Schlagwort-Archive: Büchervorstellungen

Weihnachtsbuchtipp Nr.1

Kurt von der Buchhandlung Hundt Hammer Stein empfiehlt:

Wolfgang Herrndorf: Tschick

Kurt schreibt dazu:
„So viel Weisheit in einem Coming-of-Age Roman war selten:
Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ ist nicht umsonst von der Kritik mit Begeisterung aufgenommen worden. Zwei Jugendliche, der Erzähler Maik, Kind reicher aber liebloser Eltern und sein Kumpel Tschick, Russlanddeutscher aus den “Asihochhäusern“ in Hellersdorf touren mit einem geklauten Lada durchs unbekannte Ostdeutschland und erleben ihren bedeutendsten Sommer. Wahnwitzig komisch und gleichzeitig sehr berührend und an vielen Stellen einfach nur wahr ist dieser Roman, der vor brillanten Einfällen nur so strotzt! Ein Roman, den Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen lesen und lieben können.“

Wolfgang Herrndorf.
Tschick.
September 2010, 256 Seiten, 16,95 €.
Rowohlt Verlag.

*** Ab sofort gibt es jeden Tag bei mir Büchertipps zum Weihnachtsfest. Ganz besondere Empfehlungen von Freunden und Verbündeten meines Blogs. Mehr Infos findet ihr hier. ***

Ebbe geht, Flut kommt. Das Leben bleibt.

Das Leben ist kein Ponyhof, sondern eine kleine Ansammlung von Schmetterlings- und Nackenschlägen. Mal ist es liebevoll und streichelt einem sanft über den Kopf. Ein anderes Mal knallt es einem im Gegenzug brutal in den Nacken, dass der Kopf Schwierigkeiten hat, aufrecht stehen zu bleiben.

Selbst die junge Gesa Petersen auf Nördrum bleibt von dem Wechselspiel nicht verschont. Sie ist die Hauptperson in Michael Gantenbergs Roman „Zwischen allen Wolken“. Die 19-Jährige steckt mitten in ihren Abiturprüfungen, als etwas Furchtbares passiert: Ihr Bruder kommt ums Leben. Damit gerät nicht nur ihr eigenes, sondern auch das der Familie durcheinander.

Familie Petersen betreibt eine kleine Pension, Möwennest heißt sie. Der Vater ist mit dem Tod des Sohnes überfordert. Fortan müssen die drei Damen – Gesa, die Mutter und Großmutter – den Betrieb schmeißen, was allerdings nicht so einfach ist. Auch sie stehen noch unter Schock. Jede verarbeitet ihn auf seine eigene Weise. Gesas Mutter beispielsweise findet Trost bei Jean-Pierre – einer Ente. Bei Gesa ist es auch etwas suspekt: Ihr Bruder besucht sie in regelmäßigen Abständen. Einfach so. Plötzlich ist er da und unterhält sich mit ihr. Diese Wahnvorstellungen führen sie schließlich zu Dr. Niedlich, einem Psychologen. Und dann ist das noch die Liebe, die die junge Frau mächtig durcheinander wirbelt.

Aus einem beständigen Wechsel der Gezeiten wird von einem Tag auf den anderen eine Dauerflut. Es schwappt über. Jeder will dem Schicksalsschlag, der Flut entkommen, doch die Schwimmwesten, die alle Betroffenen tragen, passen nicht oder lassen sich nicht ganz schließen. So paddeln alle wie wild mit den Armen und bewegen sich doch nicht von der Stelle, verharren und warten. Vielleicht ist es das Beste, was sie tun können. Irgendwann, das ahnt man, kommt die Ebbe von ganz allein zurück und dann brauchen sie keine Schwimmwesten mehr.

Michael Gantenberg fragt: Wie geht man in so einer schrecklichen Situation um? Er tut es nicht direkt, sondern legt sie seinen Protagonisten in die Hand. Was wir sehen ist: Die einen bleiben und die anderen flüchten. Oma Insa beispielsweise wächst über sich hinaus und offenbart ihrer Familie sogar ein lang gehütetes Geheimnis. Gesas Vater hingegen haut ab. Flucht hilft manchmal, raus aus dem Schlamassel, irgendwo hin, doch dauerhaft ist dies keine Lösung. Das Ereignis holt einen immer wieder ein wie ein treuer Boomerang, der einfach zurückkommt.

Dies ist ein sehr bemerkenswertes Buch. Ich wusste es schon nach der ersten Seite. Dem Autor ist der Spagat zwischen Drama und Leichtigkeit sehr gut gelungen. Es tauchen Passagen auf, in denen habe ich schon ganz schön mit den Tränen gekämpft. Dafür lacht man anderer Stelle wieder aus ganzer Seele, klopft sich auf die Schenkel und freut sich des Lebens.

Die Sprache ist schnörkellos und umfing mich beim Lesen wie eine frische Meeresbrise. Michael Gantenberg erzählt einerseits witzig, andererseits sehr tiefgründig. Zwischen den Zeilen fand ich Sätze, die sich wunderbar lasen. So wunderbar, dass ich sie wie ein schönes Bild für schlechte Tage an die Wand hängen wollte. Gedanken, die einem wieder auf die Beine stellen, wenn man umgeknickst ist und die daran erinnern, wie schön Schmetterlingsschläge sein können. Auf eine berührende und sensible Weise ist Michael Gantenberg in den Kopf einer heranwachsenden Frau geschlüpft. Eine Freundin hat mir vor kurzem gesagt: „Es gibt Autoren, die erzählen nur und es gibt Autoren, die erzählen und schenken ihrer Geschichte Leben.“ Letzteres trifft auf Michael Gantenberg zu. Ich denke da auch an die bemerkenswerte Charaktere, die er geschaffen hat. Es macht neben all dem Drama Freude, den einzelnen Menschen zu folgen, ja es entzückt die schräge Familie Petersen zu erleben. Jeder ist auf seine Art ein bisschen verrückt, aber gerade dadurch sehr liebenswert.

Sicherlich wird es immer wieder Nackenschläge geben. Vollkommen unerwartet treten sie in unser Leben und pieksen uns wie spitze Dornen, doch letztendlich zählt, wie wir mit ihnen umgehen. Ob wir flüchten oder uns ihnen stellen. Ob sie uns in ihrer Macht haben oder wir sie festhalten. Das ist eine von vielen Weisheiten, die ich aus dem Roman gezogen habe. Was ich allerdings immer noch vergeblich, suche ist das Lachen der Sandflöhe. Ist ja auch schwierig in einer Großstadt. Auf dem Asphalt hocken sie bestimmt nicht. Demnach wird es Zeit, dass ich ganz bald an die See fahre, mich in den Sand lege und lausche, so lange bis ich ein Lachen vernehmen werde.

Michael Gantenberg.
Zwischen allen Wolken.
Mai 2010, 288 Seiten, 14,95 €,
Scherz Verlag.

Der Autor ist am Sonnabend, 24. Juli, ab 20 Uhr zu Gast bei STORY! im Heimathafen Neukölln und liest aus seinem Roman „Zwischen allen Wolken“.

Mehr über den Autor erfahrt ihr auf seiner Homepage. Und morgen verrät er in einem Interview, wie er über Heimat denkt. Seid also gespannt!

+++ Neu +++ Neu +++ Neu +++ Neu +++

Liebe Bücherfreunde,

freut euch auf den August! Dann schütten die Verlage eine Vielzahl an Neuerscheinungen auf den Markt. Eine große Flut erwartet uns. Ich habe mir jedenfalls gestern Abend die Hände wundgetippt, um euch eine Auswahl zusammenzustellen. Die findet ihr bei mir auf der Seite Neuheiten.

Meine persönlichen ♥ Novitäten sind:

1. Michael Kleeberg: Das amerikanische Hospital.
Eine Empfehlung von einem geschätzten Freund und Kollegen.

2. Hiromi Kawakami: Am Meer ist es wärmer.
Ich liebe Hiromi Kawakamis Romane! Die herrlichen skurrilen Personen und die wunderbare Sprache! Es ist die perfekte Kreation für meinen unersättlichen Appetit nach besonderer Literatur. Herr Nakano und die Frauen habe ich bereits gehört und Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß lausche ich momentan. Fritzi Haberlandt hat beide Hörbücher gelesen und ist die beste Besetzung dafür. Deshalb bin ich enttäuscht, dass sie das Buch nun nicht vortragen wird. Dann werde ich es dieses Mal wohl selbst lesen müssen. An dieser Stelle schicke ich ein großes Dankeschön an Fritzi für die ersten beiden Stücke!

3. Hansjörg Schertenleib: Cowboy Sommer.
Mich hat damals Das Regenorchester unwahrscheinlich beeindruckt. Eine leise und doch sehr sprachgewaltige Geschichte ist das gewesen. Literatur auf dem Niveau wie es mir am liebsten zusagt. Es gab viele Lesemomente, in denen ich dem Literaturgott für diese Rarität dankbar war. Wenn ich heute an dem Buch vorbeilaufe, lächele ich mein glückliches Klappentexterinlächeln. Also ist es ja nur logisch, dass ich sein neues Werk ebenfalls lesen und genauso mögen werde.

4. David Levithan: Das Wörterbuch der Liebenden.
Dieses Buch werde ich zusammen mit meiner verehrten Kollegin vernaschen. Wir werden… nein, noch nicht. Bald mehr hier an bekannter Stelle.

Ein poetisches Karussell an Gedanken.

In manche Bücher plumpst man sofort hinein wie in ein weiches Bett. Der Bauch wird warm und schon nach den ersten Sätzen ahnen wir, dass etwas Großes auf uns zurollt. Genauso ist es mir bei Accabadora von Michela Murgia ergangen.

Die italienische Autorin erzählt in ihrem Debüt über Menschen und deren Schicksale und über eine Insel mit deren Vergangenheit. Im Vordergrund stehen Maria und die Schneiderin Bonaria Urrai. Die beiden leben zusammen wie Mutter und Tochter, obwohl sie es nicht sind. Maria ist das vierte Kind einer armen Witwe, die ein weiteres Kind nicht auch noch durchbringen kann. Bonaria ist es seit jeher vergönnt gewesen, ein eigenes Kind zu bekommen. Also nimmt sie Maria auf. Das Mädchen entkommt auf diese Weise einem Leben in Armut. Schon bald merkt sie jedoch, dass ihre Ziehmutter ein düsteres Geheimnis mit sich herumträgt, das sie eines Tages lüftet. Das zieht einen großen Konflikt nach sich, der einen unüberwindbaren Spalt zwischen den beiden Frauen schafft.

Der andere Erzählstrang berichtet von den Menschen auf der Insel, von ihren Nöten, ihren Sehnsüchten und Gefühlen. Es wird geliebt, gehasst und natürlich viel erzählt, mal tuschelnd, mal offen. Die Autorin erzählt so detailgenau und geht dabei sehr einfühlsam vor, dass man mitfühlt und mitdenkt. Ein kleiner Stachel setzt sich in den Kopf und bleibt dort stecken. Man denkt, denkt und denkt. Und denkt und denkt.

Dieses Buch hat mich sofort gefangen. Vor allem die poetische und sensible Sprache Murgia habe ich dies zu verdanken. Auf fast jeder Seite entdeckte ich Sätze, die ich mir liebend gern auf meine Wäscheleine aufhängen möchte. Hier ist einer von vielen:

„Es gibt Gedanken, die wie eine Eule das Tageslicht scheuen.“

Gedanken tauchen in dem Buch einige auf, an denen man nicht spurlos vorbeilesen kann. Die Gedanken drehen sich um zu viele Fragen mit denen ich konfrontiert wurde. Was bedeutet Familie? Tradition brechen oder weiterleben lassen? Was ist Gerechtigkeit? Darf ich Böses mit meinem eigenen Anspruch zunichte machen? Was ist ein gutes Leben? Darf man kranke Menschen, die keine Hoffnung mehr auf Besserung haben, erlösen, wenn sie es sich wünschen?

Wir tauchen auch ein in Traditionen und uraltem Wissen auf Sardinien. Eine Insel, die eine Welt für sich ist. Die Sonne glüht, der Mund ist trocken und überall schwebt öfter ein kalter Schatten, der haften bleibt – egal wie sonnig es ist. Dieses Buch hat zurecht kurz nach seinem Erscheinen bei uns viele begeistert. Es ist ein Werk über starke Frauen für starke Frauen, aber auch ein Werk für Männer, die solchen Frauen gern ins Gesicht schauen.

Michela Murgia.
Accabadora.
Februar 2010, 176 Seiten, 17,90 €,
Klaus Wagenbach.

Tag 9: Das erste Buch, das du je gelesen hast.


Vom Jochen, der nicht aufräumen wollte von Edith Bergner.
Heute noch lache ich, wenn ich das Kinderbuch in der Hand halte. Ich werde rot und fühle mich ertappt. Das Buch war damals ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl. Im Grunde war ich auch ein Jochen, viel mehr eine Jochine. Also ein Mädchen, das nie das Spielzeug wegräumen wollte. Bis zu dem Tag, als ich Jochens Geschichte las und mich wiederfand. Erschrocken war ich über das traurige Spielzeug – den Bären Brummelmähr etwa, der sein Bein verlor oder Kasperl Klabasterl, der weinte. Und als sich dann eines Nachts alle Spielsachen auf den Weg zu den Nachbarskinders machen wollten, weil sie sich schlecht behandelt fühlten, wurde auch ich hellwach.

Michaela ♥ Michel Bergmann

Bücher sind zum Lesen da. Klar. Sie sind aber auch da, um uns glücklich zu machen und andere. Heute teilt Michaela, 46 Jahre, Buchhändlerin,
mit uns ihr Glück.

Ihr ♥ Stück



Michel Bergmann: Die Teilacher, Arche Verlag, 2010, 288 Seiten.

1. Welcher war der beste Satz? Oder: Welche Stelle hat dir am besten gefallen?
„Und? Hat’s geschmeckt?
Nur David antwortete einmal:
Hab schon besser gegessen!
Daraufhin Kohn:
Aber nicht bei uns!“

2. Um was geht es in dem Buch?
Die „Teilacher“, sie sind eine Art Vertreter des Einzelhandels. Doch sie sind viel mehr. Ein Menschenschlag, der in diesem Roman den Holocaust überlebt hat. Menschen die zurückgekehrt sind in das Land, in dem die Mörder ihrer Familien leben. Sie haben nicht nur ihre Waren im Angebot, sie haben eine Art Mission, natürlich Gewinn erwirtschaften, überleben in den Nachkriegsjahren, um die Toten trauern und den Deutschen auch mit List und Tücke ihre Waren verkaufen. 1972 stirbt David Bermann, der „Einstein“ unter den Teilachern. Der junge Alfred Klee hat David immer wieder besucht, auch in dem Altersheim, wo er nun Davids Leben in einige Kartons verstaut. David war über den Krieg hinaus in Alfreds Mutter verliebt. Nach der Beerdigung von David sitzt Alfred mit den anderen Teilachern zusammen und sie erzählen aus ihrem Leben. Dabei wird nicht nur getrauert, sondern gelacht und gelästert.

3. Warum sollte man das Buch unbedingt lesen?
Dieser Roman beinhaltet wieder einmal ein Stück Geschichte, dem sich nicht mehr allzu viele Leser stellen mögen. Dieser Abschnitt der deutschen Geschichte wird leider immer wieder verdrängt. Das Buch ist aber nicht anklagend, es schildert traurig und humorvoll die Schicksale der Teilacher. Damit die Schicksale dieser Menschen nicht in Vergessenheit geraten, finde ich solche Lektüre wichtig und werde sie auch an meine Tochter weitergeben, die zum Glück gerne über dieses Thema liest und mit mir darüber diskutiert.

♥lichen Dank!

Hast Du auch ein ♥ Stück, das Du mit anderen teilen möchtest? Unter klappentexterin@hotmail.de nehme ich Deine drei Antworten zu Deinem Buch gern entgegen. Nähere Infos gibt es hier.

Tag 8: Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert.

Es ist so warm, dass ich mich unter einem schattigen Baum verkrieche. Frischer Rasengeruch kriecht in meine Nase. Mein rechter Fuß kribbelt. Dort läuft nämlich gerade eine Ameise drüber. Freches Biest! Ich bin endlich angekommen in meiner Stadt. Berlin. Glücklich, leicht glucksend als hätte ich schon eine Flasche Sekt allein ausgetrunken, liege ich im Mauerpark auf der Decke und lese Murakamis Gefährliche Geliebte. Was heißt hier lesen: Ich bade regelrecht in seinen Sätzen, seinen bildhaften Schilderungen und fühle mich mit ihm weniger allein in dieser großen Stadt. Obwohl – allein ist das falsche Wort. Ich habe es mir ja selbst ausgesucht, eine von vielen Tausenden zu sein. Also sagen wir es anders: Murakami zu lesen, fühlt sich an, als hätte ich einen bekannten, mir wohl vertrauten guten Freund wieder getroffen. Ja, das liest sich schon besser. Eine Stelle aus dem Buch habe ich mir bis heute gemerkt. Es ist meine liebste und selbst wenn man mich im Schlaf fragen würde, wüsste ich sofort, wo sie sich befindet. Auf Seite 20, zweiter Absatz:

Das Gefühl, ihre Hand zu halten, hat mich nie wieder verlassen. Es war anders als bei jeder anderen Hand, die ich je gehalten hatte, anders als bei jeder Berührung. Es war lediglich die kleine, warme Hand eines zwölfjährigen Mädchens, aber diese fünf Finger, diese Handfläche waren wie eine Vitrine, die absolut alles enthielt, was ich wissen wollte – und was ich wissen mußte. Indem sie meine Hand nahm, zeigte sie mir, was dieses „alles“ war. Zeigte mir, daß es hier in der realen Welt, einen solchen Ort gab.

Und mich hat Haruki Murakami nie wieder verlassen. Seine Hand liegt auf meiner Schulter. Allein sein Name erzeugt in mir ein Lächeln, das ich das klassische Murakami-Lächeln getauft habe. Der Mann ist für mich mehr als nur ein Autor – er ist ein Seelenbruder. So, nun ist es raus. Ich bin leicht errötet, schwimme aber noch immer im Murakami-Bad und sehe wahrscheinlich aus wie ein Goldfisch, der die Sonne auf seinen Kiemen trägt.

Tag 5: Ein Buch, das du immer wieder lesen könntest.

Die paar leuchtenden Jahre von Mascha Kaléko. Das Buch enthält wahre Schätze, die ich immer wieder finden möchte. Ihre Gedichte machen gute Laune, sie stimmen mich manchmal auch etwas nachdenklich. Dies tun sie auf eine ganz besondere Art und Weise: Das Herz wird an einigen Stellen schwer, um an anderer wieder mit einem Zitronenbiss geweckt zu werden. Die Texte versteht jeder. Die Großen wie die Kleinen. Sie sind nicht hochtrabend, sondern ganz nah bei uns. Außerdem schreibt Mascha Kaléko über alles, was wir selbst sehen, erleben oder fühlen: die Großstadt, die Liebe, Tiere, Ängste, Sehnsüchte, Träume, das Anderssein und und und. Eine bunte Palette, in die man seinen Pinsel taucht und mit den eigenen Gedanken lachend wunderbare Bilder malt.

Hier eine kleine Kostprobe – entdeckt auf Seite 124 im obigen Buch:

Tränen

Locker
So locker hinterm Auge
Sitzen mir die Tränen
Wie Regentropfen vor dem Gewitter
Es braucht nichts als einen
Kleinen Blitz
Und du weinst

Tag 3: Dein Lieblingsbuch.

Amrita von Banana Yoshimoto.
Heute möchte ich euch eines meiner Lieblingsbücher vorstellen. Sobald ich an Amrita denke, lächele ich, atme ruhiger und spüre eine warme Hand auf meiner Schulter. Eigentlich ist es nicht nur ein Buch, sondern mehr wie eine gute Freundin. Viel fühlen, das Gleiche denken und nichts sagen müssen. Lächeln, seufzen, lächeln, irgendwann ankommen bei sich selbst und kleine Flügel auf dem Rücken spüren. Dieser Roman ist wahrlich eine Hommage an das Leben! Mit allem was dazu gehört – dem Lachen und dem Weinen. Es fängt erschöpfte Köpfe auf und erhellt traurige Herzen. Eben eine gute Freundin, die man nicht missen möchte.

Tag 2: Das Buch, das du als nächstes lesen wirst.

Lilienblut von Elisabeth Herrmann.
Bisher kannte ich Elisabeth Herrmann als großartige Krimiautorin und beeindruckende Vorleserin. Sie hat mich vor einem Jahr wieder zum Krimilesen verführt und gezeigt, dass Krimis durchaus ein zwinkendes Auge haben können. Ihre Werke zeichnen sich gleichzeitig durch beste Recherche und aktuelle Themen aus. Mit ihrem Krimi Das Kindermädchen landete sie damals auf Platz 1 der KrimiWelt- Bestenliste. Natürlich möchte ich niemanden ihr außergewöhnliches Jugendbuch vorenthalten.
Was einen erwartet – eine raffinierte und zugleich spannende Geschichte: Amelie wird eines Tages tot aufgefunden und alle vermuten einen Schiffer als Täter, den sie und ihre Freundin Sabrina kurze Zeit vorher kennengelernt haben. Doch das wäre zu einfach: Eine atemberaubende Suche nach dem wahren Mörder beginnt.
Ich werde ausführlich darüber berichten und nicht nur das: Die Autorin hat sich bereit erklärt, Fragen von der Klappentexterin in einem Interview zu beantworten. Bleiben wir also gespannt!