Archiv der Kategorie: Fundstücke

Neulich in der Bibliothek… Teil 2.

… als die Freundin an ihrem Exposé für die Magisterarbeit im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum saß, ist der Klappentexterin vor Staunen der Mund offen stehen geblieben. Fasziniert von diesem architektonischen Meisterwerk, kramte die Klappentexterin in der Tasche nach ihrer Kamera und hat den Ausblick festgehalten. Nicht nur das. Auch noch andere kleine Fundstücke sind ihr vor die Linse geflogen, die sie nun Stück für Stück mit euch teilen möchte. Hier findet ihr Teil 1. Heute nun gibt es Teil 2.

Fortsetzung folgt.

Eine Frau von Welt.

Die Klappentexterin meldet sich zurück und ist nun eine Frau von Welt, da sie seit einigen Tagen stolze Besitzerin von diesem Werk hier ist:

Frau schlägt das Büchlein auf und findet auf der ersten Seite den Eintrag:

Behalten Sie dieses Buch immer in Ihrer Nähe, in Ihrer Tasche, auf dem Nachttisch oder auf Ihrem Schreibtisch, damit Sie es gleich zur Hand haben. Schauen Sie immer wieder hinein, so wie Sie auch bei Ihrer besten Freundin immer wieder vorbeischauen. Dieses Brevier täglich zu konsultieren kann auch kein Fehler sein. In jedem Fall wird Charmingly Unnecessary, das wie so viele Dinge im Leben betörend müßig ist, zum unverzichtbaren Lebenselixier einer jeden Frau von Welt.

Doch dies ist nur der Anfang. Es finden sich auf jeder Seite kleine, wunderbare Schätze an Gedanken, die ich mir gern wie kostbare Perlen zu einer Kette aufziehe, am Hals trage, lächle, lächle und lächle.

** Hier ein Auszug **

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Deutschland im Frühling

Kennen Sie Deutschland, Madame, Deutschland im Frühling? Es ist bezaubernd, finden Sie nicht auch? Groß und sauber, und die Spree windet sich schmal und dunkel – und Rosen, die gelben Rosen in den Fenstern, und schwere deutsche Männer starren über ihre Bierseidel hinweg die lachenden Ausländerinnen an, die gehen und kommen.


Leider ist dieses bemerkenswerte Buch bereits im Buchhandel vergriffen und frau bekommt es nur antiquarisch. Dies sollte die Frau von Welt aber nicht abschrecken, es nicht doch irgendwo aufzustöbern.

Viel Glück und Freude damit!

% Sale % Books % Good or bad? %

Die einen kaufen derzeit im Sale günstige Röcke, T-Shirts oder Bikinis. Ich habe vier bemerkenswerte Bücher aus dem Stapel der Mängelexemplare gezogen:

So sehr ich mich freue, bin ich auch etwas betrübt, dass diese wunderbaren Bücher einen hässlichen Stempel tragen. Sie haben es verdient, dass man den vollen Preis bezahlt. Nun ja, immerhin habe ich sie aus dem großen unordentlichen Stapel befreit und ihnen nun eine würdige Heimat gegeben.

Habt ihr die Tage ähnliche Schnäppchen gemacht? Wie steht ihr insgesamt zu den Mängelexemplaren?

Neulich in der Bibliothek… Teil I

… als die Freundin an ihrem Exposé für die Magisterarbeit im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum saß, ist der Klappentexterin vor Staunen der Mund offen stehen geblieben. Fasziniert von diesem architektonischen Meisterwerk, kramte die Klappentexterin in der Tasche nach ihrer Kamera und hat den Ausblick festgehalten. Nicht nur das. Auch noch andere kleine Fundstücke sind ihr vor die Linse geflogen, die sie nun Stück für Stück mit euch teilen möchte.

Fortsetzung folgt.

Herzlichen Glückwunsch, verehrter Herr Wagenbach!

Sehr geehrter Herr Wagenbach,

aufrichtige und herzlichste Glückwünsche sende ich Ihnen! Bleiben Sie uns Buchhändlern und Lesern noch lange erhalten, denn Sie sind eine Bereicherung. Und ein Unikat dazu. Sie sind ein Verleger mit Herz und Seele, ein Kämpfer und Querkopf. Auch wenn Sie die Verlagsleitung aus der Hand gegeben haben, stehen Sie noch mittendrin. Ihr Verlag ist heute das, was Sie geschaffen haben. Mit Ihren Vorstellungen und Ihrem Idealismus haben Sie etwas erreicht, was es so fast gar nicht im deutschen Verlagswesen gibt. Jedenfalls fällt mir spontan kein anderer Verlag ein. Wenn man den Namen Wagenbach ausspricht, hüpft sofort Ihr Gesicht vor Augen. Das passiert mir bei anderen Verlagen nicht.

Ich liebe Ihre kleinen, feinen, roten Bücher, die sich durch eine schlichte Eleganz gegen die heutigen, sehr oft extrem auffälligen, Buchcover zurückhaltend, aber äußerst charmant in Szene setzen. Sie haben eine angenehme Form, dass ein Wagenbach-Buch auch problemlos in die kleinste Handtasche passt. Ich streichele so gern über die roten Bände, lächele erfreut. Und nicht zuletzt beeindrucken mich natürlich die Inhalte Ihrer Druckerzeugnisse.

In diesem Sinne genießen Sie Ihren 80. Geburtstag und die Ehre, die man Ihnen erweisen wird!

Hochachtungsvoll,

Ihre Klappentexterin

___________________________Anhang_______________________

Natürlich lässt die Klappentexterin solch ein besonderes Ereignis nicht spurlos an sich vorbeiziehen. Sie hat ihre Leselupe gezückt und einiges zu Klaus Wagenbach gefunden.

Ein Buchtipp:

Klaus Wagenbach: Die Freiheit des Verlegers – Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe. Juni 2010, 352 Seiten, 19,90 €.

Ein Zeitungstipp:

Die Wochenendausgabe vom 10./11. Juli 2010 der Süddeutschen Zeitung hat dem Verleger eine ganze Seite gewidmet.

Ein Magazintipp:

Auf der Homepage vom Börsenblatt gibt es wunderbares Interview mit dem Verleger.

Ein Onlinetipp:

Welt Online: Ein fröhlicher Buchhandwerker.

Ein Fernsehtipp:

Bayerischer Rundfunk: Linker Verleger, Freund Italiens, Kafkas Witwe.
11. Juli, 18:05 Uhr auf BR.

Ein Hörfunktipp:

Radio Bremen: Klaus Wagenbach zum 80. Geburtstag.
Hier kann man den Beitrag hören.

Viel Freude beim Klaus Wagenbach-Lesen-Wiederfinden-Entdecken wünscht euch die Klappentexterin. Und einen schönen, erholsamen Sonntag dazu.

An einem heißen Nachmittag im Juli…

… da saß die Klappentexterin bei ihrem Lieblingsitaliener Lo Sgranocchio in der Raumerstraße unter der Markise und erspähte folgendes Bild.

Die Klappentexterin ist natürlich viel zu neugierig, um solche Momente dem Zufall zu überlassen. Also hat sie ihren ganzen Mut zusammen genommen und die fremde Frau angesprochen. Die Antwort lautete:

Marie NDiaye: Drei starke Frauen.
Juni 2010, 342 Seiten, Suhrkamp.

Wer nun Lust auf das Buch bekommen hat – das im übrigen im Juli auf Platz 1 der SWR Besenliste steht – kann sich bei Bibliophilin mit ihrer Rezension warmlesen.

Die Klappentexterin hätte sich noch Stunden an dem Bild erfreut, aber das Rad der Zeit dreht sich weiter. Und irgendwann saß die Leserin nicht mehr dort. Der Platz war leer, doch das Herz gefüllt und entzückt über diese wunderbare Momentaufnahme an einem heißen Nachmittag im Juli.

Ein glücklichmachendes Fundstück am Sonntag.

Heute raschelt die sonst von mir geschätzte Süddeutsche Zeitung besonders laut. Sie buhlt um meine Aufmerksamkeit. Die schenke ich jedoch jemand Anderem. Meine Augen bleiben den ganzen Morgen in einem Fundstück haften. Da kann die SZ rascheln und flattern bis sich die Buchstaben lösen und davonfliegen. Nein, nein, nein! TRAFFIC heißt der Fremdkörper auf dem Frühstückstisch. Ich habe die Zeitung am Freitag in der Buchhandlung Hundt Hammer Stein auf dem Treppenabsatz entdeckt und in meine Tasche gesteckt. Zufälligerweise lag neben der Ausgabe aus dem Juni auch die aus dem Mai. Vom freundlichen Ladeninhaber habe ich schließlich die Ausgabe aus dem April erhalten. So breitet sich nun ein Triplett vor mir aus und stiehlt der SZ, der Teetasse, dem Marmeladenglas sowie dem Brötchen ein bisschen die Show.

TRAFFIC erscheint monatlich. Dem Impressum nach zu entnehmen, wechseln die Autoren und Fotografen. Die Gäste werden auf der zweiten Seite mit einer kurzen Vita und Foto vorgestellt. Stilistisch und inhaltlich bewegt sich das Blatt auf höchstem Niveau. Kein Wunder. Die Macher schreiben selbst, dass sie sich an eine anspruchsvolle Leserschaft richten. Freunde guter Literatur, Kunst und Kultur rubbeln sich beim Durchblättern kurzweilig die Augen. Das, was dort auf dem gedruckten Papier zu lesen ist, fühlt sich viel zu gut an, um wahr zu sein. Wir erfahren Aktuelles über Ausstellungen, lesen in Auszügen von Manuskripten, die bald als Buch erscheinen, erfahren, was es für neue Bücher gibt – besondere, gute Literatur – folgen anderen Kultur-, Kunst-, und Literaturschaffenden in ihre Welten und erfreuen uns an wunderbaren Rubriken wie „Das Wetter“. All das ist so exzellent kreativ und raffiniert verarbeitet, dass es einfach nur Freude bereitet darin zu lesen. Ob an einem Sonntag oder einem Mittwoch.

Wo kann man TRAFFIC erhalten?
Entweder als Abonnement. Dann flattert das Blatt jeden Monat verlässlich in den Briefkasten. Kosten: 29,50 € für 12 Ausgaben; 24,50 € ermäßigt für Studenten. Oder als „Free Press!“ – so steht es rechts oben in der Ecke. Die Zeitung liegt in drei Städten (Berlin, Hamburg, Amsterdam) in ausgewählten Orten zum Mitnehmen aus. Damit man nicht wie ein blinder Maulwurf durch die Gegend läuft, lässt sich aus einer Karte entnehmen, wo die TRAFFIC zu finden ist. Weitere Infos gibt es hier.

Die SZ raschelt jetzt weniger, weil sie in den Fremdkörper geschaut hat. „Ja“, sagt sie, „oft lohnt sich der Blick über den eigenen Tellerrand. Blöd nur, wenn du das ausgerechnet am Sonntag tust, dem einzigen Tag, den wir miteinander haben. Gut jedoch, wenn es dann so was ist wie dies Fundstück hier.“
Ist es nicht schön, dass auch Zeitungen ein Herz haben und vergeben können? „Ja, oh ja“, sage ich leise, stecke die SZ sanft in meine Tasche. Morgen ist auch noch ein Tag, mein Tag für die SZ. Der Sonntag ist hiermit gerettet.

Der Literaturblogpapst aus Frankreich.

Unlängst hat mir eine Freundin ein herrliches Fundstück vor die Augen gestreut. Es ist nun einige Stunden her, aber die Begeisterung hängt mir immer noch im Kopf herum. Deshalb möchte ich es an dieser Stelle erwähnen. Der Freitag hat vor kurzem über den Literaturblogger aus Frankreich berichtet. Sein Name ist Pierre Assouline. Auf seinem Blog – La République des livres – berichtet er über Bücher. Zehntausende Leser und teilweise über hundert Kommentare findet man auf seiner Seite. Davor habe ich großen Respekt und gratuliere Monsieur Assouline zu seinem Erfolg. Machen Sie weiter so!

Pierre Assouline.

Primzahlen küssen die originelle Schriftstellerin von bezaubernder Empfindsamkeit wach.

Heute Morgen hingen etliche Zahlen zwischen meinen Wimpern und auf meinem aktuellen Buch. Sie waren plötzlich da wie ein spontaner Regenschauer. Na nu? fragte ich, stand auf und schnappte mir die Zahlen. Nach genauer Begutachtung und dem ersten Schluck Kaffee stellte sich heraus, dass es sich hierbei um Primzahlen handelte.

Die zwölf Primzahlen krochen mit einer Selbstverständlichkeit in mein aktuelles Buch, dass es mir die Sprache zunächst komplett verschlagen hatte. Vorher riefen sie jedoch noch laut im Chor:
„Du musst jeweils das erste und das letzte Wort unserer angegebenen Seitenzahl aufschreiben. Solltest du dabei auf ein getrenntes Wort treffen, nimmst du beim Seitenanfang das nächste und beim Seitenende das vorangegangene. Pro Zeile immer vier Wörter.“
„Und dann?“
„Dann hast du dein Primzahlen-Gedicht.“
„Ach, fast hätten wir es vergessen: Als Überschrift stellen sich die 97 und 103 freundlicherweise zur Verfügung.“

Entstanden ist nun ein Gedicht, was mir von der Form ein bisschen bekannt vorkommt. Dies kann nur das Resultat von einer originellen Schriftstellerin von bezaubernder Empfindsamkeit sein. „Aber es ist auch mit und von uns!“ Ja, klar, das wissen die anderen doch, aber meinetwegen. An dieser Stelle sei also noch dankend die Zusammenarbeit mit den Primzahlen erwähnt.

Nachfolgend nun das Gedicht.

als Dunkelheit wandte aber

läufigen anderes Sie begrüßen
jeglicher den vierzig ein
Bonacatta liegenden oder die
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Mutter wäre die ein.