Reisen mit Herrn Unseld.

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»Reiseberichte« von Siegfried Unseld. Lesebericht von Herrn Klappentexter. Allgemeines: Reisen im Kopf einmal um die ganze Literaturwelt.

Teilnehmer: Nur die hochkarätigsten der sowieso schon hochkarätigen Autoren des Suhrkamp-Verlages. Dazu bekannte bis berühmte Personen aus Kultur, Gesellschaft und Politik. Unseld traf Legenden noch zu Lebzeiten.

Vorsprechen bei Helene Weigel wg der Rechte an Brecht. Schwieriges, sehr schwieriges Thema. Taucht immer wieder auf. Letzte Besuche bei Hesse in seinem Paradiesgarten im Tessin. Dann die Beerdigung. Berührend, fünfundachtzig rote Rosen vom Verlag „für den Freund und Autor“. Überhaupt: Unseld ist ein mitfühlender Mensch, selten in der Branche. Heute fast undenkbar.

Ebenso das Fräulein in der Anrede. Wirkt heute galant. Aber er war ja auch Jaguar-Fahrer. Als das noch elegante Ikonen waren. Und man mit dem 12-Zylinder zur Apotheke gefahren ist, wie Raddatz. Tempi passati. Würde Raddatz sagen. Der war aber nicht bei Suhrkamp.

Weiter, weiter! New York, Tokyo, Paris. Berlin, klar. Und die Bachmann in Rom, wo sonst? Malina noch bei Piper? Immerhin das Lektorat bei Suhrkamp, ein Fuß ist in der Tür. Für nächsten März wird das Manuskript Todesarten I erwartet. Sensationstitel. Dunkle Vorahnungen.

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Foto: Siegfried Unseld, die Verlegerikone. © Chr. Höhn/Suhrkamp Verlag.

Und immer wieder New York. Eine Verlagsvertretung muss her. Dringend! Und Frisch treffen. Frisch ist eine Primadonna, nachtragend und unersättlich. Thomas Bernhard natürlich auch. Handke sowieso. Der tendenziell schwierige Johnson dagegen fast umgänglich. Fast.

Dann das: Samuel Beckett, dieser Weltschriftsteller, ein freundlicher Herr! Unseld staunt. Und resigniert im Jahr 1971. Keine Freundschaft zwischen Autor und Verleger möglich. Nicht mit diesen schwierigen Patienten, wie MRR einige der beschriebenen Autoren nannte. Rettungsmittel für Unseld: Arbeit. Nicht Liebe.

Macht natürlich aus Leidenschaft zur Literatur immer weiter. Einer der letzten Reiseberichte wieder ein Begräbnis. Hermann Lenz in München. Alle da: Handke, Maier, Krüger. Mozart von der Kassette. Ein Unseld-Gedanke: „Warum sterben immer die liebenswerten Autoren?“ Also doch, die Liebe. Noch schnell zum Grab von Koeppen.

Durchschlag an: Frau Klappentexterin.

MfG, Hr. K.

Siegfried Unseld: Reiseberichte. Herausgegeben von Raimund Fellinger. Bibliothek Suhrkamp, Juni 2020, 378 Seiten, gebunden, 26,- €.

Ein Gedanke zu „Reisen mit Herrn Unseld.

  1. s.unds.herbst.buesum@t-online.de

    Guten Morgen, Herr Klappentexter, danke für diesen Bericht zur Suhrkamp-Unseld-Literatur-Zeit.! Das ist auch ein Stück Erinnerung an meine Buchhändler- und Lebensjahre. Meine Kolleginnen in meiner Ausbildungsfirma (1961 – 1964) haben ihn noch als Verteter erlebt, da war das Titelangebot noch überschaubar und Suhrkamp war einer meiner Favoriten, die Bibliothek und der Beginn der Edition mit Brechts Galilei und, und.. Bin gespannt auf die Lektüre. Liebe Grüße auch an Frau Kappentexterin Silke Herbst

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