit Nino Haratischwili. Wir saßen irgendwo mit anderen Menschen an einem Tisch und ich sagte zu ihr: „Ich freue mich wahnsinnig auf dein Buch! Möchte vorher noch „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler zu Ende lesen. Da fällt mir auf, ihr habt beide das Wort „Leben“ in euren Titeln. Ist das nicht schön?“ Nino hat gelächelt, wollte gerade zur Antwort ansetzen, doch dann wache ich auf. Und sitze sofort aufrecht im Bett, denn der erste Gedanke gilt der gelben Karte auf dem Küchentisch. Gestern war keiner zu Hause, als der Postbote geklingelt hat. So wurde das Paket unserem Wachmann übergeben, der allerdings bei meiner Rückkehr längst Feierabend hatte. Irgendeine Stimme in meinem tiefen Inneren verrät mir, dass es sich bei dieser Sendung um das ersehnte Buch handeln muss.

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7.30 Uhr – Ich wälze mich von links nach rechts.
Ich geb’s auf und stehe auf. Finde ohnehin nicht mehr zurück in den Schlaf. Ruhe und Kraft schenkt mir meine sonntägliche Joggingrunde. Also rein in die Laufsachen und raus an die Spree. Die Sonne kitzelt mein Gesicht und die Luft duftet würzig nach Spätsommer.

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8 Uhr – Erster Versuch, den Wachschutz anzutreffen. Die Tür ist noch zu. Mist!
Zuletzt war ich vorm Erscheinen von „1Q84“ von Haruki Murakami so aufgeregt. Ich hatte Flöhe im Bauch. Jetzt sehne ich „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili herbei. Bis gestern Abend war ich die Ruhe selbst, denn bis zum 1. September – das ist der offizielle Erscheinungstermin – sind noch ein paar Tage hin. Seit ich allerdings die an mich adressierte DHL Karte aus dem Briefkasten gefischt habe, ist es mit meiner Gelassenheit vorbei.

 9 Uhr – Zweiter Versuch, den Wachmann anzutreffen. Vergebens.
Warum ich „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili kaum erwarten kann? Nun, das hat viele Gründe. Einer ist der, dass mich Nino Haratischwili 2011 mit ihrem Roman „Mein sanfter Zwilling“ tief beeindruckt hat. Seitdem zählt die junge, talentierte Autorin zu meinen großen Favoriten. Zudem habe ich schon von Bloggerfreundinnen Rückmeldungen bekommen, die…nun, ich darf ja vor dem 1. September noch nichts sagen. Außer Lächeln vielleicht. Die begeisterte Stimme aus der FAZ habe ich ebenfalls mit Entzücken vernommen. Und ich ahne, „Das achte Leben (Für Brilka)“ scheint eins jener Bücher zu sein, die sich in unsere Herzen brennen und die wir so schnell nicht vergessen werden.

9.50 Uhr – Dritter Versuch. Die Tür ist immer noch verschlossen.
Ich habe mir den ganzen September freigehalten, um die 1300 Seiten in Ruhe zu lesen. Freigehalten im Sinne von, alle anderen Bücher müssen warten. Ich möchte mich voll und ganz auf dieses eine Buch konzentrieren. Das wird sicherlich nicht immer leicht werden, da ich täglich von Büchern umgeben bin und oft in die Verführung komme, von neuen Früchten zu naschen. Zwei Wochen habe ich Urlaub, das passt wunderbar! Aktuell weiß ich noch nicht genau, in welcher Form ich euch an dem Buch teilhaben lassen werde. Eine abschließende Rezension soll es natürlich geben, aber bestimmt melde ich mich auch zwischendurch aus dem Buch mit Eindrücken und Zitaten. Erstmalig habe ich mir dazu sogar ein eigenes Notizheft zurechtgelegt.

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10.08 Uhr – Vierter Versuch. Wieder nix. Vielleicht hat er sich verspätet? Ich habe Hunger und mache erstmal Frühstück.
Kann mich nur halb konzentrieren. Diese rasende Unruhe wütet in mir wie ein Wüstensturm. Schlimm! Aber ich atme, mache einen Schritt nach dem anderen, schneide Obst klein, setze Teewasser auf. Und denke an das Buch. 1300 Seiten sind eine Menge.

11.03 Uhr – Fünfter Versuch. An der Tür vom Wachschutz hängt das Abwesenheitsschild. „Bin unterwegs und unter der Telefonnummer xxx erreichbar.“ Verpasst. Mist, verdammter! Wähle die Nummer und hab ihn gleich an der Strippe. Er mache gerade seinen Rundgang, sagt er. „Geht in einer halben Stunde?“ „Nein, Sie müssen sofort kommen, sonst sterbe ich.“ – Denke ich nur und sage schließlich: „Ja, ist okay.“
Keine Gedanken mehr. Nur Herzklopfen und der Wunsch, es möge bitte, bitte dieses Buch sein! Ich fühle mich wie vor einer Prüfung. Man möchte, dass das Warten endlich vorbei ist.

11.30 Uhr – Es klingelt an der Haustür. Ich rase zur Tür, greife den Hörer der Klingelanlage, höre den Wachmann und rufe ganz aufgeregt: „Ich komme!“ Schnappe mir die DHL-Karte, den Schlüssel und mein Telefon.

11.33 Uhr – Unten angekommen, überreicht mir der freundlich strahlende Wachmann einen dicken Umschlag. Das Herz ist jetzt kurz vorm Explodieren.

Uebergabe 

11.35 Uhr – Dem Gewicht nach zu urteilen, könnte es das Buch sein. Voller Begeisterung erzähle ich dem literaturinteressierten Wachmann, dessen Frau aus Russland kommt, von dieser jungen Ausnahmeautorin und der Geschichte, die ihm ebenfalls gefallen könnte. Vergesse vollkommen, Zeit und Raum. Und dann – beschließe ich – möchte ich die Sendung sofort öffnen und ihm das gute Stück zeigen. Jetzt weiß ich, dass mich „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili in dieser Sendung erwartet. Öffne die Packung und juchze wie schon lange nicht mehr.

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11.50 Uhr – Ich sitze auf der Couch, lächle. Warte noch einen Moment und befreie dann das Buch aus der Folie.

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11.55 – Ich bestaune den wunderschönen Buchumschlag, mein Herz explodiert, genieße aus tiefstem Herz das Glück und die Vorfreude auf dieses großartige Buch.

An dieser Stelle ziehe ich mich nun zurück, möchte euch aber noch darauf hinweisen, dass dies der Auftakt einer Blogtour ist. Nach mir folgen noch andere BloggerInnen, die auf ihren Blogs über „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili in unterschiedlichster Form berichten werden.  Seid also gespannt!

Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka). Frankfurter Verlagsanstalt, September 2014, 1280 Seiten, 34 €. Das Buch jetzt bei ocelot.de vormerken und nach Erscheinen portofrei zuschicken lassen. Das eBook kostet 24,99 € und ist ebenfalls bei ocelot.de erhältlich.

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19 Gedanken zu “Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) – eine Chronologie des Wartens.

  1. Und ich war schon ein bisschen neidisch, als du mir erzählt hast, dein Exemplar sei eingetroffen. Aber vor einer halben Stunde erreichte mich der Anruf meiner ehemaligen Mitbewohnerin, die mir sagte, es sei ein Päckchen für mich angekommen. Und ich ahne – nein, ich weiß: Nino ist da, und morgen oder übermorgen werde ich sie abholen. Deine Aufregung kann ich also absolut nachvollziehen. Ein schöner Beitrag!

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  2. Grandios gut geschildert! Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen.
    Im Winter wird sie hier sein für eine Lesung und ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich mir eine Karte holen soll.

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  3. Viel Spaß beim Lesen wünsche ich dir! Ich freue mich auch schon sehr, habe ich doch über ihren Vorgänger bisher nur Lob gehört. 1300 Seiten sind wirklich eine Menge – vermutlich werde ich erst gegen Ende des Jahres zum Lesen kommen.

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  4. Liebe Klappentexterin, wow, ich bin total berührt von so viel Begeisterung – auch wenn ich die leider so gar nicht teile…bin ich eigentlich die Einzige, die mit Nino Haratischwili mal so gar nix anfangen kann? Bin ich nicht normal? *hilfe* Ich habe es wirklich, wirklich versucht und würde gern mitschwärmen – auch „für Brilka“ habe ich angefangen zu lesen, aber mich gruselt vor so viel Pathos und Bedächtigkeit (aus meiner Sicht). Dennoch wünsche ich dir eine ganz wunderbare, genussvolle Lektüre – wenn du das Buch nicht schon vor deinem Urlaub durch hast 😉 Herzlich, Karo

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  5. Liebe Klappentexterin,

    danke für deinen wunderbaren Beitrag, der mich deine Begeisterung und Vorfreude hat miterleben lassen. Ich freue mich auch schon auf den Moment, in dem ich das Buch in den Händen halten kann und bin schon gespannt darauf, wann ich wohl mit der Lektüre beginnen werde – und natürlich auch, wie lange ich wohl brauchen werde. Es ist übrigens mein erstes Buch von Nino, ich habe mich von eurer Begeisterung einfach mal anstecken lassen. 🙂

    Liebe Grüße
    Mara

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  6. Liebe Klappentexterin,
    „Mein sanfter Zwilling“ ist mein absolutes Lieblingsbuch. Ich habe es schon oft verschenkt und selbst schon zweimal gelesen (und werde es wieder tun). Deshalb freue ich mich auch wahnsinnig auf ihr Neues. Ich kann Deine Aufregung verstehen. Viel Spaß beim Lesen!
    LG
    lesesilly

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  7. Hat dies auf masuko13 rebloggt und kommentierte:
    So fühlt sich Vorfreude auf den neuen Roman von Nino Haratischwili an!! Weil er so außergewöhnlich ist, hier der atemberaubend spannende Bericht von der Klappentexterin. Mein erster Eindruck, ohne inhaltliche Dinge zu verraten, folgt morgen …

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  8. Ich bin auch sehr gespannt auf „Das achte Leben“, habe nur leider gar keine Zeit zum lesen derzeit. Meine Eindrücke müssen leider noch warten. Ich bin gespannt, ob ein so riesiger Erzählumfang es schafft insgesamt zu überzeugen und die Handlung stringent bleibt. Habe bisher nichts von Nino gelesen, nur angelesen. Die Geschichte insgesamt scheint sehr interessant. Ein großes Projekt, in dem viel Herzblut steckt. Ich freu mich sehr darauf da einzutauchen.

    Liebe Grüße von Katja

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  9. Hach wie schön das hat mich jetzt angesteckt und ich hab mich richtig mitgefreut – viel Spaß mit dem Buch 🙂 so einen Brocken würd ich auch gern mal wieder lesen. Die Bibo hat das aber wahrscheinlich frühestens in einem 1/2 Jahr *seufz*

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