Petra Hartlieb übers Bücherverkaufen.

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Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren und ist in Oberösterreich aufgewachsen. Sie studierte in Wien Psychologie und Geschichte und arbeitete danach als Pressereferentin und Literaturkritikerin in Wien und Hamburg. Seit 2004 betreibt sie mit ihrem Mann die Buchhandlung Hartliebs Bücher in Wien, worüber sie jetzt ein Buch geschrieben hat. In Meine wundervolle Buchhandlung erzählt sie ihre Erfolgsgeschichte. Gemeinsam mit Claus-Ulrich Bielefeld ist sie das Autorenduo einer Krimireihe, die beim Diogenes Verlag erscheint.

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Über den Mut. Und die Liebe zu Büchern.

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Mut. Ich glaube, das ist das einzig richtige Wort um Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb auf den Punkt zu bringen. Mut und natürlich viel, viel Liebe zum Buch. Petra Hartlieb schenkt uns Buchhändlern und allen Buchliebhabern mit ihrem Werk einen ganz besonderen Schatz, den ich für euch öffnen möchte.

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Wildkatze im Bücherdschungel.

Seit einem Jahr schnurrt es in der Brunnenstraße, denn dort hat eine besondere Katze ihren Platz gefunden. In der Wildnis heißt sie Ozelot, in der europäischen Großstadt verzichtet sie auf die Großschreibung und auf das z, nennt sich ocelot. In Mittel- und Südamerika jagt sie vorwiegend Nagetiere und Kleinsäuger, in Berlin bevorzugt sie Bücher. Deshalb schmückt sich ocelot auch mit einem Zusatz: not just another bookstore. Das klingt nach einem Märchen und in gewisser Weise ist es das auch. ocelot, not just another bookstore ist ein inspirierender und herzlicher Ort, den ich jetzt kennengelernt habe und ja – ich habe es tatsächlich gehört, das glückliche Schnurren, und viele schöne Dinge gesehen, von denen ich euch berichten möchte.

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Ein Ort für schöne Bücher.

Ich habe die Akazienbuchhandlung noch nicht betreten und spüre schon das Besondere. Fragen nach dem Wieso und Warum sind hier zwecklos. Es ist einfach das Gefühl einer Bücherfreundin, die eine feine Nase hat und am Ende natürlich nicht verwundert ist, dass sie mit ihrer Intuition recht hatte.

Bevor ich die Buchhandlung jedoch erreicht habe, begrüßt sie mich bereits in der U-Bahnhaltestelle Eisenacher Straße mit einer liebevoll gestalteten Auslage. Ein kleiner warmer Lichtblick im sonst so ungemütlichen Untergrund.

Die Buchhandlung befindet sich in der Berliner Schöneberger Akazienstraße. An dieser Stelle kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen: Eine schönere Umgebung kann es für eine Buchhandlung nicht geben. Kleine Geschäfte mit besonderen Auslagen entzücken den Flanierenden genauso wie die Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen.

Die Akazienbuchhandlung verströmt beim Eintreten eine schöne und gemütliche Atmosphäre. Kunstvoller Stuck an der Decke verleiht dem Laden ein malerisches, leicht verträumtes Bild. Ich fühle mich sofort gut aufgehoben und streife durch die etwa 90 Quadratmeter. Hier gibt es viel zu entdecken wie zum Beispiel die liebevoll gestaltete britische Wand, die das Queen-Jubiläum würdigt. Beim Rundgang stoße ich auf vertraute und fremde Werke, die ich in die Hand nehme und lächle.

„Unser Schwerpunkt liegt in der Belletristik“, sagt Herbert Bahlinger. Der Buchhändler leitet seit 2009 das Geschäft, nachdem sich die Inhaberin aus dem aktiven Tagesgeschehen zurückgezogen hatte. Seit 1994 existiert dieser literarische Ort in dem Schöneberger Kiez. Meine Augen stolzieren wir emsige Wanderer über die Tische und durch die Regale. Vor allem die kleinen Editionen funkeln mich wie kleine Schätze an und wecken mein Interesse. Herbert Bahlingers Augen leuchten, als er mir „Leben als Literatur“ von Alexander Nehamas aus dem Lagerfeld Steidl Druck – kurz L.S.D. – in die Hand legt. Von dem Karl Lagerfeld? Ja, von dem. Was für ein Exemplar! Ich spüre die Liebe zum Buch und verliere mich in der schlichten Gestaltung. Schon fällt mir ein Gedanke aus dem Mund, schneller als ich ihn aufhalten kann: „Ist da an ein eBook zu denken?“ „Wohl kaum“, antwortet mir Herbert Bahlinger. Wir gucken uns beide an und denken das Gleiche, ohne dass es weiterer Worte bedarf, außer vielleicht staunenden Ausdrücken. „Unsere Kunden schätzen solche Raritäten.“

Es sind vorrangig das fünfköpfige Buchhändlerteam und die Stammkunden, die der Akazienbuchhandlung die Luft zum Atmen schenken. „Wir sind alle total unterschiedlich, aber genau das zeichnet uns aus“, berichtet Bahlinger. Die Bindung an ihre Kunden ist groß und ein wichtiges Element. Man kennt sich nach den vielen Jahren so gut, dass die Mitarbeiter bei neuen Büchern sofort an bestimmte Kunden denken und diese zur Seite legen. „Was wir hier machen ist ein ganz direktes Tun“, erzählt er. Sie wissen ihre Kunden zu schätzen und verschenken jedes Jahr zu Weihnachten kleine Jahresbändchen. Darüber hinaus werden Akazien-Kunden einmal die Woche mit einem Newsletter, dem „literaturkurier“, versorgt. Der redaktionelle Teil mit dem Hinweis auf Neuerscheinungen und Literaturtipps in Funk und Fernsehen kommt vom Deutschlandfunk und KulturRadio, die persönlichen Empfehlungen erstellen die Buchhändler aus der Akazienbuchhandlung.

Neben belletristischen Titeln gibt es auch eine gute Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern, Psychologie, Biographien, Politik, Zeitgeschehen, Philosophie, Hörbüchern, Reiseführern, Berlin-Titeln und Postkarten. Er zeigt mir beim Postkartenständer die zauberhaften Karten von der japanischen Künstlerin June Keser (http://www.humwithme.com/v2/) die mich sofort begeistern. Seit neuestem bietet die Buchhandlung auch das „Philosophie-Magazin“ an.
Ja, es gibt viel zu entdecken in diesem Fleckchen inmitten von Schöneberg. Ich erspähe u.a. ein Holzkästchen mit Heften, auf dem steht: „Friedenauer Presse“. Herbert Bahlinger sieht die Fragezeichen in meinen Augen auf und ab laufen. „Noch nie gehört?“ „Nein, ich muss passen.“ Dann erzählt er mir von der 80-jährigen Verlegerin, die mit großer Leidenschaft noch selbst publiziert. Bei solchen Geschichten wird mir automatisch ganz warm ums Herz. Welche Freude ist es zu hören, dass diese liebevoll gestalteten Heftchen hier ihre Liebhaber haben!

Die Akazienbuchhandlung ist eine Buchhandlung mit Tradition und Liebe für das Besondere, die wirklich an alles denkt, selbst an durstige Kunden. Rechts vom Eingang steht ein Wasserspender, an dem man sich bedienen kann. Nach meinem Besuch lächle ich und bin froh, dass ich diesen Laden entdeckt habe und kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen. Gleich nebenan gibt es übrigens das Bilderbuchcafé, in dem alle bibliophilen Menschen einen wunderbaren Ort des Verweilens genießen können. Die Akazienstraße ist eben ein Fleckchen für Bücherfreunde, denen das Besondere am Herzen liegt.

Akazienbuchhandlung.
Akazienstraße 26, 10823 Berlin.
Telefon: 030 – 7 88 12 78.
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 10 bis 20 Uhr, Samstag: 10 bis 17 Uhr.

Kriminalisten in Kreuzberg.

Die Krimiwelt erinnert mich an einen Marsch durch den Dschungel. Die Auswahl ist riesig und raubt mir oft meinen Durchblick. So bewege ich mich leicht blind durchs wilde, pieksende Gestrüpp. Richtungsweisende Trampelpfade tauchen so gut wie nie auf. Wie schön ist es da, dass es spezielle Buchhandlungen wie die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ gibt, die mir den richtigen Weg zeigen. Dort wird jeder Fall gelöst, wenn es darum geht: Welchen Krimi lese ich als nächsten? Genau die Buchhandlung möchte ich euch heute vorstellen.

Die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ befindet sich im bekannten Bergmannkiez in Berlin Kreuzberg. Wenn man aus der Markthalle herauskommt, sind es nur wenige Schritte und schon steht man mittendrin in einer Welt, bei der alle Krimifans glücklich in die Hände klatschen. Spannung, wohin das Auge reicht! Links und rechts in den Regalen, auf den Tischen, an der Kasse und in einzelnen Schütten. Krimis und Thriller aus aller Welt. Bekannte Autoren sind ebenso dabei wie unbekannte. Von vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus dem Genre sind nahezu alle Werke vorhanden. Dazwischen entdecke ich auch neue Namen, die meine unbändige Neugier auf zauberhafte Weise wachkitzeln. Daher empfehle ich für den ersten Besuch, ein bisschen Zeit mitzubringen, denn die braucht man, wenn man sich durch dieses Kleinod bewegt.

Am Kassentresen erspähe ich eine TOP-TEN Liste. Auf jeder Zahl von 1 bis 10 liegen Bücher. Was ist das? „Das ist unsere eigene Bestsellerliste,“ sagt Heinz Scheffelmeier. Die TOP-TEN zeigt den Kunden, welche Bücher am häufigsten im Vormonat gekauft worden sind. Dort stoße ich auf Bestseller-Autoren wie Lars Kepler und Don Winslow, ebenso wie auf mir eher unbekannte Schriftsteller: D.B. Blettenberg und Thomas Ross. Alle sind vor allem aus der persönlichen Empfehlung dort gelandet. Respekt! Man entdeckt in der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ die sogenannte Mainstream-Lektüre und großartige Raritäten. Mein scharfer Miss Marple Blick fängt rechts neben der Kasse noch etwas auf: Eine kulinarische Krimiecke mit schwarzen Revolver-Nudeln, die man dort kaufen kann. „Die sind eins unserer beliebtesten Geschenke,“ sagt der Buchhändler. Passend zum Thema gruppieren sich kulinarische Krimis um das liebevoll-dekorierte Arrangement. Da läuft mir allein beim Anblick das Messer, ach Pardon, das Wasser im Mund zusammen.

Die beiden Räume, die zur Buchhandlung zählen, sind klein, doch der Schein trügt, denn hier steht eine riesige Auswahl an Krimi-Literatur. Die Kunden finden zahlreiche Kinderkrimis, True Crime Werke und Sekundärliteratur sowie 2500 neue deutsche Krimis, 700 englischsprachige Titel, 2500 antiquarische Werke, 1000 englische antiquarische Bücher sowie 1500 besonders gesuchte und vergriffene Werke. Für die ausrangierten Titel, die man im Buchhandel nicht mehr kaufen kann, gibt es einen extra Raum. Ich ziehe dort aus einer Schütte einen sehr gut erhaltenen Martha Grimes Roman. Den lege ich zu „Der Blinde von Sevilla“ von Robert Wilson. Eine persönliche Empfehlung von Heinz Scheffelmeier, nachdem ich ihm von Jussi Adler-Olsen vorgeschwärmt hatte.

Der Inhaber, Christian Koch, hat 1999 die Buchhandlung übernommen. Zusammen mit Heinz Scheffelmeier führt er seinen Laden. Ein großes Vorbild war dazu auch die Buchhandlung „Wendeltreppe“ aus Frankfurt. Mit jedem Schritt spüre ich die Leidenschaft der beiden Buchhändler, die ich hier und auch im Internet auffange. Auf der eigenen Internetseite finden sich neben informativen Links zu Suchdatenbanken auch aktuelle Nachrichten aus dem Genre sowie über 850 Rezensionen aus den letzten acht Jahren.

Im Fokus der Buchhandlung stehen vor allen Hardboiled Krimis wie Hammett oder Chandler und Noir. Gleich links am Eingang begrüßen einen die großen Meister auf zwei Plakaten. „Gerade das Lebensgefühl der Noir passt wunderbar nach Kreuzberg,“ sagt Scheffelmeier. Man stelle sich das mal in Charlottenburg vor! Fühlt sich irgendwie ein bisschen verdreht an. Ich kann mir zunächst unter dem Genre „Noir“ nur grob etwas vorstellen. Sofort eilt mir der Buchhändler zur Hilfe und reicht mir „Westküstenblues“ von Jean-Patrick Manchette. Beim Lesen des Klappentextes denke ich an wunderbare Chabrol Filme. Und nach einer kurzen Recherche später Zuhause entdecke ich, dass beide auch gemeinsam Filmarbeit geleistet haben. „Ein guter Roman Noir ist ein Sozialroman, ein sozialkritischer Roman, der die Geschichte eines Verbrechens als vordergründige Handlung nimmt.“ Dieses Zitat habe ich bei Wikipedia entdeckt und konnte es nicht wortlos dort stehen lassen. Ich ging zu „HAMMETT“ und entdeckte für mich nun auch ein neues Genre. Die Krimiwelt darf gerne weiterhin ein undurchsichtiger Dschungel sein. Ich weiß ja nun, wo ich einen guten Trampelpfad finde. Der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ sei Dank!

HAMMETT-Krimibuchhandlung
Friesenstraße 27
10965 Berlin
Telefon: 030 – 691 58 34
Internet: www.hammett-krimis.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr

Ein Büchermeer und Samuel Beckett dazu.

Ihr kennt das bestimmt. Da läuft man durch die Straßen, betrachtet die entgegenkommenden Menschen oder hängt den Gedanken nach. Und plötzlich bleibt ihr stehen, weil etwas zu euch spricht. Eine auffallende Blume oder ein Geschäft. So ist es mir ergangen, als ich an der Nicolaischen Buchhandlung in Berlin Friedenau vorbeigekommen bin. Vor mir erstreckte sich ein wunderschönes Büchermeer, in das ich gefallen bin.

Und was entdeckte dort mein Auge? Den verehrten Samuel Beckett!
Den habe ich natürlich gleich gekauft.

Auf Wiedersehen, liebe Nicolaische Buchhandlung!
Es hat mich gefreut, Sie getroffen zu haben!

Nicolaische Buchhandlung Borstell & Reimarus Friedenau GmbH
Rheinstraße 65
12159 Berlin
Tel. 030. 852 40 05
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 9-18.30 Uhr, Samstag 10-14 Uhr.

Mit bester Empfehlung – dein ♥-Buchhändler.

Er ist so etwas wie ein guter Freund für dich. Du gehst zu ihm, brauchst bald nicht mehr viele Worte zu sagen und schon – schwupp – zaubert er die richtige Lektüre hervor. Ein Buch, das dich glücklich macht. Er findet es immer für dich, egal wie sehr es regnet oder wie kalt es draußen ist. Der Buchhändler deines Vertrauens. Kurt ist so einer. Weil ich seinen feinen Literaturgeschmack sehr schätze, hole ich mir von ihm nun regelmäßig die beste Empfehlung.

David Mitchell: Chaos

Kurt sagt dazu:
„Nun ist es ja so, dass man von einem Schriftsteller schon erwarten darf, dass er uns in eine neue Welt transportiert, bestenfalls eine, die uns auch interessiert. Dass aber ein Autor es schafft, uns gleich in 10 verschiedene Welten zu entführen, und zwar dergestalt, dass man diese Welten gar nicht mehr verlassen mag, ist schon außergewöhnlich!

David Mitchell ist so ein Autor, einer von wenigen, und sein Erstling „Chaos“ („Ghostwritten“), mittlerweile sind schon einige nachfolgende Titel von ihm herausgekommen, der beste Beweis. Das liegt einerseits an seiner überbordenden Phantasie und andererseits an seinem extrem hohen Sprachtalent, übrigens hervorragend übertragen vom Übersetzer Volker Oldenburg.

Der Roman ist eine Reise um die Welt in 10 Geschichten, angefangen in Japan, über Hongkong, China, Mongolei, Russland, England und so weiter zurück nach Japan. Jede Geschichte ist mit den anderen um kleine Links verbunden, und Mitchell geht so weit, uns erst in den mittleren und letzten Geschichten zu erzählen, was wirklich in den ersten Kapiteln geschehen ist.

Ein großartiges Talent, nebenbei mein Lieblingsautor – also auf jeden Fall lesen! Übrigens: „Don’t judge a book by it’s cover“ gilt hier besonders, denn anscheinend hatte Rowohlt (zuständig für die deutsche Ausgabe) kein gesteigertes Interesse, dieses Buch zu verkaufen, andernfalls sähe es nicht so misslungen aus.“

David Mitchell.
Chaos.
Januar 2006, 592 Seiten, 9,95 €.
Rowohlt Verlag.

Die Klappentexterin dankt Kurt und freut sich schon jetzt auf weitere Literaturempfehlungen.

Kurt trifft man auch in seiner eigenen Buchhandlung: Hundt Hammer Stein. Einen ausführlichen Bericht über diesen besonderen Buchladen findet ihr hier und dort gelangt ihr auf seine eigene Homepage.

Ein funkelndes Schlaraffenland.

Was ist das? fragte ich mich kürzlich, als ich in Gedanken versunken die Berliner Auguststraße entlangschlenderte. Ich kam an einem besonderen Laden vorbei, der mich magisch anzog. Im Schaufenster unzählige, großartige Druckerzeugnisse, die mich staunen ließen…

Ein neugieriger Blick hinein verriet mir sofort und charmant…

… dass ich hier einkehren muss. Gehorsam folgte ich meinen flinken Füßen…

… bis ich in einem Meer aus unzähligen Magazinen aus aller Welt schwamm. Vor denen selbst eine Leiter nicht Halt machte…

… Hat dieser bemerkenswerte Ort auch einen Namen? Ja, hat er:

So heißt der Laden. Dort findet man ein ausgesuchtes Sortiment an Magazinen und Lektüren aus aller Welt. Ich habe Printprodukte entdeckt, von deren Existenz ich bis dahin gar nichts wusste. Ich fühlte mich wie in einem funkelnden Schlaraffenland, lächelte, zückte meine Kamera und hielt mit freundlicher Genehmigung alles fest. Bei eurem nächsten Spaziergang solltet ihr also einfach mal einen Blick in dieses Wunderland wagen.

do you read me?!
Magazine und Lektüre der Gegenwart
Auguststraße 28 (Ecke Große Hamburger Str.)
10117 Berlin-Mitte
Tel. 030. 695 49 695
Internet: www.doyoureadme.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag: 10 bis 20.30 Uhr

Sinn und Sinnlichkeit.

Papiergeruch kriecht in meine Nase. Erst denke ich, dass sei nur eine Eingebung und ich schnuppere nochmal wie eine Hündin. Nein, es stimmt, Papier ich rieche Papier, glückliches Papier. Um mich herum reihen sich Rücken an Rücken Bücher so viele, dass mir fast schwindelig wird. So etwas, ja so etwas, habe ich noch nie gesehen. Dass es das noch gibt. Ich staune wie ein kleines Mädchen, das zum ersten Mal vor einem geschmückten Weihnachtsbaum steht. Während die großen Kettenbuchhandlungen mehr auf Frontalpräsentation setzen, fährt die autorenbuchhandlung berlin in eine andere Richtung. Immer schon, immer noch. Immer weiter. Ich lächle und streife an den Regalen vorbei. Dort finde ich Autoren, von denen ich noch nie gehört habe. Kurz erröte ich bei der Tatsache, dass ich wahrlich nur einen Bruchteil der Bücher kenne.

„Wir haben viele Stammkunden“, berichtet die Filialleiterin Nicola Gaedicke. Manche halten sich gern auch mal ganze Vormittage und Nachmittage in der autorenbuchhandlung berlin auf. Das ist nur allzu verständlich, wenn ich mir die Vielzahl der Werke anschaue, die dort stehen und auf den Tischen liegen. Das Publikum interessiert sich vor allem für anspruchsvolle Literatur. Die findet man hier auch zu genüge. Von vielen Autoren stehen etliche Ausgaben im Regal wie beispielsweise Werke von Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Thomas Bernhard und John von Düffel. Bei Ingeborg Bachmann finde ich elf Titel, bei Thomas Bernhard 13 Bücher und bei John von Düffel sechs Exemplare. Werden die denn regelmäßig gekauft? Nein, aber sie verkaufen sich irgendwann, bestätigt mir Nicola Gaedicke. Gerade die oben genannten Autoren haben sie stets vorrätig. Dann fügt sich noch hinzu:„Jedes Buch hat seinen Käufer. Früher oder später.“ Sicherlich würden sie auch Titel, die sich gar nicht verkaufen an den Verlag zurückschicken, denn es erscheinen ja beinah täglich neue Bücher. Die finde ich auch neben den Klassikern.

„Schauen Sie hier“, sagt die Buchhändlerin nur wenige Minuten später. Sie hält mir „Das bulgarische Gefühl“ von Ralf Themior vor die Augen. Das Exemplar hat zwölf Jahre in der Buchhandlung gelegen, natürlich längst vergriffen. Jetzt wünscht sich ein Kunde dieses Werk.
Als nächstes begrüßt sie einen Kunden, der vorm ersten Tisch neben dem Eingang stehenbleibt. Er nimmt ein dünnes Buch in die Hand, das fast wie ein Heft aussieht. Was ist denn das? „Marilyn Monroe liest Ulysses“ von Walter Kappacher. Erschienen ist es im Ulrich Keicher Verlag. Ich stutze. Nie gehört. „Das ist einer der Verlage von denen man wissen muss, dass es sie gibt“, sagt Nicola Gaedicke. Der Verlag ist nicht im Verzeichnis lieferbarer Bücher und bei einer Eigenrecherche im Internet finde ich es selbst bei amazon.de nicht. Die Ausgabe ist eine besondere Rarität. Schmal ist sie. Leicht wie eine Feder liegt das Büchlein in der Hand. Ich blättere ehrwürdig darin, erfreue mich an den Fotografien und nachdenklichen Texten.
Die Kunden wissen den aufmerksamen Blick sehr zu schätzen, denn gerade dieser Titel ist einer von denen, die oft gekauft werden. Nun bin ich also einem Bestseller der autorenbuchhandlung berlin persönlich begegnet.

Eine Frage brennt mir natürlich besonders unter den Nägeln: Kommen Autoren in die Buchhandlung? „Ja“, antwortet Nicola Gaedicke. Sie nennt mir einige: Ingo Schulze, Peter Sloterdijk, Lars Gustafsson und Ursula Krechel. Danach fügt sie hinzu, dass die autorenbuchhandlung berlin heute eine eigentümergeführte Buchhandlung ist, während damals die Autoren u.a. Teilhaber waren. Die Buchhandlung hat eine Tradition, die schon viele Jahre überdauert. Gegründet wurde sie 1976 von Künstlern, Verlegern und renommierten Autoren und Autorinnen. Günter Grass, Heinrich Böll, Ingeborg Drewitz, Klaus Wagenbach beteiligten sich an der Buchhandlung, um nur einige Namen zu nennen. Übernommen wurde sie 2008 von Fürst & Iven. Die Inhaber führen seit Anfang der 90er Jahre in der Akademie der Künste im Hansaviertel die Buchhandlung und nun auch seit 2005 in der neu errichteten Akademie der Künste am Pariser Platz. Seit zwei Jahren gehört auch die autorenbuchhandlung berlin zu ihnen.

Die Form hat sich gewandelt. Verändert hat sich inhaltlich jedoch nicht viel. Auf den 90 Quadratmetern bietet die autorenbuchhandlung berlin eine Auswahl von über 28000 Titeln aus Belletristik und Lyrik, den Geisteswissenschaften und der Kultur sowie ausgewählte Biographien und Kinderbücher.
Man findet sich sofort zurecht, weil über den Regalen jeweils auf den weißen Wänden mit schwarzer Schrift die einzelnen Bereiche stehen. Heller ist die Buchhandlung geworden. Das ist den Inhabern durch andere Möbel gelungen. Außerdem haben sie die Dielen abschleifen lassen. Es finden sich hier und da kleine feine Veränderungen, die den Geist des Ladens keineswegs zerstört haben. Ganz im Gegenteil, hier schwebt etwas Besonderes, wenn man an den Regalen vorbeigeht. Hier klopft das Herz jeden Buchliebhabers höher, man lächelt und möchte bleiben.

Die autorenbuchhandlung gehört übrigens zu den 5 Plus über die ich demnächst ausführlicher berichten werde.

autorenbuchhandlung berlin
Carmerstraße 10
10623 Berlin-Charlottenburg
Telefon: 030 – 313 01 51
Internet: autorenbuchhandlung berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr

Die autorenbuchhandlung berlin lädt an einigen Sonntagen zum Sonntags-Matineé ein.
Das nächste ist am 26. September 2010.
Mehr Infos dazu gibt es hier.