Freude².

Foto von Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

J. Courtney Sullivan und Jami Attenberg begleiten mich schon längere Zeit während meiner Reise durch die Welt der guten Literatur. Beide sind sogar auf ihre Art miteinander verbunden, aber dazu später mehr. In jedem Fall nehme ich dies zum Anlass, die in diesem Herbst neu erschienenen Bücher der beiden Autorinnn zusammen auf den Blog zu besprechen. Doppelte Freude sozusagen! 

Fremd und doch vertraut. 

»J. Courtney Sullivan ist eine außergewöhnliche begabte Autorin und „Fremde Freundin“ ist ihr bisher berührenderes Buch.« Meg Wolitzer findet für den aktuellen Roman von J. Courtney Sullivan nur lobende Worte. Und im Nachwort entdecke ich eine Danksagung von Sullivan an Jami Attenberg. Wie der Zufall es will, sind alle drei Autorinnen absolute Lieblingsautorinnen von mir. Aber wir wissen ja, dass es keine Zufälle gibt. 

Die Klappentexterin kann sich Meg Wolitzer nur anschließen: „Fremde Freundin“ habe ich von der ersten bis zur letzten Seite mit Begeisterung gelesen. Die amerikanische Schriftstellerin erzählt vom Leben zweier unterschiedlicher Frauen, übrigens auch aus unterschiedlichen Erzählperspektiven. Elisabeth ist Autorin und frischgebackene Mutter. Zusammen mit ihrem Mann hat sie New York den Rücken gekehrt und will in der Provinz versuchen, ein neues Buch zu schreiben. Um die nötige Ruhe zu haben, braucht sie eine Babysitterin. Und findet sie in Sam, einer Studentin der Kunstgeschichte. Der Freund von Sam lebt in England, und sie möchte ihn eines Tages heiraten. Als Elisabeth Sam einstellt, findet sie nicht nur mehr Freiheit zum Schreiben, sondern obendrein gleich noch eine neue und geistreiche Freundin. Ob das gutgehen wird? Immerhin stammen sie aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und es trennt sie ein erheblicher Altersunterschied.   

J. Courtney Sullivan erweist sich erneut als einfühlsame Autorin. Wenn ich ihre Bücher empfehle, sage ich stets: »Die Autorin fühlt sich wie ein Seismograph perfekt in jede Frau hinein – egal, welchen Alters.« So ergeht es mir auch dieses Mal mit Elisabeth und Sam. Sullivans Romane unterhalten auf eindringliche Art und hinterlassen eine bleibende und wärmende Stimmung. Mehr noch: In ihren Geschichten fühle ich mich so wohl, als säße meine beste Freundin neben mir. Also ganz genauso wie bei Meg Wolitzer und Jami Attenberg.

J. Courtney Sullivan: Fremde Freundin. Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea O’Brien und Jan Schönherr. Zsolnay, Juli 2021, 528 Seiten, 24,- €.

***

Franzen für Frauen. 

Alle reden in der Literaturwelt gerade über Jonathan Franzen. Nichts dagegen, aber ich entscheide mich lieber für Jami Attenberg und ihren neuen Roman. Denn dieser ist mindestens so gelungen wie der des Großmeisters.

Bei Attenberg beginnt die Geschichte mit einem Herzinfarkt des Familienoberhauptes Victor Tuchman. Er liegt bewusstlos im Krankenhaus, um ihn herum stehen abwechselnd seine Frau Barbra, seine Tochter Alex und Schwiegertochter Twyla. In verschiedenen Erzählperspektiven erfahre ich mehr über die vermeintlichen Nebenfiguren, die schnell zu Hauptpersonen werden.  

Wie bei „Die Middlesteins“ habe ich jede Seite genossen. Ich liebe Attenbergs klugen Witz, der dunkle Passagen auf wunderbar leichte Art aushebelt. So liest sich der Roman ungemein erfrischend und berührt gleichermaßen. Dabei taucht die Autorin tief in den verletzten Seelen ihrer Figuren ein. Allesamt hatten sie unter dem brutalen Patriarchen Victor viel, manchmal zu viel, auszuhalten. Alex beispielsweise spürt eine ungeheure Wut, denn sie will, dass ihre Mutter endlich alles offenbart, was ihr angetan wurde. Ihrem Bruder sagt sie dazu: »Wenn ich weiß, warum sie so sind, wie sie sind, erfahre ich vielleicht, warum ich so bin, wie ich bin.« Nun, es ist ein offenes Geheimnis, dass Victor kriminell war und Frau wie Kinder geschlagen hat. 

Was hielt ihre Mutter nur davon ab, sich von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen? Gary dagegen versteht den Ansatz seiner Schwester nicht, er bleibt dem ganzen Familiendrama lieber fern. Und Barbra? Die lässt sich nicht in die Karten schauen und versteckt sich hinter ihren diversen schrägen Ticks.  

Unter dem Strich also ein opulenter Familienroman, der es nicht nur mit Franzen aufnehmen kann, sondern aus seiner ganz eigenen weiblichen Sicht der Dinge in meinen Augen besonders punktet. Oder kurz gesagt: Franzen für literaturbegeisterte Frauen.

Jami Attenberg: Ist alles deins ,Aus dem Englischen von Barbara Christ. Schöffling & Co., Juli 2021, 320 Seiten, 24,- €.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s