Vom Abfall zum Gaumenschmaus.

Hand aufs Herz: Wir kennen sie alle – die Leichen im Kühlschrank. Entweder man hat zu viel eingekauft oder das Leben ist dazwischen gekommen. Und dann traut man sich nicht, das Grünzeug wegzuschmeißen. Weil man eben ungern Essen wegwirft oder insgeheim hofft, dass doch noch ein Wunder passiert und das Gemüse seine Verwendung findet.
Anna Jones ist hier meine Retterin und Muse gleichermaßen. Ihr Kochbuch „One – A Greener Way to Cook“ hält sein Versprechen und das auf ganzer Linie.

Zwiebelkuchen mit Halloumi und Zitrone | © Issy Croker

Wobei ich zuerst ein bisschen mürrisch war. Anna Jones hat in ihrer Küche wesentlich mehr Gewürze als ich – und wir haben schon einige, daher dachte ich am Anfang: „Das ist mir zu anspruchsvoll.“ Aber Halt. Wie wir wissen, manchmal trügt der erste Eindruck. So auch hier.

Das Kochbuch hat eine schöne und klare Einteilung. Ich empfehle allerdings das Buch beim erstmaligen Aufschlagen in Ruhe durchzublättern – und dabei nicht hungrig zu sein. So bekommt ihr einen Überblick und entdeckt erste Rezepte. Haltet Post-its in greifbarer Nähe, da die Autorin über 200 einfache, schnelle und raffinierte Gerichte versammelt hat, die ziemlich verführerisch aussehen und allein schon beim Anblick den Gaumen wohlig kitzeln. Zudem sind höchst interessante Texte zur Nachhaltigkeit, sparsamen Kochen und Wirtschaften miteingearbeitet.

Foto: Winterliche Rotkohlsuppe | © Issy Croker

Gleich zu Beginn zeigt uns Anna, welche Lebensmittel am häufigsten weggeworfen werden und was man dagegen unternehmen kann. Wenn Gemüse schlapp wird – das kennen wir von Karotten nur allzu gut – reicht es, die weichen Möhren in ein Eisbad zu schupsen. Danach sind sie wieder frisch wie der Morgentau. Zudem plädiert sie dafür, aus Klimagründen lieber auf Avocados zu verzichten.

Weiterhin empfiehlt die Autorin gezielt einzukaufen, einen Plan zu erstellen, was man unter der Woche kochen möchte. Vorher entscheiden, ob man zu einem Angebot greifen will und sich nicht spontan im Supermarkt, dazu verleiten lassen. Sollte am Ende des Kochens doch mehr als gedacht herauskommen, hilft das Einfrieren.

Mein liebstes Kapitel ist „Solo für Gemüse“. Dort bekommen Kartoffeln, Paprika, Erbsen, Brokkoli, Blumenkohl, Tomaten, Karotten, Bohnen, Blattgemüse, Kürbis, Erbsen & Co. ihren ganz großen Auftritt. Einerseits gibt es eine kleine Warenkunde und sie verrät, mit wem Bohnen am liebsten flirten oder welche Partner Paprikaschoten bevorzugen. Andererseits präsentiert die Autorin alltagstaugliche Rezepte, auch raffinierte sind durchaus darunter.

Meine absoluten Lieblinge sind: Winterliche Rotkohlsuppe, Karottensuppe mit Tahini und Rosmarin, Zwiebelkuchen mit Halloumi und Zitrone, Sautierter grüner Spargel mit Zitronen & Körnerkrokant, Grüne Kichererbsen Pfannkuchen – die eignen sich bestens für unterwegs und man kann sie einfrieren. Gebratener Blumenkohl mit Safranbutter hat eine köstliche orientalische Note und zeigt, Blumenkohl kann so viel mehr als nur eine nebensächliche Beilage sein.

Annas Küche ist abwechslungsreich. Ich finde indische Rezepte ebenso asiatische, orientalische und italienische Einschläge. Und alles ohne Fleisch. Da soll nochmal einer sagen, pflanzlicher oder veganer Nahrung fehle es an Pfiff und Würze.

Das Kochbuch eignet sich nicht nur für leidenschaftliche und experimentierfreudige Hobbyköche, man kann es durchaus Anfängern schenken. Vor allem durch den informativen Charakter eignet es sich für das Kind, das gerade zu Hause ausgezogen ist. Oder für die Studentin, die aufs Geld schauen muss. Oder jemanden, der sich mit vegetarischer und veganer Küche beschäftigen möchte. Kürzlich hatte ich eine Kundin, die aufgrund der Erkrankung des Mannes auf Vegetarisch umsteigen wollte. Das war Anna Jones Auftritt. Die Kundin war begeistert. Und ich natürlich auch.

Ich verspreche euch: Ihr werdet mit diesem Kochbuch nie wieder Leichen im Kühlschrank vorfinden. Dafür begeistert in die Hände klatschen und mit den Möhren in der Küche tanzen.

Anna Jones: A Greener Way to Cook. Der einfache Weg, nachhaltig zu kochen, mit 200 vegetarischen und veganen Rezepten. Aus dem Englischen übersetzt von Helmut Ertl und mit Fotos von Issy Croker. Mosaik, 336 Seiten, farbig, Lesebändchen, 24,- €.

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