Von Einstein, einer italienischen Kriegerin und dem dreisilbigen Konstantin.

Pünktlich mit einem Tag Verspätung werden wir heute die Antworten der drei Gewinner veröffentlichen, die an unserem kleinen Proust-Wettbewerb teilgenommen haben. 

Vielleicht dienen sie ja dem Einen oder Anderen unter euch als Inspiration oder ihr bekommt Lust, den Fragebogen einfach für euch selbst auszufüllen. Denkbar wäre auch, den nächsten Spieleabend anders zu gestalten und Freunde zu bitten, den Fragebogen auszufüllen. Ich glaube, Proust wäre das sehr recht, auch im 21. Jahrhundert bei Gesellschaften noch für Gesprächsstoff zu sorgen. 

Beginnen wir mit Klausbernd, der das Proust-ABC gewonnen hat: 

Ihre bevorzugte Tugend:  
Ordnung und Systematik. 

Welche Untugend verachten Sie am meisten? 
Eingebildetsein, Ignoranz. 

Der wesentliche Aspekt Ihrer Persönlichkeit: 
Intellektualität. 

Welchen Vornamen hätten Sie gewählt, wenn Sie die Wahl gehabt hätten?  
Felix. 

Mein größter Fehler:  
Elitär zu sein. 

Meine Lieblingsbeschäftigung: 
Lesen. 

Mein Traum vom Glück: 
Gesundheit bis zum Tod ohne Leiden.  

Was wäre mein größtes Unglück? 
Wenn meine geliebte Partnerin stürbe. 

Wer ich gern wäre:  
Einstein. 

Das Land, in dem ich am liebsten leben würde:  
Schweden. 

Welches sind Ihrer Meinung nach die Meisterwerke der Natur?  
Das Meer. 

Meine bevorzugten Prosa-Autoren:  
Thomas Mann, Ishiguro, McEwan. 

Meine bevorzugten Poeten: 
Bert Brecht, Rilke. 

***

Hier die Antworten von Celina, die das Notizbuch Tage des Lesens gewonnen hat: 

Ihre bevorzugte Tugend:  
Gerechtigkeit und Treue. 

Welche Untugend verachten Sie am meisten?  
Respektlosigkeit. 

Der wesentliche Aspekt Ihrer Persönlichkeit:  
Meine Empathie und Hilfsbereitschaft, die mich bei allen Entscheidungen leiten. 

Welchen Vornamen hätten Sie gewählt, wenn Sie die Wahl gehabt hätten?
Marcelina, die vollständige italienische Version meines Namens. Übersetzt: die Kriegerische. 

Mein größter Fehler:  
Keiner, denn alles ist so gekommen wie es sein sollte. Fehler gehören dazu, aus ihnen habe ich gelernt.   

Meine Lieblingsbeschäftigung:  
Lesen und wandern. 

Mein Traum vom Glück:  
Ein eigenes Haus mit Bibliothek, Freiheit zu denken.  

Was wäre mein größtes Unglück?  
Der Verlust meiner kleinen Familie. 

Wer ich gern wäre:  
Niemand anderes außer ich. 

Das Land, in dem ich am liebsten leben würde:  
Österreich oder Schottland. 

Welches sind Ihrer Meinung nach die Meisterwerke der Natur?  
Die Berge, ihre Gewaltigkeit und Stille. Die Freiheit auf der Spitze über der Welt. Der Ausblick auf unsere einmalige Natur. 

Meine bevorzugten Prosa-Autoren:  
Benedict Wells. 

Meine bevorzugten Poeten:  
Rupi Kaur. 

***

Zu guter Letzt Benjamin, der das Notizbuch Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gewonnen hat: 

Ihre bevorzugte Tugend: 
Offenheit, denn sie ist es, die meistens zur Gerechtigkeit führt. 

Welche Untugend verachten Sie am meisten?  
Die größte Untugend ist der zersetzende Selbstzweifel. Es ist verachtenswert, vor sich selbst zu kapitulieren. 

Der wesentliche Aspekt Ihrer Persönlichkeit:  
Der Versuch möglichst empathisch zu sein. 

Welchen Vornamen hätten Sie gewählt, wenn Sie die Wahl gehabt hätten?  
Konstantin, denn Namen mit drei Silben sind doch einfach nur schön. 

Mein größter Fehler:  
Ein einmal gefälltes Urteil ist dann allerdings doch nur schwer zu korrigieren. 

Meine Lieblingsbeschäftigung:  
Fußnoten setzen. Es gibt nichts Schöneres, als am Ende einer Argumentation eine Fußnote zu setzen. 

Mein Traum vom Glück:  
Es annehmen, wenn es kommt, und es gehen lassen, wenn es aufbrechen möchte. 

Was wäre mein größtes Unglück?  
Gewissheit zu haben. Es gibt nichts, was ich mehr fürchte als die Langeweile. Man stelle sich einmal vor, alles sei gewiss und sicher, das wäre das größte Unglück! 

Wer ich gern wäre:  
Ich bin eigentlich gerne ich. Was soll man darauf schon antworten? Ach, ich weiß: Kleopatra oder so. Moment, warum so groß und ach so lange tot: Wie wäre es mit einem Bootsbauer an der Flensburger Förde oder einem Winzer mit sonnigen Reb-Terrassen in Rheinhessen? Die Frage ist eigentlich doch gar nicht so schlecht… Es würde viele Variationen von mir geben können. 

Das Land, in dem ich am liebsten leben würde: 
Entweder in der Mitte von Amsterdam, also in den Niederlanden, oder in einer schmalen Seitengasse Prags, d.h. wohl Tschechien, wenn ich mich nicht gewaltig irre… 😉 

Welches sind Ihrer Meinung nach die Meisterwerke der Natur?  
Die urgewaltigen Meere, die reißenden Ströme, die quicklebendigen Flüsse, die plätschernden Bäche und die trägen Rinnsale. 

Meine bevorzugten Prosa-Autoren:  
Senator Thomas Budden… äh Mann, Ernst „Marmorklippen“ Jünger, jedoch auch Franz Samsa. Im Proust-Fragebogen ihn selbst nennen? Ja, auch er gehört an diese Stelle. 

Meine bevorzugten Poeten:  
Die Sappho der Gedicht-Fragmente, der Stefan George der dunkelsten Stellen, der Jan Wagner der lichtesten Glanzlichter und natürlich das lyrische Werk Peter Jokostras (Vor allem das Gedicht „Bei Proust“ in Jokostras Gedichtband Magische Straße). 

***

Danke noch einmal an alle Teilnehmer! Abgeschlossen ist das Proust-Jahr bei uns noch lange nicht, schließlich folgt noch ein längerer Text von Herrn Klappentexter mit Gedanken und Anmerkungen zur Gesamtausgabe der Recherche. Auf bald im Proust-Universum! 

Wenn ihr mehr über den Fragebogen erfahren wollt, hier ein Tipp: Der unabhängige Schweizer Kampa Verlag wird am 14. Oktober ein Buch zu genau diesem Thema herausbringen: DER PROUST FRAGEBOGEN – Ein literarisches Gästebuch. Mit einem Nachwort von Céleste Blum.

4 Gedanken zu „Von Einstein, einer italienischen Kriegerin und dem dreisilbigen Konstantin.

  1. Florian B.

    Danke für diese interessanten Einblicke – und für den Hinweis auf das Buch am Ende, welches mich wirklich interessiert! Ich nehme den Beitrag zum Anlass, den Fragebogen auf meinem Blog ebenfalls zu beantworten, und hoffe, das ist in Ordnung für euch!

    Gefällt 1 Person

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