Stille Stunden mit einer guten Freundin.

Weihnachten. Trotz allem Stress für mich immer noch ein Zauberwort für Sternenglanz, Zimtküsse, Kerzenschein und geheimnisvolle Geschichten. Gemütlich und hyggelig macht man es sich an diesen Tagen. Der Tod passt da irgendwie nicht hinein. Zsuzsa Bánk macht in ihrem kleinen, feinen Buch Weihnachtshaus eine Ausnahme und öffnet dem Tod die Tür. Er ist gleich zu Beginn anwesend und setzt sich in einen Sessel. Das ist mutig, aber Zsuzsa Bánk darf das. Denn sie ist eine Meisterin dieser ganz eigenen tragischen Geschichten, die einen trotz aller Tragik niemals ganz hinunterziehen. Egal, wie hart das Schicksal ihren Figuren ins Gesicht schlägt, ich fühle mich nie verloren. Weil stets eine tröstende Hand auf der Schulter liegt, die sagt: »Alles wird gut. Bleib ruhig, atme.« Ja, bei Zsuzsa Bánk kann es noch so finster sein, es bleibt warm in unseren Herzen, wenngleich sie hier und da nicht aufhören wollen, zu zittern. Weiterlesen

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Am Ende wird alles gut.

Anna Gavalda und ich – das ist eine schöne Geschichte. Die französische Autorin hat mir seinerzeit mit ihrem wundervollen Buch »Zusammen ist man weniger allein« gezeigt, wie viel Kraft wir Buchhändler haben können. Durch unsere Empfehlungen haben wir den Roman in die Bestsellerliste getragen. Das war 2005, und ich kam gerade frisch im Buchhandel an. Nachdem ich wie eine Protagonistin aus Anna Gavaldas Geschichten durchs Leben gelaufen war und sich vieles falsch anfühlte. Ja, ich war wie ein Yann, den ich jetzt in ihrem Erzählband »Ab morgen wird alles anders«, getroffen habe. Und der mich nun mit aller Macht an mein altes Ich erinnert, so dass ich mich kaum von der Geschichte lösen mag. Weiterlesen

Noch einmal ganz von vorn.

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»Ein Jahr auf dem Land« von Anna Quindlen ist wieder einmal ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man sich nicht vom Cover und vom Titel leiten lassen sollte. So hätte ich das Buch wohl kaum in die Hand genommen, wäre da nicht die Empfehlung einer befreundeten Buchhändlerin gewesen. Ich habe nichts gegen Äpfel, esse sie sogar für mein Leben gern. Und das Landleben hat für mich eine besondere Faszination. Aber zu diesem Buch passt beides nicht wirklich. Warum? Nun das verrate ich euch jetzt.

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Die richtige Dosis an Zuversicht.

Das Buch lag plötzlich in meiner Hand. Wie ist es dort hingekommen? Ganz einfach: Der Titel und das Cover haben meinen Geist quasi von ganz allein bewegt und alles andere angeschubst. Es ist schlicht, fast unscheinbar und doch geht von dem Werk eine Intensität aus, wie ich es selten in der zeitgenössischen Literatur erfahre. Da ist so ein Strudel, der mitreißt. Die Augen verweilen wie von selbst auf dem Buchumschlag. Schnell geriet ich in die Versuchung, mich zu der einsamen Frau am Strand zu setzen, ihren Atem aufzufangen und frische Muscheln in ihre Hände zu legen. So dauert es auch nicht lange, bis man über die ersten Sätze schwebt.

Im Mittelpunkt des Romans „Tagsüber dieses strahlende Blau“ von Stefan Mühldorfer steht der Versicherungsmakler Robert Ames. An einem schönen, sonnigen Freitagmorgen fährt er wie immer zur Arbeit. Alles scheint normal, doch abends steht er plötzlich vor einem Trümmernhaufen seiner Ehe und seines Lebens. Wie ein Kartenhaus fällt alles vor ihm zusammen. Robert verliert nicht an Balance. Viel mehr bleibt er stehen, schaut zurück in seine Vergangenheit und beobachtet im Hier und Jetzt die Gegenwart mit einem präzisen Blick.

Stefan Mühldorfer gelingt es meisterhaft, eine Stimmung zu erzeugen, die sich anfühlt als würde man tatsächlich in einen strahlend blauen Himmel schauen: Der Blick ist leicht von der Klarheit geblendet, doch er ruht in sich und hinterlässt eine bestimmte Dosis an Zuversicht. Es sind die Töne zwischen den Sätzen, die dem Roman einem besonderen Klang geben. Sie sind leise und haben trotzdem die Kraft eines Orchesters. Mit dem Klang im Ohr setzt man sich zwischen die Buchstaben und lauscht ihnen unaufhörlich, weil sich die Gedanken richtig und gut anfühlen. Sie erinnern ein bisschen ans Ankommen nach einer langen Reise.

Dieses außergewöhnliche Werk enthält genau die Dosis an Gedankengut, die man manchmal braucht, um wieder zu sich selbst zu finden. Der Roman bleibt noch lange nach dem Ende im Kopf sitzen, mit ihm zusammen das Bild und Gefühl, wie es ist, wenn man unter einem strahlend blauen Himmel sitzt.

Stefan Mühldorfer
Tagsüber dieses strahlende Blau
April 2009, 240 Seiten, 14,90 €.
dtv.