Talking about Niederlande & Flandern mit Daniel Beskos.

mairisch_in_utrechtZum Auftakt meines Buchmesse-Spezials begrüße ich den mairisch Verleger Daniel Beskos. Der unabhängige Hamburger Verlag hat im Februar seinen Verlagssitz für vier Wochen nach Amsterdam verlegt. Auf ihrem Verlagsblog haben uns die mairischler an dem Projekt mit spannenden und sehr lesenswerten Beiträgen aus der Literaturszene unserer europäischen Nachbarn teilhaben lassen. Wer die Texte noch nicht gelesen hat, dem empfehle ich sie sehr. Ihr könnt sie jederzeit hier einsehen. Aber ich wollte natürlich mehr über die Aktion erfahren und habe nachgefragt.

Klappentexterin: Im Februar dieses Jahres hieß es bei euch: mairisch goes Amsterdam. Einen Monat lang wart ihr in Amsterdam. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Daniel Beskos: Das hat sich aus verschiedenen Gedanken zusammengebaut: Zum einen wollten wir gerne vermehrt Kontakte im europäischen Ausland knüpfen, sowas hatten wir bislang kaum. Uns interessiert einfach, welche Bücher und Themen in den anderen Ländern so angesagt sind, und natürlich würden wir auch gerne mehr Übersetzungslizenzen unserer eigenen Autoren verkaufen. Zum anderen hat man ja immer latentes Fernweh, und alle sprechen außerdem davon, dass man heute im Grunde fast von überall aus arbeiten kann. Als dann unser Autor Stevan Paul von einer Japan-Reise zurückkam, wo er ein dänisches (!) Restaurant besucht hat, das seinen Sitz für mehrere Monate nach Japan verlegt hatte und damit weltweit Aufsehen erregt hat, war unsere Idee klar: Wir verlegen den mairisch Verlag mal für einen Monat ins Ausland. Da bot sich Amsterdam dieses Jahr natürlich an, als Gastland der Buchmesse.

amsterdam_mairisch

Auf eurem Verlagsblog konnte man euch in dieser Zeit begleiten. Neben schönen Fotos und Beiträgen habt ihr uns mit interessanten Interviews aus die Literaturwelt unserer Nachbarn bestens informiert und unterhalten. An welche Begegnung erinnerst du dich besonders gern?
Das waren eigentlich alles sehr sehr nette Menschen, die wir da getroffen haben. Die niederländische Literaturszene ist offenbar also nicht nur gut, sondern auch noch nett. Verleger, Agenturen und Buchhändler haben uns ihre Räume gezeigt, mit Autoren und Kritikern haben wir diverse Cafés und Kneipen kennengelernt: Das waren wirklich durchweg spannende Treffen, bei denen wir auch viel gelernt haben. Nicht zuletzt auch über die Unterschiede zu Deutschland: In Sachen Buchmarkt, aber auch in Sachen Essen, Trinken, Radfahren, Leben.

magAus den Niederlanden habt ihr uns ein schönes Geschenk mitgebracht: DAS MAG, The Best of. Das Literaturmagazin erscheint seit 2011 vierteljährlich in den Niederlanden. Ihr habt erstmalig eine deutsche Ausgabe publiziert und nicht nur das. Auch das erfolgreiche Leseclubfestival im Juni ist ein Teil davon. Wie ist die Kooperation entstanden?
Mein Mitverleger Peter Reichenbach war 2015 auf einer Verlegerreise nach Antwerpen eingeladen und hatte damals schon DAS MAG entdeckt. Wir haben dann irgendwann zu denen Kontakt aufgenommen und eine deutschsprachige Sonderausgabe vorgeschlagen. Lustigerweise hatten die diese Idee auch schon gehabt, aber noch nicht nach einem deutschen Verlag geschaut. Herausgeber Daniel van der Meer und ich haben uns dann mal in Berlin getroffen und schnell gemerkt, dass wir ähnlich ticken und gerne zusammenarbeiten wollen. Als DAS MAG dann ankündigten, ihr berühmtes Leseclubfestival auch mal in Deutschland zu veranstalten, waren wir ebenfalls gleich gerne mit im Boot.

Habt ihr mit dem großen Zuspruch für das Leseclubfestival gerechnet?
Wir hatten schon gehofft, dass es voll werden würde, die Plätze sind ja limitiert (auf ca. 20-25 Gäste pro Lesung). Zum Glück war es dann auch komplett ausverkauft. Das Format ist aber auch einfach super und in dieser Form als Festival in Deutschland bisher noch nicht dagewesen. An 12 verschiedenen Orten gibt es eben 12 Veranstaltungen mit je einer Autorin/einem Autor, wobei aber eben nicht aus dem Buch gelesen wird, sondern übers Buch gesprochen. lesefestival_mairischZur Auflockerung gab es erstmal ein Quiz zum Buch, für richtige Antworten bekam man einen Schnaps. Danach waren alle ein bisschen lockerer und es wurde gleich jede Menge zum Buch gefragt. Und anders als bei „normalen“ Lesungen waren die Fragen auch sehr viel ungewöhnlicher, denn alle Zuschauer hatten das Buch ja in den Wochen davor bekommen und bereits gelesen und gingen also richtig in die Tiefe. Ich war bei der Veranstaltung mit Arjen Lubach, der über seinen Amsterdam-Krimi „Der fünfte Brief“ (btb) sprach. Da ging es dann schnell ans Eingemachte, an Detailfragen (warum öffnet sie auf Seite XY die Tür und solche Sachen), aber auch nach der Rolle der Medien im Buch wurde gefragt, und über das Thema „Monarchie ja oder nein?“ und Arjens Position dazu diskutiert. Das hat schon viel Spaß gemacht (er ist halt auch ein erfahrener Entertainer in den Niederlanden – „Ich bin eine Art holländischer Jan Böhmermann, nur ohne den Stress“, sagt er von sich selbst). Bei den anderen 11 Veranstaltungen waren die Diskussionen, glaube ich, ähnlich angeregt. Und die gemeinsame Abschlussfeier war toll. 400 Literaturbegeisterte, die in der Berliner Sommerhitze dahinschmolzen.

Welches niederländische oder flämische Buch empfiehlst du?
konsequenzenGerade hab ich mit großem Vergnügen den wirklich intelligenten Roman „Die Konsequenzen“ von Niña Weijers gelesen, erschienen bei Suhrkamp. Und besonders freue ich mich, endlich ein Buch auf Deutsch lesen zu können, das unsere Kollegen von DAS MAG in ihrem neugegründeten Verlag veröffentlicht haben und das ein echter Überraschungserfolg geworden ist: Den Roman „Es schmilzt“ von Lize Spit, der in Flandern seit Monaten die Bestseller-Charts anführt. Sie hat eine Radikalität und einen Witz, das schätze ich sehr.

Fotos (4): © mairisch Verlag

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Die Klappentexterin dankt herzlich für das Interview und wünscht dem mairisch Verlag eine schöne, spannende Zeit auf der Frankfurter Buchmesse!

karenina-illustration

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2 Gedanken zu “Talking about Niederlande & Flandern mit Daniel Beskos.

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