Kirsten Fuchs über den Wald.

IMG_4027-1© Paul Bokowski

Kirsten Fuchs wurde 1977 in Karl-Marx-Stadt geboren. Sie ist eine der wichtigsten Stimmen in der Berliner Lesebühnenszene. 2003 gewann sie den Open Mike. Seitdem hat sie einen festen Platz in der jüngeren deutschen Literatur. 2005 erschien ihr vielgelobtes Debüt »Die Titanic und Herr Berg«, 2008 folgte der Roman »Heile, heile«. Weiterhin erschien »Nicht der Süden«, »Eine Frau spürt sowas nicht«, »Kaum macht man mal was falsch, ist das auch wieder nicht richtig« und aktuell »Mädchenmeute«.

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Klappentexterin: Was fasziniert dich am Wald?
Kirsten Fuchs: Der Wald ist eine Landschaft, in die du in Gänze hineingehen kannst. An oder in einem Meer schaut der Kopf noch oben raus, auf Bergen ist man obenauf. Der Wald versteckt dich und umgibt dich und dieses Versteckspiel gefällt mir, weil der Wald nicht nur dich versteckt, sondern er versteckt auch die Autos und Straßen und Orte und so kannst du dort sein, wo du sonst nicht bist: auf radikale Art weg, verborgen und nur mit wenigen Hinweisen auf Zeit und Ort. Außerdem ist der Wald vielfältig, abwechslungsreich, dunkel, überraschend und es duftet. Mich beleben dieses tausend Entdeckungen und die Nähe zu den Tieren, die dich sehen, aber du sie nicht.

Welchen Wald kannst du um Berlin herum empfehlen?
Ich habe keinen Geheimtipp. Ich gehe oft in den Wald bei meiner Mutter und dort schnüre ich die immer selben Wege ab und drehe meine Runde. Ich kann eigentlich jeden Wald empfehlen und jedes Feld und jeden See. Wer das genießen kann, der wird da auch froh sein. Wer das nicht genießen kann, dem empfehle ich nicht hinzugehen. Das bringt ja nichts.

Hast du selbst schon mal für eine gewisse Zeit im Wald gelebt?
Ich war immer mal wieder auf Waldcampingplätzen. Das kommt der Sache recht nahe.

Was hat dich zum Wald geführt, in dem »Mädchenmeute« spielt?
Ich brauchte einen Wald mit Löchern, Stollen, Geschichte und Geheimnissen. Das Erzgebirge schien mir perfekt. In meinen vagen Erinnerungen an diese Gegend tummelten sich diese Schnitzereien und finsteren Gestalten aus den Sagen. Die kleinen verwinkelten Orte. Als ich zur Recherche hinfuhr, überraschte mich der Wald mit seiner verlotterten Wildheit, die von allen menschlichen Spuren Besitz ergriffen hat. Der Gegensatz von der exzessiven Waldnutzung durch Wanderer und Bergbau und diesem wilden Wuchern, umgekippt, verschüttet, weggerutscht, keine hundert Meter davon entfernt, der kribbelte mir richtig unter der Kopfhaut.

Wie hast du zu den sieben unterschiedlichen Mädchen gefunden?
Es waren erst zwölf, die ich mir gebaut habe, um zu testen, was für Mädchen möglich wären. Das war eine wunderbare Schöpfungsarbeit. Ich habe so wie wenn der Wald alles zuwuchert einfach losgelegt und gewuchert. Dann habe ich einige Mädchen zusammengelegt und nur die sieben behalten, die wirklich nötig waren, um diese Geschichte zu erzählen und eine Gruppenstruktur anzulegen, die sich bewegen kann. Sie sind alle in ihren Gegensätzen und Aufgaben nötig und das war ein gutes Gefühl. Keine Figur zu haben, bei der ich nicht recht wusste, was ich sie tun oder sagen lassen soll.

Und die Hunde? Waren die von Anfang Teil deines Drehbuches?
Ja, die Hunde waren die dritte Säule meiner Vision. Ich wollte Mädchen im Wald mit Hunden. Sie sollten selbst eine Struktur schaffen müssen, in einem wertfreien Raum und dabei direkt Zwängen wie der Verantwortung für die Hunde unterlegen. Es ist ein Zweiwochenerwachsenenkurs.

Dein Roman ist bei Rowohlt Berlin erschienen, nicht bei Rotfuchs – dem Kinder- und Jugendprogramm bei Rowohlt. Hast du dein Buch nicht als Jugendbuch angelegt?
Dochneinweißnicht, ursprünglich ja. Ich verstehe den Buchmarkt nicht. Es stecken seltsame Überlegungen dahinter, ob ein Buch ein Jugendbuch ist oder sein soll oder darf. Vielleicht ist es eins, vielleicht nicht. Dann müsste es ganz anders aussehen und in ganz anderen Regalen stehen. Es ist ein bisschen zwischen den Stühlen, so wie es jetzt ist. Meine Meinung dazu ist: »Mädchenmeute« ist prima für sehr junge Jugendliche ist und sehr gut für Erwachsene. Genau Jugendliche dazwischen haben andere Sehnsuchtsorte als Wald.

Du gehst ja bald wieder auf Reisen. Darfst du schon mehr dazu verraten?
Mein neues Projekt ist eine Weltreise mit meiner Tochter, bevor sie nächstes Jahr in die Schule kommt. Es wird dazu einen begleitenden Blog geben der heißt: „Bär mit Fensterplatz“. Da wird sich bald was tun. Dann soll es natürlich auch ein Buch geben. Wir waren jetzt erstmal in Finnland, fahren morgen nach Italien und dann folgen aber auch noch aufregendere Reiseziele wie Afrika, Australien, Kambotscha und so weiter.

Was machst du so, wenn du nicht gerade schreibst?
Im Moment Reisen planen.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Kirsten Fuchs weiterhin alles Gute sowie spannende Reisemomente!

Wer noch mehr über Kirsten Fuchs erfahren möchte, wird auf ihrer Homepage fündig.

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