Das Kloster der starken Frauen.

Stellt euch eine Gemeinschaft vor, in der selbst für die sogenannten Verrückten, die Ausgestoßenen und Schwierigen Platz ist: „… innerhalb dieser Mauern gibt es selbst für die am schwersten zu Liebenden genügend Liebe.“ Ein sagenhafter Ort, zu finden in „Matrix“ von Lauren Groff, einem ungewöhnlichen Roman, der mir auf besondere Weise sehr nahe gegangen ist.

Die Autorin dürfte vielen noch mit ihrer einzigartigen Liebesgeschichte „Licht und Zorn“ in Erinnerung sein, danach folgte ihr ebenso lesenswerter Erzählungsband „Florida„. In ihrem neuen Roman begibt sich Lauren Groff in das historische England des 12. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt steht Marie. Die junge Frau ist nicht geeignet für das klassische Leben einer Ehefrau am königlichen Hof und wird von ihrer Halbschwester – Königin Eleanore von Aquitanien – verbannt. Sie soll Priorin in einem abgelegenen Kloster werden, wo sie Kälte, Armut und Tristesse erwarten.

Als Marie dort ankommt, will sie augenblicklich wieder fort. Aber wohin? Schließlich nimmt sie diese Herausforderung an: „Na schön, denkt sie zutiefst bitter. Dann bleibt sie eben in diesem erbärmlichen Kloster und macht das Beste aus dem Leben, das ihr gegeben wurde. Sie wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um sich auf dieser weltlichen Ebene zu erheben.“

Sehr weise und beeindruckend! Als hätte Marie den Buddha höchst persönlich getroffen. Was die junge Frau aus dem Kloster macht, ist erstaunlich. Ihre Verbündeten sind die Nonnen, die sich ihr anvertrauen, mit ihr einen ganz und gar außergewöhnlichen, mutigen Weg gehen und ihren Visionen folgen. Auch ist ihre Menschenführung fast schon modern: Marie setzt jede Frau in dem Bereich ein, den sie am besten beherrscht.

Einmal begegnet Marie sogar der heiligen Maria. Doch selbst die Priorin ist nicht frei von inneren Dämonen und Sehnsüchten. Diese vermeintliche Schwäche verleiht der tiefgläubigen Frau eine sehr menschliche Note.

Mit Marie, ihren Nonnen und der historischen Kulisse hat Lauren Groff einen Volltreffer gelandet. Nie hätte ich gedacht, dass mich ein historischer Stoff derart begeistern würde. Wobei „Matrix“ viel mehr ist als das: Der Roman erzählt die Biographie einer faszinierenden Frau, jongliert mit mystischen Elementen und ist absolut elektrisierend. Aber haben wir etwas anderes erwartet, wenn so viele ungewöhnliche Frauen zusammenkommen und Lauren Groff die Schöpferin ist? So lasst uns einmal mehr mit diesem wunderbaren Werk die Weiblichkeit feiern.

Lauren Groff: Matrix. Aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Jacobs. claasen, September 2022, 320 Seiten, 24,- €.

4 Gedanken zu „Das Kloster der starken Frauen.

  1. Elke Schneefuß

    Den ersten Teil des Buches mochte ich auch gerne, doch gerade die Mystik im zweiten Teil hat mich etwas aus dem
    Text herausgetragen. Dafür muss man wohl empfänglicher sein als ich es bin – in jedem Fall eine schön geschriebene Rezension!

    Gefällt 1 Person

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