Schöne Bücher. Zur schönsten Jahreszeit.

Die Großstadt fühlt sich dieser Tage viel leichter an. Die Straßen sind leerer und die Menschen weniger gestresst. Dies sind alles Indizien dafür, dass etwas anders ist. Klar, die Urlaubszeit ist da. Einen Großteil der Menschen hat sie bereits mitgenommen, während die anderen hier noch ausharren und warten, bis sie an der Reihe sind. Mein Urlaub ist noch in weiter Ferne, aber das Fernweh hat sich trotzdem schon zu mir gesellt. Nur kann ich nicht zaubern, doch meine Bücher können es, indem sie mich in ferne Welten und Zeiten tragen. So ist eine kleine Sammlung an Büchern entstanden, die den Sommer atmen und mir das ganz besondere Gefühl schenken. Vielleicht stecken sie euch ebenso an. Oder habt ihr selbst welche, von denen ihr mir berichten möchtet? Immer her damit! Eine literarische Urlaubshungrige dankt und wünscht euch weiterhin einen schönen Sommer. Weiterlesen

Hitzefrei! Dank einer sommerleichten Geschichte.

sommertag2015

Von der Leichtigkeit des Sommers ist die Tage wenig zu spüren. Die Hitze kriecht in die Wände der Häuser, hängt sich in die Haare der Menschen und weht ihnen heiße Luft wie ein Föhn auf höchster Stufe ins Gesicht. Das Leben spielt sich in Zeitlupe ab, die Stadt ist ein einziger Backofen. Da hilft nur ein kühles Bad. Oder ein Ausflug in die Welt der Bücher. Dort habe ich sie wiedergefunden – die Leichtigkeit des Sommers. »Geneviève – Ein französischer Sommer« von Gerd Pfeifer hat mich verzaubert und die Hitze vergessen lassen.

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Ein blaues Lesewunder erleben.

Ruth_Cerha_Bora

Wieder ist es geschehen, und ich koste ihn aus – diesen wundervollen Moment des vollkommenen Leseglücks. Süß wie Blütenhonig, prickelnd wie Ingwerlimo, himmlisch! Das Gefühl, ein besonderes Buch entdeckt zu haben, lässt stets das Herz glühen und den Mund lächeln. »Bora – Eine Geschichte vom Wind« von Ruth Cerha heißt meine Entdeckung. Der Roman hat das Glück buchstäblich durch meine Augen wehen lassen.

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Meer, Spiel und Spannung.

Ich lese viel, aber nicht alles. Dafür fehlt mir leider die Zeit. Deshalb habe ich mich in die wunderbare Literaturblogwelt aufgemacht und nach Sommerschätzen gesucht. Gefunden habe ich drei Bloggerinnen, die heute bei mir Bücher vorstellen und uns ganz schnell das komische Sommerwetter da draußen vergessen lassen.

Marco Balzano.
Damals, am Meer.
Juni 2011, 224 Seiten, 17,90 €.
Kunstmann Verlag.

Diesen Sommertipp empfiehlt Mariki vom Blog Bücherwurmloch

„Damals, am Meer“ von Marco Balzano ist ein literarischer Kurzurlaub in Italien: Drei Männer fahren zusammen ans Meer, um die alte heruntergekommene Wohnung der Familie zu verkaufen. Sie sind Großvater, Vater und Sohn, sie sind hitzig, temperamentvoll, voller Sehnsüchte, aber unfähig, darüber zu reden, und sie sind nicht gut im Abschiednehmen. Doch genau das müssen sie tun – und sie kommen einander dabei ein wenig näher. Ein scharfsinniger und unterhaltsamer Roman, herausragend gut geschrieben, der den Leser ans Meer entführt, ihn den Sand spüren lässt zwischen den Zehen, der Erinnerungen an besondere Urlaube weckt und an die eigene Kindheit. Mein Sommerbuch 2011.“


Stefan Moster.
Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels.
August 2009, 440 Seiten, 22,- €.
Mare Verlag.

Diesen Sommertipp empfiehlt Charlene vom Blog Bücherstadt

„Alma hat als Lebensberaterin auf einem Kreuzfahrtschiff angeheuert und will so ihrem alten Leben als Psychologin für ein paar Wochen entfliehen. Auch ihre zerbrochene Beziehung zu ihrem Sohn muss sie überdenken. Dass sich dieser als Barpianist auf demselben Schiff befindet, ahnt sie genauso wenig, wie er etwas von dem neuen Job seiner Mutter weiß. Stefan Moster hat eine wunderbare dichte und umfangreiche, aber auch humorvolle Geschichte geschaffen, die aus zwei Perspektiven erzählt wird. Auf knapp 440 Seiten schafft er es Familiengeschichte, DDR-Vergangenheit, Liebe, Frustration, Zukunftsangst, Hoffnung und Mut zu verbinden. Obwohl es sich um sehr viele und sehr breite Themen handelt, hat man nie das Gefühl, dass irgendetwas zu kurz kommt oder gedrängt dargestellt wird.“

Elizabeth George.
Denn sie betrügt man nicht.
Oktober 1999, 703 Seiten, 9,95 Euro.
Goldmann Verlag.

Diesen Sommertipp empfiehlt nantik vom Blog Crime Time

„Früher oder später herrscht in jeder Krimireihe einmal drückend heißer Sommer. Warum also sticht ausgerechnet der neunte Fall von Inspector Lynley und seinem Sergeant Barbara Havers derart aus der mörderischen Masse heraus, dass ich ihn euch ans Herz legen möchte? Weil in „Denn sie betrügt man nicht“ nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, als im beschaulichen Badeort Ballford-le-Nez die Leiche eines Pakistani am Strand gefunden wird. Havers ermittelt zunächst auf eigene Faust, weil sich ihr Chef in den Flitterwochen befindet. Doch schon bald kommt Lynley dazu, und gemeinsam waten die beiden Ermittler durch einen Sumpf voller Familiengeheimnisse, Geldgier, Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile, Hass, Neid und Karrieregeilheit. Hier hat fast alles einen doppelten Boden. Und am Ende kommen erschütternde Wahrheiten ans Licht, die einen zu Tränen rühren können. Dieser Krimi ist höchst subtil und setzt auf die leisen, auf die zwischenmenschlichen Töne, ohne dabei langweilig zu sein, denn Elizabeth George weiß, wie man Atmosphäre schafft und Figuren entwickelt. Ach ja, und drückend heiß ist es in diesem Krimi natürlich auch. Eine mörderisch gute Sommerlektüre eben.

Fazit: Ein dicht gewebter literarischer Teppich, der mich sprachlich überzeugt hat. Endlich mal wieder ein Buch, dass auch intellektuelle Ansprüche an den Leser stellt.“

Ich danke Mariki, Charlene und nantik herzlich für ihre Beiträge!

On the Road – unterwegs nach Südfrankreich.

Sofort möchte ich meine sieben Sachen packen und wegfahren! Das habe ich alles Edgar Rai zu verdanken. Sein Roman „Nächsten Sommer“  zündet einfach den Motor in mir an und weckt die Urlauberin. Vorerst bleibe ich aber in Berlin und berichte euch von einer verrückten Reise nach Südfrankreich.

Als Felix seinen Freunden erzählt, dass er in Frankreich das Haus seines verstorbenen Onkels geerbt hat und selbst noch nie dort gewesen ist, fragt Marc: „Und was machen wir dann noch hier?“ Am nächsten Tag bricht die Clique mit Marcs klapprigen VW-Bus in Berlin auf. Leider fehlt eine im Bunde, Zoe hat sich für ihren Geliebten entschieden.

Felix, Marc und Bernhard fahren los. Bereits die ersten Kilometer sind sehr unterhaltsam, da sich relativ schnell herauskristallisiert, dass Bernhard ein Spielverderber ist. Er ist ein Nörgler allerbester Güte, ein richtiger kleiner Muffkopf, dem man gern mal zwicken möchte. Kurz nach Berlin ist er schon in seinem Element und tobt, weil der erhitzte Auspuff zu einem Stopp auf dem Standstreifen zwingt. Bei der ersten Pause auf einem Rastplatz treffen sie auf Lilith, die aus einem Sportwagen flüchtet, weil sie keine Amore machen möchte, schon gar nicht mit Männern. Mit Liebeskummer im Rucksack ist sie auf dem Weg nach Genf zu ihrer Schwester und sitzt schon bald bei den Berliner Jungs im Bus. In Genf angekommen, meldet sich Zoe bei Bernhard, sie hat sich nun doch entschlossen, bei ihren Freunden mitzufahren, und Lilith hält es nach einer Nacht bei ihrer Schwester nicht aus und steigt wieder in den VW-Bus. Die Fahrt geht weiter und bleibt so amüsant.

Dies ist ein verrücktes Roadmovie, das wie eine kühle Sommerbrise leicht daher kommt und trotzdem an einigen Stellen auf Tauchstation geht, wenn lebenswichtige Fragen auftauchen wie die von Zoe: Was wollt ihr wirklich vom Leben? Gar nicht so einfach, denn alle Reisenden tragen Päckchen, an denen sie zu knabbern haben. Zukunftsfragen, Familiengeschichten oder Liebeskummer heißen die Gewichte, die sich zwischen die Leichtigkeit schieben. Edgar Rai schnallt mir die Schwimmflossen an und ich tauche ab in tiefere Gefilde. Das Leben verläuft nicht nach Plan, so eine Fahrt schon gar nicht, das bekommen die fünf bald zu spüren und stoßen auf ungewöhnliche Ereignisse. In einem sehr erfrischenden Ton erzählt Edgar Rai aus dem Leben von jungen Erwachsenen, die hungrig nach dem Leben sind und eine Sehnsucht in sich tragen. Sie flackert in ruhigen Momenten auf und hat etwas von einem Leuchtturm, der in der Nacht die Schwärze der See kurz schluckt.

Die Geschichte ist ein sehnsuchtsvolles Kopfkino, das Freude macht, an einigen Stellen nachdenklich den Wunsch anstößt, zu verreisen, egal wohin. Hauptsache spontan und wenn man gerade nicht solch ein Roadmovie erleben kann,  ist das Buch eine willkommene Abwechslung für den Balkon, die S-Bahn oder oder…

Edgar Rai.
Nächsten Sommer.
Mai 2011, 236 Seiten, 8,95 €.
Aufbau Taschenbuch.

Kleine Geschichten im großen Format.

Erzählbände haben es nicht ganz so leicht wie Romane. Schade eigentlich, denn es gibt einige Autoren, die es exzellent verstehen, auf engem Raum Großes zu erzählen. So einer ist Gregor Sander. In seinem Buch „Winterfisch“ hat er sein Netz hinausgeworfen und mich mit neun Erzählungen eingefangen.

Gregor Sander ist – ebenso wie ich – ein Nordlicht. So verwundert es nicht, wie authentisch er maritime Winde in seine Geschichten pustet. Sie machen sofort Lust auf das Meer, man möchte dorthin aufbrechen und die frische Brise um sich haben. Die Möwen kreischen, die See kühlt die erhitzten Köpfe und das Salz liegt beim Lesen auf den Lippen. Wie das Wasser selbst bewegt sich Gregor Sander an unterschiedlichsten Orten, die alle am Meer liegen, ob am Nord-Ostsee-Kanal, auf Hiddensee oder Gotland. Der Autor schreibt über Menschen, denen die Vergangenheit wie ein prall gefüllter Rucksack auf der Schulter hängt, er berichtet von Suchenden, die sich nach Freiheit sehnen oder die Liebe aufspüren wollen. Sie strampeln mit ihren Gliedmaßen, erinnern mich dabei an zappelnde Fische, die nicht müde sind, sich zu bewegen und aus dem Netz in die Freiheit flüchten wollen.

Gleich zu Beginn finde ich mich auf einem kleinen Fischkutter wieder. Der Ich-Erzähler besucht einen alten Freund in Kiel, um zu fischen. Walter hatte ihn in seiner Kanzlei angerufen, ihn zu sich eingeladen und gesagt: „Mein bester Freund hier ist Fischer.“ Dieses Angebot nahm der Mann dankend an, weil ihm nach der Trennung von seiner Frau jede Abwechslung willkommen ist: „Ich war gierig auf alles, was mich aus dem Trott brachte, aus diesem Büroalltag und meinem Leben zu Hause. Seit Sarah ausgezogen war, konnte ich dort nicht gut sein.“ Jetzt befindet er sich mit Josef Neuer auf dem „Lütten“, beobachtet den Fischer, wie er das Netz ausspannt, aus seinem Leben erzählt und über die Quallen flucht, die der Ost-Wind in die Schleuse drückt. Der Ich-Erzähler verweilt nicht die ganze Zeit in der Gegenwart, er schweift mit seinen Gedanken auch immer wieder ab in sein Leben und die Vergangenheit, die ihn mit seinem älteren Freund verbindet.

Tragisch ist „Gegenlicht“. Die Geschichte fängt schon sehr melancholisch an: „Die Wahrheit ist, dass ich Angst vor meinem Bruder habe. Immer schon und unabhängig von dem, was geschehen wird. Ich meine keine Angst vor Gewalt, aber doch eine körperliche Angst, die daher rührt, dass er mir näher ist als mir lieb ist.“ Vincent sucht seinen Zwillingsbruder, nachdem ihm seine Schwester Pia gesagt hat, dass sie sich um Viktor kümmern müssen. Also macht er sich auf nach Lappland, um seinen Bruder zu finden, der sich lange schon selbst verloren hat. Ehe Vincent sich versieht, befindet er sich auf einer kalten, mühsamen und tragischen Reise, bei der mir jetzt noch ein Frösteln durchs T-Shirt kriecht.

In „Stüwes Tochter“ holt der Autor die Machenschaften der Stasi noch einmal ans Tageslicht. Andrea ist die Tochter eines ehemaligen Stasioffiziers, die im Gegensatz zu ihrem Vater gegen das DDR-Regime revoltierte und auf die Straße ging. Ihr passierte nichts, doch ihrem Freund, der wurde hinter Schloss und Riegel gebracht. Das ist die eine Seite der Geschichte. Die andere erzählt eine Liebesgeschichte mit offenem Ende.

Es passiert viel in den einzelnen Episoden, so viel, dass sie für mich kleine einzelne in sich geschlossene Romane bilden. Der gebürtige Schweriner Autor hat atmosphärische Geschichten geschrieben, die wie Sandkörner hängenbleiben. Dies ist ihm nicht zuletzt auch durch seine Sprachgewalt gelungen. Sein klarer Erzählstil mischt sich mit poetischen Klängen, und schafft damit eine unverwechselbare Stimmung. Gregor Sander strickt aus alltäglichen Begebenheiten ein dichtes Netz, pointenreich, nachdenklich und überraschend erzählt er einzelne Schicksale, die vom Meer umgeben sind. Für mich ist „Winterfisch“ eine besondere Sommerlektüre, eine Muschel, deren Klang ich immer wieder hören möchte und die zeigt, dass auch in schmalen Erzählbänden große Geschichten stecken können.

Gregor Sander.
Winterfisch: Erzählungen.
März 2011, 189 Seiten, 18,- €.
Wallstein Verlag.

Übermut tut mit Kurt Tucholsky gut!

Was für eine zauberhafte Sommergeschichte ist das! Ich habe „Schloß Gripsholm“ genossen, wurde betrunken vor Entzücken und habe dabei kleine Pirouetten gedreht. Mit anderen Worten: Kurt Tucholsky macht übermütig und weckt den schlafenden Schelm.

Wieder einmal freue ich mich darüber, dass ich einen Roman gehört habe. Das ist auch Heike Makatsch zu verdanken, die beim Lesen in die Rolle des Ich-Erzählers Peter geschlüpft ist. Moment mal! Eine Frau, die als Mann vorliest? Oh ja, das funktioniert. Das tiefe Timbre der Stimme passt geradezu perfekt! Makatsch geht in ihrer Rolle auf und verwandelt sich ganz in Peter oder „Daddy“ wie ihn seine Liebste zärtlich nennt. Er wiederum spricht von seiner „Prinzessin“, wenn er von Lydia redet. Die „Prinzessin“ stammt aus Rostock und beherrscht das Missingsch. „Missingsch ist das, was herauskommt, wenn ein Plattdeutscher hochdeutsch sprechen will. Er krabbelt auf der glatt gebohnerten Treppe der deutschen Grammatik empor und rutscht alle Nase lang wieder in sein geliebtes Platt zurück.“ Platt lesen und Platt hören sind zwei große Unterschiede. Das wird mir dann bewusst, sobald Heike Makatsch ins Platt wechselt und ich laut lache. Breite Buchstaben, die sich in die Länge dehnen und dem Witz Einlass gewähren, muss man einfach hören.

Lydia und Peter reisen für fünf Wochen nach Schweden. Dort mieten sie sich im Schloss „Gripsholm“ ein Zimmer. Zwischendurch bekommen sie der Reihe nach Besuch von Freunden. Karlchen und Billie sind genauso wie die beiden: Übermütig und gut gelaunt. Das Pärchen erlebt – ob mit den Gästen oder in trauter Zweisamkeit – die Sommerfrische so wie man es sich vorstellt: Unbeschwert und glücklich. Die Stimmung fasst der Autor wunderbar in Worte:

„Der Wald rauscht, der Wind zieht oben durch die Wipfel und ein ganz feiner Geruch steigt vom Boden auf, ein wenig säuerlich und frisch moosig und etwas Harz ist dabei.“

Das ist der eine Tucholsky, der genaue Beobachter und Nachdenkliche. Der andere ist der Schelm, der ein großes Vergnügen daran hat, unterhaltsamen Witz über seine Sätze zu streuen. Besonders erfreut habe ich mich an den Dialogen. Sie sind herrlich erfrischend, gepaart mit frechen Neckereien und süßer Liebe. Meine Augen hätten sicherlich nicht so oft zurückgespult wie meine Ohren, bzw. meine Hände im Auftrag der Ohren. Heike Makatsch spricht meisterhaft, passt sich an die jeweilige Situation an, wechselt von Peters Gedanken zum Gespräch mit seiner Liebsten, spricht hochdeutsch oder platt und macht auch mal einen – Hicks – Schluckauf.

Kurt Tucholsky belässt es aber nicht nur bei der Liebesgeschichte und setzt noch ein dunkles Element, bei dem die Erzählperspektive wechselt. Die Sonne zieht sich zurück, ein Gewitter kommt auf und ich sitze neben einem weinenden Mädchen. Ada lebt in einem naheliegenden Mädcheninternat, das mehr an ein Horrorkabinett erinnert. Die Leiterin ist eine garstige Hexe, die ihre Schützlinge in Angst und Schrecken versetzt. Für kurze Zeit vergesse ich die Leichtigkeit und folge mit Entsetzen den gruseligen Begebenheiten. Gott sei Dank bin ich nicht die Einzige, denn Lydia und Peter… nein, hier sollte ich nun besser aufhören und euch das Stück in die Ohren legen. Mit einem Schmunzeln dazu, das euch zum Tanz der Übermut einlädt.

Kurt Tucholsky.
Schloß Gripsholm.
Vorgelesen von Heike Makatsch.
04 Std. 18 Min., 17,95 €.
audible.de

Ein Sommerferientraum!

Nachdem ich diese schöne Geschichte gelesen habe, möchte ich in das Buch reinkrabbeln! „Die Penderwicks“ von Jeanne Birdsall locken mich schon eine Weile, vor allem das Cover hat mich magisch angezogen.

Dort laufen auf einer herrlich grünen Wiese drei Mädchen herum, während ein anderes verträumt zum Hügel hochschaut, an dessen Spitze ein Hund zu einem Mann sprintet. Er steht vor einem Holzhaus und blickt zu den Mädchen. Die Kleine mit den Flügeln auf dem Rücken ist die vierjährige Batty, die anderen heißen Skye, Rosalind und Jane, der Hund hört auf den Namen Hound, sein Herrchen ist Mr Penderwick, der Vater der Mädchen. Die sechs sind gerade angekommen und inspizieren das Haus von Arundel, das einer gewissen Mrs Tifton gehört. Zum großen Erstaunen aller ist es viel schöner als gedacht. Damit nicht genug: Das Grundstück ist so riesig, „dass man darauf drei oder vier Fußballfelder hätte anlegen können“.

Doch zum Fußballspielen ist es ungeeignet, weil zahlreiche Bäume und das „fiese dornige Gestrüpp“ im Wege stehen. Viel einladender ist Mrs Tiftons Garten gleich nebenan, den Skye als Erste erkunden will und dabei fast der Besitzerin in die Arme läuft. Gott sei Dank hat der Gärtner Cagney eine raffinierte Idee: Er steckt Skye einfach in eine große Vase. Ein bisschen angeekelt von dem Schmutzwasser am Fuß – aber äußerst neugierig – lauscht Skye den strengen Tönen der Dame, die nach ihrer Predigt wieder von der Bildfläche verschwindet. Als sich Skye auf Cagneys Empfehlung hin verziehen will, stößt sie im Heckentunnel mit einem Fremden zusammen. Autsch! Nach der ersten Schreckensminute findet Skye wieder zu sich, freut sich, dass der Junge aus seiner Ohnmacht erwacht und will ihn gleich vor der hochnäsigen Mrs Tifton warnen, die plötzlich vollkommen aufgedreht „Jeffrey!“ ruft.

Was Skye zum Zeitpunkt nicht weiß, sagt ihr der Junge im nächsten Atemzug: „Meine Mutter ruft mich und du bist mir im Weg.“ Oje, das tut mächtig weh. Noch mal: Autsch! Na, das kann ja heiter werden! Wird es auch. Was den Mädchen alles passiert, das verrate ich natürlich nicht. Aber so viel sei gesagt: Dies ist ein richtig schöner Sommerferientraum! Aufregend, liebreizend und total lustig!

Jeanne Birdsall.
Die Penderwicks. Band 1.
Mai 2008, 288 Seiten, 6,95 €.
Altersempfehlung: 10 – 12 Jahre.
Carlsen Verlag.