Loslassen befreit. Auch bei Büchern.

luftiges_buecherregal

Der Mensch braucht zum Leben drei Mahlzeiten am Tag und ein Bett zum Schlafen, sagt Janosch. Eins, zwei Bücher wären vielleicht auch ganz nett, füge ich hinzu. Und schaue auf meine luftigen Bücherregale. Ich habe es tatsächlich getan und drei prall gefüllte Regale ausgeräumt. Ausgelesene Bücher und Bücher, die ich seit Jahren schon horte, weil ich sie irgendwann lesen wollte. Bücher, die mich beglückt haben und Bücher, die ich nach wenigen Kapiteln zur Seite gelegt habe. Jetzt sind sie alle weg. Okay, fast alle – geblieben ist ein kleiner Rest. Was ist passiert? Wie kam es dazu, dass sich ein ausgewiesener Bücherwurm von so vielen Büchern getrennt hat? Davon berichte ich euch heute.

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Bücherchaos beseitigt, Klappentexterin glücklich!

Wie ich ja neulich geschrieben habe, wollte ich der ständigen Suche nach einem Buch endlich ein Ende setzen. Gesagt, getan! Seit einigen Tagen gibt es auch bei der Klappentexterin in den Regalen eine vorbildliche Bücherordnung, doch der Weg dorthin verlief alles andere als einfach.

Ganz ehrlich? Ich habe es mir anders vorgestellt. Leichter und irgendwie sinnlicher, aber am Ende war die Büchersortieraktion harte Arbeit und schweißtreibend dazu. Der erste und der letzte Tag sind meine absoluten Highlights. Erst in das Chaos pusten und dann hinterher vor dem großen Meisterwerk zu stehen, macht schlicht und ergreifend glücklich.

Nun aber zum Anfang.
Das war ein großer Spaß, all die Bücher aus den Regalen herauszuziehen und auf den Boden zu stellen. Damit man trotzdem noch laufen konnte, wurden einige Werke auch auf Möbelstücken zwischengelagert. Insgesamt glich das Wohnzimmer einer nicht enden wollenden Bücherwelle. Ich habe die Bücher in meiner Überheblichkeit natürlich so Reihe in Reihe gestellt, dass das Chaos bestehen blieb. Alice Munro fand ich gleich an vier Stellen wieder. Darüber dachte ich jedoch nicht nach. Gedacht werden durfte später. Erstmal alles raus aus den Regalen, Reinigungsmittel mit Wasser in eine Schüssel und wischen, was das Zeug hält. (Mein Staubwedel war gleich anfangs an akuter Staublunge verstorben und ich hab mich fast in Ohnmacht gehustet.)

Danach folgte das erste Sammeln. Wo fange ich an? Wo kommen die Klassiker hin? Wo die Krimis? Wo die Kinderbücher? Wo die Belletristik? Wo die Bildbände? Wo die Neuheiten? Ich habe ein einzelnes Bücherregal und zwei zusammenstehende. Also entschied ich mich, das Soloregal mit den Klassikern, den Neuheiten und den Krimis zu füllen. Alles nur nach Augenmaß, ohne Berechnung. Ich klopfe mir auf die Schulter, denn meine Rechnung bzw. mein fundiertes Buchhändlerinnen-Wissen kam auf. Perfekt! Erstaunt war ich darüber, dass ich so viele Krimis besitze, Asche auf mein Haupt! Und was für tolle Werke dabei sind. Dass ich die all die Zeit nicht gesehen habe. Schlimm! Böses Chaos, das!

Vor dem Einräumen musste ich natürlich alle Bücher sortieren und auf einzelne Stapel sammeln, auch um zu sehen, bei welchen Buchstaben ich die meisten habe. Die alphabetische Sortierung glich einer drehenden Schleife und war besonders nervig. Niederknien, suchen, Buch herausziehen, auf den A-Stapel, wieder aufstehen, suchen, herausfischen… und das alles bis zum Z. Mühselig war das. Eine spannende Beobachtung habe ich dabei übrigens gemacht. Die meisten Bücher habe ich unter den Buchstaben M und S zu verzeichnen. Bin ich da eigentlich die Einzige oder habt ihr das auch?

Das Doppelregal beginnt mit einer japanischen Reihe, die eigentlich zu 70 % aus Haruki Murakami besteht. Ihm sei der Platz auch gegönnt, denn ihm habe ich ja auch zu verdanken, dass mein Interesse für japanische Literatur geweckt wurde. Die zweite Reihe ist eine Idee, die ich schon lange mit mir herumtrage. Was passiert, wenn mal ein Feuer im Haus ausbricht und ich schnell meine liebsten Bücher greifen will? Fürs große Suchen bleibt dann bestimmt keine Zeit. Also gibt es nun auch ein Lieblingsbücher-Regal. Dort stehen all meine Lieblinge beisammen und sind jederzeit aufbruchbereit. Danach kommt die Belletristik, brav nach Alphabet sortiert. Leider blieb es oft nicht bei einer Reihe in einem Fach. Damit habe ich gerechnet. Früher oder später muss noch ein neues Regal her. Die Kinderbücher und Bildbände finden ihren Platz in einem Sideboard, das ich noch gar nicht erwähnt habe. So, alle untergebracht.

Ob ich auch aussortiert habe? Klar, jede Menge sogar: 130 Bücher!! Diese Aufgabe hat mein Herz übernommen, der Verstand musste in die Ecke verduften. Das ging dann so: Buch greifen, anschauen, Frage an Herz, Antwort vom Herz, auf den einen Stapel oder auf den anderen legen. So blieben am Ende jene Bücher bei mir, die mich berührt haben, die mir viel bedeuten oder die ich noch lesen möchte, irgendwann.

Einen Teil der aussortierten Bücher werde ich an Bücherfreunde verschenken und den anderen Teil verteilt meine Freundin an lesehungrige Freunde und an Bibliotheken. Das sind meine Spenden, auch wenn ich sie mir damals anders vorgestellt habe. Die Variante ist aber nicht so zeitaufwendig und ich beglücke Menschen, die ich direkt kenne oder über sieben Ecken.


Wie es mir jetzt geht? So viele Gefühle rasen durch mein Herz und ich weiß nicht, wie oft ich in der Zwischenzeit vor meinen Regalen gestanden habe. Obwohl sie immer noch prall gefüllt sind, versprühen sie eine herrliche Leichtigkeit, ich habe das Gefühl, dass sie bald davon fliegen könnten. Noch eins: Sie atmen und zwinkern mir dankbar zu. Die vier Tage haben sich durchaus gelohnt und unter uns: Ich würde es immer wieder tun! Nur nicht gleich morgen oder übermorgen. Drückt mir also bitte die Daumen, dass die Ordnung jetzt eine Weile anhält. Ich werde mein Bestes geben. Versprochen! Großes Bücherchaotinnenehrenwort!

Fast vom Bücherchaos erschlagen.

Nein, nein – so geht es nicht weiter! Der ständigen Suche nach einem Buch muss endlich ein Ende gesetzt werden. Auslöser für diese Entscheidung ist ein Buch, von dem ich in der Nacht zuvor geträumt habe. Genau das will ich jetzt, auf der Stelle! So begebe ich mich auf die Suche. Irgendwo war es doch. Verdammt! Hier? Nein, vielleicht dahinter? Auch nicht. So grabe ich wie ein Maulwurf nach dem Buch, stöhne, fluche und spüre, wie das Blut allmählich in den Kopf steigt und mein Puls Richtung 180 schlägt.

Ich sehne mich nach Ordnung, aber davon sind meine Bücherregale weit entfernt. Ich suche schon seit gefühlten Stunden und bin mir so was von sicher, dass das Buch hier irgendwo sein muss. Erst kürzlich hatte ich es doch in der Hand gehabt, aber es will und will einfach nicht auftauchen. Kein Wunder bei der Unordnung, die vorherrscht und mich förmlich anschreit. Und das als Buchliebhaberin. Pfui, schäm dich! Ist das wirklich ein hausgemachtes Chaos? Inwiefern kann ein Bücherregal ordentlich sein, wo es doch fast immer in Bewegung ist. Hat es nicht einen eigenen Rhythmus? Ein Buch zieht man raus, ein neues kommt hinein, ein anderes zieht man heraus…

Richtig, da haben wir eine Schuldige: die Vermehrung. Wie ein Mixer rührt sie alles durcheinander und spuckt hinterher einen undurchsichtigen Saft an Büchern aus. Einerseits. Andererseits ist sie es, die meine Regale erst lebendig macht. Ja, so kann man das Dilemma auf liebevolle Art bezeichnen.

Bei mir ist nichts starr und systematisch wie in einer Buchhandlung sortiert, sondern frei nach Raumlage. In den letzten Jahren kamen nach dem Einzug in die Wohnung etliche neue Bücher dazu und ich habe es nie geschafft, sie alle fein säuberlich hineinzustellen oder gar in Reih und Glied anzuordnen. Wenn ein Regalboden voll war, wurden die Bücher übereinander gestapelt, basta! Nebenbei wurde Platz für die nächsten geschaffen. Das hatte ich nun davon. Eine Bibliothek ohne Sinn und Verstand, dafür jedoch mit viel Liebe. Das möchte ich an der Stelle nochmals ausdrücklich betonen, denn ich liebe meine zahlreichen Werke – sie brauchen nur ein bisschen Zuwendung. Lässt sich am Ende vielleicht Sinn, Verstand und Liebe nicht doch irgendwie zusammenbringen? Auf einen Versuch kann man es ja ankommen lassen.

So plane ich ein Mammutprojekt vom größeren Ausmaß: Ich werde das Chaos besiegen! Nein, ich weiß nicht, wieviele Bücher ich wirklich besitze, aber es sind nicht wenige. Ist das eigentlich wichtig? Für mich nicht, dennoch gebe ich ehrlich zu, es wäre schön zu wissen, wieviele es tatsächlich sind und ob ich nun wirklich alle behalten will.

Die große alles entscheidende Frage lautet nun: Wie werde ich meine Bücher sortieren? Möglichkeiten gibt es unendlich viele – alphabetisch, nach Genre, Verlagen, Aktualität, Farbe… um nur einige Varianten zu nennen. Nach Farbe ist zwar ganz hübsch, doch sehr kompliziert, denn ich müsste wissen, wie jedes Buch aussieht, welche Farbe es hat. Klar, bei meinen Lieblingen weiß ich es sofort. „Mister Aufziehvogel“ ist rot, „Frau Paula Trousseau“ ist weiß und „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ ist rosa. Trotz meines großen Bücherwissens habe ich aber nicht alle Bücher farblich im Kopf und insgeheim bin ich wohl zu sehr Buchhändlerin als dass ich mich nur vom Optischen verführen lasse. Demnach wird es wohl ein Mix aus Genre und Alphabet werden.

Puh, durchatmen und jetzt einen Schlachtplan entwerfen. Besonders schwierig wird ja das Herausräumen der Bücher und danach die Sortierung. Leider besitze ich keinen Bücherwagen, wie ihn die Buchhandlungen haben. Damit kann man die Bücher fein vorsortieren. Deshalb befürchte ich schon, Couch, Sessel und noch allerlei andere Möbel müssen herhalten. Mal sehen, ich werde euch auf dem Laufenden halten und alles schön protokollieren. Moment mal, da schleicht sich von hinten eine Frage an: Bin ich eigentlich die einzige Bücherchaotin?