Talking about Haruki Murakami mit masuko13.

Haruki Murakamis Bücher sind magisch, inspirierend und einmalig. Seine Fangemeinde ist riesig – über eine Million sind es allein bei Facebook. Und auch ich bin eine Harukinistin (so nennen sich die Fans) unter den vielen. Getroffen habe ich Murakami-san bislang noch nicht. Aber ich bin Menschen begegnet, die für ihn arbeiten oder auch für den Autor schwärmen. Das ist genauso schön! Deshalb hat mich sein neues Buch Wenn der Wind singt / Pinball 1973 dazu inspiriert, das zu tun, was ich immer schon machen wollte: Über Haruki Murakami zu sprechen. Mit „Talking about Haruki Murakami“ präsentiere ich euch Interviews mit Menschen aus seinem Universum. Nach Ursula Gräfe, Stephan Kleiner, Kat Menschik, Sarah Reul beendet heute masuko13 diese Reihe. Dankeschön an euch alle – Mitwirkenden wie Leser. Es war mir eine große Freude!

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Talking_about_Murakami

Jacqueline Masuck, wurde 1962 geboren und arbeitet seit Januar 2001 in der Abteilung Belletristik im KulturKaufhaus Dussmann. Seit Oktober 2013 bloggt sie auf masuko13. Und seit Januar 2015 zählt sie zum We read Indie-Team.

Klappentexterin: Erinnerst du dich noch an das erste Buch, das du von Haruki Murakami gelesen hast? Wie war das für dich?

Jacqueline Masuck: Mein erster Roman von Murakami war im Jahr 2000 Die gefährliche Geliebte. Ich hatte bereits nach wenigen Zeilen das Gefühl, hier spricht jemand ganz direkt mit mir, diese Story geht mich etwas an. Als ich das Buch dann beendet hatte, wusste ich, ich will mehr. Mehr von Murakami. Unvergessen ist für mich die Figur des Mädchens Shimamoto. Manchmal vermisse ich Shimamoto so stark, dass ich das Buch aus dem Schrank nehme und über die ersten Seiten fliege. Ich habe das Buch insgesamt dreimal gelesen, so sehr liebe ich es. Bevor ich es ein viertes Mal in die Hand nehmen werde, will ich aber unbedingt den gleichen Roman in der Neuübersetzung von Ursula Gräfe lesen: Südlich der Grenze, westlich der Sonne. Mal sehen, was ich vielleicht entdecken werde.

Wie viele Bücher hast du von Haruki Murakami bislang gelesen? Ist da ein Liebling dabei?

Wenn ich alle mitzähle, dann sind das 15 Bücher. Angefangen beim umfangreichen Mister Aufziehvogel (683 Seiten), über Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede bis zu den drei von Kat Menschik illustrierten Erzählungen Die Bäckereiüberfälle, Schlaf und Die unheimliche Bibliothek (mit jeweils ca. 60 Seiten). Mir gefällt die Idee des Verlages sehr, einzelne Erzählungen illustriert herauszugeben. Einmal fand ich nachts einfach keine Ruhe und habe in dieser Zeit das Buch Schlaf gelesen. Ich lese auch Murakamis Erzählsammlungen sehr gern, bleibe dann aber immer irgendwo in der Hälfte eines Buches stecken. Nach einer Erzählung kann ich einfach nicht sofort eine nächste beginnen. Weil die Figuren in meinem Kopf viel zu präsent sind, als dass ich gleich eine Schar neuer Helden hineinlassen könnte. Eigentlich gibt es kein wirkliches Lieblingsbuch. Ich lese seine Romane nach meiner inneren Stimmung, manche von ihnen mehrmals. Das ist, als würde ich mir meinen iPod einstöpseln. Heute ist mir nach einem Soundtrack und morgen nach Independent Rock Aber ganz sicher gehören Naokos Lächeln, 1Q84, Wilde Schafsjagd und Gefährliche Geliebte dazu.

Was macht die Literaturwelt Murakamis für dich zu einer besonderen?

Die Melodie seiner Sprache hat für mich einen ganz besonderen Zauber. Bisher habe ich das so bei keinem anderen – auch bei keinem japanischen – Autor gefunden. Seine Romane erzählen immer von Menschen, denen ich mich nahe fühle, und von Situationen, die mir irgendwie vertraut sind. Man kann in seinen Büchern leben, die Figuren werden zu guten Freunden. Und sie werden zu alten Bekannten, wenn man das Buch mehrmals liest.
Ich könnte auf einer Insel mit allen Büchern von Murakami leben und würde mich niemals langweilen. Wirklich, nie!

Hast du Murakami schon mal persönlich getroffen? Falls ja, wie war das für dich?

Ja, ich bin ihm auf einer Lesung zu 1Q84 im Admiralspalast im Oktober 2010 begegnet. Ist das denn wirklich passiert, frage ich manchmal. Ich glaube schon, denn ich besitze zwei von ihm signierte Bücher. Wie das für mich war? Es war ein ganz besonderes Erlebnis. Zuerst die Lesung mit einem Schauspieler. Die Stimmung im Publikum knisternd. Und bis zur Pause diese riesige Ungewissheit, ob er überhaupt kommen würde. Er ist ein sehr medienscheuer und zurückhaltender Mensch.

Atemberaubend spannend war dann der Moment, als Murakami schließlich doch die Bühne betrat. Er hat zuerst ganz entspannt ein paar Interviewfragen beantwortet, bevor wir zum Signieren an seinen kleinen Holztisch auf der Bühne treten durften. Weil ich so aufgeregt war, habe ich mich (mit gespielter Gelassenheit) ganz hinten eingereiht. So verblieb mir genug Zeit, das Zittern meiner Hände ein wenig zu kontrollieren und mir ein paar Sätze zurechtzulegen. Wir haben dann auf Englisch ein paar Sätze geredet.
Diese Momente gehören zu den schönsten in meinem Leben.

Bist du auch der Meinung, dass Haruki Murakami endlich den Nobelpreis für Literatur erhalten sollte?

Mit dem Nobelpreis ist das so eine Sache … ich finde nicht, dass er ihn unbedingt erhalten sollte. Was würde das ändern? Er ist einer der meistgelesenen Autoren der Welt und das ist er deshalb, weil er seit Jahrzehnten sehr lesbare Bücher schreibt. Auch ohne Preise.
Die meisten seiner Romane sind absolut stark. Seine Leser lieben ihn, weil er immer so ganz bei sich selbst ist. Man nimmt ihm jede seiner Figuren ab, lebt und leidet mit ihnen. Seine Romane findet man in großen und in kleinen Buchhandlungen, weil auch viele Buchhändler seine Bücher lieben. Und ich glaube, daran wird sich – auch ohne Nobelpreis – in den nächsten Jahren nichts ändern. Ich möchte mich gern dem anschließen, was Stephan Kleiner im Interview in deiner Murakami-Runde gesagt hat: „Das ist einmal ein Schriftsteller, dem ich wirklich glaube, dass Preise ihm nichts bedeuten … Lassen wir ihn vielleicht lieber den Nobelpreisträger der Herzen Millionen treuer Leser sein.“

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Jacqueline Masuck weiterhin alles Gute und viel Erfolg! Und möchte an dieser Stelle Jacquelines schönen Beitrag zu Wenn der Wind singt / Pinball 1973 empfehlen. Eine bekennende Harukinistin erzählt.

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5 Gedanken zu “Talking about Haruki Murakami mit masuko13.

  1. Danke für deine wunderschöne „Talking about Haruki Murakami“ Reihe! ❤
    Ich habe vor einigen Jahren "Kafka am Strand" gelesen. Ich glaube aber, ich war damals einfach noch nicht so wirklich bereit dafür…
    Irgendwann sollte ich mich mal wieder rantrauen, oder?

    Viele Grüße
    Sabrina

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    1. Lieben Dank für deinen schönen Kommentar, liebe Sabrina.
      Ob du dich nochmal heranwagen sollst? Wenn du das eine Harukinistin wie mich fragst, kann ich nur eins sagen: Ja! Sollte dir aber das Buch zu abgedreht sein, empfehle ich dir lieber die Neuübersetzung von »Gefährliche Geliebte« (übersetzt von Ursula Gräfe), das da lautet»Afterdark« oder »Südlich der Grenze, westlich der Sonne« – dieses erscheint Mitte Juli als Tb.

      Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich der zweite Leseversuch mit Murakami-san bei dir gestaltet. Lass es mich bitte wissen, ja? Das würde mich freuen!

      Herzlich
      Klappentexterin

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