Talking about Niederlande & Flandern mit Jörg Sundermeier.

autorenfoto_jo%cc%88rg_sundermeier_copyright_nane_diehl_klFoto: © Nane Diehl

Heute begrüße ich Jörg Sundermeier,  Verleger des Verbrecher Verlags und Vorstandsmitglied der Kurt-Wolff-Stiftung. Bevor wir ins Gespräch einsteigen, möchte ich dem Berliner zum K.-H. Zillmer-Verlegerpreis gratulieren, den er vergangene Woche entgegengenommen hat. Chapeau, Chapeau! Der Mitinitiator der 2009 gegründeten »Hotlist« hat sich Zeit für meine Neugier genommen. So wollte ich mehr über den in den Niederlanden sehr erfolgreichen Romanzyklus »Das Büro« von J.J. Voskuils erfahren.

CoverKlappentexterin: Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erscheint bei euch der erste Band (»Direktor Beerta«) von J.J. Voskuils siebenbändigem Romanzyklus »Das Büro«. Wie seid ihr auf den Autor und sein Werk gestoßen, das in den Niederlanden mit über 400.000 verkauften Exemplaren ein Riesenerfolg ist?
Jörg Sundermeier: Der Übersetzer Gerd Busse schrieb uns an, nachdem er erfahren hatte, dass C.H.Beck, die den ersten Band 2012 veröffentlicht haben, den zweiten Band nicht mehr bringen würde – er suchte Verrückte, er hat sie gefunden. Es war ein glücklicher Zufall. Die Leute von C.H.Beck haben uns dann sehr unterstützt, der Amsterdamer Originalverlag war froh, es ging weiter. Und langsam ist »Das Büro« als Kultroman auch in Deutschland bekannt. Wir sind nun sehr glücklich, dass wir in diesem Jahr – passend zum Gastland der Buchmesse – neben dem 5.Band des Romanzyklus endlich auch den ersten Band dieses niederländischen Klassikers in unserer Edition anbieten können!

Wie erklärt ihr euch den Erfolg der Reihe? Sind es ganz besondere Geschichten? Schließlich sorgen die Bücher in Amsterdam bei Erscheinen regelmäßig für Schlangen vor den Buchläden.
Das Buch beschriebt ja lediglich das Büro- und das Eheleben seines Protagonisten, auf über 5000 Seiten. Doch Voskuil hat es geschafft, dass es nie langweilig wird, weil er so hochkomisch schreibt, und weil er seine Leserinnen und Leser sehr geschickt in Bann hält – »Das Büro« funktioniert wie eine HBO-Serie! In den Niederlanden sind inzwischen Sätze aus dem Buch zu so etwas wie Sprichtwörtern geworden.

Der Autor ist 2008 verstorben. Wie werdet ihr das Buch auf der Buchmesse präsentieren?
Der Übersetzer Gerd Busse wird das Buch auf der Messe vorstellen.

Layout 1Neben J.J. Voskuil habt ihr 2016 auch den Niederländer Detlev van Heest im Verlagsprogramm. In seinem Roman »Junglaub. Jahre in Japan« schreibt der Journalist und Schriftsteller über das Leben im Tokioter Vorort Junglaub. Als Japanfreundin bereitet mir die Lektüre allergrößtes Vergnügen. Aber eine Sache stört mich: die Übersetzung der Namen. So tümmeln sich dort suspekt klingende Namen wie Lüttgrube, Schwachstrom und Schattenberg. War es der Wunsch des Autors?
Es freut mich, dass das Buch gefällt, mir gefällt es auch sehr. Die Namen sind so, damit die Leute anonymisiert bleiben, zugleich zeigen sie auch die verspielte Seite von van Heest. Thomas Mann hat ja auch Namen wie „Else Schweigestill“ in seinen Büchern verwendet, van Heest befindet sich da also in bester Gesellschaft. Und für die deutsche Übersetzung hat sich van Heest, der gut Deutsch spricht, auch extra neue Namen ausgedacht.

ka%cc%88seWelches flämische oder niederländische Buch empfiehlt uns der Verleger vom Verbrecher Verlag?
Ich empfehle nachdrücklich einen Klassiker, „Käse von Willem Elsschot, ein großes Vergnügen.

***

Die Klappentexterin dankt herzlich für das Interview und wünscht dem Verbrecher Verlag eine schöne und spannende Frankfurter Buchmesse 2016!

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6 Gedanken zu “Talking about Niederlande & Flandern mit Jörg Sundermeier.

  1. Ich lese ja gerade Gerbrand Bakkers „Jasper und sein Knecht“ und darin beschreibt Bakker auch auf vielen Seiten seine Begeisterung für den siebenbändigen Roman, den er auch schon mehrfach gelesen hat. Und Exemplare der deutschen Ausgabe bekommt er vom Verbrecher Verlag auch noch zugeschickt. Da bin ich nun ja auch sehr neugierig. Und „Büros“ ziehen mich ja sowieso mahgisch an :-).
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Liebe Claudia,

      na, das nenne ich einen tollen Zufall! Du hast Gerbrand Bakkers Buch in der Zwischenzeit sicherlich beendet… und liest vielleicht schon „Das Büro“? 😉 Bemerkenswert, dass Bakkers den Romanzyklus bereits mehrfach gelesen hat. Wo es ja nicht wenige Seiten sind.

      Viele Grüße

      Klappentexterin

      Gefällt 1 Person

      1. Bakker habe ich wirklich schon seit Wochen beendet. Und habe auch geschmunzelt – und gleich mal auf die Verlagshomepage geblinzelt -, dass Bakker „Das Büro“ schon so oft und mit so viel Gewinn gelesen hat. Aber ich stecker gerade in einer tiefen Lese- und Bloggenkrise, denn es gibt so viel andere Arbeit, dass ich gerade noch Zeit habe, mit den Hunden um den Block zu ziehen – und das war es dann. Da ist an „Das Büro“ gar nicht zu denken, aber neugierig bin ich nach Bakkers Einschätzungen sehr. Ein schönes Wochenende – für Dich schon mit Weihnachtsstress?, Claudia

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