Wenn ein Märchen wahr wird.

Man kann es schaffen und als junger Autor erfolgreich sein. Auch ohne ein Studium am Leipziger Literaturinstitut oder den Studiengang Kreatives Schreiben in Hildesheim. Das beweist Benedict Wells. Der Autor hat bereits zwei Romane bei dem renommierten Schweizer Verlag Diogenes veröffentlicht. „Becks letzter Sommer“ ist 2008 mit Begeisterung aufgenommen worden. Ein Aufschrei ging durch den Buchhandel. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, als wäre es gestern gewesen. Es war heiß, die Sonne knallte erbarmungslos auf unsere Köpfe und man sprach nur über den jungen Autor. Ein Jahr später erschien „Spinner“, ebenfalls ein gelobtes Buch. Ich bin dem Diogenes Verlag dankbar, dass der Verlag das Potential des Autors wertgeschätzt und ihn publiziert hat. Wie in Gottes Namen ist es möglich, dass er es auch so geschafft hat?

Benedict selbst meint, dass er sich durchaus als Autodidakt bezeichnen könnte. Das war nicht immer schön und teilweise schmerzhaft. Als Orientierungspunkte pickte er sich seine großen Vorbilder wie Kazuo Ishiguro, Nick Hornby, John Irving oder Harry Mulisch heraus, analysierte einzelne Aspekte ihrer Arbeit und verglich seine Texte mit deren. Wie gelingt es beispielsweise Nick Hornby gleich zu Beginn, dass man sofort in der Geschichte drinnen steckt und nicht wieder raus will? Oder die feinen Momente in Ishiguros Büchern, wie bekommt der Autor das hin? Schritt für Schritt hat er seine Texte überarbeitet. „Zwischendurch gab ich meine Manuskripte Menschen, die ich kaum kannte, und bat sie, so streng wie möglich zu sein. Freunde loben immer, aber ich wollte harte, konstruktive Kritik, denn nur die bringt einen weiter,“ berichtet er. Zwischenzeitlich hätte er schon daran gedacht, sich an einer Schreibschule zu bewerben, doch verschiedene Gründe haben ihn davon abgehalten. Vor allem seinen Stil wollte er finden und sich selbst entdecken. Für ihn gab es nichts Schöneres, als ein weißes Blatt zu füllen, mit allem, was ihm in den Sinn kam. Der Gedanke, ein Professor könne ihm strenge Vorgaben machen, schreckte ihn ab.

„Für mich war Schreiben jedenfalls ein einsames Geschäft, das jahrelang nur mit Niederlagen verbunden war,“ sagt er. So reichte er liebevoll zusammengestellte Mappen mit Cover, Exposé und Textproben bei Verlagen und Agenturen ein und hat sich ebenso für Stipendien und Veranstaltungen beworben, doch er bekam nur Absagen. Dies traf Benedict besonders hart, weil er sein ganzes Leben auf das Schreiben ausgerichtet hatte. Mit Nebenjobs verdiente er sich tagsüber seinen Lebensunterhalt, nachts schrieb er. Immer weiter. Der junge Autor verdrängte auch die Stimmen, die ihm rieten, das Vorhaben abzubrechen und auf Sicherheit zu setzen. Benedict blieb beharrlich. Außerdem wollte er wissen, wie seine Geschichten am Ende aussahen. Vielleicht war es diese Konsequenz, die ihm eines Abends einen glücklichen Zufall vor die Füße spielte. Vier Jahre später, als zwei Romane fertig waren, traf er auf einer Party einen Agenten. Zu dem Zeitpunkt wollte er eigentlich ins Ausland, um den Druck des unveröffentlichten Autors zu entkommen. Nachdem er dem Agenten von seiner Situation erzählt hatte, wollte dieser sein Manuskript lesen. Benedict sah die große Chance und ergriff sie mit Bedacht. Statt dem Agenten sofort sein Manuskript zu schicken, feilte er noch monatelang daran: „Ich wollte, dass „Becks letzter Sommer“ so knapp, spannend, schnell und witzig war, wie nur möglich, so dass er es kaum ablehnen konnte.“

Und dann gab es ein Happy End. Sein Roman „Becks letzter Sommer“, der zuvor abgelehnt wurde, wurde schließlich vom Diogenes Verlag herausgebracht. „Ich taumelte mit großen Augen durch die Frankfurter Buchmesse und konnte es einfach nicht fassen.“ Trotz aller Hürden sagt er heute immer noch, dass der Weg ohne eine Schreibschule die einzige Lösung war, denn er wollte nur eins: Frei sein. Eben diese Freiheit hat ihn dahin gebracht, wo er hin wollte. Ihm ging es vorrangig darum, seine Geschichten zu erzählen. Dann fügt Benedict noch hinzu: „Ich kenne aber auch hervorragende Autoren wie Thomas Klupp, die Schreiben studiert haben. Ich kann also nicht sagen, welcher Weg richtig ist, ich weiß nur, dass beide funktionieren.“

Über den Autor:
Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Nach dem Abitur zog er nach Berlin und widmete sich ganz dem Schreiben. Sein Debüt „Becks letzter Sommer“ wurde 2008 mit dem bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. „Spinner“ ist sein erster Roman, den schrieb er mit 19 Jahren.

Ein Klagelied über das sich selbst erhaltende Literatursystem.

Annina Luzie Schmid betreibt die beiden Blogs GIRLS CAN BLOG und WORDS ON A WATCH. Die Bloggerin ist auch junge Autorin und verfasst literarische Werke. Wie bereits berichtet, bin ich bei ihr auf ein Interview mit Josef Haslinger gestoßen. Sie hat selbst dazu auf WORDS ON A WATCH einen kritischen Beitrag auf Englisch verfasst. Für die Klappentexterin gibt es ihre Gedanken zum Thema der Schreibschulen wie das Literaturinstitut Leipzig heute auf Deutsch.

„Ich langweile mich (und wahrscheinlich auch Euch Leser) mit dem ewig gleichen Klagelied über das sich selbst erhaltende Literatursystem, das sich nicht trauen kann, Neues zu probieren. Und zwar fehlt ihm nicht nur der Mut dazu, sondern es wird ihm auch die Grundlage für Experimente entrissen, indem das Schreiben zunehmend durch Schulen homogenisiert und professionalisiert wird. Ein Josef Haslinger vom Deutschen Literaturinstitut in Leipzig kann mir lange von dem Streben nach Originalität seiner Schüler erzählen, die er auf einen Markt vorbereitet, der Leute wie Helene Hegemann für eben jene (fälschlicherweise zugeschriebene) feiert – gut nur, dass sie keine Autorenfabrik seiner Art besucht, sondern sich selbst beigebracht hat, wie man literarische, oder soll ich lieber sagen: Lebenserfahrung zusammenklaubt. Josef Haslinger darf nicht vergessen, dass Schulen wie seine erst zum Niedergang der Autorengruppen geführt haben, nicht umgekehrt, indem sie nämlich, bildlich gesprochen, im Namen ihrer Schüler frankierte Umschläge auf die Lektorentische der Verlage senden. Und was will eine Autorin mehr, als ihr Werk in chicem Einband veröffentlicht sehen? Die Holschuld der Lektoren hat sich in eine Bringschuld seitens der mit solcherlei Prozessen völlig überforderten Jungautoren verwandelt; das ist die einzige Marktlücke, die eine Schreibschule schließt. Es geht um eine Effizienzsteigerung in der Auflagenproduktion, einen doppelten Boden für Verlage, die gar nicht mehr wissen, wo sie – mangels fähiger Autorengruppen und aufgrund von aus dem Kulturetat rationalisierten literarischen Zeitschriften – noch nach wahren Talenten suchen sollen.“

Leben wir in einer genormten Literaturwelt?

Wie ein Maulwurf habe ich gegraben. Und es war sehr schwierig, positive Beispiele von jungen Autoren für euch zu finden, die vor ihrem Debüt nicht das Schreiben studiert haben. Vielleicht war ich auch einfach nur auf dem falschen Hügel, aber in den meisten Biographien von jungen Literaturschaffenden stoße ich entweder auf ein Studium am Literaturinstitut in Leipzig oder in Hildesheim.

Schnell kamen dabei Fragen auf. Geht das eine nur mit dem anderen? Wie kommt es, dass heute so viele junge Autoren die Schreibschulbank gedrückt haben? Es liege vielleicht auch an der guten Ausbildung dieser Institute und der Erfolg gibt ihnen recht, erfahre ich von einer Lektorin aus einem großen Publikumsverlag. Eine andere Stimme fragte mich: Haben früher so viele geschrieben und wurden publiziert? Ist heute nicht alles durchgeplanter? Gibt es nicht mehr durchorganisierte Lebensläufe und immer weniger Möglichkeiten, auszubrechen? Am Ende frage ich mich ernsthaft: Sind wir eine genormte Welt, vor der auch die Literatur nicht verschont bleibt?

Josef Haslinger ist ein österreichischer Schriftsteller und lehrt seit 1996 als Professor an dem renommierten Literaturinstitut Leipzig. Ich bin durch den LitBlog WORDS ON A WATCH auf ein interessantes Interview bei ZEIT online gestoßen und habe einige richtungsweisende Antworten erhalten. Dort erfuhr ich, weshalb es heutzutage zum schriftstellerischen Erfolg beiträgt, das Schreiben studiert zu haben. So berichtet Josef Haslinger davon, dass es im 20. Jahrhundert Autorenverbände und Zeitschriften gegeben hat, in denen sich die Autoren mit schriftstellerischen Arbeiten auseinander setzen konnten. In den Gruppen und Zeitschriften ist man die Texte durchgegangen und hat Schwachstellen diskutiert. Damals galt es auch als Anerkennung, wenn man in einem der Autorenverbände aufgenommen wurde. Heute gibt es das nicht mehr. Durch den Niedergang eben jener Vereinigungen und Zeitschriften, ist eine Lücke entstanden, die das Literaturinstitut Leipzig auffangen will. Jährlich bewerben sich 600 junge Autoren in Leipzig – genommen werden aber nur 20. Hat man es erst einmal geschafft, geht man durch eine eiserne Schule, denn die Studenten müssen auch sehr harte Kritik einstecken.

Nun nehme ich die Aussage der Lektorin wieder auf. Der Erfolg gibt dem Institut recht. Eine Vielzahl der Absolventen haben gute Bücher geschrieben. Ich denke dabei an Clemens Meyer, Judith Zander, Juli Zeh, Sasa Stanisic, Kristof Magnusson und gestehe ehrlich: Ihre Werke haben mich begeistert, jedes auf seine Weise. Sie sind radikal, aufrüttelnd, sensibel und bemerkenswert. Eindrucksvoll haben sie sich in meinen Geist gebrannt. Nur habe ich sie nicht gefunden, sondern sie haben mich gefunden. Das ist u.a. durch eine gute Werbung der Verlage geschehen oder auch die eine auffallende Präsenz in den Medien. Wer weiß, ob ich ohne das Aufsehen jemals auf diese Bücher gestoßen wäre.

Dennoch finde ich es auf der anderen Seite mutig, dass einige Verlage jungen Autorinnen mit einem großen Auftritt unterstützen. Immerhin ist das Buchgeschäft hart. Jährlich erscheinen hunderte Novitäten durch die sich tausende Buchhändler kämpfen. Da ist es manchmal schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Sicherlich laufen bekannte Schriftsteller von allein und landen nicht selten in der Spiegel- Bestsellerliste. Das ist für junge, unbekannte Autoren eher schwieriger, und das wissen die Verlage. Wer gibt ihnen die Garantie, dass sie am Ende mit dem jungen Autor Erfolg haben werden?

Was passiert aber mit all den anderen Autoren, die es nicht nach Leipzig oder Hildesheim schaffen? Auch sie leben für ihren Traum vom Schreiben. Und sie sind nicht schlechter. Wenn man das Schreiben für sich entdeckt hat, bleibt es in einem drinnen. Es schlägt mit dem eigenen Herzen im Gleichklang, und zu ihm setzt sich der Wunsch, auch irgendwann ans Tageslicht kommen zu können. Das eigene Werk ist das Ergebnis einer Arbeit von Monaten oder gar Jahren. Da ist es eine Auszeichnung das Schaffen in den Händen zu halten und in Buchhandlungen liegen zu sehen. Welch ein Glück! Mehr als das. Es ist ein Teil des Lebens und wertvoller als ein Goldbarren.

Dort draußen sitzen etliche junge Menschen, die nichts anderes wollen, als zu schreiben. Einige lassen sich nicht abschrecken und machen weiter. Und auf so einen Autor bin ich gestoßen. Er ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass es auch ohne Leipzig und Hildesheim möglich ist, ein erfolgreicher junger Autor zu sein. Wer es ist und wie er es geschafft hat, verrate ich euch demnächst.

[Definition: Junge Literatur]

Wo fängt sie an und wo hört sie auf, die junge Literatur? Eine eindeutige Definition konnte ich dazu im Internet nicht finden. Wikipedia antwortet mir auf meine Frage: „Der Artikel „Junge Literatur“ existiert nicht in diesem Wiki.“ Stattdessen schlägt mir die freie Enzyklopädie vor, einen eigenen Artikel zu schreiben. Das nehme ich mal mit und denke drüber nach. Also ziehe ich zu Google.de um. Dort bin ich auch nicht erfolgreicher. Ich entdecke zwar allerhand zum Thema, aber keine genaue Begriffserläuterung. Deshalb habe ich nur einen Endpunkt festgelegt. Bei 1970 hört für mich die junge Literatur auf. Manche haben da vielleicht eine ganz andere Ansicht, aber genau dafür ist die Literatur ja da: Für eine grenzenlose Freiheit! Hier ist meine Definition:

„Junge Literatur umfasst das literarische Schaffen von Autorinnen und Autoren, die nach 1970 geboren worden sind. Sie zeichnet sich besonders durch ein vielfältiges Spektrum aus.“

Nachdem dies feststand, habe ich mir verschiedene Werke heraus gesucht. Ich bin dabei nicht nur im heimischen Deutschland geblieben, sondern auch ins literarische Ausland geflogen. Der typische Klappentexterin-Tellerrand-Blick. Ich wollte euch die Vielfalt vor Augen führen, denn als solches empfinde ich die junge Literatur. Manches Buch musste ich wie eine Nuss knacken, andere Werke haben mich einfach aufgefangen und einen glücklichen, entspannten Seufzer entlockt. Die Sprache ist übrigens überall ein Aspekt, der mich vollends begeistert hat. Das Frische, dem ein spezielles Eigenleben innewohnt, ist von mir jedes Mal ein Applaus wert. Also, liebe jungen Autorinnen und Autoren: Chapeau! Chapeau! Danke für die wunderbaren Stunden, weitere werden folgen.

♥ Happy End.

Obwohl es eigentlich der Anfang von etwas Großem ist. Der Beginn einer besonderen Freundschaft zwischen einem Buch und mir.

Getroffen haben wir uns vor einigen Monaten im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum. Ich hatte davon berichtet. Während meine Freundinnen wie fleißige Bienen über ihren Magisterarbeiten saßen, bin ich auf leisen Sohlen durch die Gänge gewandert und habe einige Regale genauer inspiziert. Dabei entdeckte ich „Wo liegt Berlin? Briefe aus der Reichshauptstadt“ von Alfred Kerr. Ein Zwinkern und es stand vor mir. Vor lauter Freude entwich mir ein Jubelschrei und ich legte meine Hand auf den Mund, um die Ruhe der Bibliothek zu bewahren. Ich hatte das Buch nicht gesucht, es hatte mich gefunden. Noch vollkommen benommen setzte ich mich auf einen Elefantenfuß (so nenne ich die kleinen Tritte, auf die man steigen kann) und las darin.

Sofort war klar, dass ich es mitnehmen wollte. Als Leihgabe. Doch manche Bücher will man besitzen. So schaute ich zuhause im Internet nach und fand das Buch nicht, es war nicht mehr käuflich zu erwerben. Im Buchhandel nennt man das: Vergriffen. Knuff. Das tut genau dann weh, wenn man solche Schätze gefunden hat.

„Wo liegt Berlin? Briefe aus der Reichshauptstadt“ ist jedoch kein Buch, das ich in einem Zug lese. Ich hangel mich von Brief zu Brief, mit kleinen Pausen dazwischen. Das dauert eine Weile. So habe ich die Ausleihe verlängert, bis es nicht mehr ging. Dann musste ich es abgeben. Eine Trennung mit Schmerzen in der Brust. Aber vergessen konnte ich es nicht. Das passiert nicht mit Menschen und Dingen, die sich in das Herz gelegt haben.

Und nun hat mir meine liebe Freundin – übrigens eine der Magisterbienen – dieses Buch zu Weihnachten geschenkt. Sie konnte es antiquarisch erwerben. Wieder ist er da der Jubelschrei, und die Freude tänzelt um uns herum. Dieses Mal ist es noch ein bisschen anders. Größer eben. Ein Wiedersehen für immer. Keine Frist, die uns trennen wird.

Herr Kerr hebt seinen Hut, gibt mir seinen Arm und ich hake mich unter. Fortan immer dann, wenn ich mag.

♥ Happy End.

2011 – Mein literarischer Ausblick.

Die 1 steht für Bewegung. Wenn man sie sich mal genau ansieht, hat die Zahl etwas Giraffenhaftes. Und jede Menge Stolz. Sie steht für Geradlinigkeit und Mut. Die 1 schnapp ich mir jetzt und berichte, was ich mir für 2011 literarisch vorgenommen habe und auf was ich mich freue.

Das junge Jahr und junge Literatur

Unlängst habe ich Bücher von jungen Autorinnen und Autoren gelesen. Das Thema fasziniert mich schon seit längerer Zeit. Ich hatte dazu ja bereits bei Facebook eine kleine Umfrage gestartet und interessante Antworten erhalten. In der zweiten Januarhälfte wird sich bei mir voraussichtlich alles um das Thema drehen. Was genau, werde ich natürlich nicht verraten. Ich möchte euch – wie 2010 – weiterhin überraschen. Habt also bitte ein bisschen Nachsicht mit meiner Verschwiegenheit.

Erzählungen

Alice Munro beweist stets aufs Neue, wie wunderbar reichhaltig Erzählungen sein können. Leider haben es Erzählbände im Verkauf etwas schwerer als Romane. Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht, weil wir Menschen lieber ganze, runde Dinge vorziehen? Was ich ganz genau weiß: Die Erzählungen haben zu mir gesprochen und ich habe sie erhört. Deshalb werde ich mich querbeet durch verschiedene Epochen sowie Genres lesen und die Bände vorstellen.

Eine Challenge: Kinder- und Jugendbücher

Bereits vor der Challenge von Ailis und Bibliophilin habe ich mir vorgenommen, mich im neuen Jahr mehr den Kinder- und Jugendbücher zu widmen. Und nun ist es offiziell, ich werde jeden Monat ein Buch aus dem Bereich lesen und darüber schreiben.

Ältere Bücher

Neuerscheinungen haben stets eine besondere Faszination. Jungfräulich flattern sie mit ihren Seiten und flirten mit uns Bücherfreunden. Aber was ist mit den Büchern, die schon etwas älter sind? Bücher, die wir damals vielleicht übersehen und nicht gelesen haben? Die möchte ich nicht vergessen und ungelesen im Regal sich selbst überlassen. Deshalb lese ich 2011 öfter Bücher, die nicht den leuchtenden Schein des Neuen tragen.

Klassiker

Die Werke reihen sich auch in die Schlange der besonderen Bücher. Ich habe sie 2010 für mich entdeckt. Glückliche Literaturboten waren das und werden es auch bleiben. Wenngleich sie mehr Zeit brauchen als andere, widme ich mich ihnen auch weiterhin mit viel Liebe.

Buchhandlungen

Hundt Hammer Stein

Ich streife 2011 ebenso durch Berlin, besuche besondere Buchhandlungen und möchte der Welt zeigen, wie großartig und wichtig es ist, dass es solche Läden gibt. Ich bin gespannt, was mich erwartet und freue mich schon jetzt auf die Buchhändler vor Ort.

Neuerscheinungen

In diesem Jahr erwarten uns wieder schöne neue Bücher. Ada Mitsou hat bereits eine Auswahl zusammengestellt.

Meine ♥ Novitäten 2011 sind:

Chris Leave: Little Bee
Haruki Murakami: Teil 3 von „1Q84“
Cees Nooteboom: Schiffstagebuch: Ein Buch von fernen Reisen
Philippe Djian: Die Leichtfertigen
Amélie Nothomb: Winterreise
Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage
Alice Munro: Zu viel Glück
Carlos Ruiz Zafón: Marina

… und zahlreiche andere Bücher, die mir im Laufe des Jahres vors Auge laufen.

*

Ich freue mich auf euch alle, auf das gemeinsame Teilen der Literaturwelt. Auf ein glückliches, gesundes und lesenswertes Jahr!

2010 – Mein literarischer Rückblick.

Das Literaturjahr 2010 war ein schönes Jahr. Ich durfte bekannte Autoren wie Haruki Murakami und Banana Yoshimoto lesen, aber auch Literaturschaffende kennenlernen und wieder entdecken. Hier ist nun mein Rückblick 2010…

** ENTDECKUNGSREISE **

Autor – Wieder entdeckt
Philippe Djian


Foto: Jacques Sassier / Copyright © Gallimard

Vor vielen Jahren habe ich „Betty Blue“ gelesen, aber ich fühlte mich dem Autor noch nicht gewachsen. Wenngleich mich seine Sprache schon damals begeisterte und mich sanft am Nacken kraulte, einer zärtlichen Geste gleich. Zu Beginn diesen Jahres las ich „Erogene Zone“ und es hat klick gemacht. Philippe Djian ist einfach ein poetischer Meister des Alltags. Temporeich, sensibel und witzig.

Klassiker – Wieder entdeckt

Mir ist aufgefallen, dass Klassiker heutzutage im hektischen Strudel von den unzähligen Neuerscheinungen leicht in Vergessenheit geraten. Deshalb habe ich beschlossen, Klassiker bei mir leben zu lassen. Ich möchte das Schweigen brechen und sie aus meinem Regal ziehen, vorbei an den jungfräulichen, neuen Büchern. Dabei konnte ich dieses wunderbare Buch ausfindig machen:

Charlotte Bronté: Jane Eyre

Sie ist immer noch da, und sie ist mir eine gute Freundin geworden: Jane Eyre. Eine mutige junge Frau, die mich bis zum Schluss mitgerissen hat. Zudem hatte die Autorin ein großes Herz und hat ihm den Raum geschenkt, den es brauchte. Eben dies zeichnet das Werk aus. Es ist ein großes Stück Menschlichkeit daraus geworden, in das ich mich gern habe fallen lassen.

Hörbuch – Neu entdeckt

Ich habe eine Freundin, die ist süchtig. Nach Hörbüchern. Das konnte ich nie ganz nachvollziehen. Bis ich im Mai das erste Hörbuch im Ohr zu kleben hatte. Und siehe da: Nun weiß ich, was Hörbücher auszeichnet. Was es ist? Die Lauscher von euch wissen es, die anderen sollten es herausfinden.

** KLASSENFAHRT **

Literaturprojekt: Reading Murakami

Ada Mitsou, Bibliophilin, Friederike und ich haben den Blog Reading Murakami gegründet. Gemeinsam mit anderen Fans haben wir „1Q84“ von Haruki Murakami gelesen. Es war ein ganz besonderes Projekt, das mich sehr glücklich gemacht hat.

Fremdgeschreiben habe ich hier:

Bibliophilin – Gastrezension:
„Das siamesische Klavier“ von Christiane Neudecker.
Seite 30 von „1Q84“ – Ein Kommentar
Reading Murakami ist zum Fan der Fans ausgewählt worden. Im Zuge dessen erhielt jede von uns ein kostenloses Exemplar vom Verlag und wir durften die Seite 30 von dem vorab online abgedruckten Seiten von „1Q84“ kommentieren. Das habe ich mit Freude getan.
Lovelybooks – Rezension des Monats November
Als Yoko schreibe ich auch regelmäßig Rezensionen bei Lovelybooks. Dort habe ich meine längste Rezension des Lebens eingereicht und konnte die Jury überzeugen. Dafür danke ich nochmal herzlich.

** FORSCHUNGSREISE **

Debüt des Jahres
Sabrina Janesch: Katzenberge

Der jungen Autorin ist ein Meisterstück gelungen. Sie nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit einer Familie und erzählt die Geschichte Ost- und Mitteleuropas. Dunkel und düster ist der Roman, das ist mit ihrer Sprache bestens gelungen. Die ganze Zeit hängt da so eine Nebelwand zwischen den Seiten und den Augen des Lesers. Die Sätze atmen eine leichte Melancholie aus, die nicht abstößt, sondern sie zieht einen immer mehr hinein.

Enttäuschung des Jahres
Nicola Keegan: Schwimmen

Ein ungewöhnliches Buch und schön geschrieben. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich habe das Buch zur Hand genommen, weil ich Sport sehr mag, das Schwimmen liebe und selbst einmal Leistungssport betrieben habe. Im Roman stand jedoch mehr das Leben des Mädchens – Philomena – und ihre Familie im Vordergrund. Diese „neue Welt“ des Schulschwimmbads von der im Klappentext die Rede war, fand ich nur ansatzweise. Mir fehlte ein bisschen der Sport. Genau das Bisschen enttäuschte mich. Wer neugierig geworden ist, findet bei Ada Mitsou eine positive Rezension.


Highlight des Jahres

Haruki Murakami: 1Q84

Ich hatte lange gewartet und sah am Ende aus wie eine gut gefüllte Weihnachtsgans. Die große, tiefsitzende Sehnsucht trieb mich schon einige Tage vor Erscheinen von „1Q84“ in den Wahnsinn. Als ich das Buch in den Händen hielt, verlor ich jegliches Zeitgefühl. Die Stimmen der Menschen um mich herum rauschten vorbei und ich war vollkommen geblendet von dem Silberbarren. Es ist ein anderer Murakami, ein Exot, aber unbedingt lesenswert! Mein liebstes Buch.

Eine Überraschung
Tom McCarthy: 8 ½ Millionen

Dieses Buch haben mir zwei Menschen empfohlen, die sich nicht kennen. Das machte mich neugierig. Schwindelerregend, pulsierend, blutdrucksteigend – einfach nur verrückt. Die Rezension folgt ganz bald.

Ein tolles Fundstück
Adrienne Monnier: Aufzeichnungen aus der Rue de l’Odéon. Schriften 1917-1953

Sie war mir so nah und vertraut. Die Liebe zu den Büchern und ihrer Begegnungen mit Literaturschaffenden haben mein Herz auf eine besondere Art berührt.

Beste Literaturverfilmung
Stieg Larsson: Verblendung, Verdammnis, Vergebung


Normalerweise meide ich Literaturverfilmungen. Doch die drei Filme zu den gleichnamigen Krimis haben mich in den Bann gezogen. Die Umsetzung war meisterhaft, nicht zuletzt auch wegen der grandiosen schauspielerischen Leistung.

*********** Ende **********

Und hier endet mein literarischer Rückblick. Sicherlich habt ihr auch Bücher, die ihr 2010 gelesen habt oder besondere literarischen Begegnungen, die ihr nicht so schnell vergessen werdet. Welche sind es?

Literatur gut gekühlt.

Mein Kühlschrank hat mich heute Morgen am Schlafittchen gepackt. „Schätzchen, du bestückst mich schon seit Wochen mit zauberhaften Karten, aber ich spüre nur die Rückseiten und sehe die Bilder nicht. Das macht mich traurig“, sagte er. Ich blieb stehen und sah, dass er recht hatte. Also habe ich meine Kamera gezückt, mich tausendmal entschuldigt und ihm die literarischen Karten auf dem Foto vor die Tür gehalten. Er war sofort begeistert und brummte glücklich weiter. Kurz stieg die Temperatur auf 10 Grad, aber nur kurz. Danach kehrte er wieder in seine gewohnte Temperatur zurück. Was einen Kühlschrank erfreut, wird anderen vielleicht auch ein Lächeln schenken. Also habe ich hier einfach mal einen lieben gut gekühlten Literaturgruß für euch da gelassen.

1Q84 – Ein Zwischenbericht.


Du strahlst nicht. Der Satz sitzt seit einigen Tagen in meinem Kopf. Er springt wie ein Ball von links nach rechts und von rechts nach links. Ping, pong, pong, ping. Tatsächlich. Erschreckend. Ich lese den lang erwarteten Roman „1Q84“ von Haruki Murakami und strahle nicht. Die Erkenntnis traf mich, als ein sehr guter Kollege fragte, wie er mir gefällt. Während ich nach den Worten suchte, sagte er: Du strahlst nicht. Ich weiß Bescheid. Immer noch nach Sätzen ringend, schluckte ich die Feststellung. What happend? I don’t know. Und doch kann ich mich von „1Q84“ nicht lösen. Trotzdem fasziniert mich der Roman. Obwohl ich das Strahlen schmerzlich vermisse. Es stimmt. Das fehlt mir.

Woran liegt es? Der Murakami liest sich anders als erwartet. Irgendwas fehlt. Damals bei seinen anderen Büchern war mir nach den ersten Seiten sofort warm. Ich spürte Sonnenstrahlen im Gesicht, überall: Auf der Nasenspitze und auch zwischen den Wimpern. Obwohl draußen ein kalter trüber Wintertag herrschte, glühte ich wie eine heiße Lavamasse, die der Vulkan eben ausgespuckt hatte. Momentan werde ich das Gefühl nicht los, als wäre da ein schmutziges Fenster zwischen mir und Murakami. Ich spüre wenig und habe taube Stellen, die sonst vor Esprit nur so sprühten, wenn ich den Japaner las.

Die anderen Romane, die ich von Murakami gelesen habe, sind alle in der Ich-Form geschrieben. Dieser hier nicht. So war ich an den Menschen in seinen anderen Werke näher dran. Wie ein kleines Vögelchen saß ich auf den Schultern und spürte den Herzschlag, die Gedanken waren mir näher und alles fühlte sich irgendwie weicher an. Die Sprache war lässiger. Als würde ich meine Lieblingsjeans anziehen und einen feinen Blazer dazu. So lässig ungefähr. Locker, aber klassisch hochwertig.

Jetzt bewege ich mich auf einer langen nicht enden wollenden Straße, die eben ist, denn flüssig liest sich „1Q84“. Und in regelmäßigen Abständen blitzt es zwischen den Seiten und den Augen. Es tauchen Sätze auf, die durch eine wunderbare Schlichtheit glänzen und doch tiefe Brunnen sind, in die ich mich fallen lasse. Dort hocke ich dann und fühle mich einsam. Auf eine angenehme Art und Weise. Das zeichnen seine Romane aus. Man ist gern mit sich und den Worten allein. Nur dieses Mal will sich die vertraute Wärme einfach nicht einstellen. Warum nur nicht? Verflixt und zugenäht! Vielleicht bin ich es, die sich verändert hat? Vielleicht war die Erwartung zu groß? Vielleicht hat sich aber auch der Autor verändert und mit ihm sein Schreibstil? What happened? I don‘ t know.

Und doch lese ich ihn gern. Für mich sind Murakamis Bücher wunderbare Welten. Mystisch und manchmal märchenhaft. Und unwahrscheinlich skurril. Nichts bleibt in den Händen liegen, alles flüchtet zwischen den Fingern. Auf und davon. Ehe ich mich versehe, laufe ich allen mit einem Lächeln im Gesicht und einem roten Kopf hinterher. So auch jetzt.

Just in dem Moment, als ich das erste Buch von „1Q84“ beendet habe, schleicht sich eine Hoffnung in meinen Kopf: Vielleicht kann man einen Roman auch lieben, selbst wenn man nicht strahlt.

He’s coming to me. I smile and…

… I’m happy like a little child. Ein Kind der Literatur strahlt mit großen Augen den neuen Murakami-Roman an, der da in großen Schritten herbeigeeilt kommt. Lange habe ich auf sein neues Werk warten müssen. Vier Jahre. Das war hart. Vier Jahre ohne Murakami ist wie Autofahren ohne Räder. So wirklich begreife ich das erst jetzt, wo ich das Ziel fast erreicht habe. Alles fällt von mir ab und ich verliere merklich an Gewicht. Ich fliege und störe mich nicht an dem kalten Wind, der mir frech ins Gesicht pustet.

Vorwärts komme ich mit dem Japaner immer. Jedesmal weiß ich zwar nicht, wie, aber ich bewege mich und mein Geist folgt mir. Murakamis Bücher eröffnen mir Welten, die ich teilweise sehr gut kenne, die mir aber an einigen Stellen doch sehr speziell erscheinen. Ein Knirschen hier, ein Lächeln dort und ein Kratzen da. Er kreiert besondere Landschaften, in die ich mich gern mit einem klopfenden Herzen setze. Und er inspiriert mich zu höchstem Maße.

Murakami setzt mir Flöhe in den Bauch und lässt mich über die Flucht nachdenken, wie ich es vorher so noch nicht getan habe. Murakami stößt mich an, mit anderen Literaturfreundinnen ein Projekt ins Leben zu rufen und er bringt mich mit anderen, fremden Menschen zusammen. Was kann man dazu sagen? Nichts. Einfach nur staunen, lächeln und sich würdevoll verneigen. Das Literaturkind ist glücklich. IQbidu!