Jahrmarkt Buchmesse.

Eigentlich wollte ich nicht über meinen Besuch auf der Leipziger Buchmesse schreiben. Eigentlich. Aber es war zu schön, so dass ich nicht anders kann, als der Zeit die Zunge herauszustrecken und meine Nacht zu verkürzen. Jetzt rasen meine Finger über die Tasten meines geliebten MacBooks.

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Viel zu schnell ging alles vorbei, als hätte das Leben die Playtaste übergangen und sich großzügig an dem Forward-Knopf bedient. Geschwind raste der Minutenzeiger meiner Uhr, obwohl mich die Deutsche Bahn anfangs warten ließ. Doch es geht nichts über engagierte Bücherfreunde. Sie setzten sich dafür ein, dass der ICE außerplanmäßig am Messegelände halten sollte. Dort pilgerte ich mit den Massen in Richtung der heiligen Hallen. Schneematsch und kleine Steinchen nahmen meine Schuhe ein, die am Ende nichts mehr von ihrem sauberen Heiligenschein hatten. Das wiederum stellte ich völlig entsetzt erst am Ende des Tages fest. Ich, die stets penibel auf saubere Schuhe achtete, ist den ganzen Tag mit verschmutzten Spitzen herumgelaufen. Nun, mein Kopf ignorierte an dem Tag offenbar die Erdanziehungskraft, stand kerzengerade und bewegte sich wie ein Leuchtturm durch die Hallen. Man kann es ihm auch nicht verübeln, gab es doch so viel zu sehen: Zahlreiche Menschen, fantasievoll verkleidete Mangawesen und bekannte Persönlichkeiten wie der frisch gekürte Buchpreisträger David Wagner oder Astrid Rosenfeld, die sich nach einem Auftritt an die Diogenes Bücherwand setzte, kurz durchatmete. Wer denkt bei solchen Beobachtungen noch an die Schuhe? Flink trugen mich meine Beine weiter über das Gelände – von Halle 2 in Halle 4, weiter in Halle 3 und Halle 5. Der Puls raste und der Atem erinnerte an einen stürmischen Küstenwind.

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Die Buchmesse hat was von einem Jahrmarkt. Aufregend, bunt und laut ist es. Die Augen rollen hin- und her. Anders als vor zwei Jahren ließ ich mich dieses Mal mitreißen. Darüber hinaus traf ich auf vertraute Gesichter. Hier ein kurzes, herzliches „Hallo!“ und dort ein neugieriges „Wie geht’s?“, bevor das Schwimmen im Strudel weitergeht. An einigen Ständen hielt ich mich länger auf, bekam ein Glas Sekt, Wasser und einen munter machenden Kaffee spendiert. Und genau das ist für mich das wirklich Schöne an der Messe, das Wiedersehen und der gemeinsame Austausch über die Bücherwelt.
Mein erstes Twittagessen durfte ich ebenfalls miterleben. Hier gab es zwei entzückende Buttons für mich, kleine Andenken, die mich nun immer daran erinnern werden. Besonders dankbar bin ich für den Flitzpiepe-Anstecker, den mir Wibke von Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt in die Hand gedrückt hatte, nachdem ich ihr meine persönliche Geschichte zum Namen verraten habe.

flitzpiepe

Neben einem Gespräch am Diogenes Stand gehörte das Interview mit drei georgischen Autorinnen zu meinen persönlichen Highlights. Dieses Frühjahr ist bei der Frankfurter Verlagsanstalt der Erzählband „Techno der Jaguare“ erschienen. Über dieses Buch werde ich noch berichten. Beim Stand dieses Verlages war ich um 15 Uhr mit Ekaterine Togonidze, Tamta Melaschwili und Nino Haratischwili verabredet. Immer noch lächle ich über diese großartige Begegnung. Ich saß mit den drei Autorinnen zusammen, die ich bewundere und die mich so herzlich in ihre Runde aufgenommen hatten. Es wurde gelacht, aber auch ernsthaft erzählt. Ich habe viel über Georgien erfahren und werde euch bald daran teilhaben lassen, sobald ich die Aufzeichnung übertragen habe. Es war ein bezauberndes Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

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Als ich am frühen Abend mit caterina von SchöneSeiten in der Glashalle bei einem kühlen Wasser verschnaufte, wurde mir bewusst, wie rasend schnell die Zeit vergangen, wie müde ich auf einmal war und wie glücklich. Die Sonne verwandelte sich in einen glühenden roten Feuerball und lockte einige Besucher, dieses fantastische Farbenspiel festzuhalten. Für mich hatte der Tag das Rascheln einer Wundertüte. Überraschende Augenblicke setzen sich neben surreale Momente, Unglaubliches wurde wahr. Erschrocken stellte ich plötzlich fest, dass ich meine Kamera gar nicht groß gefüllt hatte. Ich hatte alle Bilder in meinem Kopf gespeichert und wusste nicht, wie ich sie von dort hier hinein bekommen konnte. Auch das gehört wohl zur Buchmesse dazu.

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Es war schön, die vielen Menschen auf der Leipziger Buchmesse zu sehen. Die Bücher flatterten aufgeregt mit ihren Seiten und lächelten mir zu, genossen sie das Bad sichtlich in der Menge. Die Luft vibrierte und in der ganzen Hetze sah ich auch in staunende, fragende Gesichter, die das Schauspiel auflasen wie ein spannendes Buch. Hier und da sammelte ich Gesprächsfetzen ein, bei denen ich geschmunzelt habe. Die Menge verschluckte mich nicht, sondern spülte mich zu neuen Ufern und vertrauten Inseln. Es war ein Ankommen und Entdecken gleichermaßen. Danke Leipzig für diesen wundervollen Tag! Ich komme im nächsten Jahr wieder.

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