Bis an die Schmerzgrenze.

Rachel Cusk zählt zu den stärksten weiblichen Stimmen unserer Zeit. Und es lohnt sich wirklich, ihr Werk zu entdecken. Viele ihrer Bücher kreisen um das Thema Mutterschaft, aber man muss nicht unbedingt Mutter sein, um sich mit ihren Romanen anzufreunden. Auch politisch hat sie ihre eigene Meinung und lebt mittlerweile aus Protest gegen den Brexit nicht mehr in England.

Obendrein hat ihr ihre offene und bisweilen radikale Art, über das Muttersein zu schreiben, in ihrem Heimatland viel Kritik eingebracht. Mittlerweile lebt die Autorin in Paris, lernt die neue Sprache und schreibt nach wie vor Bücher mit ihrem ganz eigenen Sound.

Und das ist gut so, verdammt gut sogar. In ihrem aktuellen Buch „Der andere Ort“ bietet sie uns ein Kammerspiel der besonderen Art: Drei Paare kommen im englischen Marschland zusammen. Die Ich-Erzählerin, ihr Mann Tony, die gemeinsame Tochter und deren Freund sowie der Maler L mit seiner Geliebten. Das Ehepaar lädt sich gern und regelmäßig Autoren wie auch andere Kunstschaffende in ihr Cottage ein. In diesem Fall ist der Anlass die langjährige Faszination für den Maler L. Seit sie in Paris seine Bilder gesehen hat, kann die Ich-Erzählerin nicht aufhören, an diesen unbekannten Mann zu denken. Seine Kunstwerke sind so etwas wie eine Offenbarung für die Frau. Aber zunächst ist es kein leichtes Unterfangen, diesen Mann überhaupt zu erwischen: Mal sagt der Künstler zu, dann wieder ab, dann wieder zu. Schließlich kündigt er sein Erscheinen an. Doch L kommt nicht allein, sondern wird von der jungen und attraktiven Brett begleitet. Damit nicht genug – der Maler weigert sich hartnäckig, die Gastgeberin zu porträtieren und entzieht sich ihr geradezu.

© Suhrkamp Verlag.

„Der andere Ort“ versprüht Funken der Reibung, ist unglaublich unterhaltsam, mitunter sehr böse und bis an die Schmerzgrenze schonungslos. Ein Wechselbad der Gefühle. Und Rachel Cusk überrascht in der Geschichte mit verschiedenen Perspektiven des Erzählens. Einerseits richtet sich die Erzählerin an einen gewissen Jeffers, als schreibe sie ihm einen Brief. Andererseits gibt es eine Abfolge von Szenen, die an exzellent getimte Theaterstücke erinnern. Rachel Cusk ist in jedem Fall eine Entdeckung wert, wie sie klug, lebensnah und beeindruckend ehrlich von inneren Dämonen und Lebenslügen erzählt. 

Rachel Cusk: Der andere Ort. Aus dem Englischen übersetzt von Eva Bonné. Suhrkamp, November 2011, 23,- €. Jetzt portofrei bei den Scheller Boyens Buchhandlungen bestellen. Oder ein Exemplar reservieren. Das Buch ist in beiden Filialen vorrätig. Das eBook kostet 19,99 € und ist dort ebenfalls erhältlich.

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