Wenn ein Büchermensch auf Reisen geht.

IMG_4770Diese Frage ist fast genauso alt wie das Buch selbst: Welche Lektüre nehme ich mit in den Urlaub? Allein schon das Formulieren macht glücklich, aber ganz so leicht ist die Frage bei all der Freude dann doch nicht. Große Entscheidungen stehen bevor. Schon Wochen vor dem Abreisetag läuft der Büchermensch unruhig vor seinen Regalen auf und ab, nimmt dieses und jenes Buch heraus, liest hinein, schlägt es wieder zu und greift zum nächsten. Alles muss bis ins Kleinste überlegt sein. Sonst sitzt man am Ende enttäuscht im Zug, weil man doch lieber das andere Buch eingesteckt hätte. So entpuppt sich die Wahl der Urlaubslektüre als kleine, besondere Herausforderung. Wohl dem, der elektronisch liest, höre ich da jemanden aus dem Off rufen. Der hat’s hingegen wesentlich leichter. Wirklich?

Eigentlich gehöre ich seit geraumer Zeit nicht mehr zu der Gruppe der Menschen, die vor ihren Regalen sitzen und sich ihre Ferienlektüre heraussuchen. Ich bin nämlich glückliche Besitzerin eines tolinos und in dieser Beziehung total unabhängig. Mein elektronischer Lesefreund ist mir treu. War es bisher und wird es sicherlich auch weiterhin. Doch was, wenn er plötzlich im Urlaub versagt? Das gab es schon, jüngst bei einer Freundin. Kaum saß sie im Flieger funktionierte ihr eReader nicht mehr. Für solche Fälle muss man gut vorbereitet sein. Als Büchermensch ist man das ja. So hatte die Freundin natürlich ein Taschenbuch dabei. Und ich werde es ihr ebenfalls gleichtun. Noch stehe ich allerdings am Anfang und sitze wieder einmal vor meinen Regalen und frage mich: Welche Bücher nehme ich mit?

Die schönste aller Fragen macht mir seit Tagen das Leben schwer. So hüpfen gleich mehrere Faktoren als Kriterien in die große Arena der Entscheidung. Möchte ich Neuheiten lesen? Was ist mit den Backlisttiteln, die ich lange schon im Auge habe? Oder dieser Ausruf: Urlaub – endlich mal Zeit für einen Klassiker! Und dort blinzelt mir ein Buchgeschenk einer lieben Freundin entgegen. Ja, der Chor im Ohr ist laut und ich lausche gespannt dem Hintergrundrauschen, mal neugierig, mal erstaunt, mal leicht genervt. Nein, das möchte ich nun wirklich nicht, genervt sein. Und denke im nächsten Atemzug, Herrgott, da draußen gibt’s weit schlimmere Probleme als dieses hier. Und doch ist die Wahl der Urlaubslektüre eine äußerst wichtige Angelegenheit. Wohl auch deshalb, weil man am Urlaubsort nicht eben zum Regal marschieren und austauschen kann.

Es ist das Verbindliche, das der Wahl anhaftet und es derart kompliziert macht. Zudem ist es ja auch so, dass wir je nach Stimmung lesen. Heute fühle ich mich so und morgen so. Weiß ich denn heute schon, wie ich mich in meinem Urlaub fühle? Möchte ich dann die Leichtigkeit des Windes zwischen den Buchdeckeln erlesen? Oder lieber die Melancholie dunkler Tage?

IMG_3113Nun sitze ich ein bisschen erledigt von dem ganzen Herausgezupfe der Bücher aus den Regalen und dem Überlegen. Plötzlich fällt mein tolino ins Blickfeld, fast ist mir, als spräche er zu mir. Die Lösung ist zum Greifen nah. Klar, der eReader hat alle Genre und eBooks für jede Stimmung. Also kann ich mich tiefenentspannt zurücklehnen. Denn egal, wie ich mich entscheide, mein treuer Geselle wird stets die passende Lektüre für mich dabei haben. Sollte er versagen oder ich die mitgenommene Lektüre ausgelesen haben, kann ich mir ja immer noch ein Buch in dieser zauberhaften Buchhandlung vor Ort kaufen, in der ich ja eh jedes Jahr aufs Neue einkehre.

Wie ist das bei euch? Was nehmt ihr mit den Urlaub? Seid ihr da spontan? Oder geht ihr wohl überlegt an eure Auswahl heran?

 

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26 Gedanken zu “Wenn ein Büchermensch auf Reisen geht.

  1. Schön geschriebener Text – man leidet förmlich mit Dir. Ja, für den Urlaub sind die E-Books ein Segen! Ich war mal vor ein paar Jahren drei Monate in Paraguay uns kaufte extra dafür diese Gerätschaft, gegen die ich mich so lange gesträubt hatte. Und war natürlich dankbar ohne Ende: Als Vielleser hätt‘ ich für so eine lange Zeit ja einen Extrakoffer nur für Bücher mitschleppen müssen 🙂
    Was Deine Frage angeht: Die Mischung machts. Ich greife mir die paar mich interessierenden Neuerscheinungen, ein paar Klassiker, die ich immer schon mal …, ein Gedichtband und dann einfach was mir in die Finger fällt. Liebe Grüße!

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    1. Lieben Dank für deinen schönen Kommentar! Oh ja, die eBooks sind eine wundervolle Erfindung, vor allem bei so weiten Reisen. Weil ich zwischendurch auch mal den Papiergeruch, das geräuschvolle Umblättern brauche, müssen eins, zwei Bücher in die Tasche. Deine Mischung gefällt mir sehr.

      Liebe Grüße
      Klappentexterin

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  2. Ich musste laut lachen! Ich nehme auch e-Reader und Bucher uberall mit. Man kann ja nie wissen… Und dann packe ich ein, packe um, Meinunganderung, usw. Dabei packe ich ein Koffer mit Kleider/Schuhe in 30 Minuten (hochstens). Bucher, allerdings: da kann es 2-3 Wochen dauern.

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  3. Ich habe zur Zeit genau das gleiche Problem. In wenigen Wochen geht es in Urlaub. Der Ereader kommt auf jeden Fall mit, aber das gedruckte Wort darf auch nicht fehlen. Ich bin ebenfalls noch sehr untenschlossen. Ich wünsche dir eine gute Reise und viel Freude beim Lesen.
    Liebe Grüße
    Stephie

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    1. Liebe Stephanie,

      das beruhigt ungemein, wenn ich lese, dass es anderen genauso geht wie mir. Unsere Bücher können sich wirklich glücklich schätzen, was? Mit wieviel Aufmerksamkeit wir sie gerade in dieser Zeit begegnen. 😉 Wenn es bei dir soweit ist, wünsche ich dir mit einen wunderbaren Urlaub und ebenfalls allerfeinste Lesestunden!

      Herzlichst

      Klappentexterin

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  4. Toller Beitrag! Danke dafür.
    Ich bin auch ein Urlaubs-eBook-Junkie. Ich habe nur das Problem, dass ich manchmal am Titel nicht erkennen kann, um welches Genre es sich handelt. Denn, wie ihr schreibt, ich weiß von vorn hinein nicht, welches Genre mich im Urlaub anlacht. Ganz schön blöd, dass ich die Bücher auf dem Gerät nicht sortiere, ich weiß.

    Andererseits kaufe ich sehr oft Bücher an Flughäfen oder an Bahnhöfen. Das ist schon fast ein Wahn. Wenn ich also mit dem eReader nicht weite komme, lande ich dann doch im nächsten Buchladen. 🙂

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Urlaub!
    Loralee

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    1. Hallo Loralee,

      das stimmt, selten lese ich so viel auf dem eReader wie im Urlaub. Aber auch da brauche ich fürs Auge und für die Sinnlichkeit ab und an das gedruckte Buch. Du offenbar auch, wenn ich mir deinen Bericht anschaue. 😉

      Ich habe das Glück, dass ich nach Genre sortieren kann. Das erleichtert das Lesen ungemein.

      Sei herzlich gegrüßt

      Klappentexterin

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  5. Ich besitze zwar eine E-Reader, kann mich mit dem Ding aber nicht recht anfreunden. Ich packte also noch – altmodisch- eine Büchertasche. Was nahm ich mit? Es ist auch bei mir eine Mischung aus Spontaneität und Geplantheit. Michael Schneiders „Zwei Leben“ stand auf der inneren Leseliste ganz oben, erwies sich aber als ziemlicher Reinfall, so dass ich die Lektüre nach rund 100 Seiten abbrach. Als nächstes, und darüber lese ich noch, der „Thriller“, so wird er zumindest angepriesen, von J. Zander: Der Bruder. Bisher richtig gut! Dem wird dann schließlich der Klassiker folgen, auf dessen Wiederlesen ich mich richtig freue: Theodor Fontanes „Unwiederbringlich“. Und dann gibt es hier auch noch sehr viel schöne ‚Gegend‘, die ich mir natürlich auch anschauen möchte.

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    1. Lieber Peter,

      ein sporadischer eReader-Leser also. Schade, dass es zwischen euch beiden noch nicht gefruchtet hat. Dennoch kann ich total nachempfinden, was du meinst. Nicht umsonst brauche auch ich echte Bücher in der Urlaubstasche. »Der Bruder« hat mich ebenfalls begeistert. Ein elegant und spannend geschriebener Krimi, der brandaktuell ist. Der Klassiker im Reisegepäck gefällt mir sehr!

      Viele Grüße

      Klappentexterin

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  6. Auf dem Ipad schreiben, bringt mich manchmal an meine Grenzen. Irrtümlich mit dem Finger über den Bildschirm gewischt, und schon ist der Kommentar weg. Denn für deinen schönen Artikel wollte ich mich schon noch bedanken. Das reiche ich hiermit also nach.
    LIebe Grüße
    Peter

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  7. Wie schön, hier auf deinem Blog von dir zu hören! Und gleich mal vorab: einen schönen Urlaub!
    Ich denke auch, mit dem richtigen Mix ist man bestens beraten. Ich reise nie ohne gedrucktes Buch, hab den eReader aber als Reserve immer dabei. Klassiker oder Backlisttitel lese auch ich am liebsten im Urlaub. Viel Spaß also!

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    1. Liebe masuko,

      hab allerliebsten Dank! Genau, der richtige Mix macht’s. Wenn die Auswahl da nur nicht so eine große wäre. 😉 Gestern dachte ich: Jetzt hab ich’s! Und heute Morgen sah’s schon wieder anders aus. Das ist wie ein kleiner, spannender Krimi.

      Schöne Grüße

      Klappentexterin

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  8. Die Buchhändlerin des Vertrauens wird in die Planung einbezogen. Da gibt es dann manchmal etwas Unerwartetes, ein geheimnisvoller Fremder reist mit, das mag ich. Überhaupt gilt für den Urlaub: Nur Bücher, auf die ich Lust habe, keine Pflichtlektüren, nichts, nur weil es schon länger wartet.

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  9. Sehr schön beschrieben, man konnte sich so gut in deine „weltbewegende Situation“ hineinversetzen. 😀
    Mmh, vor ein paar Monaten noch war ich absolut kein Fan von meinem E-reader. Mittlerweile gehört er auf Reisen oder Ausflüge stets dazu, eben damit ich mehr Freiheit habe und nicht so viel schleppen muss 🙂
    Lieben Gruß, Giv

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    1. Liebe Giv,

      das ist schön! Wenn man Verbündete hat, fühlt sich die Misere schon deutlich leichter an. 😉

      Freut mich, dass du eine gute Lösung mit deinem eReader gefunden hast – quasi unser großer Rettungsanker in dem Fragenkarussell.

      Liebe Grüße

      Klappentexterin

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  10. In Urlaub geht unsereins nicht, aber das Lesen setzt sich fort. Vor Stifters Hochwald ist Dichtung und Wahrheit zu beenden. Und auf Papier liegen Handkes Bleistiftgeschichte und Brinkmanns Erkundungen auf Halde – oder wie euereins sagt: aufm SUB.

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  11. Also bei mir läuft’s so, jedes Mal. Drei bis vier Bücher werden eingepackt. Eins davon wird gelesen, ein zweites allenfalls angelesen. Aber spätestens am dritten Urlaubstag habe ich es geschafft, mir irgendwie neue Bücher zu kaufen. Selbst im Auslandfinde ich mit sicherem Instinkt eine passende Buchhandlung. Es ist verhext, wie ein Fluch, der auf mir lastet. Eine Er-Reader würde daran rein gar nix ändern. lg_jochen

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  12. Ich nehme mir gern etwas leichtere Lektüre in den Urlaub mit, einen Krimi oder einen historischen Roman – und dann komme ich vor lauter Schauen, Staunen, Touren ausarbeiten, Bilder bearbeiten, Träumen, und müde von den Aktivitäten sein so gut wie gar nicht zum Lesen. 😉

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  13. Immer ein Gedichtband und etwas Packendes zum Ausstieg aus dem Alltag. Ansonsten ist es eine besondere Feier, am Flughafen oder der Bahnhofsbuchhandlung herumzustöbern und endlich mal in Ruhe einen Spontankauf zu tätigen, der dann auch meist exakt der aktuellen Laune entspringt und somit zum Urlaub passt.

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  14. Du sprichst mir direkt aus dem Herzen. Auch mir geht es jedes Mal so wenn ich in den Urlaub fahre. Einen E-Reader habe ich noch nicht, da mir Bücher so sehr am Herzen liegen. Das Gefühl eines Buches, der Geruch. Aber ich stehe auch immer vor meiner riesigen Bücherwand und überlege was ich mit nehmen soll. Wie du schon sagst, auf die Stimmung kommt es an. Deshalb ist meine Büchertasche sehr groß.
    Ich wünsche Dir einen superschönen Urlaub und beste Erholung.
    Liebe Grüße
    lesesilly

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  15. Ja es gibt wichtigere Probleme, aber dann wär wahrscheinlich nicht so ein schöner Artikel herausgekommen, der ohnehin schon alle Fragen beantwortet.
    Am einfachsten ist es mit dem Reader, wenn man den nicht hat oder nicht will, am besten die ersten drei bis fünf SUBs oder Rezensionsexemplare aus dem Regal geholt, man kann auch das Schicksal entscheiden lassen und sich mit dem Rücken zur Wand stellen und wenn man nicht gerade in ein Land fährt, wo Deutsch gänzlich unbekannt ist und man auch nicht Englisch liest, kann man auch nachkaufen….
    Ich nehm seit einigen Jahren in den Urlaub Bücher von Autoren von dort mit, also habe ich heuer nach kroatischen Autoren gesucht, was auch nicht so einfach war, die erst zu finden, weil sich die meisten die mir eingefallen sind, als Slowenen entpuppten, dann habe ich aber ein paar Bücher von Marica Bodrozichttps://literaturgefluester.wordpress.com/2016/06/11/tito-ist-tot/ und Jagoda Marinic https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/06/06/eigentlich-ein-heiratsantrag/ mitgenommen und Doderers „Wasserfälle von Slunj“https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/05/25/die-wasserfaelle-von-slunj/ schon vorher gelesen.

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