Schlagwort-Archive: Liebeskind

Die Zerbrechlichkeit des Lebens.

Bild von Dariusz Sankowski auf Pixabay

Stellt euch vor, ihr nehmt ein Foto in die Hand und wisst gar nicht, dass es ein Foto ist. Vielleicht huscht nur kurz eine Ahnung vorbei, dass dieses Foto einst eine Bedeutung für euch gehabt hatte. Eine beunruhigende Vorstellung, oder? Genauso ergeht es der Romanheldin in »Insel der verlorenen Erinnerung« von Yoko Ogawa. Sie lebt auf einer Insel, auf der nach und nach Dinge verschwinden und mit ihnen die Erinnerung an ihre Existenz. Der bereits 1994 erschiene Roman, ein frühes Werk der Autorin, wurde jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt und hat an Aktualität nichts eingebüßt – ganz im Gegenteil.

Weiterlesen

Nur der Moment zählt. Der ruhige.

Nach dem Klassiker Kokoro wende ich mich wieder zeitgenössischer japanischer Literatur zu. Lasst uns also noch ein bisschen in Japan bleiben, es ist dort einfach zu schön. So habe ich nun Yoko Ogawa zu Gast, die mir ihre »Zärtliche Klagen« mitgebracht hat, die kürzlich beim Liebeskind Verlag erschienen sind. Wir sitzen uns gegenüber, schweigen und lauschen den zauberhaften Klängen eines Cembalos. Spielt Kaoru? Oder doch Nitta? Yoko Ogawa schweigt und tippt aufs Buch. Ich schließe lächelnd die Augen und kehre zurück in meine literarische Kraftoase, um dort wieder auf Kaoru und Nitta zu treffen.

Weiterlesen

Ein weiblicher Blick in die männliche Seele.

adelle_waldman_das_liebesleben_des_nathaniel_p

Meistens schreiben Männer über Männer oder Frauen über Frauen. Doch es gibt auch Ausnahmen. So wie »Das Liebesleben des Nathaniel P.« von Adelle Waldman, in dem die Autorin mit der Stimme eines männlichen Protagonisten erzählt. Das Werk hatte sich schon kurz nach seinem Erscheinen vor zwei Jahren in den USA zu einem der meist diskutierten Romane entwickelt. Das hat die Klappentexterin natürlich neugierig gemacht. Und das Innenleben von Männern an sich ist ja sowieso ein spannendes Feld.

Weiterlesen

Wie √ zu meinem Freund wurde.

eulersche

√. Ich hatte das spitze Wurzelzeichen aus meinem Kopf verscheucht, weil es mich einfach zu sehr an Mathematik erinnerte, ein Schulfach, mit dem ich auf Kriegsfuß stand. Doch plötzlich tauchte es auf der ersten Seite in Das Geheimnis der Eulerschen Formel wieder auf und stach in meine Augen. Sollte ich flüchten oder bleiben? Ich haderte kurz, entschied mich schnell fürs Bleiben, denn die japanische Autorin Yoko Ogawa nahm mich mit ihren schönen Worten behutsam an die Hand.

Weiterlesen