Schlagwort-Archive: Japan

He’s coming to me. I smile and…

… I’m happy like a little child. Ein Kind der Literatur strahlt mit großen Augen den neuen Murakami-Roman an, der da in großen Schritten herbeigeeilt kommt. Lange habe ich auf sein neues Werk warten müssen. Vier Jahre. Das war hart. Vier Jahre ohne Murakami ist wie Autofahren ohne Räder. So wirklich begreife ich das erst jetzt, wo ich das Ziel fast erreicht habe. Alles fällt von mir ab und ich verliere merklich an Gewicht. Ich fliege und störe mich nicht an dem kalten Wind, der mir frech ins Gesicht pustet.

Vorwärts komme ich mit dem Japaner immer. Jedesmal weiß ich zwar nicht, wie, aber ich bewege mich und mein Geist folgt mir. Murakamis Bücher eröffnen mir Welten, die ich teilweise sehr gut kenne, die mir aber an einigen Stellen doch sehr speziell erscheinen. Ein Knirschen hier, ein Lächeln dort und ein Kratzen da. Er kreiert besondere Landschaften, in die ich mich gern mit einem klopfenden Herzen setze. Und er inspiriert mich zu höchstem Maße.

Murakami setzt mir Flöhe in den Bauch und lässt mich über die Flucht nachdenken, wie ich es vorher so noch nicht getan habe. Murakami stößt mich an, mit anderen Literaturfreundinnen ein Projekt ins Leben zu rufen und er bringt mich mit anderen, fremden Menschen zusammen. Was kann man dazu sagen? Nichts. Einfach nur staunen, lächeln und sich würdevoll verneigen. Das Literaturkind ist glücklich. IQbidu!

Haruki Murakami – Ein Autor, der verbindet.

Alle Murakami-Fans und solche, die es werden wollen, aufgepasst!

Ab sofort gibt es den Blog Reading-Murakami – ein Gemeinschaftsprojekt von Ada Mitsou, Bibliophilin, Der Blaue Raum und Klappentexterin. Wir sind vier LitBloggerinnen, die im Murakamifeuer glühen und diese Begeisterung mit euch teilen wollen. Murakami ist ein Autor, der die Kraft hat, aus fremden Menschen eine Gemeinschaft zu machen. Das möchten wir nutzen und mit euch zusammen sein neuestes Buch 1Q84 lesen und darüber diskutieren. Außerdem findet ihr auf der Seite Informationen über den Autor und seine Werke sowie Neuigkeiten über Japan und seinen vielleicht geheimnisvollsten Schriftsteller.

Das Murakami-Kollektiv lädt euch herzlich ein, dabei zu sein und wir freuen uns euch bei Reading Murakami wiederzusehen!

Hier geht’s zur Seite!

Friederike ♥ Ichiyô Higuchi

Bücher sind zum Lesen da. Klar. Sie sind aber auch da, um uns glücklich zu machen und andere. Heute teilt Friederike, 22 Jahre, Studentin, mit uns ihr Glück. Ein Buch, das sie begeistert und welches sie euch vorstellen möchte.

Ihr ♥ Stück


Ichiyô Higuchi: In finsterer Nacht, 99 Seiten,
2007, 9,80 €, ludicium Verlag.


1. Welcher war der beste Satz?

Da ich das Buch leider nicht zu Hause habe, muss ich die Stelle aus dem Gedächtnis wiedergeben: „Die Welt ist groß. Und Eisenbahnen fahren heute durch das ganze Land.“

2. Um was geht es in dem Buch?
3 Erzählungen über 3 junge Frauen in Japan zum Ende des 19. Jahrhunderts. Alle leiden in gewisser Weise unter den gesellschaftlichen Konventionen: Eine wird von der Gesellschaft ausgeschlossen, weil ihr Vater unverschuldet in Ungnade gefallen ist. Eine andere muss sich als Dienstmädchen die ungerechte Behandlung ihrer Herrin gefallen lassen. Und eine dritte leidet unter der Ehe mit ihrem Mann, kann sich aber nicht trennen, weil sie damit ihr gesellschaftliches Ansehen verlieren würde. Schaffen die Frauen es, sich zu emanzipieren? Oder fügen sie sich schließlich in das alte japanische Wertesystem?

3. Warum sollte man das Buch unbedingt lesen?
Dieses von außen ziemlich unscheinbare, nur knapp 100 Seiten umfassende Buch ist eine Erzählsammlung von einer der wichtigsten japanischen Erzählerinnen der Moderne: Higuchi Ichiyô wirkte kurz vor 1900 und verfasste vor allem kürzere Erzählungen, starb dann aber sehr früh an Tuberkulose. In Japan war es zu der Zeit noch weniger als in Europa üblich, dass eine Frau als Schriftstellerin tätig war. Ichiyôs Geschichten sind anrührend, denn sie bilden die Situation junger Frauen in einem Land ab, das sich rasch verändert und modernisiert. Modernisierungskrisen gab es um 1900 auch in Europa, aber vor allem in Japan, wo man versuchte, innerhalb weniger Jahrzehnte Jahrhunderte europäischer Geistesgeschichte nachzuholen, traten die Modernisierungsprobleme besonders deutlich hervor. Das Zitat, was ich ausgewählt habe, drückt dies zugleich die neuen Freiheiten (Horizonterweiterung), aber auch Probleme (Orientierungslosigkeit) aus, die sich aus der Modernisierung ergeben.

♥ lichen Dank!

Hast Du auch ein ♥ Stück, das Du mit anderen teilen möchtest? Unter klappentexterin@hotmail.de nehme ich Deine drei Antworten zu Deinem Buch gern entgegen. Nähere Infos gibt es hier.

Tag 10: Ein Buch von deinem Lieblingsautoren.

Mister Aufziehvogel von Haruki Murakami.
Dieses Buch fasziniert mich. Sobald ich es lese, bekomme ich entweder große Lust Spaghetti zu kochen oder zu bügeln. Murakami verleiht dem Alltäglichen etwas Zauberhaftes, so dass aus dem Kochen ein besonderes Event wird. Es passiert in dem Roman nicht wirklich viel und doch platzt man innerlich vor Spannung. Wie das geht? Keine Ahnung. Das ist eine Seite von vielen, die den japanischen Autor auszeichnet und ihm eine große Fangemeinde beschert. Murakami liest man nicht, Murakami lebt man, wenn man einmal Feuer gefangen hat.

In Mister Aufziehvogel erzählt er die Geschichte von Toru Okada, der seinen Job gekündigt hat. Er ist unzufrieden und möchte etwas anderes. Was genau, weiß er noch nicht. Als eines Tages seine Katze verschwindet und ihn ein Anruf einer fremden Frau ereilt, beginnt sich sein bisheriges aufzulösen. Stück für Stück bricht es auseinander. Ganz leise wie auf Zehenspitzen stiehlt es sich davon.

Vor allem verliebt habe ich mich in die Sprache. Sie streichelte mich sehr sanft wie eine leichte Feder. Hier und da huschte ein zarter Lufthauch über mein Gesicht. Natürlich gab es auch vorsichtige Tritte gegen das Schienenbein. Weil ich manchmal nicht begriffen habe, was das nun sollte, wie in Gottes Namen und überhaupt. Konfus. Doch raus kam ich nicht, dafür saß ich schon zu lange auf dem Boden des Brunnens, roch das Nasse und erspähte ganz oben etwas Helles. Wem das hier alles nun zu suspekt ist, sollte lieber die Finger von Mister Aufziehvogel lassen, denn schräg ist er. Schräg, aber unglaublich gut!

Tag 8: Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert.

Es ist so warm, dass ich mich unter einem schattigen Baum verkrieche. Frischer Rasengeruch kriecht in meine Nase. Mein rechter Fuß kribbelt. Dort läuft nämlich gerade eine Ameise drüber. Freches Biest! Ich bin endlich angekommen in meiner Stadt. Berlin. Glücklich, leicht glucksend als hätte ich schon eine Flasche Sekt allein ausgetrunken, liege ich im Mauerpark auf der Decke und lese Murakamis Gefährliche Geliebte. Was heißt hier lesen: Ich bade regelrecht in seinen Sätzen, seinen bildhaften Schilderungen und fühle mich mit ihm weniger allein in dieser großen Stadt. Obwohl – allein ist das falsche Wort. Ich habe es mir ja selbst ausgesucht, eine von vielen Tausenden zu sein. Also sagen wir es anders: Murakami zu lesen, fühlt sich an, als hätte ich einen bekannten, mir wohl vertrauten guten Freund wieder getroffen. Ja, das liest sich schon besser. Eine Stelle aus dem Buch habe ich mir bis heute gemerkt. Es ist meine liebste und selbst wenn man mich im Schlaf fragen würde, wüsste ich sofort, wo sie sich befindet. Auf Seite 20, zweiter Absatz:

Das Gefühl, ihre Hand zu halten, hat mich nie wieder verlassen. Es war anders als bei jeder anderen Hand, die ich je gehalten hatte, anders als bei jeder Berührung. Es war lediglich die kleine, warme Hand eines zwölfjährigen Mädchens, aber diese fünf Finger, diese Handfläche waren wie eine Vitrine, die absolut alles enthielt, was ich wissen wollte – und was ich wissen mußte. Indem sie meine Hand nahm, zeigte sie mir, was dieses „alles“ war. Zeigte mir, daß es hier in der realen Welt, einen solchen Ort gab.

Und mich hat Haruki Murakami nie wieder verlassen. Seine Hand liegt auf meiner Schulter. Allein sein Name erzeugt in mir ein Lächeln, das ich das klassische Murakami-Lächeln getauft habe. Der Mann ist für mich mehr als nur ein Autor – er ist ein Seelenbruder. So, nun ist es raus. Ich bin leicht errötet, schwimme aber noch immer im Murakami-Bad und sehe wahrscheinlich aus wie ein Goldfisch, der die Sonne auf seinen Kiemen trägt.

Eine perfekte Suppe, in der man baden möchte.

Eine Liebe ist nur liebenswert, wenn sie auch böse ist. Jedenfalls ein bisschen. Sonst schmeckt sie nach einer Suppe, die salzlos ist. Wenn immer alles nett und schön ist, einer von beiden stets nachgibt, nicht mal brüllt, mit den Krallen wetzt, fehlt etwas. Wer das nicht glaubt, wird sich in Amélie Nothombs neuestem Werk Der japanische Verlobte überzeugen lassen. Nun aber von vorn und langsam.

Die Autorin schreibt in ihrem sehr persönlichen Werk über ihre zwei Jahre, die sie in Japan gelebt hat. Dort lernt sie Rinri kennen, ihren Privatschüler, dem sie Französisch beibringt und mit dem sie selbst ihr Japanisch verbessern möchte. Relativ schnell entwickelt sich mehr zwischen dem Schüler und der Meisterin, wie Rinri sie eines Tages nennt, als er sie seinen Freunden vorstellt. Es passiert etwas Feines, nichts Großes und irgendwie denkt man die ganze Zeit an eine Ouvertüre, so zart und zurückhaltend ist sie. Das Hauptwerk tritt aber nicht ein. Die Beziehung plätschert vor sich hin, hat ein sehr schönes Level an Respekt und Liebeswürdigkeit, doch es fehlt eine Sache, eine Kleinigkeit, die sehr wichtig ist. Erst eine große Frage bringt Amélie schließlich dazu, sich der Wahrheit zu stellen.

Dieses Buch ist ein kleines, feines Meisterwerk! Amélie Nothomb schreibt wie gewohnt einzigartig. Sie ist dabei amüsant, manchmal leicht melancholisch, nachdenklich, an einigen Stellen unbeschwert, hier und da etwas überheblich. Kurz: Sie ist die perfekte Suppe, die alle Sterne verdient hat, die man als Gourmetkoch bekommen kann. Jetzt noch möchte ich in ihrer Suppe baden bis ich satt bin, obwohl ich weiß, dass ich von ihr nicht genug bekommen kann. Amélie schildert ihre Liebesgeschichte auf eine zauberhaft-leichte und sensible Art, ist überhaupt nicht kitschig. Außerdem erfährt man einiges über die Japaner, ihre Sitten und Bräuche. Das sind viel mehr die Zutaten am Rande, die perfekt passen und die einem nach einem Seufzen ein frisches, munteres Lächeln auf das Gesicht legen, nur kurze Zeit bis bald ein Kopfschütteln folgt. Ja, es regt sich vieles, wenn man Madame Nothomb liest und genau das macht sie zu einer wahren Meisterin vor der man sich würdevoll verbeugt.

Der japanische Verlobte.
Amélie Nothomb.
Februar 2010, 163 Seiten, 18,90 €.
Diogenes Verlag.

einatmen. kraft spüren. ausatmen.

banana yoshimoto zu lesen, ist als würde einem der wind sachte ums herz streicheln. ihre geschichten sind ruhig und haben etwas von einem bach, der aus einem hohen gebirge ins flache tal fließt. alles ist in sich gekehrt, doch gleichzeitig tauchen spitze steine auf, an denen man sich stößt und die einen innehalten lassen. in ihrem neuen buch geht es um menschen, die von umbrüchen abgelenkt und auf neue wege geführt werden, manchmal sind sie dabei gezwungen nochmal nach hinten zuschauen. am ende haben sie aber alle eins: eine kraft, die man nur haben kann, wenn man bei sich selbst angekommen ist. genau das verleiht dem buch eine stärke wie ich sie lange bei der autorin nicht mehr erlebt habe.

Mein Körper weiß alles.
Banana Yoshimoto.
Februar 2010, 18.90 €.
Diogenes.