Asche zu Asche.

„Man stelle sich mal vor, man hätte die Superkraft zu wissen, was ein anderer dachte – was für eine furchtbare Aussicht. Und versuchen wir nicht alle trotzdem nachzuempfinden, wie es wäre, jemand anderer zu sein, weil wir uns andernfalls in Soziopathen verwandeln würden?“

Interessante und nachdenklich stimmende Zeilen. Davon gibt es einige in Doug Johnstones Buch „Eingeäschert“. Für mich zählt dieser ungewöhnliche Kriminalroman bereits jetzt zu den Krimi-Highlights in diesem Jahr.

Bereits der erste Satz hat eine ungeheure Wucht: „Ihr Vater benötigte viel länger als erwartet, zu verbrennen.“ Das Familienoberhaupt Jim Skelf ist verstorben, seines Zeichens selbst Bestattungsunternehmer. Und er wollte partout keine gewöhnliche Beerdigung. Ein Wunsch, dem ihm drei Frauen gern erfüllen: seine Ehefrau Dorothy, Tochter Jenny und Enkelin Hannah.

Wenig später entdeckt Dorothy auf einem Kontoauszug mysteriöse Zahlungen. Ein bestimmter Betrag, den Jim regelmäßig einer anderen Person überwiesen hat. Seine Frau findet heraus, dass das Geld der Frau eines seit Jahren verschwundenen Mitarbeiters zugute kam. Damit nicht genug der Aufregungen. Denn plötzlich ist Hannahs Mitbewohnerin Mel verschwunden – sie taucht einfach nicht mehr in der gemeinsamen WG auf. So nehmen die drei Frauen ihre Ermittlungsarbeit auf, schließlich war der verstorbene Jim nicht nur Bestatter, sondern unterhielt auch noch eine Privatdetektei.

Welch eine irrwitzige Story! Und sie ist trotz der düsteren Grundstimmung wohltuend warmherzig erzählt. Bisweilen hat sie mich an die herausragende und mehrfach ausgezeichnete Serie „Six Feet Under“ erinnert. So ist „Eingeäschert“ viel mehr als nur ein gewöhnlicher Krimi, fast schon ein vielschichtiger Familienroman.

Doug Johnstone schreibt aus der Sicht der Frauen, und er tut dies offen, schonungslos und verdammt gut. Da wundert es nicht, dass der schottische Autor mit seinem Buch auf der Longlist für den „Theakston Crime Novel of the Year“ stand. Verdient hätte er den Preis in jedem Fall!

Erschienen ist das Buch im unabhängigen Polar Verlag, der dafür bekannt ist, außergewöhnliche Krimis jenseits des Mainstreams zu publizieren.

Doug Johnstone: Eingeäschert. Aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Bürger. Polar, 2022, 424 Seiten, 25,- €. Jetzt portofrei bei Scheller Boyens Buchhandlungen bestellen oder das Buch reservieren lassen. Das eBook kostet 20,99 € und ist dort ebenfalls erhältlich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s