Lesen heißt leben: Der Welttag des Buches.

© Torsten Woywod

Die gute Nachricht lautet: Das Buch lebt! Die weniger gute: Es lesen immer weniger. In den letzten Jahren gingen dem Buchhandel Millionen von Bücherkäufern verloren. Da kommt der Welttag des Buches gerade richtig. Und ein Plädoyer von der Klappentexterin und Herrn Klappentexter, das Lesen doch bitte nie, nie, nie einzustellen.

Passend zum Anlass empfehlen wir daher heute drei Bücher, in denen es um zwei der schönsten Dinge des Lebens geht: das Lesen und die Buchhandlungen. Die Bücher von Torsten Woywod und Martha Schoknecht bespricht die Klappentexterin, Herr Klappentexter hat sich mit Alberto Manguel beschäftigt. Weiterlesen

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Über den Mut. Und die Liebe zu Büchern.

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Mut. Ich glaube, das ist das einzig richtige Wort um Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb auf den Punkt zu bringen. Mut und natürlich viel, viel Liebe zum Buch. Petra Hartlieb schenkt uns Buchhändlern und allen Buchliebhabern mit ihrem Werk einen ganz besonderen Schatz, den ich für euch öffnen möchte.

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Ein Ort für schöne Bücher.

Ich habe die Akazienbuchhandlung noch nicht betreten und spüre schon das Besondere. Fragen nach dem Wieso und Warum sind hier zwecklos. Es ist einfach das Gefühl einer Bücherfreundin, die eine feine Nase hat und am Ende natürlich nicht verwundert ist, dass sie mit ihrer Intuition recht hatte.

Bevor ich die Buchhandlung jedoch erreicht habe, begrüßt sie mich bereits in der U-Bahnhaltestelle Eisenacher Straße mit einer liebevoll gestalteten Auslage. Ein kleiner warmer Lichtblick im sonst so ungemütlichen Untergrund.

Die Buchhandlung befindet sich in der Berliner Schöneberger Akazienstraße. An dieser Stelle kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen: Eine schönere Umgebung kann es für eine Buchhandlung nicht geben. Kleine Geschäfte mit besonderen Auslagen entzücken den Flanierenden genauso wie die Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen.

Die Akazienbuchhandlung verströmt beim Eintreten eine schöne und gemütliche Atmosphäre. Kunstvoller Stuck an der Decke verleiht dem Laden ein malerisches, leicht verträumtes Bild. Ich fühle mich sofort gut aufgehoben und streife durch die etwa 90 Quadratmeter. Hier gibt es viel zu entdecken wie zum Beispiel die liebevoll gestaltete britische Wand, die das Queen-Jubiläum würdigt. Beim Rundgang stoße ich auf vertraute und fremde Werke, die ich in die Hand nehme und lächle.

„Unser Schwerpunkt liegt in der Belletristik“, sagt Herbert Bahlinger. Der Buchhändler leitet seit 2009 das Geschäft, nachdem sich die Inhaberin aus dem aktiven Tagesgeschehen zurückgezogen hatte. Seit 1994 existiert dieser literarische Ort in dem Schöneberger Kiez. Meine Augen stolzieren wir emsige Wanderer über die Tische und durch die Regale. Vor allem die kleinen Editionen funkeln mich wie kleine Schätze an und wecken mein Interesse. Herbert Bahlingers Augen leuchten, als er mir „Leben als Literatur“ von Alexander Nehamas aus dem Lagerfeld Steidl Druck – kurz L.S.D. – in die Hand legt. Von dem Karl Lagerfeld? Ja, von dem. Was für ein Exemplar! Ich spüre die Liebe zum Buch und verliere mich in der schlichten Gestaltung. Schon fällt mir ein Gedanke aus dem Mund, schneller als ich ihn aufhalten kann: „Ist da an ein eBook zu denken?“ „Wohl kaum“, antwortet mir Herbert Bahlinger. Wir gucken uns beide an und denken das Gleiche, ohne dass es weiterer Worte bedarf, außer vielleicht staunenden Ausdrücken. „Unsere Kunden schätzen solche Raritäten.“

Es sind vorrangig das fünfköpfige Buchhändlerteam und die Stammkunden, die der Akazienbuchhandlung die Luft zum Atmen schenken. „Wir sind alle total unterschiedlich, aber genau das zeichnet uns aus“, berichtet Bahlinger. Die Bindung an ihre Kunden ist groß und ein wichtiges Element. Man kennt sich nach den vielen Jahren so gut, dass die Mitarbeiter bei neuen Büchern sofort an bestimmte Kunden denken und diese zur Seite legen. „Was wir hier machen ist ein ganz direktes Tun“, erzählt er. Sie wissen ihre Kunden zu schätzen und verschenken jedes Jahr zu Weihnachten kleine Jahresbändchen. Darüber hinaus werden Akazien-Kunden einmal die Woche mit einem Newsletter, dem „literaturkurier“, versorgt. Der redaktionelle Teil mit dem Hinweis auf Neuerscheinungen und Literaturtipps in Funk und Fernsehen kommt vom Deutschlandfunk und KulturRadio, die persönlichen Empfehlungen erstellen die Buchhändler aus der Akazienbuchhandlung.

Neben belletristischen Titeln gibt es auch eine gute Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern, Psychologie, Biographien, Politik, Zeitgeschehen, Philosophie, Hörbüchern, Reiseführern, Berlin-Titeln und Postkarten. Er zeigt mir beim Postkartenständer die zauberhaften Karten von der japanischen Künstlerin June Keser (http://www.humwithme.com/v2/) die mich sofort begeistern. Seit neuestem bietet die Buchhandlung auch das „Philosophie-Magazin“ an.
Ja, es gibt viel zu entdecken in diesem Fleckchen inmitten von Schöneberg. Ich erspähe u.a. ein Holzkästchen mit Heften, auf dem steht: „Friedenauer Presse“. Herbert Bahlinger sieht die Fragezeichen in meinen Augen auf und ab laufen. „Noch nie gehört?“ „Nein, ich muss passen.“ Dann erzählt er mir von der 80-jährigen Verlegerin, die mit großer Leidenschaft noch selbst publiziert. Bei solchen Geschichten wird mir automatisch ganz warm ums Herz. Welche Freude ist es zu hören, dass diese liebevoll gestalteten Heftchen hier ihre Liebhaber haben!

Die Akazienbuchhandlung ist eine Buchhandlung mit Tradition und Liebe für das Besondere, die wirklich an alles denkt, selbst an durstige Kunden. Rechts vom Eingang steht ein Wasserspender, an dem man sich bedienen kann. Nach meinem Besuch lächle ich und bin froh, dass ich diesen Laden entdeckt habe und kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen. Gleich nebenan gibt es übrigens das Bilderbuchcafé, in dem alle bibliophilen Menschen einen wunderbaren Ort des Verweilens genießen können. Die Akazienstraße ist eben ein Fleckchen für Bücherfreunde, denen das Besondere am Herzen liegt.

Akazienbuchhandlung.
Akazienstraße 26, 10823 Berlin.
Telefon: 030 – 7 88 12 78.
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 10 bis 20 Uhr, Samstag: 10 bis 17 Uhr.

Kriminalisten in Kreuzberg.

Die Krimiwelt erinnert mich an einen Marsch durch den Dschungel. Die Auswahl ist riesig und raubt mir oft meinen Durchblick. So bewege ich mich leicht blind durchs wilde, pieksende Gestrüpp. Richtungsweisende Trampelpfade tauchen so gut wie nie auf. Wie schön ist es da, dass es spezielle Buchhandlungen wie die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ gibt, die mir den richtigen Weg zeigen. Dort wird jeder Fall gelöst, wenn es darum geht: Welchen Krimi lese ich als nächsten? Genau die Buchhandlung möchte ich euch heute vorstellen.

Die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ befindet sich im bekannten Bergmannkiez in Berlin Kreuzberg. Wenn man aus der Markthalle herauskommt, sind es nur wenige Schritte und schon steht man mittendrin in einer Welt, bei der alle Krimifans glücklich in die Hände klatschen. Spannung, wohin das Auge reicht! Links und rechts in den Regalen, auf den Tischen, an der Kasse und in einzelnen Schütten. Krimis und Thriller aus aller Welt. Bekannte Autoren sind ebenso dabei wie unbekannte. Von vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus dem Genre sind nahezu alle Werke vorhanden. Dazwischen entdecke ich auch neue Namen, die meine unbändige Neugier auf zauberhafte Weise wachkitzeln. Daher empfehle ich für den ersten Besuch, ein bisschen Zeit mitzubringen, denn die braucht man, wenn man sich durch dieses Kleinod bewegt.

Am Kassentresen erspähe ich eine TOP-TEN Liste. Auf jeder Zahl von 1 bis 10 liegen Bücher. Was ist das? „Das ist unsere eigene Bestsellerliste,“ sagt Heinz Scheffelmeier. Die TOP-TEN zeigt den Kunden, welche Bücher am häufigsten im Vormonat gekauft worden sind. Dort stoße ich auf Bestseller-Autoren wie Lars Kepler und Don Winslow, ebenso wie auf mir eher unbekannte Schriftsteller: D.B. Blettenberg und Thomas Ross. Alle sind vor allem aus der persönlichen Empfehlung dort gelandet. Respekt! Man entdeckt in der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ die sogenannte Mainstream-Lektüre und großartige Raritäten. Mein scharfer Miss Marple Blick fängt rechts neben der Kasse noch etwas auf: Eine kulinarische Krimiecke mit schwarzen Revolver-Nudeln, die man dort kaufen kann. „Die sind eins unserer beliebtesten Geschenke,“ sagt der Buchhändler. Passend zum Thema gruppieren sich kulinarische Krimis um das liebevoll-dekorierte Arrangement. Da läuft mir allein beim Anblick das Messer, ach Pardon, das Wasser im Mund zusammen.

Die beiden Räume, die zur Buchhandlung zählen, sind klein, doch der Schein trügt, denn hier steht eine riesige Auswahl an Krimi-Literatur. Die Kunden finden zahlreiche Kinderkrimis, True Crime Werke und Sekundärliteratur sowie 2500 neue deutsche Krimis, 700 englischsprachige Titel, 2500 antiquarische Werke, 1000 englische antiquarische Bücher sowie 1500 besonders gesuchte und vergriffene Werke. Für die ausrangierten Titel, die man im Buchhandel nicht mehr kaufen kann, gibt es einen extra Raum. Ich ziehe dort aus einer Schütte einen sehr gut erhaltenen Martha Grimes Roman. Den lege ich zu „Der Blinde von Sevilla“ von Robert Wilson. Eine persönliche Empfehlung von Heinz Scheffelmeier, nachdem ich ihm von Jussi Adler-Olsen vorgeschwärmt hatte.

Der Inhaber, Christian Koch, hat 1999 die Buchhandlung übernommen. Zusammen mit Heinz Scheffelmeier führt er seinen Laden. Ein großes Vorbild war dazu auch die Buchhandlung „Wendeltreppe“ aus Frankfurt. Mit jedem Schritt spüre ich die Leidenschaft der beiden Buchhändler, die ich hier und auch im Internet auffange. Auf der eigenen Internetseite finden sich neben informativen Links zu Suchdatenbanken auch aktuelle Nachrichten aus dem Genre sowie über 850 Rezensionen aus den letzten acht Jahren.

Im Fokus der Buchhandlung stehen vor allen Hardboiled Krimis wie Hammett oder Chandler und Noir. Gleich links am Eingang begrüßen einen die großen Meister auf zwei Plakaten. „Gerade das Lebensgefühl der Noir passt wunderbar nach Kreuzberg,“ sagt Scheffelmeier. Man stelle sich das mal in Charlottenburg vor! Fühlt sich irgendwie ein bisschen verdreht an. Ich kann mir zunächst unter dem Genre „Noir“ nur grob etwas vorstellen. Sofort eilt mir der Buchhändler zur Hilfe und reicht mir „Westküstenblues“ von Jean-Patrick Manchette. Beim Lesen des Klappentextes denke ich an wunderbare Chabrol Filme. Und nach einer kurzen Recherche später Zuhause entdecke ich, dass beide auch gemeinsam Filmarbeit geleistet haben. „Ein guter Roman Noir ist ein Sozialroman, ein sozialkritischer Roman, der die Geschichte eines Verbrechens als vordergründige Handlung nimmt.“ Dieses Zitat habe ich bei Wikipedia entdeckt und konnte es nicht wortlos dort stehen lassen. Ich ging zu „HAMMETT“ und entdeckte für mich nun auch ein neues Genre. Die Krimiwelt darf gerne weiterhin ein undurchsichtiger Dschungel sein. Ich weiß ja nun, wo ich einen guten Trampelpfad finde. Der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ sei Dank!

HAMMETT-Krimibuchhandlung
Friesenstraße 27
10965 Berlin
Telefon: 030 – 691 58 34
Internet: www.hammett-krimis.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr

Ein Büchermeer und Samuel Beckett dazu.

Ihr kennt das bestimmt. Da läuft man durch die Straßen, betrachtet die entgegenkommenden Menschen oder hängt den Gedanken nach. Und plötzlich bleibt ihr stehen, weil etwas zu euch spricht. Eine auffallende Blume oder ein Geschäft. So ist es mir ergangen, als ich an der Nicolaischen Buchhandlung in Berlin Friedenau vorbeigekommen bin. Vor mir erstreckte sich ein wunderschönes Büchermeer, in das ich gefallen bin.

Und was entdeckte dort mein Auge? Den verehrten Samuel Beckett!
Den habe ich natürlich gleich gekauft.

Auf Wiedersehen, liebe Nicolaische Buchhandlung!
Es hat mich gefreut, Sie getroffen zu haben!

Nicolaische Buchhandlung Borstell & Reimarus Friedenau GmbH
Rheinstraße 65
12159 Berlin
Tel. 030. 852 40 05
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 9-18.30 Uhr, Samstag 10-14 Uhr.

Sinn und Sinnlichkeit.

Papiergeruch kriecht in meine Nase. Erst denke ich, dass sei nur eine Eingebung und ich schnuppere nochmal wie eine Hündin. Nein, es stimmt, Papier ich rieche Papier, glückliches Papier. Um mich herum reihen sich Rücken an Rücken Bücher so viele, dass mir fast schwindelig wird. So etwas, ja so etwas, habe ich noch nie gesehen. Dass es das noch gibt. Ich staune wie ein kleines Mädchen, das zum ersten Mal vor einem geschmückten Weihnachtsbaum steht. Während die großen Kettenbuchhandlungen mehr auf Frontalpräsentation setzen, fährt die autorenbuchhandlung berlin in eine andere Richtung. Immer schon, immer noch. Immer weiter. Ich lächle und streife an den Regalen vorbei. Dort finde ich Autoren, von denen ich noch nie gehört habe. Kurz erröte ich bei der Tatsache, dass ich wahrlich nur einen Bruchteil der Bücher kenne.

„Wir haben viele Stammkunden“, berichtet die Filialleiterin Nicola Gaedicke. Manche halten sich gern auch mal ganze Vormittage und Nachmittage in der autorenbuchhandlung berlin auf. Das ist nur allzu verständlich, wenn ich mir die Vielzahl der Werke anschaue, die dort stehen und auf den Tischen liegen. Das Publikum interessiert sich vor allem für anspruchsvolle Literatur. Die findet man hier auch zu genüge. Von vielen Autoren stehen etliche Ausgaben im Regal wie beispielsweise Werke von Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Thomas Bernhard und John von Düffel. Bei Ingeborg Bachmann finde ich elf Titel, bei Thomas Bernhard 13 Bücher und bei John von Düffel sechs Exemplare. Werden die denn regelmäßig gekauft? Nein, aber sie verkaufen sich irgendwann, bestätigt mir Nicola Gaedicke. Gerade die oben genannten Autoren haben sie stets vorrätig. Dann fügt sich noch hinzu:„Jedes Buch hat seinen Käufer. Früher oder später.“ Sicherlich würden sie auch Titel, die sich gar nicht verkaufen an den Verlag zurückschicken, denn es erscheinen ja beinah täglich neue Bücher. Die finde ich auch neben den Klassikern.

„Schauen Sie hier“, sagt die Buchhändlerin nur wenige Minuten später. Sie hält mir „Das bulgarische Gefühl“ von Ralf Themior vor die Augen. Das Exemplar hat zwölf Jahre in der Buchhandlung gelegen, natürlich längst vergriffen. Jetzt wünscht sich ein Kunde dieses Werk.
Als nächstes begrüßt sie einen Kunden, der vorm ersten Tisch neben dem Eingang stehenbleibt. Er nimmt ein dünnes Buch in die Hand, das fast wie ein Heft aussieht. Was ist denn das? „Marilyn Monroe liest Ulysses“ von Walter Kappacher. Erschienen ist es im Ulrich Keicher Verlag. Ich stutze. Nie gehört. „Das ist einer der Verlage von denen man wissen muss, dass es sie gibt“, sagt Nicola Gaedicke. Der Verlag ist nicht im Verzeichnis lieferbarer Bücher und bei einer Eigenrecherche im Internet finde ich es selbst bei amazon.de nicht. Die Ausgabe ist eine besondere Rarität. Schmal ist sie. Leicht wie eine Feder liegt das Büchlein in der Hand. Ich blättere ehrwürdig darin, erfreue mich an den Fotografien und nachdenklichen Texten.
Die Kunden wissen den aufmerksamen Blick sehr zu schätzen, denn gerade dieser Titel ist einer von denen, die oft gekauft werden. Nun bin ich also einem Bestseller der autorenbuchhandlung berlin persönlich begegnet.

Eine Frage brennt mir natürlich besonders unter den Nägeln: Kommen Autoren in die Buchhandlung? „Ja“, antwortet Nicola Gaedicke. Sie nennt mir einige: Ingo Schulze, Peter Sloterdijk, Lars Gustafsson und Ursula Krechel. Danach fügt sie hinzu, dass die autorenbuchhandlung berlin heute eine eigentümergeführte Buchhandlung ist, während damals die Autoren u.a. Teilhaber waren. Die Buchhandlung hat eine Tradition, die schon viele Jahre überdauert. Gegründet wurde sie 1976 von Künstlern, Verlegern und renommierten Autoren und Autorinnen. Günter Grass, Heinrich Böll, Ingeborg Drewitz, Klaus Wagenbach beteiligten sich an der Buchhandlung, um nur einige Namen zu nennen. Übernommen wurde sie 2008 von Fürst & Iven. Die Inhaber führen seit Anfang der 90er Jahre in der Akademie der Künste im Hansaviertel die Buchhandlung und nun auch seit 2005 in der neu errichteten Akademie der Künste am Pariser Platz. Seit zwei Jahren gehört auch die autorenbuchhandlung berlin zu ihnen.

Die Form hat sich gewandelt. Verändert hat sich inhaltlich jedoch nicht viel. Auf den 90 Quadratmetern bietet die autorenbuchhandlung berlin eine Auswahl von über 28000 Titeln aus Belletristik und Lyrik, den Geisteswissenschaften und der Kultur sowie ausgewählte Biographien und Kinderbücher.
Man findet sich sofort zurecht, weil über den Regalen jeweils auf den weißen Wänden mit schwarzer Schrift die einzelnen Bereiche stehen. Heller ist die Buchhandlung geworden. Das ist den Inhabern durch andere Möbel gelungen. Außerdem haben sie die Dielen abschleifen lassen. Es finden sich hier und da kleine feine Veränderungen, die den Geist des Ladens keineswegs zerstört haben. Ganz im Gegenteil, hier schwebt etwas Besonderes, wenn man an den Regalen vorbeigeht. Hier klopft das Herz jeden Buchliebhabers höher, man lächelt und möchte bleiben.

Die autorenbuchhandlung gehört übrigens zu den 5 Plus über die ich demnächst ausführlicher berichten werde.

autorenbuchhandlung berlin
Carmerstraße 10
10623 Berlin-Charlottenburg
Telefon: 030 – 313 01 51
Internet: autorenbuchhandlung berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr

Die autorenbuchhandlung berlin lädt an einigen Sonntagen zum Sonntags-Matineé ein.
Das nächste ist am 26. September 2010.
Mehr Infos dazu gibt es hier.

Das ist ja der Hammer!

„Ich möchte vor dem Literaturgott im Himmel auf die Knie gehen und ihm für jeden, aber für jeden verdammten Satz danken“, sagt Kurt von Hammerstein, wenn man ihn nach einem seiner liebsten Bücher fragt. 2666 von Roberto Bolaño ist so eins von vielen, die man in seiner Buchhandlung Hundt Hammer Stein in der Alten Schönhauser Straße findet. Sobald man im Souterrain angekommen ist, der eine Fuß noch halb auf der Treppe schwebend, spürt man schon, dass einem hier etwas Besonderes erwartet. Ein Gesandter vom Literaturgott persönlich ist hier am Werke.

Zuerst begrüßen mich auffällige Karten mit künstlerischen Berlinmotiven und die lustigen Joker Spruchkarten. Links von ihnen erstreckt sich ein wahres Paradies für alle Fans von englischsprachiger Literatur. Darauf legt Kurt von Hammerstein großen Wert, weil etliche Kunden in die Buchhandlung kommen, die englische Bücher kaufen. Aber auch viele Touristen tauchen hier ein. Ganze vier Regale sind mit englischen Titeln gefüllt. Selbst den kleinen Lesern erwartet ein kleines Paradies with english books. Auf der gegenüberliegenden Seite werden alle Liebhaber von feinster Literatur ebenfalls fündig. „Wir setzen nicht auf Bestseller“, sagt der Ladeninhaber. Er wählt mit Absicht keine Spitzentitel der Verlage aus. Stephenie Meyer hätten sie auch da, eins zwei Titel, mehr jedoch nicht. Die Kunden schätzen die Buchhandlung gerade wegen ihrer speziellen Auswahl. Hundt Hammer Stein pflegt eben einen gewissen Standard. Immer schon. Daran gibt es nichts zu rütteln, selbst die Vertreter von großen Publikumsverlagen können es manchmal nicht glauben, wenn der Buchhändler ausgerechnet die Titel aussucht, auf die der Verlag keinen Schwerpunkt setzt. „Das kann man doch nicht machen!“ höre ich manchen Vertreter sagen. Doch das kann er. Sehr gut sogar, einige Jahre schon. Seit 2004 ist die Alte Schönhauser Straße durch einen besonderen Laden schöner geworden.

Entstanden ist die Idee beinah zufällig. Nach einem abgebrochenen Literaturstudium hatte Kurt von Hammerstein sich zunächst auf Online Education spezialisiert. Er wollte bald jedoch was Eigenes auf die Beine stellen. Eine Kneipe schwebte ihm da vor Augen. Eine Freundin hatte dagegen eine viel bessere Idee: „Lass uns eine Buchhandlung eröffnen!“ Gesagt, getan. Also sind die beiden erst einmal zum Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegangen. Dort haben sie sich eine Übersicht von allen Buchhandlungen Berlins geholt, eine Berlin-Karte ausgebreitet und mit Nadeln die Flächen abgesteckt, die schon mit Buchhandlungen bestückt waren. In Mitte waren nur ganz wenige. Der Ort war also gefunden. In der Alten Schönhauser Straße haben sie schließlich vor einem aus Holz verbarrikadierten Laden mit Souterrain gestanden und wussten: Das ist es! Seitdem gibt es Hundt Hammer Stein. Cecily von Hundt – seine Mitstreiterin – ist mit ihrer Hündin, Momo, 2007 zurück in den Süden gegangen – das Heimweh war zu groß.

Kurt von Hammerstein ist geblieben und mit ihm ein Stückchen Erde, das jeden Bücherfreund von guter Literatur glücklich macht. Liebevoll liegen auf den Tischen besondere Werke, wie man sie in großen Läden selten findet. „Unser Publikum hat oft einen akademischen Hintergrund und legt dementsprechend einen hohen Anspruch bei Büchern“, erzählt er. Der Babyboom in Mitte und Prenzlauer Berg hat ihn zudem dazu inspiriert eine Kinderbuchecke einzurichten. „Die“, sagt er, „liebe ich besonders.“ Dann erzählt er euphorisch von seinem liebsten Kinderbuch, das sich liest „wie Kästner auf LSD.“ Es handelt sich um „Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum“ von Andy Stanton. Übersetzt hat es Harry Rowohlt.

Mit seiner Angestellten, Dana Sachse, und der Auszubildenden, Urte Beer, führt Kurt von Hammerstein den Laden, der 60 Quadratmeter groß ist. „Wir drei ergänzen uns prima, weil jeder einen anderen Büchergeschmack hat“, berichtet Kurt von Hammerstein während er ein Buch in das schöne Geschenkpapier einwickelt. Orange ist es wie eine saftige Apfelsine und zum Schluss kommt in die Mitte der firmeneigene Stempel drauf. Dort bewacht Momo das eingepackte Buch und guckt zum Schriftzug Hundt Hammer Stein als wäre es ein ganz besonderes feiner Knochen.

„Wie kann sich so eine ausgewählte Buchhandlung halten?“ frage ich einige Minuten später. Eine Antwort brauche ich eigentlich nicht. Mittlerweile sitzen wir vor dem Eingang auf zwei Stühlen. Jeder zweite Passant, der an uns vorbeiläuft, grüßt den Buchhändler oder winkt ihm auf dem Fahrrad zu. Ich habe das Gefühl nicht nur neben einem Ladeninhaber zu sitzen, sondern auch neben einem Menschen, der hier einen Ort geschaffen hat, wo jeder gern ein- und ausgeht. „Es ist ein unwahrscheinlich tolles Gefühl“, sagt er. Es macht ihn sehr glücklich, seine Bücher, die er liebt, an andere zu empfehlen. Dies tut er mit so viel Leidenschaft, dass selbst mir manchmal die Luft wegbleibt. Für jeden seiner Autoren findet er die richtigen Worte, dass ich beispielsweise ernsthaft darüber nachdenke, vielleicht doch nochmal in den David Mitchell reinzulesen.

Der Buchhändler ist wahrlich eine Literaturexperte auf höchstem Niveau. Er hat ein Gespür für die Vorlieben seiner Kunden. Das merke ich daran, weil er ganz genau hinhört, was ich sage, was ich lese und warum ich es tue. Als ich ihm beispielsweise davon berichte, dass ich mit Michael Chabon nie warm geworden bin, fragt Kurt von Hammerstein mich nach dem Titel. Es hieß: „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“. „Das war ein Fehlstart. Wonder Boys solltest du lesen. Es ist eines seiner besten und wurde auch verfilmt.“ Wieder vor dem Literaturgott niederknien? So in etwa. Das sagt er zwar nicht, da ich es nicht laut ausspreche. Sein Leuchten in den Augen verraten mir hingegen alles. Also kaufe ich es. Und nun habe ich den Roman schon durchgelesen, in einem Ruck, weil es tatsächlich ein großartiges Buch ist, das einen von der ersten Seite packt. Als großer Chabon-Fan empfiehlt Kurt von Hammerstein aktuell auch in seinem Laden:
Schurken der Landstraße. „Das Buch hat einfach unglaubliche Dialoge, intelligent und philosophisch.“

Ich freue mich, eine besondere Buchhandlung in der Mitte Berlins entdeckt zu haben. Es ist schön zu sehen, dass es sie wahrlich noch gibt, die Buchhändler, die mit jedem Herzschlag für ihre Bücher kämpfen, mit jeder Seite und jedem Augenschlag. Kurt von Hammerstein ist einer von ihnen.

Hundt Hammer Stein Buchhändler:
Alte Schönhauser Straße 23/24
Telefon: 030 – 23 45 76 69
Internet: www.hundthammerstein.de

Die Öffnungszeiten sind:
Montag bis Freitag 11 bis 19.30 Uhr.
Samstag 11 bis 19 Uhr.