Ist es wirklich Liebe?

Eigentlich halte ich nicht viel vom Valentinstag. Sollte man die Liebe nicht jeden Tag feiern? Und dankbar sein, dass man den Liebsten oder die beste Freundin unter all den vielen Menschen da draußen gefunden hat? Einen Menschen, der einen so nimmt, wie man ist. Aber keine Regel ohne Ausnahme, und so möchte ich heute möchte ich eine Ausnahme machen und zu diesem Tag der Liebe ein Buch über eine ganz besondere Liebe vorstellen: Unser wirkliches Leben von Imogen Crimp.

Es ist eine nicht alltägliche Liebe, denn es geht um zwei Menschen, die sich gefunden haben, aber das Wort Liebe vermeiden.  Die Story erinnert an ein modernes Aschenbrödel: Anna hat nicht viel Geld, lebt mit ihrer Freundin in einer schmuddeligen und ungemütlichen Wohngemeinschaft in London. Sie studiert Operngesang und verdient sich abends in einem Jazzclub Geld dazu. Der wohlhabende Banker Max ist Gast in dem Club, wird auf die außergewöhnliche Stimme aufmerksam und spricht Anna eines Abends tatsächlich an. Zunächst herrscht Funkstille, doch schon bald findet das erste Date statt. Und es bleibt nicht ohne Folgen, irgendetwas passiert da zwischen den beiden. Max hat sich von seiner Frau getrennt und will einfach nur seinen Spaß, keine verbindliche Beziehung. Und Anna, was will sie?  

Unser wirkliches Leben ist ein spannendes Buch, in dem es mächtig knistert. Die feinen Nadelstiche spüre ich immer noch. Die Autorin reflektiert aber nicht nur das bekannte Katz- und Mausspiel zwischen Frau und Mann, sie beleuchtet auch existentielle Themen in einem London, dass sich Normalsterbliche kaum noch leisten können. So erzählt Imogen Crimp von einer jungen Frau und ihrem Traum, Opernsängerin zu werden. Und von den Hindernissen, die sich ihrem Wunsch in den Weg stellen. Es ist ein vielschichtiges Werk, in dem es neben der Liebe auch um Abhängigkeit, Freundschaft und die großen Fragen eines jungen Lebens geht.

Ich fühlte mich ein bisschen an »Was wir sind« von Anna Hope erinnert, auch ein Werk, das bei Hanser erschienen ist. Zahlreiche kluge Dialoge geben dem Buch eine wunderbare Tiefe und verleihen dem Roman einen nachhallenden, eigenen Sound.

Ein Liebesroman, wie ich ihn liebe. Und der natürlich an jedem Tag des Jahres gelesen werden kann. Aber heute, ja heute, liest er sich ganz besonders gut.

Imogen Crimp: Aus dem Englischen übersetzt von Margarita Ruppel. hanserblau, 14. Februar 2022, 464 Seiten, gebunden, 22,- €.

4 Gedanken zu „Ist es wirklich Liebe?

    1. Klappentexterin Autor

      Lieber Klausbernd,
      bevor die Woche ganz um ist, möchte ich noch schnell auf die Insel blicken und euch viele Grüße rüberschicken. Ihr werdet das Buch ja sicherlich im Original lesen. Ich bin gespannt auf eure Eindrücke.

      Schönes Wochenende und viele Grüße
      Klappentexterin

      Gefällt 1 Person

      Antwort

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