Meisterhaft, auch ohne Meister.

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Wer auf der Suche ist, oft ja nach Antworten, oder in Sorge, oft in Hinblick auf das Morgen, und Sehnsucht nach Seelenfrieden verspürt, der könnte eines Tages auf die Zen-Kultur stoßen. Oft auch Zen-Buddhismus genannt. Oder einfach Zen. Und nichts ist so einfach und schwierig zugleich wie Zen.

Frenk Meeuwsen
Frenk Meeuwsen (Foto: privat)

Der niederländische Zeichner Frenk Meeuwsen begann schon recht früh in seinem Leben, sich Fragen zu stellen. Bereits als Teenager beschäftigen ihn die großen Themen wie Leben und Tod, wie Rache und das Anhaften an Dingen. Schon als junger Mann ließ er sich den Kopf scheren, was damals höchstens bei akutem Läusebefall oder Skinheads üblich war. Beides gesellschaftlich eher problematisch.

Die Graphic Novel Zen ohne Meister ist sozusagen seine Geschichte, die Geschichte seiner Suche und letztendlich des Findens eines für ihn gangbaren Weges. Dabei lernte Frenk früh, dass Beharrlichkeit und Geduld wichtig sind, wenn man sich mit spirituellen Dingen beschäftigt. Keine Erkenntnis kommt schnell und bleibt vor allem nicht ewig in einem Dasein, das die Menschen stets und immer wieder mit neuen Entwicklungen überrascht.

Nichts bleibt, wie es ist. Sei es nun der sadistische Mitschüler, der die Katze von Frenk vergiftet und dem seine Vorliebe für gefährliche Situationen selbst zum Verhängnis wird. Oder sein Vater, dessen nachlassende Kraft und Gesundheit Synonym für das Werden und Vergehen sind, die Vergänglichkeit von allem.

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© Frank Meeuwsen / avant-verlag (2)

Zentraler Bestandteil der Geschichte ist die Tatsache, dass der Autor seinen Weg ohne einen Meister geht. Zen-Meister haben ja einen legendären Ruf, der allerdings auch zweifelhafter Natur sein kann. So erzählt Frenk die amüsante aber auch entlarvende Anekdote über einen Zen-Meister, der die gesamte New Yorker Society genarrt und sich am Ende als ein alkoholkranker und sexistischer Scharlatan entpuppt hat. Oder Ayoshi, der eigentlich Jan heißt und damit angibt, bei berühmten Meistern gelernt zu haben.

Frenk geht es nicht um derartige Oberflächlichkeiten, jegliches Gepose ist ihm fremd. Er will sich auf das Wesentliche reduzieren. Was ja auch bedeuten kann, den Meister wegzulassen. Das kann mit viel geistiger Disziplin gelingen. Man kann zum Beispiel beim Klatschen eine Hand weglassen und sich die Frage stellen: Was für ein Geräusch macht eine klatschende Hand? Spannende Frage, oder?

Sehr eindrücklich auch die Schilderung seiner Zeit in Japan. Wir begleiten ihn in den berühmtesten Zen-Garten Japans und nach Kyoto, wo er sich ein winziges Apartment gemietet hat. Aber selbst in dieser Zentrale der Zen-Kultur muss man seine Inseln der Ruhe suchen in einem Japan, das wie jedes andere moderne Land einen erheblichen Lärmpegel produziert. Der dramatische Höhepunkt seines Nippon-Aufenthaltes ist sicher das große Erdbeben 1995 in Kobe, das Frenk miterlebt, als er am Morgen des Bebens in der Stadt ankommt. Und auch noch den tragischen Tod eines Freundes verkraften muss.

Getreu der Zen-Ästhetik, die ja Schlichtheit propagiert, die Abwesenheit von allem Überflüssigen, ist auch diese gehaltvolle, fast dreihundert Seiten starke Graphic-Novel in minimalistischem und wohltuendem Schwarz-weiß gehalten.

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Frenk Meeuwsen bleibt sich treu, ist authentisch. Und er lebt, was den Geist von Zen ausmacht: die Achtsamkeit. Es ist gar nicht so wichtig, was man tut, sondern, wie man es tut. Mit größtmöglicher Achtsamkeit den Dingen und den Menschen gegenüber. Wofür es noch ein anderes Wort gibt: Qualität. Ein Wort, das wir auch in dem Klassiker Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten von Robert M. Pirsig finden, den Frenk selbstverständlich gelesen hat. Qualität ist das Gegenteil von Gedankenlosigkeit, das Gegenteil von digitaler Hektik. Qualität ist Zen. Und das kann jeder von uns auch ohne Meister leben. Jederzeit. Jetzt. Dieses Buch ist ein exzellenter Einstieg. Ikiro!

Frenk Meeuwsen: Zen ohne Meister. Aus dem Niederländischen übersetzt von Katrin Herzberg. Lettering & Produktion: Tinet Elmgren. avant Verlag, 2017, 286 Seiten, 26,- €.

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