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Nicht von Pappe: Mein Buch des Sommers. 

Plötzlich ist es da, wie die Erinnerung an einen vergessenen Traum. Ich möchte dieses Etwas greifen. Von irgendwoher kenne ich diese Stimmung, die mir aus »Der Papierpalast« entgegenströmt. Ein mitunter rauer, melancholischer Atem. Nichts durchgängig Negatives, dafür hält das Buch einige helle und mitunter witzige Momente bereit. Woher nur kannte ich diesen besonderen Mix aus tiefer Nacht und leuchtendem Tag? Als ich mir die Vita der Autorin genauer anschaute, macht es sofort »Klick«. Natürlich: Miranda Cowley Heller war in leitender Position bei HBO tätig, wo sie verantwortlich war für die Entwicklung der bahnbrechenden Serien »The Wire« und »The Sopranos«. Daher dieser vertraute Sound. 

Alles beginnt mit einem sommerlichen Katertag. Elle erwacht sehr früh in ihrem Sommerquartier in Back Woods und spürt noch den Alkohol der letzten Nacht in ihrem Kopf, wo obendrein seltsame Erinnerungen aufsteigen. Die Ich-Erzählerin macht sich auf dem Weg zum nahen See und schwimmt ihre erste Runde. Sie lässt dabei den letzten Abend Revue passieren und spricht es geradewegs aus: »Gestern Abend habe ich mit ihm gefickt, endlich.« Ziemlich anzügliche Worte, die für mich so gar nicht in den Erzählfluss passen und sich zunächst wie ein Holzsplitter anfühlen. Aber vielleicht sind sie so etwas wie ein Befreiungsschlag – von einer Frau in den mittleren Jahren, die ihr Leben hinterfragt.  

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