Zur Sache, Bücher! Das Geschenke-Spezial.

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Selbstverständlich empfehlen wir auf unserem Blog auch in diesem Jahr wieder Bücher, die sich wunderbar als Geschenk eignen. Für wen auch immer, in jedem Fall haben sie uns außerordentlich gefallen und werden jedem wärmstens ans zum Schenken bereite Herz gelegt. Herr Klappentexter startet heute mit Sachbüchern. Los geht´s!

 

Erich Follath – Siddhartas letztes Geheimnis

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Wer einmal den Buddhismus für sich als Teil einer gewissen Lebensethik entdeckt hat, dem öffnet sich tatsächlich eine schier unerschöpfliche Quelle von Schriften. Alten wie neuen. Eine neue ist dieses lesenswerte Buch des früheren Spiegel-Autors Erich Follath. Darin beschreibt er, wie im Mittelalter der Mönch Xuanzang von China nach Indien aufbrach, um sich zu den Geburtsstätten des Buddhismus zu begeben, auf der Suche nach Originalmanuskripten, nach der reinen Lehre. Es ist die Geschichte einer im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerlichen, dramatischen und beschwerlichen Reise. Einer Reise, die auch dem Leser spannende und teils neue Einblicke in die Lehre Buddhas beschert.

erich_follath_und_dalai_lamaUnd Follath selbst? Der begibt sich ein paar hundert Jahre nach Xuanzang auf den selben Weg vom heutigen China, in dem buddhistische Stätten oft in Disneyland-Manier aufgehübscht werden, und das sich immer mehr in einen totalitären Überwachungsstaat entwickelt in ein Indien, das einerseits noch im Mittelalter stecken geblieben scheint, andererseits zu einer der führenden IT-Nationen aufgestiegen ist. Wie sehen die alten Stätten heute aus? Wie wird der Buddhismus noch gelebt, wenn überhaupt? Interessante Fragen, die dieses informative und nie langatmige Buch mit detailreichen Schilderungen beantwortet. Follath trifft auch auf Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen selbst auf die Suche gemacht haben. Wie der Geschichtslehrer aus Kanada, der nicht mehr glücklich ist mit den Prioritäten des Lebens im Westen. Mit dem Rattenrennen um Beförderungen und dem kruden Materialismus. In diesem Sinne: Schenkt nichts Überflüssiges, keinen Schnickschnack, schenkt euch oder anderen dieses gehaltvolle Buch.

Erich Follath: Siddhartas letztes Geheimnis. Eine Reise über die Seidenstraße zu den Quellen des Buddhismus. DVA, August 2018, 384 Seiten, 24,- €.

Stephen Hawking – Kurze Antworten auf große Fragen

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Das Leben von Stephen Hawking ist der beste Beweis dafür, nie, wirklich nie und nimmer aufzugeben, selbst wenn die Lage aussichtslos erscheint. Nun ist er in diesem Jahr nach viel, viel mehr als ihm von seinen Ärzten zugestandenen Lebensjahren von uns gegangen und hat ein Vermächtnis hinterlassen. Kurze Antworten auf große Fragen klingt nicht nur vielversprechend, sondern ist es auch. Ja, große Fragen, das klingt zunächst sehr mächtig, nahezu einschüchternd und ein wenig Angst einflößend. Was, wenn die Antworten nicht so ausfallen, wie ich sie mir wünsche? Es geht schon groß, sehr groß los. Die erste Frage lautet: „Gibt es einen Gott?“ Oh, mein Gott! Aber aufgepasst, wir haben es hier nicht mit einem dieser Erkläronkels aus dem Fernsehen zu tun, Stephen Hawking war unfassbar intelligent, ein Genie.

Insofern sind seine Antworten auch keine Lösungen, gar Anleitungen für ein besseres Leben oder anderen Dingen, die einem ja nur noch mehr in die Arme der Angst und der Unsicherheit treiben. Nein, Hawking erklärt und gibt Denkanstöße, wohl wissend, dass es selten absolute Antworten geben kann. Werden wir auf der Erde überleben? Nun, Hawking war ja auch da der Meinung, dass eigentlich noch ein paar Milliarden Jahre bleiben, bis uns das Sonnenlicht ausgeht. Einerseits. Andererseits werden wir Menschen nicht die Kraft haben, die Sonne in die Luft zu jagen, aber durchaus in der Lage sein, unser Dasein auf dem Planeten Erde durch hausgemachte Dummheiten deutlich zu verkürzen.

Aber laut Hawking gibt es durchaus Hoffnung: „Hamlet hat also vollkommen recht. Wir können in eine Nussschale eingesperrt sein und uns trotzdem für die Könige eines unermesslichen Raumes halten.“ Ja, dieses Buch ist bereits ein Bestseller. Aber wenn es zu Weihnachten ein Bestseller sein soll, dann nehmt nur diesen. Kein anderer bietet soviel Erkenntnis auf so kleinem Raum. Kurz und doch groß.

Stephen Hawking: Kurze Antworten auf große Fragen. Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Held und Hainer Kober. Klett Cotta, November 2018, 255 Seiten, 20,- €.

Charles Darwin – Der Ursprung der Arten

charles_Darwin_der_ursprung_der_arten_coverGut, Weihnachten hat einen christlichen Ursprung. Vergisst man ja manchmal, bei all dem Konsumwahnsinn in diesen Zeiten. Und man vergisst auch gern, dass es noch reichlich Christen gibt, die an die reine Schöpfungslehre und die Unveränderlichkeit der Arten glauben. Das ist ihr gutes Recht, denn wir leben glücklicherweise in einem freien Land. Allerdings möchte ich mit Der Ursprung der Arten ein epochales Werk empfehlen, das ein wenig im Widerspruch zur göttlichen Schöpfung steht. Um nicht zu sagen: Es widerlegt sie. Und zwar auf eine ungemein spannende und extrem lesenswerte Art und Weise. Als Charles Darwin 1836 von seiner abenteuerlichen Weltreise zurückkehrte, war ihm längst klar geworden, dass die Natur sich nur allmählich hat entwickeln können und dass sämtliche Lebewesen einen einzigen, gemeinsamen Ursprung haben. Als sein Standardwerk 1859 zum ersten Mal erscheint, ist es eine Sensation und sofort vergriffen.

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Darwin wird zum Star der damaligen Wissenschaft und Begründer der Evolutionstheorie. Aber Zeit seines Lebens wird er sich immer wieder gegen erbitterten Widerstand und Ignoranz zur Wehr setzen müssen. Wogegen er sich nicht mehr zur Wehr setzen konnte, war die Vereinnahmung durch die unterschiedlichsten Kreise, aus denen so hässlich Begriffe wie Sozial-Darwinismus oder Natürliche Selektion entstanden bzw. missbraucht wurden. So werfen wir nun einfach einen klaren Blick auf diese fulminante Neuausgabe, der ersten kompletten Neuübersetzung seit 100 Jahren. Ein opulent gestaltetes Buch mit zahlreichen Illustrationen, das obendrein in einem großartig gestalteten Schuber steckt. Darwin selbst hat es sich mit seiner Theorie nie leicht gemacht, was bereits an der langen Zeitspanne von seiner Rückkehr bis zur ersten Veröffentlichung zu sehen ist. Und selbst die kam ihm eigentlich noch zu früh: „Meine Arbeit ist nun (1859) nahezu beendet. Doch da es noch viele weitere Jahre dauern wird, bis ich sie ganz abgeschlossen habe, und da ich gesundheitlich keineswegs stabil bin, wurde ich gedrängt, diesen Abriss zu veröffentlichen.“ Der wohl wichtigste Abriss einer naturwissenschaftlichen Arbeit, die je unser Denken und unsere Sicht auf die Welt revolutioniert hat. Und wenn man sich die Abstammung des Menschen einmal genauer vor Augen führt und dann nur ein ganz klein wenig evolutionstechnisch denkt beim Anblick dieser rachsüchtigen Reptilien und bellenden Bullterrier auf zwei Beinen in den Nachrichten, dann fragt man sich, ob Darwin nicht in einer dunklen Stunde vielleicht eine Ahnung überkam, eine Furcht, dass speziell unsere Spezies sich zurückentwickeln könnte. Aber noch ist das Abendland nicht untergegangen, noch lohnt es sich, sich in dieses einmalige Bildungswerk zu vertiefen.

Charles Darwin: Der Ursprung der Arten. Aus dem Englischen übersetzt von Eike Schönfeld. Klett Cotta, Oktober 2018, 612 Seiten, in einem Schuber, Fadenheftung, Leineneinbändchen mit zahlreichen Illustrationen, 48,- €.

 

Alberto Manguel – Sehnsucht Utopie

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Utopien sind eine feine Sache, auch wenn sie selten Wirklichkeit werden. Dazu sind die realen Kräfte einer auf Gewinnmaximierung und Selbstoptimierung ausgerichteten Gesellschaft leider zu stark. Waren sie schon immer und sind es – obwohl wir es ja eigentlich besser wissen müssten, was wirklich glücklich macht – immer noch. Sei´s drum, wir geben nicht auf. Und Alberto Manguel schon gar nicht, dieser Magier der Sprache, dieser Sammler von klugen Momenten der menschlichen Schaffenskraft, dies es ja durchaus gibt. Das hat er bereits eindrucksvoll mit Eine Geschichte des Lesens bewiesen, die ich zum Welttag des Buches vorgestellt habe. Sozusagen zum Welttag des Schenkens möchte ich Sehnsucht Utopie empfehlen, eine Reise durch 500 Jahre utopische Literatur.

alberto_manguel_utopie_innenIm Vorwort schreibt Manguel treffend: „Wie Dante wusste, haben wir uns immer, überall und zu jeder Zeit ausgemalt, dass ein besserer Ort existiert.“ Das gelobte Land. Und dabei zählt weniger, ob wir dieses Land, diesen magischen, utopischen Ort wirklich erreichen. Nein, es zählt unsere Überzeugung, dass es ihn gibt. Alles beginnt mit Thomas Morus, einem gar nicht mal so heiligen Heiligen der römisch-katholischen Kirche, der während einer Reise nach Flandern sich einen nicht näher zu benennenden Ort, ein u-topos, erträumte. Eine Gesellschaft ohne religiöse Zwänge, ohne Privateigentum und mit freier Bildung für alle, Männer wie Frauen. 1516! Ob Lenin jemals Thomas Morus gelesen hat? Das Buch schließt am Ende des 20. Jahrhunderts, mit einem skurrilen Aufnahmeantrag an die UNO für ein Land namens Nutopia. Ein Land ohne Grenzen, ohne Pässe und mit einer Hymne, die aus drei Sekunden Stille besteht. Einzige Bürger dieses Landes seinerzeit: Yoko Ono und John Lennon. Image, there´s no countries…nothing to kill or die for… Imagine, there´s no Trump and no Merz. Wunderbar, oder? Genauso wunderbar, wie dieses im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Werk.

Ich schließe mit dem ebenfalls legendären Weihnachtsgruß von John & Yoko: War ist over – if YOU want it!

Alberto Manguel: Sehnsucht Utopie – Eine Reise durch fünf Jahrhunderte. Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Folio, September 2018, 104 Seiten, mit Illustrationen und Leseband, 32,- €.

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