Eine warme Suppe hilft immer.

Tagtäglich erreichen uns neue Schreckensbilder aus Syrien. Vor allem Zivilisten und Kinder sind die großen Leidtragenden in diesem nicht enden wollenden Konflikt. Zwölf Millionen Syrer sind seit dem Beginn des Bürgerkrieges auf der Flucht, um in anderen Ländern ein friedliches, neues Zuhause zu finden. Zahlreiche Menschen helfen in unterschiedlichen Formen, sammeln Gelder und initiieren bewundernswerte Projekte. Eines davon möchte ich euch heute vorstellen, das andere kommt am Sonntag. Projekte, die von Mut zeugen und die mich beeindrucken.

Beginnen möchte ich mit einem köstlichen Essen, das ich heute genießen durfte. Das Rezept für die Karotten-Süßkartoffel-Suppe habe ich aus dem Buch »Suppen für Syrien« – ein Projekt von Barbara Abdeni Massaad, das uns dank des Dumont Buchverlags und Rafik Schami nun auch im deutschsprachigen Raum erreicht. Den Erlös des Buchverkaufs spendet der Verlag an die Flüchtlingshilfe Schams e.V., einem Verein zur Förderung von syrischen Kindern und Jugendlichen in der Türkei, in Jordanien und im Libanon. Initiiert wurde der Verein im Jahre 2012 von dem Schriftsteller Rafik Schami und dem Tübinger Verleger Hans Schiler, nachdem deren »Bemühungen gescheitert waren, europäische Politiker davon zu überzeugen, in den Aufnahmeländern um Syrien herum direkt und großzügig zu helfen.« So steht es in dem schönen und informativen Vorwort Rafik Schamis, das sich mit der Überschrift »Eine Suppe tröstet« schmückt.

Die ursprüngliche Idee zu dem Projekt entstand in London, als der amerikanische Verleger Michel Moushabek und seine Autorin Barbara Abdeni Massaad über Flüchtlinge sprachen. Die Autorin ist mit ihren Kochbüchern und Fotografien sehr erfolgreich und lebt im Libanon. In der Nähe ihrer Beiruter Wohnung befindet sich ein Flüchtlingslager, das sie mit ihrem Freund besuchte und viele verschiedene Gemüsesorten, Töpfe und Kräuter mitbrachte. Sie kochte mit den Flüchtlingen und machte Fotos von ihnen. So wurde die Idee geboren, gemeinsam mit Freunden ein Suppen-Kochbuch zu gestalten. Viele Starköche konnten für das Projekt gewonnen werden, das in verschiedenen Ländern erschienen ist. »Eine Suppe ist etwas Elementares. Und sie ist immer von Nutzen, auch wenn die Welt um uns versagt.« sagt der bekannte Koch und Autor Anthony Bourdain. Als Michel Moushabek auf der Frankfurter Buchmesse 2015 Rafik Schami von dem Projekt berichtete, war er sofort von der Idee begeistert. Und fand, dass es so ein Kochbuch auch auf Deutsch geben müsste. Zunächst bekam Rafik Schami einige Absagen, doch der Autor ließ sich nicht entmutigen und erinnerte sich an die weisen Worte seines Vater: »Wirf eine Handvoll Lehm gegen eine weiße Wand, entweder bleibt er hängen oder er hinterlässt Spuren. Wenn du aufgibst, bleibt die Wand mit Sicherheit weiß.« Aber sie blieb nicht weiß, denn der Dumont Buchverlag interessierte sich für das Projekt und beschloss sogar, das Buch neuzugestalten.

Das Kochbuch enthält eine Vielzahl von Rezepten, insgesamt 80 sind es, von bekannten Köchen aus aller Welt zusammengestellt. Kaum habe ich das Buch aus der Folie befreit, strömt mir ein herrlicher Papiergeruch entgegen. Mit dem Duft lese ich mich durch Rafik Schamis persönlichen Worte, die eine zauberhafte Geschichte der Gastfreundschaft aus der arabischen Kultur erzählen. Sie ist ganz oben auf der Liste der arabischen Werte und Tugenden verankert. Bevor ich ins reichhaltige Meer der Suppenküche eintauche, begrüßen mich die vier klassischen Brühen, wie wir sie alle kennen: die Rinder-, Hühner-, Fisch- und Gemüsebrühe.

Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis führt den Gaumen an die richtige Stelle. Ist mir heute nach Bohnen? Dann werde ich ab Seite 30 fündig. Leckere Tomatensuppen finde ich ab Seite 174. Die Rezepte variieren – von ganz einfach bis zu etwas anspruchsvoller, vegetarisch oder mit Fleisch, deftig oder sommerleicht. Für die Suppen benötigt man meist nur wenige Zutaten wie für die meinige. Da sind nur Butter, Zwiebeln, Süßkartoffeln, Karotten, Cumin, Hühner- oder Gemüsebrühe, Sahne, Salz und frisch gemahlener Pfeffer vonnöten. Die Aufmachung ist schlicht und die Anleitung leicht umzusetzen.

Am Ende schließt sich eine berührende Bilderreihe mit Portäts von Flüchtlingen an. Das Buch ist also vieles in allem: Ein wunderbarer Seelentröster, eine wertvolle Spende und ein praktischer Alltagsfreund.

Barbara Abdeni Massaad (Hrsg), Rafik Schami: Suppen für Syrien, 224 Seiten, 115 farbige Abbildungen, 34,- €. Der Erlös geht direkt an Schams e.V. Mehr über den Verein erfahrt hier bei schams.org. Jetzt direkt und portofrei bei Hugendubel.de bestellen.

Hier noch ein besonderer Hinweis: Auf Facebook gibt’s eine eigene Fanpage zum Buch.

Auf boersenblatt.net könnt ihr ein Interview zum Buchprojekt »Suppen für Syrien« mit der Vertriebs- und Marketingleiterin des Dumont Buchverlags nachlesen.

Auch mein Bloggerkollege Kaffeehaussitzer ist ebenso begeistert. Seinen Blick ins Buch wie auch schöne Impressionen zur Buchpremiere könnt ihr auf dem Blog nachlesen.

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4 Gedanken zu “Eine warme Suppe hilft immer.

  1. Stimmt schon, ein Süppchen wärmt Herz und Magen…ich habe so einige Lieblingsrezepte in diesem Bereich. Und wenn ich nicht nur mir selbst, sondern ein klein wenig auch Anderen damit helfen kann, um so besser! Ich bin dabei!

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  2. Eine wunderbare Idee!!! Werde das Buch kaufen und auch verschenken.
    Dieser Blog ist übrigens der beste seit langem, danke immer wieder für die tollen Buchbesprechungen.

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