Marica Bodrožić über Erinnerungen.

Presse '16. Peter v. Felbert Foto: Peter von Felbert.

Marica Bodrožić wurde 1973 in Svib/Dalmatien, dem heutigen Kroatien, geboren. Sie lebt seit 1983 in Deutschland und schreibt Gedichte, Essays, Romane sowie Erzählungen. Ihre Bücher wurden mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. So erhielt sie den Förderpreis für Literatur von der Akademie der Künste in Berlin. Claudio Magris über Marica Bodrožić: “Eine der ungewöhnlichsten frischesten und originellsten Stimmen der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur.”

Klappentexterin: Das Gedächtnis und die Erinnerung sind zwei tragende Themen in Ihrem Roman „kirschholz und alte gefühle“. Was hat Sie zu ihnen geführt?
Marica Bodrožić: Die Frage nach dem Wirken des Lebens, die Frage nach der Struktur der Erinnerung und vor allem auch der Wunsch, eine Möglichkeit zu finden, die Beschriftungen, die im Gedächtnis immer unbeobachtet und unsichtbar vor sich gehen, zu ergründen. Meine Erzählerin Arjeta stellt sich an sieben Tagen ihrem ganzen Leben. Sie lernt, dass in der Durchschreitung ihres inneren Archivs die Möglichkeiten von Verlust und Gewinn nah beieinander liegen. Sie muss sich erinnernd ihres Lebens vergewissern, um es dann loszulassen. Wir verlieren ein altes Ich, um ein neues zu gewinnen. Dieses Neue ist die Freiheit, der Mensch zu werden, der man ist, ohne die alten Koffer aus der Vergangenheit. Jeder Mensch hat diese Koffer. Die Koffer haben keinen Pass. Kein Leben hat einen Pass, höchstens einen Kompass – und dieser schlägt hier und dort aus, manchmal scheinbar so, wie es ihm beliebt. Ganz altmodisch gesprochen: das Schicksal ist ein autonomer Mathematiker. Die Liebe ist es auch. Gerade die Liebe zu Arik, die aus Reibungen und der Sehnsucht besteht. Aber auch das ist Liebe, sie hat einen eigenen Verstand. Die meisten Menschen stellen sich Liebe einfach vor, es stimmt ja auch, die richtige große Liebe ist am Ende immer einfach. – Aber diese Einfachheit stellt einen auch vor Herausforderungen und ist wieder eine andere Geschichte. Die Erinnerung von Arjeta zu erzählen, das ist ein wenig wie ins offene Meer hinauszuschwimmen, ohne sich um das Ufer zu kümmern. Die Grenzen sind aufgehoben und wenn die Angst aufhört, ist nur noch die Weite da, jeder Vogel wird ein Kontinent, jede Wolke eine Botschafterin des Himmels. Das habe ich auch formal in meinem Roman versucht. Und es ist wieder kein Buch geworden, dass man zum Einschlafen (wie es mal eine Leserin in einem Brief ausgedrückt hat) benutzen kann. Das empfinde ich als Kompliment! Bitte dieses Buch nicht benutzen. Lesen reicht.

Inwiefern prägen uns die eigenen Erinnerungen?
Wir sind das, woran wir uns erinnern. Leider sind wir auch das, woran wir uns nicht erinnern – und vor allem die Schattenseiten des Lebens schlagen genau dann zu, wenn wir das gar nicht erwarten. Bei Arjeta steht ja die Frage im Raum, was sie in der belagerten Stadt eigentlich erlebt hat. Sie erzählt das nie zu Ende oder besser gesagt, fängt erst gar nicht damit an. Manchmal müssen wir vergessen, um weiterleben zu können. Statt selbst zu berichten, lässt sie uns durch Silva, ihr Alter Ego, näher an sich heran. Wir erfahren, dass Silva die Zerstörung ihrer Stadt zwar überlebt hat, aber ganz offensichtlich einem großen Verbrechen als Zeugin beigewohnt hat. Ein Freischärler lässt sie laufen – und wir erfahren nicht, wie ihr das gelingt, denn er lässt einfach alle töten und in die Donau werfen. Was aber hat sie tun müssen, um zu überleben? Es ist Gewalt im Spiel, die sich auch in der Szene auf der Brücke wiederholt: Arik überwältigt Arjeta auf der Brücke und später weiß sie nichts davon, genauso ist es Kleist’s „Marquise von O.“ ergangen. Nur dass Arjeta keinen Vater und keine Mutter in Paris hat – die bleiben in der belagerten Stadt zurück, aus der kein Entkommen ist. Sie ist also ganz auf sich und ihre Erinnerung zurückgeworfen. Das Problem von Arjeta ist das Problem vieler Frauen: sie traut ihrer eigenen Wahrnehmung nicht. Warum? Sie kann sich nicht erinnern an das, was ihr vorher geschehen ist. Sie spricht von Lücken in ihrer Erinnerung, davon, dass fremde Vögel in ihrer Stirn picken, sich ihr aber nicht mitteilen. Sie lernt also gerade durch diesen Arik das Wichtigste für ihr Leben: er ist der Stein, über den sie stolpert und erst später begreift sie, dass es der Stein der Weisen war. Manchmal sind die Schmerzverteiler genau die Menschen, denen wir unser Leben in Freiheit verdanken – aber nur deshalb, weil wir uns ihnen nicht im Gehorsam ergeben, sondern durch uns selbst an die andere Seite der Freiheit gelangen, in unserem Denken, in unseren Herzen und mit unserer ganzen Liebe und Imagination. Wir können natürlich auch den guten alten Goethe bemühen: „Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt“. In diesem Fall ist das Ziel ganz schlicht das eigene Bewusstsein von sich selbst. Dort, wo das Leiden ist, dort ist auch die Sprache – nicht das Leiden ist das Zentrum in Arjetas Leben, ich habe das Buch geschrieben, um an ihre Sprache zu kommen, an die Struktur ihrer Beschriftung. Die spiralartigen Schichtungen sind der Wahrheit näher als jede Logik. Das ist die eigentliche Logik! Bewegung ist Logik der Schönheit! Natürlich denke ich da auch an Nietzsches Satz über die Ewige Wiederkunft: „Allem Zukünftigen beißt das Vergangene in den Schwanz“. Der Ouroboros ist ein Lehrmeister! Ihm ist Arjeta anheimgegeben und irgendwann begreift sie das auch.

Mögen Sie mir und meinen Lesern von dem Moment berichten, in dem die Idee für die Roman-Trilogie entstanden ist?
Ich habe 2002 begonnen, am Roman „Das Gedächtnis der Libellen“ zu arbeiten, das fühlte sich zunächst einmal an wie einen Berg abzutragen, verbunden mit dem irrsinnigen Wunsch, in sein Inneres zu gelangen. Das uferte sehr aus und nach vielen verschiedenen Versionen habe ich irgendwann aufgehört, an nur einem Buch festzuhalten. Die Idee zur Trilogie kam, als ich mich zur großen Entschlackung entschließen konnte. Erst das Loslassen des Ganzen hat das Einzelne möglich gemacht.
Und dann konnte ich mich an die Arbeit machen, den zweiten und dritten Band anzudenken und das war schon eine Revolution für mich. Als ich schließlich die finale Version vom ersten Band hatte, wusste ich genau, wie ich weitermachen muss.

Was bedeutet für Sie dieses literarische Projekt?

Mir ist dabei wichtig, die Erinnerung sprechen zu lassen, ohne mit ihr identisch zu sein. Es gibt keine endgültige Wahrheit, weder im Leben noch in der Literatur gibt es die totale, die letzte Wahrheit, diese Haltung ist schädlich – denn die Wahrheit ist wie der geduldige Alchemist. Wer von uns kann schon mit seiner Wahrheit aus der Pubertät identisch sein? Das geht nicht. Und dennoch haben wir gerade das durchgemacht, weil wir damals der Mensch waren, der wir waren. Jeder Mensch hat seinen eigenen Blick in seiner ihm geschenkten Zeit (und darin ist der Wert an sich zu suchen). Die Trilogie fordert mich heraus, bis an die Grenzen des physisch Erträglichen sitze ich seit Jahren an meinem Schreibtisch und durchpflüge die Erinnerungsnetzwerke von Nadeshda, Arjeta und Ilja. Drei Menschen, die einander an unterschiedlichsten Orten begegnen, alles für einander sind und alles füreinander verändern: das ist meine Antriebsfeder, ich möchte die im Hals feststeckende Fischgräte erzählen, die sich im Futur zwei als Erweiterung des Freiheitsraumes erweist.
In dieser Trilogie interessiert mich die romantische Liebe eigentlich nicht, sie als Motor schon – für das, und zwar gerade durch die Verluste, was uns zu Eroberung der Leichtigkeit bringt. Das meine ich ganz im Sinne von Rousseau, bei dem – so hat es mal Peter Sloterdijk formuliert – „zum ersten Mal auf europäischem Boden eine Freiheitserfahrung zum Ausdruck kommt, bei der das Subjekt der Freiheit sich ausschließlich auf seine gespürte Existenz beruft, jenseits aller Leistungen und Verpflichtungen, auch jenseits möglicher Ansprüche auf Anerkennung durch andere“. Das ist für meine Figuren die große Aufgabe, im doppelten Sinne natürlich! Nadeshda und Arjeta geben ihr altes Bild von sich selbst auf und siehe da, die Freiheit ruft im Augenblick, sie ist hier, spürbar, flimmernd und schön im Jetzt – Nadeshdas Sohn sagt an einer Stelle, das kleine Zimmer in Arjetas neuer Wohnung sei schon immer das Vögelchenzimmer gewesen und das ganze Blau des Himmels habe Platz in ihm, weil Farben nichts wiegen. Die Erinnerung wiegt auch nichts. Sie ist alles und nichts. Wahrscheinlich werde ich nie wieder eine Trilogie schreiben oder ich muss noch einmal neu geboren werden, nur dann lasse ich mich wieder auf so ein Projekt ein! Am Ende geht es mir eigentlich um das bloße Atmen, um die Selbstvergessenheit und die daraus erwachsende Wahrnehmung.

Welche Autoren haben Sie beim Schreiben begleitet oder inspiriert?
Ich habe während der Arbeit an „Kirschholz und alte Gefühle“ Italo Calvinos Harvard-Vorlesungen studiert und an einer Stelle berichtet er davon, dass er beim Schreiben immer ein paar Schutzgötter hat, zum Beispiel Mercurius, der ja ein Götterbote war. Da bin ich sofort neidisch geworden und habe mich gefragt, warum ich nicht auch schon längst solche Schutzgötter habe! Aber dafür hatte ich ein paar Schriftsteller und Philosophen in meinem Kopf, die mir geholfen haben, die Räume des Buches offenzuhalten. Jedes Buch hat ja einen Raum, seinen inneren Kern, und der wird in diesem Buch von einigen mir nahen Schreibenden bewacht. Das sind dieses Mal unter anderem: Marguerite Duras (und ihr Buch „Die Verzückung der Lol V. Stein“ – Arjeta fällt aus der Verzückung heraus und ist alles andere als ein Stein), André Bréton („Nadja“, die bei ihm ins Irrenhaus muss, bei mir aber ins Leben!) , Kleist und seine „Marquise von O.“ habe ich schon erwähnt; Danilo Kis (auf ihn nehme ich Bezug, wenn es um die Donau und die in ihr abgelegten Leichen geht), Maurice Blanchot, Diogones und Platon sowie Hannah Arendt – ihr Nachdenken „Über das Böse“ und auch Sartre, den Arjeta immer wieder liest und bei dem es an einer Stelle heißt: „Der denkende Mensch zermartert ächzend sein Gehirn, er weiß, dass seine Erwägungen immer nur Möglichkeiten und keine Gewissheiten ergeben werden, dass andere Betrachtungen alles wieder in Frage stellen werden, er weiß nie, wohin er geht, er ist allem ‚geöffnet‘, und die Welt hält ihn für einen Zauderer.“

Mögen Sie mir mehr über W.S. Merwin erzählen, von dem Sie ein Zitat aus seinem Buch „The Shadow of Sirius“ als Motto für Ihr Werk gewählt haben?

William Stanley Merwin ist ein amerikanischer Schriftsteller, den ich vor kurzem vor allem als Lyriker zu lesen begonnen habe, er ist 1927 zur Welt gekommen, in New York. Ein Freund aus Amerika hat mir und meinem Mann vor einiger Zeit einen Band geschenkt, weil er glaubte, dass das etwas mit uns zu tun hat, diese Sprache, in der so viel Stille ist und so viel Atem in jedem Buchstaben. Und wie richtig unser Freund lag! Merwin gehört zu diesen seltenen Stimmen, die einen immer und überall begleiten, wenn man sie einmal in sich aufgenommen hat … vielleicht weil sein Blick so genau ist, seine Sätze sind so vogelfederleicht und von einer unfassbaren Tiefe, dass man sich danach gleich ein bisschen erleuchtet fühlt. Auf meinem Lesetisch liegt sein autobiographisches Buch „Summer Doorways“, ein Universum, das mich jetzt nur durch den Titel verlockt, sehr verwunderlich eigentlich, dass er noch gar nicht ins Deutsche übersetzt ist. Er versteckt sich ein bisschen auf Hawai! Das ist vielleicht viel besser als in deutscher Übersetzung vorzuliegen, aber dennoch, das wäre eine großartige Aufgabe! Das Motto, das ich für meinen Roman „Kirschholz und alte Gefühle“ gewählt habe, spricht für sich, deswegen will ich es nicht erläutern, es sagt alles selbst:

It appears now that there is only one
age and it knows
nothing of age as the flying birds know
nothing of the air they are flying through
or of the day that bears them up
through themselves

Die Ich-Erzählerin hat wie Sie ihre Heimat verlassen. War dies schriftstellerischer Zufall oder eigene Reflexion?

Der Zufall ist natürlich keiner, mich interessieren alle Räume dieses Buches auch in meiner eigenen Existenz. Und wenn ich ganz streng sein wollte, müsste ich sagen, der Zufall ist nur etwas für Feiglinge. Lebendig wird nur etwas, das beseelt ist von Erfahrung. Nichts in diesem Buch habe ich je so erlebt, aber alles ist irgendwie biographisch, ich zähle zum Biographischen auch das Denken, ich bin ja mein Denken, mein Tasten, mein Fragen – aber dennoch haben sich aus vielen Zufällen, also dem, was mir zugefallen ist, viele mich selbst überraschende Dinge ergeben. Plötzlich schrieb mich das Buch! Was für eine Überraschung das wieder war. Immer, wenn dieser Moment eintrifft, weiß ich, das löst sich alles von mir ab, es offenbart sich etwas jenseits meines eigenen Ichs. Das ist ein unbändig glücklich machender Augenblick, ich könnte ihn mit den Worten meines großen geistigen Begleiters und Dichters Saint Pol Roux beschreiben: – „Stellt dem toten Orchester das lebendige Orchester entgegen!“ Was ist das Orchester!? Ja, denken Sie mal nach! Entfalten Sie sich!

Sie sind mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen, wie war das für Sie?
Schrecklich und schön in einem! Ich verließ mein Dorf und damit auch die Zeit, in der ich das Wilde Kind war. Es war aus mit Pippi Langstrumpf! Ich hatte einen Esel in der Kindheit, alle Esel dieser Welt haben seither meine Liebe. Es sind so wunderschöne Tiere! Aber ein Pferd hatten wir auch. Katzen. Hunde. Bäume. Einen unermesslich großen Kirschbaum. Aber auch Schlangen. Die Sommer waren lang und schön und eigentlich war es schon im Mai hundstageheiß! Aber in Hessen war alles neu. Die Sprache. Das Leben. Und erst habe ich lange geschwiegen und Jesus Christus in unserer Dorfkirche vermisst. Irgendwann fing ich an, mich für Rosa Luxemburg zu interessieren und las Sätze wie diese von ihr (im Gefängnis geschrieben!): „Ich möchte laut über die Mauer hinausrufen: O, bitte beachten Sie doch diesen herrlichen Tag! Vergessen Sie nicht, wenn Sie auch noch so beschäftigt sind, den Kopf zu heben und einen Blick auf diese riesigen silbernen Wolken zu werfen und auf den stillen blauen Ozean, in dem sie schwimmen. Beachten Sie doch die Luft, die von leidenschaftlichen Atem der letzten Lindenblüten schwer ist, und den Glanz und die Herrlichkeit, die auf diesem Tage liegen, denn dieser Tag kommt nie, nie wieder!“ – Das habe ich von dieser Frau gelernt. Sie kennen wahrscheinlich den Fliederstrauch im Gefängnishof, den Rosa gepflanzt hat — das Bild ist ja weltberühmt geworden. Kurzum: ich habe alles vermisst, was ich verlor und alles geliebt, was ich geschenkt bekam. Am meisten fehlte mir mein geliebter Großvater, bis heute sehe ich ihn überall, in einem Baum, in einer weißen Wolke, in einer Blüte am Wegesrand, weil er alles für mich war, weil er meine Seele und mein Wesen beschützt hat, so gut er eben konnte als einfacher alter Mann, den ich draußen auf dem Hof rasiert und dem ich die Füße gewaschen habe, wenn er krank war und sich nicht bewegen konnte, ein Mensch war er, der nie geklagt hat, über nichts!, der nicht schreiben konnte, der Koch bei den Partisanen war und Glöckner an unserer kleinen Dorfkirche. Was meinen Sie, warum ich bis heute nichts auf Jesus und Rosa kommen lasse! Das menschliche Leben ist ein riesiges Archiv, alles geschieht nur einmal im Leben, das ist der irrsinnige Schmerz, aus dem alles Große entstehen kann, wenn wir verstehen, aus welcher Quelle wir genährt werden.

Wie groß ist die Sehnsucht nach Ihrer Heimat? Was vermissen Sie am meisten?
Nach Heimat sehne ich mich gar nicht, aber ich vermisse natürlich manchmal die Wucht und Schönheit des Mediterran – Granatapfelbäume, Feigenbäume, Mandelbäume, Maulbeerbäume, das Meer, die dalmatinischen Inseln, die Schiffe und Fähren und die wilden Möwen, mein geliebtes Split, die erste Stadt meines Lebens, die fehlt mir schon sehr, gerade wenn es November ist, dann schaue ich immer nach, wie viel Grad in Split sind. Dort ist es einfach IMMER wärmer! Und manchmal würde ich alles dafür hergeben, um kurz die wilde Bora zu hören, ihr Sausen und Brausen und Dahinschweben über Meer und Landschaft. Esel gibt es in Berlin auch nicht und wenn ich sie auf Korsika, in Umbrien oder wo auch immer erblicke, grüße ich sie mit meiner ganzen Liebe, wie alte Gefährten, denn sie haben meine Einsamkeit in den kleinen Jahren sehr gemildert. Haben Sie mal einem Esel in die Augen gesehen? Man fängt sofort an zu weinen, weil sie so ehrlich schauen wie es kein Mensch dieser Welt vermag! So direkt!

Wann können wir uns auf den dritten Band freuen?
Ich bin selbst sehr gespannt und muss mich erst wieder vom Buch schreiben lassen, bis ich Ihnen Genaueres sagen kann. Eines kann ich aber schon verraten, Ilja, der Kerl! (endlich ein Mann, dem ich meine Stimme leihe) wird uns alle mit seiner List und seinem Humor überraschen – da er schlau ist, weiß er, was er weglassen wird: am Geheimnis ist er nicht mehr interessiert, dafür aber schließt er im Himmel Freundschaft mit Rousseau weil er von ihm mehr über dessen Satz aus den „Träumereien eines einsam Schweifenden“ wissen will, dieser Satz lautet: „Zuweilen münden meine Träumereien in eine Meditation, und noch öfter münden meine Meditationen in eine Träumerei, und im Verlauf dieser Abschweifungen irrt und schwebt meine Seele auf den Flügeln der Phantasie durchs Weltall, in Ekstasen, die jede andere Wollust übersteigen.“

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Marica Bodrožić weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

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7 Gedanken zu “Marica Bodrožić über Erinnerungen.

  1. „[…]ich bin ja mein Denken, mein Tasten, mein Fragen[…]“ – sie antwortet, wie sie schreibt! Das habe ich bis jetzt selten so dicht beieinander erlebt, denn oft wirken Autoren im Interview von ihrem Schreiben losgelöst oder zumindest ein bisschen distanziert, von außen betrachtend.
    Hier wirkt es, als seien die Autorin und ihre geschriebenen Worte auf gewisse Weise eins.
    Vielen Dank für dieses ungewöhnliche, besondere Interview!

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  2. Besondere Momente sind das, die ich hier mit euch teile. Ja, es ist ein wundervolles Interview, dafür danke ich nochmals der Autorin! Und euch für eure Wertschätzung und schönen Worte! Herzlichst, eure Klappentexterin.

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