Die Natur braucht den Wolf.

Wölfe hatten es noch nie leicht, seitdem es den Menschen gibt. Die Tiere wurden regelrecht verteufelt, sind immer noch bei vielen Menschen verhasst wie gefürchtet. Obwohl hinreichend bekannt ist, dass man die scheuen Tiere nicht fürchten muss. Wie viele Menschen wurden durch Wölfe getötet oder verletzt? Und wie viele von Hunden? Trotzdem werden die Urahnen des Hundes – denen sie einiges voraushaben – auch in aufgeklärten Zeiten noch verfolgt. Von bestimmten Medien sogar als Monster bezeichnet. Dass sie Wildtiere und nicht zähmbar sind, steht außer Frage. Dass sie für den Wald und Naturschutz ein wichtiger Grundstein sind, ist vielen nicht bekannt. Um so wichtiger sind Bücher wie „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy. Die Autorin hat hierzulande mit ihrem Debüt „Zugvögel“ für Furore gesorgt, das gleichermaßen von Buchändler:innen und Naturschützern geschätzt wurde. Der Klimawandel und der Naturschutz liegen der Autorin ebenso am Herzen wie mir.

Foto: Charlotte McConaghy | © Emma Daniels

In ihrem neuesten Roman geht es um ein Projekt in Schottland, wo die Natur vom Rotwild stark geschädigt wurde. Nun sollen mit Sendern ausgestatteten Wölfe angesiedelt werden, um das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Sollte sich herausstellen, dass die Wölfe Schafe reißen, dürfen sie allerdings geschossen werden. Als die Ich-Erzählerin Inti eines Nachts einen toten Farmer entdeckt, der auf den ersten Blick von einem Wolf so übel zugerichtet wurde, vergräbt sie ihn kurzerhand. Aber war es wirklich ein Wolf? Oder doch eher ein Mensch? Denn der tote Stuart Burns war bekannt dafür, dass er seine Frau schlägt. Inti wusste das und wollte der Frau beistehen. Am Abend zuvor hat Duncan, der Geliebte der Wissenschaftlerin, einen Streit zwischen Inti und Stuart mitbekommen. Als Inti in seinem Bett aufwacht, ist Duncan nicht mehr da…

Nach und nach entrollt die Autorin nicht nur die Bedeutung der Wölfe für eine gesunde Natur und die Auswirkungen des Klimawandels, sie erzählt auch die berührende Geschichte von Intis Zwillingsschwester Aggie, die nicht mehr spricht. Warum sie schweigt, erfahren wir erst im Verlauf der Geschichte.

Faszinierend ist diese Story in jedem Fall. Besonders die Hauptfigur Inti, eine furchtlose junge Frau, die eine große Wut in sich trägt und die seltene Fähigkeit besitzt, Gefühle von anderen nachzuempfinden.  

Charlotte McConaghy hat einen wichtigen und spannenden Roman geschrieben, der nicht nur starke Figuren bietet, sondern auch starke Aussagen wie diese: „Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, den Klimawandel auf unserem Planeten zu verlangsamen, wir müssen verhindern, dass er vor die Hunde geht. Das heißt auch, dass wir unseren Fußabdruck so weit wie möglich reduzieren, so leicht auf dieser Erde lasten müssen, wie wir nur können. Wir sind nicht hier, um zu konsumieren, bis alles weg ist – wir sind die Bewahrer, nicht die Besitzer.“ 

Kluge Worte, die man nicht oft genug wiederholen kann. Besonders in der heutigen Welt, wo immer noch viel zu viele Menschen die Natur mit Füßen treten. Wo immer noch zu viel Fleisch konsumiert wird, wo Menschen und Autos immer übergewichtiger werden. Dabei hängt bekanntlich alles mit allem zusammen. Der Mensch, die Tiere, die Natur.

Charlotte McConaghy: Wo die Wölfe sind. Aus dem Englischen übersetzt von Tanja Handels. S. Fischer, März 2022, 432 Seiten, gebunden, 22,- €.

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